Dr. Gunter Bleibohm: Klarstellungen aus der Gegensicht

Jedes Leben ist produktiv, denn es produziert täglich, stündlich, unentwegt Vergangenheit. Lebensvergangenheit gehört aber immer dem Tod.

Seit man dem Christentum sein wichtigstes Argument – den Scheiterhaufen, die ultima ratio theologorum – genommen hat, ist es querschnittsgelähmt. Es lebt noch, ist aber ein Pflegefall, um den sich die Angehörigen nur noch aus Gewohnheit bemühen.

Wenn ich doch auf der Treppe der Empfindungen doch nach unten steigen könnte! Vom Mensch, zum Tier, zur Pflanze und als Krönung ins Mineralische. Die Last des Denkens und Fühlens wäre verschwunden, das Sein wäre wieder genießbar.

Eigentlich wollte er die Felstürme und Eiswände dieses riesigen Gebirges erklimmen, in den Gipfelbüchern einen Vermerk seines Sieges hinterlassen. Er kannte die Wege hinauf – theoretisch – hatte sich gut vorbereitet, war sich seiner Sache sicher, siegessicher, und nun die Ernüchterung. Im Vorgebirge, mehr Hügellandschaft als Gebirge, hatte er sich bereits verlaufen. Vor ihm der Abstieg in eine tiefe, steinige Schlucht, hinter ihm der undurchdringliche, dunkle Bergwald. Spontan kamen ihm die Worte von Nietzsche in den Sinn: „Kein Pfad mehr! Abgrund rings und Totenstille! – So wolltest dus! Vom Pfade wich dein Wille! Nun, Wandrer, gilts! Nun blicke kalt und klar! Verloren bist du, glaubst du – an Gefahr.“

Er blickte hektisch, vor Angst nervös, um sich, als das Brummen einer kräftigen, starken Hummel ihn aus seiner Lähmung riss. Er hörte genauer hin und das Brummen formte sich in seinem Kopf zu Worten. „Hab ich dich nicht bis hierher wohlbehalten geführt, dich genährt, auf dich geachtet, dich geschützt? Was willst du mehr? Willst du deine zukünftige Zeit , deinen weiteren Weg wissen? Auch den hab ich dir gezeigt“, hörte er, „nur du hast mich nicht verstanden, weil du nicht sehen wolltest.

Schau vor deine Füße, siehst du die Käfer, die Würmer, die Schnecken, schau in die Luft, siehst du die Mücken, die Wespen, die Vögel, schau auf das Wasser, siehst du den See mit seinen Fischen, den Biber und die Enten, schau auf die Wiese, siehst du die Blumen, die Kühe und Pferde, schau auf den Wald, siehst du die Bäume, die Rehe, die Füchse, schau hin, wohin du willst, überall zeigte ich dir auch deine Zukunft, deinen Weg, den gleichen Weg, den du wie alles Leben gehen musst. Wie die Maus geboren wurde und durch ihr Leben sich kämpfen muss, bist du auch durch deine Geburt auf diese Reise geschickt worden.

So wie die Blume aufgeblüht ist und nun verwelkt, hast auch du deine Blüte gehabt. Warum glaubst du, dass ich mit dir anders umgehen sollte, als mit jedem anderen Leben? Du bist entstanden, hast viele Wandlungen durchlebt und dieser Wandel führt dich auch zu mir zurück. Du wirst zu mir, deiner wahren Mutter, zurückkehren, zu mir, die dich einstmals geboren hat; ich werde dich dann wieder in meine Arme schließen, dich bergen und in meinen Leib aufnehmen. Du kehrst zu mir zurück. Was dachtest du denn? Dass ich dich verstoße oder dich gar bevorzuge, dass ich dich anders behandeln soll, wie all meine anderen Kinder?

