Dr.Gunter Bleibohm: Geplantes Chaos (2)

Folgerungen

Die geschilderten Rahmenbedingungen setzen sich aus zahlreichen Einzelkomponenten zusammen, die sowohl lokal als auch global vorhanden sein können und zum überwiegenden Teil inzwischen irreversibel und nicht mehr zu ändern sind.

Das Zusammenwirken dieser Einzelkrisen, die sich meist synergistisch verstärken und aufschaukeln, führt aktuell zu einer Meta- oder Megakrise für den Planeten Erde, welche in ihrer Dimension, in ihrer Wirkung und in ihrer Entwicklungs- und Veränderungsgeschwindigkeit sowohl jegliche historische Größenordnung sprengt, als auch die Handlungsmöglichkeit eines einzelnen Landes übersteigt.

Ein Kollabieren der meisten Einzelsysteme in dem überschaubaren Zeitraum dieses Jahrhunderts ist wahrscheinlich, aber möglicherweise noch partiell korrigibel. Ein Systemzusammenbruch auf Metaebene führt allerdings zu chaotischen Prozessen, welche die Überlebensfähigkeit a l l e r Lebewesen des Planeten gefährdet, wenn nicht gar unmöglich macht.

Betrachtet man vorstehend geschildertes Szenario der Einzelkrisen in seiner Gesamtheit, lässt sich die Situation des Planeten mit zwei Zügen vergleichen, die auf dem gleichen Gleis einander entgegenrasen. Der eine Zug repräsentiert das Wachstum der menschlichen Bevölkerung, der andere Zug den Ressourcenrückgang, die Vernichtung von Wald, Ackerland und Meer, kurzum die anthropogene Vernichtung der umgebenden Natur. „Indem die Natur den Menschen zuließ, hat sie vielmehr als einen Rechenfehler begangen: ein Attentat auf sich selbst“ schreibt der Philosoph Cioran – der Mensch, der Amokläufer der Evolution.

Die endliche Welt ist in ihrer Tragfähigkeit von menschlichen Lebewesen naturgemäß begrenzt, denn so wie man in eine Badewanne nicht beliebig viel Wasser einfüllen kann, genau so wenig kann die Erde unbegrenztes Bevölkerungswachstum verkraften. Eine Ächtung von Geburten findet trotzdem weltweit nirgends statt.

Eine grundlegende zeitliche Verschiebung der geschilderten Situation wäre nur über einen konsequenten u n d weltweiten Antinatalismus, also über die Umsetzung der lebensachtenden Ethik der Nachkommenslosigkeit, gepaart mit einer stringenten Hinwendung zur Vernunft und der Ächtung jeglicher Gottesidee, zu erreichen. Diese Forderung ist jedoch nicht realisierbar, somit sind die letzten Bremsklötze gefallen, die den Absturz alles Lebenden ins apokalyptische Chaos auf diesem Planeten verhindert hätten.

(Nächsten Sonntag: Dr. G. Bleibohm über den rapide anschwellenden Zustrom unterschiedlichster Kulturen in unsere einheimische Bevölkerung)

Traktat über die drei Betrüger (3)

Kapitel II: Über die Ursachen, die die Menschen auf die Vorstellung eines unsichtbaren Wesen gebracht haben, das man üblicherweise Gott nennt.

§1

Menschen, die die natürlichen Ursachen nicht kennen, haben eine natürliche Furcht*; sie entspringt aus der Unruhe und der Ungewißheit, in der sie sich befinden, ob ein Wesen oder eine Macht existiert, die imstande ist, ihnen zu schaden oder sie zu beschützen. Daher neigen sie dazu, unsichtbare Ursachen zu erdichten, bloße Phantome ihrer Einbildungskraft, die sie um Hilfe bitten, wenn sie in Not sind, und preisen, wenn es ihnen gut geht. Schließlich schaffen sie sich ihre Götter.