Ihr seid alle gleich für mich, ich hänge an dir nicht stärker als an dem Käfer, ich schätze das Blatt genauso wie die Kuh, den Vogel wie den Fisch. Befreie dich von dem Wahn, dass meine Liebe zu dir stärker sein soll als die zu irgend einem anderen Lebewesen. Dies ist deshalb mein Hinweis an dich für deinen weiteren Lebensweg und vergiss ihn niemals: vor mir ist jedes Leben gleich, gleich wichtig, gleich nichtig, denn mein Name ist Natur und mein Wesen ist absolute Gerechtigkeit.“ Ein Knirschen, die Felsnase, auf der er stand, stürzte abrupt, ihn mitreißend, in die schwarze Tiefe der Schlucht. Tage später fand man ihn völlig zertrümmert zwischen den Felsbrocken des tosenden Gebirgsbachs. Die Raben hatten ihm schon die Augen herausgepickt.

Eine nichtheilbare Krankheit bedeutet nicht zwangsläufig eine tödliche Krankheit. Der Todeskeim steckt allein im Leben, denn man stirbt nicht, weil man krank ist, sondern weil man lebt.

Aus dem Vorwort des Buches „Fluch der Geburt: Thesen einer Überlebensethik“

Rebloggt von hubwen.wordpress.com

Stefan Bernhard Eck über das Buch von Dr. Gunter Bleibohm: „Fluch der Geburt“

Nicht jeder Narzisst wird diesen Thesen zustimmen können. Zu vieles würde seinem Egozentrismus, seiner Selbstverliebtheit und seiner vermeintlichen Wichtigkeit widersprechen.

Ich glaube, dass die Lektüre dieses Buches selbst für „befreite Geister“ ein Höchstmaß an Objektivität und sehr viel Mut erfordert, denn das Fazit über das Dasein der Gattung Mensch ist alles andere als positiv und steht im krassen Gegensatz zu unseren angeborenen Denk- und Verhaltensmustern und der eingeengten Sichtweise der ignoranten „Masse Mensch“. Es rüttelt an den Grundfesten des kulturellen Erbes der „Krone der Schöpfung“, es führt ihren schizophrenen Herrschaftsanspruch ad absurdum und demontiert den „Status“ unserer Spezies im Weltganzen. Es demaskiert sowohl unsere gängigen Moralvorstellungen als auch die menschliche „Vernunft“; beide verursachen lebensbedrohliche Entwicklungen und verdrängen gleichzeitig; ich spreche von dem alltäglichen Wahnsinn der Menschheit, dem nicht nur die eigene Gattung, sondern jegliche belebte Natur zum Opfer fällt.

In diesem Buch geht es nicht nur um die Fragen, wie sie 1897 auch der französische Maler Paul Gauguin formulierte, „Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?“, sondern auch um die brisanteste Frage unserer Zeit: Welche Zahl von Menschen verträgt unsere Erde und wie ist der ungebremsten Vermehrung der Menschheit Paroli zu bieten?

Bei der Beantwortung dieser Fragen spielt die „Faktizität des Daseins“, nach welche der Mensch als kulturelles Wesen durch die Kulturgeschichte in Denk-, Fühl-, und Wahrnehmungsformen bestimmt ist, eine wichtige Rolle. Die Antworten auf die großen „Sinnfragen“ sind frei von jeglicher religiösspiritueller Spekulation und dementsprechend ernüchternd: Die rationale Erkenntnis, dass die Menschheit als Produkt eines kosmischen Zufalls sowie der Evolution weder mittelfristig noch langfristig eine Überlebenschance hat, wiegt schwer.

Die emotional aufrüttelnde Einsicht aber, dass dem Dasein ein immanenter Sinn gänzlich fehlt, dürfte für die meisten Menschen geradezu unerträglich sein, vielleicht sogar noch unerträglicher, dass eine Weiterexistenz nach dem Tode oder eine Wiedergeburt eine Angelegenheit des Glaubens, aber nicht des Wissens, ist.

Im Weiteren geht es um das anthropozentrische und mit speziesistischen Vorurteilen überfrachtete Denken der „Masse Mensch“. In Europa liegen die Wurzeln des Übels vor allem in den biblischen Überlieferungen, den Protagonisten jener Unkulturen, die sich rücksichtsloser und willkürlicher Wertsetzungen bedient haben, um die schwächeren Lebewesen zu Recht- und Wertlosen zu machen, um sie auszubeuten, zu quälen und milliardenfach zu ermorden.