Diese wahnhafte Furcht vor unsichtbaren Mächten ist die Quelle der Religionen, die von einem jeden auf seine Weise zurechtgemacht werden. Diejenigen, die ein Interesse an der Disziplinierung des Volkes durch solche Hirngespinste hatten, haben für den Fortbestand dieses Keims der Religion gesorgt, aus ihm ein Gesetz gemacht und schließlich das Volk durch Androhung künftiger Schrecknisse zu blindem Gehorsam gezwungen.

„[…] und das übrige, das die Menschen auf der Erde und am Himmel erblicken, wenn sie oft mit furchtsamem Geist bangen und den Mut senken aus Furcht vor den Göttern und ihn deshalb tief zur Erde niederdrücken, weil die Unkenntnis der Ursachen sie zwingt, die Dinge der Welt mit der Herrschaft der Götter zu verknüpfen, und wo man die Ursache überhaupt nicht erkennen kann, da schreibt man sie den Göttern zu.“ Lukrez, De rerum natura VI, 49 ff. [50-57]

§2

Der Ursprung der Götter ist nun gefunden. Die Menschen glaubten, daß sie ihnen ähnelten und wie sie selbst alles um eines Zweckes willen tun. So bekennen und glauben sie alle einhellig, daß Gott alles nur um des Menschen willen geschaffen hat, und umgekehrt, daß der Mensch allein für Gott geschaffen wurde. Dieses Vorurteil ist allgemein verbreitet. Wenn man bedenkt, in welchem Maße es die Sitten und Überzeugungen der Menschen unvermeidlich beeinflussen mußte, kann man in ihm eindeutig den Anlaß dafür erkennen, daß die Menschen die falschen Vorstellungen von gut und böse, Verdienst und Schuld, Lob und Tadel, Ordnung und Unordnung, Schönheit und Häßlichkeit und dergleichen gebildet haben.

§3

Alle Menschen befinden sich, wie jeder weiß, bei ihrer Geburt in völliger Unwissenheit, und es ist ganz natürlich, daß sie suchen, was nützlich und vorteilhaft für sie ist. Dies führt erstens dazu, daß man glaubt, um frei zu sein, reiche es aus, daß man in sich wahrnimmt, daß man wollen und wünschen kann. Dabei kümmert man sich allerdings überhaupt nicht um die Ursachen, die das Wollen und Wünschen bewirken, denn man kennt sie nicht. Zweitens: Die Menschen tun nichts ohne Bezug auf ein Ziel, das sie allen anderen vorziehen, und so sind sie nur darauf aus, die Zweckursachen ihrer Handlungen zu erkennen. Danach, so bilden sie sich ein, haben sie keinen Grund mehr zu Besorgnis und Ungewißheit.

Da sie bei sich selbst und außerhalb ihrer zahlreiche Mittel zur Verwirklichung der Zwecke, die sie sich setzen, vorfinden, beispielsweise Augen zum Sehen, Ohren zum Hören, die Sonne, um ihnen Licht zu spenden, usw., zogen sie den Schluß, daß alle Dinge in der Natur für sie geschaffen worden seien und ihnen zur Nutzung und Verfügung bereitstünden. Weil sie aber wissen, daß nicht sie alle Dinge geschaffen haben, meinten sie guten Grund zu haben, sich ein höchstes Wesen, einen Schöpfer aller Dinge, vorzustellen. Kurz, sie dachten, alles, was ist, sei das Werk eines oder mehrerer Götter.

Da sie andererseits das Wesen der Götter, an die sie glaubten, nicht kannten, bildeten sie sich von ihnen ein Urteil gemäß ihrer eigenen Natur und stellten sich vor, diese hätten die gleichen Affekte wie sie selbst. Die Verschiedenheit der menschlichen Neigungen führt dazu, daß jeder seinen Gott nach seiner eigenen Gemütsverfassung verehrt, um sich seiner Wohltaten zu versichern und damit die ganze Natur seinen eigenen Wünschen dienstbar zu machen.

§4

Auf diese Weise wurde aus dem Vorurteil ein Aberglaube. Er ist so fest eingewurzelt, daß die primitivsten Menschen glauben, die Zweckursachen ergründen zu können, als wüßten sie völlig über sie bescheid. Statt klarzustellen, daß in der Natur nichts vergebens geschieht, glaubten sie, Gott und die Natur dächten wie die Menschen. Da man aus Erfahrung wußte, daß die Annehmlichkeiten des Lebens durch zahlreiche Unglücksfälle wie Gewitter, Erdbeben, Krankheiten, Hunger, Durst usw. beeinträchtigt werden, schrieb man alle diese Übel dem Zorn des Himmels zu und meinte, Gott sei über die Sünden der Menschen erzürnt.

Die Menschen waren aber außerstande, sich eine derartige Wahnvorstellung aus dem Kopf zu schlagen und angesichts täglicher Beispiele, die beweisen, daß gute und schlechte Menschen von Gütern und Übeln stets gleichermaßen betroffen sind, diese Vorurteile zu durchschauen. Dieser Irrtum kommt daher, daß es bequemer für sie war, in ihrer natürlichen Unwissenheit zu verharren, als ein seit so vielen Jahrhunderten eingewurzeltes Vorurteil abzulegen und etwas Wahrscheinliches an seine Stelle zu setzen.

§5

Dieses Vorurteil ließ sie auf ein anderes verfallen, nämlich zu glauben, daß die Ratschlüsse Gottes unbegreiflich seien und die Erkenntnis der Wahrheit deshalb die Kräfte des menschlichen Geistes übersteige. In diesem Irrtum wäre man noch heute befangen, hätten ihn die Mathematik, die Physik und andere Wissenschaften nicht beseitigt.

§6

Man braucht keine weitausgreifenden Überlegungen anzustellen, um zu zeigen, daß die Natur sich keinen Zweck setzt, und daß die Zweckursachen insgesamt bloß menschliche Erdichtungen sind. Es genügt der Nachweis, daß diese Lehrmeinung die Vollkommenheiten aufhebt, die man Gott zuschreibt. Das wollen wir nun zeigen.

Wenn Gottes Handeln – seinetwegen oder unseretwegen – auf einen Zweck gerichtet ist, dann begehrt er etwas, das er nicht hat, und man müßte einräumen, daß es einen Zeitpunkt gibt, an dem er einen erstrebten Gegenstand nicht besäße und ihn besitzen möchte. Dies hieße einen Gott annehmen, dem etwas fehlt. Um aber nichts zu übergehen, was die Argumentation der Gegenseite stützen könnte, sei beispielsweise einmal angenommen, daß ein Stein sich von einem Gebäude löst, auf jemanden herabfällt und ihn erschlägt. Unsere Ignoranten behaupten, daß dieser Stein zu dem Zweck herabgefallen sein müsse, diese Person zu erschlagen, und dieses Ereignis folglich nur habe eintreten können, weil Gott es gewollt habe. Antwortet man ihnen, daß der Fall des Steins zu dem Zeitpunkt, als der Unglückliche vorbeiging, durch den Wind verursacht war, werden sie sogleich fragen, warum er genau in dem Moment vorbeiging, als der Wind den Stein lockerte.

Antwortet man ihnen, daß er unterwegs zu einem Freund war, der ihn zum Essen eingeladen hatte, möchten sie wissen, warum der Freund ihn zu dieser und nicht zu einer anderen Zeit eingeladen hat. Sie werden eine Menge seltsamer Fragen stellen, um die Kette der Ursachen zurückzuverfolgen, damit allein Gottes Wille – das Asyl der Unwissenden – als erste Ursache für den Fall des Steines anerkannt wird. Der menschliche Körperbau versetzt sie ebenso in Erstaunen. Da ihnen die Ursachen der Wirkungen, die ihnen dermaßen wunderbar vorkommen, unbekannt sind, gelangen sie zu dem Schluß, daß es sich um eine übernatürliche Wirkung handelt, an der bekannte Ursachen nicht beteiligt sind. Wer sich vornimmt, die Dinge der Schöpfung von Grund auf zu erforschen und so, wie es sich für einen wahren Gelehrten gehört, nämlich ohne Rekurs auf die durch Unwissenheit bedingten Vorurteile, zu ihren natürlichen Ursachen vorzudringen, gilt deshalb als gottlos oder wird alsbald durch die Bosheit derer in Verruf gebracht, die das einfache Volk als Deuter der Natur und der Götter anerkennt. Diese Krämerseelen wissen nur zu gut, daß die Unwissenheit, aufgrund deren das Volk zum Staunen neigt, ihren Unterhalt sichert und ihr Ansehen erhält.