Durch das Erkennen der Sinnlosigkeit der Existenz und der grenzenlosen Leidverursachung durch uns Menschen kommt ein instabil gewordenes Selbstbild ins Wanken und hinterlässt bei rationaler Abwägung aller Fakten dermaßen große Risse, die zumindest jedem halbwegs Sensiblen das Selbstwertgefühl auf einen Grad reduzieren könnten, von dem ein würdevoller Bühnenabgang durch eigene Hand eine naheliegende Konsequenz wäre.

Trotz der tiefen Resignation, welche die unleugbaren Fakten vermitteln und trotz der durchaus logischen Schlussfolgerung einer „suizitären Endlösung“ bietet der philosophische Ansatz des Antinatalismus einen vernünftigen Lösungsweg an. Dieser Lösungsweg dürfte die einzige Chance der Gattung Mensch sein, ihren Abgang von der Erdenbühne als mitwirkende Akteure bis zum großen Finale zu erleben. Eine drastische Reduzierung von Tierleid und Naturzerstörung wären zusätzliche positive Folgeerscheinungen. Ich bin der Meinung, dass es keine Entschuldigung dafür gibt, das wenige, das wir tun können, nicht zu tun, oder es nicht versuchen zu tun. Die Zeit ist reif für diese Revolution. Für die Menschen, die Tiere und die Umwelt.

Stefan Bernhard Eck

Endzeit – Eine Polemik (Teil2)

Fortsetzung vom vergangenen Sonntag

Geistesentwicklung

Was ist geistesgeschichtlich geschehen?

Die Fähigkeit des Denkens hat den Menschen zum mächtigsten Wesen der Erde werden lassen, ihn aber auf Grund dieser Fähigkeit (oder Entartung?) von der übrigen Natur separiert.

Gefördert über Jahrtausende durch zahllose Religionen und Kulte mit ihren Gottesphantasien sah und sieht er sich als legitimen Gesprächspartner höchster Mächte, als Krone und Ziel der Schöpfung, wesensähnlicher seinen gedachten Gottheiten als wesens- und artverwandt seinen Mitgeschöpfen, den Tieren. Dieses Gefühl, dieses vermeintliche Wissen ist ihm zwischenzeitlich immanent, wird ihm gelehrt, vorgelebt und anerzogen.

Erfolge der Aufklärung und des Humanismus kommen ausschließlich dem Menschen zugute, hehre Ziele wie Nächstenliebe, Mitgefühl, Barmherzigkeit gelten im allgemeinen nur für Menschenwesen. Tiere sind heute noch Relikte, an denen archaische Instinkte und „kultivierte“ Perversionen und Grausamkeiten des Menschen legal in jedem Kulturkreis ausgelebt werden können.

Dem Mitgeschöpf, dem Tier, wird jedes wirkliche Recht, jedes soziale Empfinden, sogar von den Religionen noch die Seele abgesprochen. Dieser Irrsinn kulminiert darin, daß ein vermeintliches Leben nach dem Tod nur den Menschen erwartet. Plinius hat vor 2000 Jahren diese Hybris auf den Punkt gebracht : „… daß es nichts erbärmlicheres und gleichzeitig hochmütigeres gibt als den Menschen“.

Betrachtet ein neutraler Beobachter hingegen die Erde von den Tiefen des Weltalls, sieht er, daß die Erde lediglich ein nicht auffindbarer, unendlich kleiner Teil des Universums in absoluter Einsamkeit ist und daß Leben an sich keinen Sinn für den Kosmos hat. Leben ist nur eine vorübergehende kleine Randerscheinung im Riesenreich der unbelebten Materie. Es fehlt im weltlichen Denken das Bewußtsein und die Erkenntnis, daß ein Mensch für das Universum die gleiche Bedeutungslosigkeit hat wie ein Stein, eine Pflanze, ein Tier.