§7

Die Menschen waren also von der lächerlichen Meinung eingenommen, daß alles, was sie sehen, ihretwegen erschaffen worden sei, und machten es zu einem Bestandteil ihrer Religion, alles auf sich selbst zu beziehen und den Wert der Dinge nach dem Nutzen zu beurteilen, den sie aus ihnen ziehen. Darauf bildeten sie Begriffe, um die Natur der Dinge zu erklären und über gut und böse, Ordnung und Unordnung, warm und kalt, Schönheit und Häßlichkeit usw. zu urteilen; all dies ist aber in Wirklichkeit nicht das, was sie sich einbilden. Da sie es so im Bilden von Ideen zu regelrechter Meisterschaft gebracht hatten, schmeichelten sie sich, frei zu sein. Sie hielten sich für berechtigt, darüber zu entscheiden, was lobenswert oder tadelnswert, gut oder böse ist. Gut nannten sie, wovon sie einen Vorteil hatten und was zur Gottesverehrung gehört, schlecht dagegen, was zu beidem nicht paßt.

Da die Unwissenden zu keinem Urteil über irgendeinen Gegenstand fähig sind und eine Vorstellung von den Dingen nur mit Hilfe ihrer Einbildungskraft (die sie für Urteilsvermögen halten) gewinnen, sagen sie uns, daß man nichts in der Natur erkenne, und malen sich eine ganz besondere Naturordnung aus. Schließlich halten sie die Dinge für wohlgeordnet oder ungeordnet, je nach dem, ob sie leicht oder mühsam mit der Einbildungskraft fassen können, wenn sie durch die Sinne dargestellt werden. Da man es gern bei dem beläßt, was den Kopf am wenigsten anstrengt, glaubte man guten Grund zu haben, die Ordnung der Unordnung vorzuziehen, so als wäre Ordnung etwas anderes als eine bloße Wirkung der menschlichen Einbildungskraft. Wenn man also sagt, Gott habe alles geordnet geschaffen, kommt das der Behauptung gleich, daß Gott die Welt mit Rücksicht auf die menschliche Einbildungskraft so geschaffen hat, daß sie möglichst leicht durch sie begriffen werden kann, oder (was im Grunde genommen dasselbe ist) daß man den Zusammenhang und die Zwecke aller Dinge mit Gewißheit erkennt. Diese Behauptung ist so unsinnig, als daß sie eine ernsthafte Widerlegung verdiente.

§8

Die anderen Begriffe sind gleichfalls bloß Wirkungen ebendieser Einbildungskraft. Sie stehen für nichts Wirkliches, sondern sind verschiedene Affektionen oder Modi dieses Vermögens. Wenn beispielsweise die Bewegungen der Gegenstände, die mittels der Augen in den Nerven Eindrücke hinterlassen, den Sinnen angenehm sind, nennt man diese Gegenstände schön. Der Geruch ist angenehm oder unangenehm, der Geschmack süß oder bitter, was man berührt, hart oder weich, Klänge gefällig oder dissonant, je nach dem, wie die Gerüche, der Geschmack, oder die Klänge auf die Sinne einwirken. Diesen Vorstellungen entsprechend glauben manche Menschen, Gott erfreue sich am Wohlklang. Andere meinten, die Bewegungen der Himmelskörper ergäben ein harmonisches Konzert. Dies zeigt deutlich, daß jeder überzeugt ist, daß die Dinge so beschaffen sind, wie er sie sich ausmalt, und das heißt, daß die Welt ganz und gar in der Einbildung besteht. Kein Wunder, daß sich je kaum zwei Menschen finden, die einer Meinung sind, und das es sogar Menschen gibt, die stolz darauf sind, an allem zu zweifeln.

Denn obschon alle denselben menschlichen Körper haben und sich in vielen Hinsichten ähnlich sind, unterscheiden sie sich in vielen anderen Hinsichten. Dies hat zur Folge, daß das, was dem einen als gut erscheint, dem anderen schlecht vorkommt, und das, was dem einen gefällt, dem anderen mißfällt. Es ist nicht schwer, hieraus die Schlüsse zu ziehen: Die Meinungen unterscheiden sich aufgrund der jeweiligen Struktur des Körpers und der Verschiedenheit seiner Zusammensetzung. Das Denken hat hieran keinen Anteil. Schließlich sind diese Begriffe von den Dingen dieser Welt ausschließlich Wirkungen der Einbildungskraft.

§9

Es ist daher offenkundig, daß alle Gründe, von denen die Masse der Menschen zum Zweck der Naturerklärung gewöhnlich Gebrauch macht, bloße Formen der Einbildung sind, die ganz und gar nicht das beweisen, was diese beanspruchen. Diesen Vorstellungen gab man Namen, als existierten sie auch außerhalb voreingenommener Köpfe. Man müßte sie nicht existierende Wesen, sondern bloße Chimären nennen. Die Schlußfolgerungen, die sich auf diese Begriffe stützen, lassen sich ohne jede Mühe widerlegen. Ein Beispiel: Wenn es zuträfe, so sagt man uns, daß das Universum notwendig aus der göttlichen natur fließt bzw. folgt, woher kommen dann die Unvollkommenheiten und Mängel, die man in ihm antrifft?

Dieser Einwurf läßt sich leicht abfertigen. Über die Vollkommenheit oder Unvollkommenheit eines Dinges läßt sich nur urteilen, wenn man sein Wesen und seine Natur erkannt hat. Man unterläge einer sonderbaren Täuschung, wollte man annehmen, daß ein Ding mehr oder weniger vollkommen ist, je mehr es einem gefällt bzw. mißfällt oder der menschlichen Natur nützt bzw. schadet. Um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die fragen, warum Gott nicht alle Menschen gut und glücklich geschaffen hat, braucht man bloß festzustellen, daß alles notwendig ist und es nichts Unvollkommenes gibt, da alles aus der Notwendigkeit der Dinge entspringt.

§10

Dies vorausgesetzt, antworte ich auf die Frage nach dem Wesen Gottes, daß mit diesem Wort das allgemeine Sein bezeichnet wird, in dem, um es mit den Worten des Hl. Paulus zu sagen, wir leben, uns bewegen und sind. Nichts an diesem Begriff ist Gottes unwürdig; denn wenn alles Gott ist, entspringt alles notwendig aus seinem Wesen, und Gott muß notwendig dem gleichartig sein, das er in sich faßt. Es wäre nämlich unbegreiflich, wenn gänzlich materielle Gegenstände von einem nicht materiellen Sein erhalten würden und in ihm enthalten wären. Diese Auffassung ist nicht neu. Tertullian, einer der größten Gelehrten unter den Christen, vertrat gegen Apelles die Auffassung, daß es nichts Körperloses gibt, und bestand gegen Praxeas darauf, daß jede Substanz ein Körper ist*. Diese Auffassung ist gleichwohl auf den ersten vier ökumenischen, d.h. allgemeinen Konzilien nicht verdammt worden.

§11

Diese Vorstellungen sind klar, einfach und die einzigen, die ein klarer Verstand sich von Gott machen kann. Dennoch geben sich nur wenige mit einer solchen Einfachheit zufrieden. Das unkultivierte und an die schmeichelhaften Illusionen der Sinne gewöhnte Volk will einen Gott haben, der den irdischen Königen ähnlich ist. Durch den Prunk und den Glanz, der diese umgibt, wird es derart verblendet, daß es, wenn man ihm die Vorstellung eines Gottes, der seinen Königen ähnlich ist, nähme, aller Hoffnung beraubt wäre, nach dem Tod in den himmlischen Hofstaat aufgenommen zu werden und mit ihm dieselben Vergnügungen zu genießen wie an den irdischen Königshöfen. Man nehme dem Menschen den einzigen Trost, der ihn vor der Verzweiflung angesichts des Elends in diesem Leben bewahrt.