Wie aber jeder Wassertropfen im Meer dem Anderen gleichwertig ist, so ist jedes Lebewesen aus dieser Sicht dem Anderen gleichwertig. Es ist allein der Wahn des Menschen, sich als etwas Höheres, Bedeutenderes, Lebenswerteres zu halten. Von der „überlegenen“ Gattung „homo sapiens“ bleibt wenig an Grösse, wenn wir uns zusätzlich bewußt machen, daß im Gegensatz zu ihr jedes Tier ein Leben führt, das gegenüber dem Schicksal voller Demut und Akzeptanz ist. Die Tiere haben uns Menschen damit all die großen Tugenden voraus, denen wir vergeblich nachstreben und von denen wir uns immer weiter entfernen!

In der modernen Massenmenschenwelt und in der Welt der Menschenmassen mit ihren genormten Denkkategorien werden kritische und freie Denker, denen diese Zusammenhänge, Abläufe und Konsequenzen bekannt und bewußt sind, zunehmend ignoriert und nicht mehr verstanden.

Die Massenmeinung des Geistesproletariats, der große und entscheidende Nachteil der Demokratie, ist die gültige, ist die herrschende Meinung, ist die Richtschnur jeglichen staatlichen Handelns. Denken und Handeln wird zunehmend barbarisiert und nivelliert sich – proportional zum Anwachsen der Menschenmassen auf unterster Mittelmäßigkeit.

Die fehlende Sicht für das Gesamtsystem „Welt“ zeigt, daß eine Höherentwicklung im Denken und Erkennen nicht stattfindet, sich im Gegenteil die Focusierung auf nur menschliche Belange verstärkt. Eine ethische und moralische Höherentwicklung der Menschheit würde das Wollen bedeuten, das Elend aller Lebewesen zu mildern, nicht hingegen nur die Milderung des Leides beim Menschen, was mit unsäglicher Verstärkung der Qualen aller anderen Lebewesen erkauft wird.

Politische Entwicklung

Betrachtet man die beschriebene Analyse en detail, wir das Bild noch trostloser. Das geschlossene System, das heute weltweit den Terror gegen Tiere garantiert und jeglichen Tiermord sanktioniert, besteht aus den äußerst lebendigen Teilen eines unheilvollen Netzwerkes mit den Hauptkomponenten Staat, Industrie, Kirche und Medien. Wir haben hier eine Verflechtung, die je nach Interessenlage, zwei oder mehr Komponenten des Netzwerkes einbezieht und in zahlreichen Fällen mafiöse Strukturen aufweist. Die Netzwerkstruktur kann sowohl in der Dorf-, der Landes- als auch in der Weltpolitik beobachtet werden; lediglich die Dimensionen unterscheiden sich, die Handlungsweisen sind identisch.

Das pulsierende Blut dieses Organismus ist Geld, Macht und der persönliche Vorteil. Etwaige Engpässe in dem Gefäßsystem werden gezielt mit Hilfe einer überall abhängigen und gefälligen Jurisdiktion beseitigt. Staat, Medien und Industrie sind an einer Einflußmaximierung interessiert, den moralischen Hintergrund zur Rechtfertigung dieses Handelns liefern die Kirchen.

Struktur des Systems

Beginnen wir bei der Analyse der einzelnen Systemkomponenten. In Deutschland haben wir dem Papier nach eine Demokratie, wobei sich die Volksbeteiligung darin erschöpft, bei diversen Wahlen zwischen Interessengruppen zu entscheiden, die sich im intellektuellen Anspruch gleichen, d.h. sie kommen alle ohne diesen Anspruch aus.

Demokratie heißt in concreto aber, daß die Stimme des Hochschulprofessors gleiches Gewicht hat wie die Stimme des Analphabeten, die Stimme eines fachlich hochkompetenten Menschen gleich der Stimme eines Kriminellen zählt. Dies zunächst als wertfreie Feststellung der Fakten; die Konsequenz ist das Interessante.

Erste Konsequenz

Da Wissen und Geist, Engagement und Einsatzwille, Erkenntnisfähigkeit und freies Denken, Unabhängigkeit und kritisches Hinterfragen auf der Normalverteilung der geistigen Gaben eines Volkes aber eine Randgröße darstellen, dominiert somit der unkritische Massenmensch ein Wahlergebnis.

Das ist keine neue Erkenntnis, auch Goethe beklagte: „Nichts ist widerwärtiger als die Majorität, denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich akkomodieren, aus Schwachen, die sich assimilieren, und der Masse, die nachtrollt, ohne nur im mindesten zu wissen, was sie will“.

Es ist aber eine notwendige Feststellung, die entscheidend ist, um im Folgenden den Typus des Durchschnittpolitikers klar zu umreißen. Julien Green hat die entsprechende Schlußfolgerung für derartige Systeme beschrieben: „Wir treten in eine Sciencefiction-Welt ein, in der sich alles mischt: das Gute, das Böse, das Wahre, das Falsche. Alles ebnet sich auf niedrigem Niveau ein“. Das Mittelmaß wird zur Norm erhoben.

Es ist letztendlich die Furcht und Unfähigkeit des geistigen Proletariats zur Eigenverantwortung, die tiefe Denkunfähigkeit, sich bei jeder Handlung selber zu überlegen, was richtig und was falsch ist. Die Unfähigkeit des Durchschnittsbürgers, „die Masse“ nicht mehr als ethisches Vorbild zu akzeptieren, ist häufig gepaart mit krankhafter Egozentrik und Überheblichkeit. Alle großen Verbrechen der Menschheitsgeschichte konnten nur durch die Kritiklosigkeit der vielen Mitläufer geschehen, da diese nie selbst die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen bereit waren.

Auf den Punkt gebracht – es fehlt diesen Massenmenschen das Bestreben, ein freies und eigenständiges Individuum zu sein, es fehlt tiefes Wissen um das Sein! „Um ein vorbildliches Mitglied einer Schafherde zu sein, muß man vor allem ein Schaf sein“ bemerkte schon Einstein. Und Anatole France fügte hinzu „Auch wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit.“

Ein entscheidender Punkt für den Tierschutz tritt hinzu. Der beschriebene Bürgertyp ist von unendlicher Gleichgültigkeit seiner Mitwelt, besonders aber der Natur und der Tierwelt gegenüber. Reaktionen sind von ihm nur bei Gefährdung seines persönlichen Geldbeutels bzw. seines Wohlbefindens, seines Wohlstandes zu erwarten.

Mitleid, Einfühlsamkeit gilt in hohem Maße der eigenen Person, der geschundenen Kreatur gegenüber behilft er sich durch Wegschauen, Ignorieren und Verdrängen oder mit der dümmlichen Aussage „es sind ja bloß Tiere“. Moralische Unterstützung und Rechtfertigung zu dieser Haltung liefern die Illusionisten der Religionen.

Opportunistisches Verhalten, „political correctness“ ist das Schlagwort der Meinungslosen, der Angepassten, mit verheerenden Folgen:

Recht wird in Unrecht und Unrecht in Recht verkehrt, zugunsten eines politisch akzeptierten Unrechts.

Meinungen werden gleichgeschaltet mit Hilfe von Behörden, Politik, Justiz, Kirchen und Medien.

Nur besonders Mutige oder Unantastbare wagen es, die Wahrheit und abweichende Meinungen auszusprechen.

Wer die Wahrheit ausspricht, wird geächtet, verleumdet, riskiert Strafen bis hin zu Kerker, Folter, Mord.

Politische Korrektheit ist aber der Anfang vom Ende des Rechtsstaates und der Menschenrechte. Sie bedeutet den Zerfall der Rechtsordnung und das Ende der Unabhängigkeit der Gerichte und macht aus freien Menschen Sklaven.

Politische Korrektheit ist die Inquisition der Gegenwart und bedeutet: linientreu und gehorsam wider jede Vernunft und historischem Wissen – so wie das in jeder Diktatur üblich ist. Es sind die schwarzen Vorboten der Unfreiheit, die Vorboten geistiger Versklavung.

Das Abendland geht nicht zugrunde an den totalitären Systemen, auch nicht an seiner geistigen Armut, sondern an dem hündischen Kriechen seiner Intelligenz vor den politischen Zweckmäßigkeiten“ lehrte schon Gottfried Benn, deutscher Arzt und Schriftsteller. Und Livius formulierte 2000 Jahre vor ihm „Das ist das Wesen der Masse: entweder sie dient kriecherisch oder sie herrscht überheblich; die Freiheit, die in der Mitte liegt, versteht man weder mit Maß zu erringen noch zu handhaben.“

Zweite Konsequenz

Der Massenmensch wählt. Er wählt das, was ihm ähnlich ist, was er versteht, was seine Sprache spricht – und vor allem wählt er denjenigen, der ihm vorgaukelt, seine persönlichen Ziele, sein individuelles Wohlbefinden am besten zu vertreten.