Man hält einen rächenden und gerechten Gott für nötig, der Strafen und Belohnungen verteilt. Man will einen Gott haben, der für alle menschlichen Affekte empfänglich ist, man verleiht ihm Füße, Hände, Augen und Ohren und besteht trotzdem darauf, daß ein solcher Gott keine materiellen Eigenschaften hat. Den Menschen hält man für sein Meisterwerk, ja sogar für sein Ebenbild, bestreitet aber, daß dieses Abbild seinem Urbild ähnlich sei. Schließlich nimmt der Gott, wie ihn das Volk sich heute vorstellt, ebenso viele Gestalten an wie der Jupiter der Heiden. Am seltsamsten aber ist, daß das Volk solche Vorstellungen mit umso größerer Verehrung annimmt, je widersprüchlicher und widervernünftiger sie sind; denn es glaubt hartnäckig den Worten der Propheten, obwohl diese Phantasten bloß so etwas waren wie die Auguren und Weissager bei den Heiden.

Man zieht die Bibel zu Rate, als gäben Gott und die Natur sich in ihr auf eine besondere Weise zu erkennen. Dies, obwohl dieses Buch nur ein Flickwerk aus Fetzen ist, die zu verschiedenen Zeiten zusammengeflickt, von verschiedenen Personen gesammelt und mit Genehmigung der Rabbinen veröffentlicht wurden, die die Entscheidung darüber, was [als kanonischer Text] anerkannt zu werden verdient oder verworfen werden muß, willkürlich trafen, und zwar je nach dem ob sie es mit dem mosaischen Gesetz vereinbar fanden oder nicht*. So böswillig und vernagelt sind die Menschen: Sie verbringen ihr Leben damit, anderen Schwierigkeiten zu bereiten, und bestehen auf der Anerkennung eines Buches, das fast so konfus wie der Koran Mohammeds, zudem unverständlich, dunkel und schlecht geschrieben und nur dazu geeignet ist, Spaltungen zu befördern.

Die Juden und Christen ziehen es vor, aus diesem unverständlichen Buch Rat zu holen, statt das Gesetz der Natur zu befolgen, das Gott, d.h. die Natur, insofern er das Prinzip aller Dinge ist, den Herzen der Menschen eingeschrieben hat. Alle anderen Gesetze sind bloß menschliche Erfindungen, reine Illusionen, die nicht von Dämonen oder bösen Geistern (denn die existieren nur in der Vorstellung), sondern durch die Politik der Fürsten und Priester ins Leben gerufen worden sind. Die einen wollten dadurch ihrer Autorität mehr Gewicht verleihen, die anderen wollten sich durch den vertrieb unzähliger Hirngespinste bereichern, die sie den Unwissenden teuer verkaufen.

Alle anderen Gesetze, die auf das des Moses folgten, ich meine die Gesetze der Christen, stützen sich lediglich auf die Bibel, deren Original unauffindbar ist, die übernatürliche und unmögliche Dinge zum Inhalt hat, in der von Lohn und Strafe für gute oder böse Handlungen die Rede ist, die aber (da man fürchtet, der Betrug könnte aufgedeckt werden) nur im Jenseits stattfinden sollen, aus dem noch niemand zurückgekehrt ist. So ist das Volk, indem es ständig zwischen Hoffnung und Furcht schwankt, in seine Pflicht genommen, da es meint, daß Gott die Menschen allein deshalb geschaffen hat, weil er sie ewig glücklich oder unglücklich machen wollte. Hieraus ist die Unzahl von Religionen entstanden.

Erschreckend: Die hohe Anzahl an Tieren die Jäger jährlich töten

Rebloggt von hubwen.wordpress.com

Von peta.de

Herbst und Winter sind die Jahreszeiten, in denen die Jagdsaison beginnt und verstärkt wieder die großen Drück- und Treibjagden stattfinden. Viele Tierarten haben lediglich eine kurze Schonzeit, meist im Frühling und Sommer, wenn die Tierkinder auf die Welt kommen. Die Zeit soll den Elterntieren dienen, um ihren Nachwuchs großzuziehen.

Leider sind diese kurzen Zeiten nicht einmal ausreichend, um das Selbstständig werden der Welpen abzudecken. Einige Wildtiere genießen gar keine Schonzeit und dürfen ganzjährig getötet werden. Die Schonzeiten legt jedes Bundesland selbst fest. Immer wieder halten sich einige Jäger jedoch nicht mal an diese.

Einige Tiere geraten dabei besonders häufig in das Fadenkreuz der Jäger. Der Deutsche Jagdverband veröffentlicht nach jeder Jagdsaison eine Statistik darüber, wie viele Tiere von welcher Tierart in der Saison getötet wurden. Die Zahlen sind überaus erschreckend:

Rund 1,3 Millionen Rehe stehen auf der Abschussliste der Jäger ganz weit oben. In der Jagdsaison 2018/19 töteten sie rund 1,3 Million Rehe in Deutschland. Zählt man Damwild, Rotwild und Sikawild hinzu, kommt man auf über 1,4 Millionen Tiere, die in dieser Jagdsaison erschossen wurden.

Für Jäger sind Rehe überaus lukrativ, da sie das Fleisch der Rehe als Wildfleisch verkaufen können. Jäger bekommen in der Regel von Förstern die Abschusszahlen von Rehen vorgegeben, da diese angeblich durch „Wildschäden“ bzw. „Wildverbisse“ den Bäumen und Trieben schaden würden. Doch die Jagd selbst hat dieses Problem weitgehend erst verursacht: Rehe leben eigentlich in Graslandschaften, wo ausreichend Nahrung zur Verfügung steht. Durch den andauernden Jagddruck sind die Tiere jedoch scheu geworden und haben sich in die tieferen Wälder zurückgezogen, wo das Nahrungsangebot knapper ist. Dort ernähren sich die Tiere nun von Blättern, Trieben, Knospen und Rinde, was der Forstwirtschaft ein Dorn im Auge ist. Außerdem hat die Jägerschaft die natürlichen Feinde der Rehe – Wölfe – ausgeschaltet, welche sie behaupten ersetzen zu müssen. Dass sich die meisten Jäger nun gegen die Wiederansiedlung der Wölfe wehren und deren Abschuss fordern, macht ihre wahren Motive deutlich: Jäger dulden keine Konkurrenz im Wald. Auch fördern die in Herbst und Winter durchgeführten Drückjagden einen erhöhten Energieverbrauch der Tiere, der durch Knabbern an Rinde kompensiert wird. In einem natürlichen Wald gibt es keine „Wildschäden“.

Rund 600.000 Wildschweine

In der Jagdsaison 2018/19 töteten Jäger rund 600.000 Wildschweine. Dass so viele Tiere erschossen wurden, ist auch der Panikmache um die afrikanische Schweinepest geschuldet. Da viele Landwirte befürchten, die Seuche würde aus den Nachbarländern auch nach Deutschland kommen und durch Wildschweine auf die Schweine in der Mast übertragen werden, wurde das „Schwarzwild“ großflächig zum Abschuss freigegeben und eine regelrechte Hetzjagd begann. Unter dem Vorwand der Vorbeugung wurden verstärkt Drückjagden durchgeführt, bei denen in regelrechten Massakern zahllose Wildschweine getötet wurden. Wildschweine flüchten sich immer mehr in Städte und Ortschaften, doch auch hier sind sie meist nicht willkommen. Dabei belegen Studien, dass gerade Wildschweine auf erhöhten Jagddruck mit erhöhter Fortpflanzungsrate regieren.

Wussten Sie, dass Wildschweine „Gärtner des Waldes“ sind? Sie wühlen auf der Suche nach Futter den Waldboden auf und fördern so die Verjüngung des Waldes. Sie sind also für einen gesunden und starken Wald unerlässlich.