In dieser Situation trifft er auf den Durchschnittspolitiker, auf einen „von uns“, wie teilweise geworben wird. Er trifft auf einen Menschen ihm ähnlicher Geistescouleur, hochgedient in der Partei vom Prospektverteiler zum Assistenten eines Abgeordneten, der nunmehr, langjährig indoktriniert, die Gedanken seines Parteiapparates hemmungslos und unreflektiert verkündet. Spätestens an dieser Stelle wirft ein freier Geist im Sinne von Nietzsche und Cioran das Handtuch.

Nicht jedoch der Durchschnittspolitiker. Er hat sich an die Wohltaten seiner Organisation gewöhnt, er „ist wer“ bzw. meint, jemand zu sein. Ein kleines Amt kommt zum nächsten, er rückt in den Vorstand des Schützenvereins auf und, sollte es ihm gelungen sein, Abgeordneter zu werden, vielleicht sogar in den Aufsichtsrat der Kreissparkasse. In dieser Situation kann er seine fachliche Inkompetenz voll ausspielen. Da er mit einer gewissen Redebegabung ausgestattet ist, ihm belanglose Floskeln und Phrasen problemlos über die Lippen kommen, spürt er von ferne die Macht, wenn Gleichgesinnte ihm lauschen.

Er hat gelernt, daß seine Zuhörer normalerweise vergleichbare Denkstrukturen besitzen und kritisches Hinterfragen nicht im Repertoire haben. Man versteht sich auf dieser Ebene, man spricht eine geistige Halbweltsprache. Es ist eine Selbstverständlichkeit mit der Lüge, mit Halbwahrheiten und Halbwissen zu jonglieren und anders zu reden als zu denken und anders zu handeln – wenn überhaupt – als zu reden. Seine Standardfloskel ist ein „man sollte“. Sein persönliches Ziel, nämlich Einfluß, Macht und wirtschaftliche Sicherheit ist erreicht, liegt in greifbarer Nähe.

Unbekümmert lobt er ein 75 Jahre altes Jagdgesetz des Nationalsozialisten Hermann Göring, das beispielsweise den Abschuß artengeschützter Tiere erlaubt und den Jagdschein nach einen 23 Wochen dauernden Schnellkurs aushändigt.

Dieses Gesetz manifestiert auch ein geschlossenes System, da es den Jagdschutz in die Hand des Jägers legt, also eine Kontrolle damit nicht stattfinden läßt. Derartige Strukturen sind sattsam aus Südeuropa bekannt! Dieser langgediente Hobbypolitiker trifft dann mit seinen tunnelartigen Denkstrukturen auf die Industrie; der Terror gegen die Tierwelt wird bei dieser unheiligen Allianz endgültig manifestiert.

Tierindustrie

Zur Verdeutlichung: Die Massenvernichtung der Tierwelt hat unvorstellbare Ausmasse angenommen. Mehr als 40 Milliarden Tiere weltweit, also pro Sekunde ca.1000 Tiere, fallen der menschlichen Freßlust zum Opfer; Fische sind in dieser Zahl nicht eingerechnet.

Allein auf Deutschland entfallen davon rund 50 Millionen Tiere, zuzüglich 5,5 Millionen erschlagene, erschossene, vergiftete Wildtiere durch die Jagd, zuzüglich Millionen von Tieren in Versuchslabors und Pelztierfarmen.

Da regelmäßig – auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel – in Industriekonzernen fachliche Kompetenz Grundvoraussetzung einer Karriere ist, ist besagter Parteifunktionär den Profis der Wirtschaft in allen Belangen unterlegen, so daß auf diese Weise ein Tierschutzgesetz in Deutschland entstehen konnte, das bereits im ersten Paragraphen den Grund für seine Nichtanwendbarkeit liefert und den bestehenden Terror gegen Tiere legitimiert und manifestiert.