Über 400.000 Wildtauben

Viele mag es überraschen, dass auf Platz 3 der meistgetöteten Tiere Wildtauben – insbesondere Ringeltauben – stehen. So wurden über 400.000 Tauben in der Jagdsaison 2018/19 von Jägern erschossen. Oftmals wird der Abschuss von ganzen Schwärmen damit gerechtfertigt, dass die Tauben Wildschäden auf Getreidefeldern verursachen würden. Doch auch hinter der Taubenjagd steckt oft die Freude der Jäger an ihrem blutigen Hobby. Auch kann revierlosen Jägern mit einer Sondergenehmigung bei Taubenjagden eine Gelegenheit zum Töten gegeben werden.

Wussten Sie, dass Tauben ihr ganzes Leben lang mit ihrem Partner an einem Ort zusammenleben? Gemeinsam ziehen die Taubeneltern ihren Nachwuchs groß.

Über 420.000 Füchse

Jedes Jahr töten Jäger in Deutschland über 420.000 Füchse. Dabei werden in den meisten Bundesländern noch immer grausame Methoden wie die Fallenjagd angewendet. Die Tiere werden in Totschlagfallen oft bei lebendigem Leibe regelrecht zerquetscht und verstümmelt. Viele Füchse geraten mit den Pfoten oder dem Gesicht in die Falle und sterben einen langsamen und überaus qualvollen Tod. Auch die Baujagd, bei der Jagdhunde in den Fuchsbau geschickt werden, um die Tiere vor das Gewehr des Jägers zu treiben, sind eine schreckliche Tierquälerei – für Hund und Fuchs.

Jäger versuchen, die Jagd auf Füchse mit Argumenten zu rechtfertigen, die längst widerlegt wurden – wie beispielsweise die Regulierung der Fuchspopulation. Viele Wissenschaftler sind sich jedoch einig, dass die Jagd sogar einen Anstieg der Geburtenraten verursacht. Die zahlreichen getöteten Tiere werden somit schnell durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen und überkompensiert. Der wahre Grund für die Fuchsjagd ist vielmehr, dass die Beutegreifer Konkurrenten der Jäger bei der Jagd sind.

Wussten Sie, dass die Füchse die Gesundheitspolizei des Waldes sind? Sie erbeuten schwache und kranke Tiere, sodass Krankheitsherde eliminiert werden und die Tierart überlebt.

Petition gegen die Fuchsjagd unterschreiben ….

https://www.peta.de/fuchsjagd-stoppen

Was die Jagdstatistik verschweigt

Es gibt zahlreiche weitere Tierarten in der Jagdstatistik, die von Jägern getötet werden. Dazu zählen beispielsweise Hasen und Kaninchen, Gänse und Enten, Dachse und Waschbären, Marder und Wiesel, Fasane und Rebhühner und viele andere. Besonders die als „invasive Arten“ betitelten Tierarten werden meist gnadenlos bejagt. Doch einige Tierarten, die regelmäßig zu Jagdopfern werden, tauchen nicht in der Statistik auf – wie beispielsweise Hunde und Katzen. Jedes Jahr erschießen Jäger in Deutschland ca. 350.000 freilaufende Hauskatzen, da die Tiere angeblich eine Gefahr für die Vogelpopulation darstellen. Auch ist es in vielen Bundesländern Jägern noch erlaubt, freilaufende Hunde zu erschießen, wenn sie beispielsweise Wildtieren nachstellen. Bei Katzen langt sogar lediglich eine gewisse Entfernung zum letzten Haus, um sie zu töten.

Viele Tiere werden außerdem in der Jagdstatistik nicht erfasst, wenn sie beispielsweise angeschossen oder verletzt wurden und der Jäger sie nicht gefunden hat. Auch illegal erschossene Tiere – z. B. geschützte Arten oder während der Schonzeit getötete – oder Jagdopfer, die aus Bequemlichkeit nicht erfasst wurden, erscheinen nicht in der Statistik. Zudem werden jedes Jahr zahlreiche Menschen von Jägern getötet, wie Sie in unserer Chronologie von Jagdunfällen nachlesen können.