Das deutsche Tierschutzgesetz schreibt nämlich gleich in § 1, daß niemand einem Tier „ohne vernünftigen“ Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf und liefert damit zugleich die Generalabsolution, den Tieren alles Erdenkliche an Leid zuzufügen, wenn ein „vernünftiger“ Grund vorliegt.

Was ist ein vernünftiger Grund in unserer Rechtsprechung?

Regelmäßig gelten wirtschaftliche Interessen – die sich völlig problemlos immer und überall konstruieren lassen – als Grund und führen somit den Schutz der Tiere, insbesondere in industriell organisierter Tierhaltung, ad absurdum.

Tiere können nicht sprechen. Tiere, überhaupt in der heutigen Welt die Ärmsten der Armen, sind der Willkür der geschilderten Machtstruktur erbarmungslos ausgeliefert und werden gnadenlos zum Produktionsfaktor degradiert. In diesem politischen Umfeld gilt jeder ethische Anspruch nur der Menschenwelt, Tiere sind rechtlos, lediglich Lippenbekenntnisse in Sonntagsreden sprechen heuchlerisch von Tierschutz.

Einige Tierschützer, in unserer Gesellschaft fast das einzige Sprachrohr der Tiere, setzen sich zwar aufopfernd für sie ein, sind aber, da schlecht organisiert und finanziell schwach, den zuvor beschriebenen Machtstrukturen von Politik und Industrie eindeutig unterlegen. Werden die Tierrechtler lästig oder aufsässig, werden sie wie in Österreich vorbildlich demonstriert in die Nähe des Terrorismus gerückt und mit der gesamten Macht des Staates ruhiggestellt und ausgeschaltet. Nichts fürchtet dieses Industrie-Politsystem mehr als eine Störung des Kreislaufes der Profit- und Einflußmaximierung.

Ergänzend kommt eine philosophische Fragestellung hinzu, die nicht unerwähnt bleiben darf:

Entweder ist dem Politiker die Problematik des Tierelendes unbekannt, dann bleibt die Frage, warum weiß er nichts von dem Leid, warum will er es nicht wissen; allein dieses Faktum spricht deutlich gegen seinen Erkenntniswillen und bestätigt seine Intelligenzresistenz.

Kennt er aber das Thema, dann ergibt sich die Frage, warum handelt er nicht, warum will er nicht handeln, warum will er der leidenden Kreatur nicht seine Stimme geben. Es ist dann eine entsetzliche Charaktereigenschaft, sich bewußt und kritiklos auf die Seite derjenigen zu stellen, deren Hobby und Handwerk Tod, Leid, Angst und Vernichtung den nichtmenschlichen Tieren bringt.

Es ist moralisch mehr als verwerflich, den eigenen Vorteil, den eigenen Nutzen höher anzusetzen, als Hilfe der geschundenen Kreatur, den unbeweinten Wesen zu bringen. Dieser Menschentyp, dem tiefste Verachtung gilt, ist zwar von der Natur mit einer Wirbelsäule ausgestattet, das Rückgrat eines unabhängigen Geistes fehlt ihm aber vollständig.

Seinen Frieden mit der finanzstarken Tierindustrie erkauft er durch Wegschauen und mit millonenfachem Leid der Tiere. Es ist dieser Typus des unselbständigen, gedanklich unfreien und um äußere Gunst buhlenden Politikers, der die Ungeheuerlichkeiten der Massentierhaltung, der Hühnergefängnisse, der Tiertransporte, der Pelzindustrie, der Jagdreisen usw. sanktioniert und legitimiert.

Partiell ist somit ein oligarchisches System entstanden, dessen Hauptkomponente „Staat“, getragen von seiner Legislative und Exekutive, begleitet und gestützt durch willfährige und abhängige Jurisdiktion, sich mit der Finanzkraft der Komponente „Industrie“ gegenseitig befruchtet. Ethische Gesichtspunkte für die Tierwelt haben zu diesem Zeitpunkt aufgehört zu existieren.

Fortsetzung und Schluss am kommenden Sonntag …….