Zum bevorstehenden Jahreswechsel

Aus dem aktuellen Newsletter von pro-iure-animalis.de

Liebe Freunde der Tiere,

Weihnachten, die „besinnliche Zeit“, ist vorbei, der Jahreswechsel, an dem Viele gute Vorsätze fassen, steht vor der Tür. Vor der gleichen Tür standen und stehen die beiden großen Ansprachen an die Nation, der Bundespräsident an Weihnachten, die Kanzlerin zu Silvester. Steinmeier haben wir schon überstanden und es darf angenommen werden, dass Merkel in ein paar Tagen keine Worte in den Äther schickt, die sich von der professionellen Logorrhoe des Präsidenten unterscheidet – inhaltslose Worthülsen, Schönrederei und leere Versprechungen, die sich wenig an Fakten und Logik orientieren. Fünf Minuten wasted time …

Unseres Erachtens hätte Einer diese fünf Minuten Sendeplatz verdient: Alexander Gerst, „Astro-Alex“, wie er liebevoll und anerkennend genannt wird, der dieser Tage aus dem Orbit zurückgekehrt ist und dort einen wahren Platz mit Weitsicht verlassen hat. Urteilen Sie selbst:

Alexander Gerst: Nachricht an meine Enkelkinder

Daran anknüpfend geben wir Ihnen noch einen Leserbrief von Lutz Reißland mit auf den Weg ins Neue Jahr, den er zum Thema Silvesterböllerei an zahlreiche Zeitungsredaktionen geschickt hat.

Und alle Jahre wieder

Und alle Jahre wieder … kommt die Silvesternacht, in der es blitzt und kracht… und das im wahrsten Sinne des Wortes!

Ja bald ist es wieder soweit, in wenigen Tagen macht ein Industriezweig seinen Jahresreibach mit Böllern und Raketen, und das mit Pauken und Trompeten.

Der Brauch geht auf den Todestag des Papstes Silvester 1.(† 31. Dezember 335) zurück. „Zum Jahreswechsel um Mitternacht wird meist mit Feuerwerk, Böllern und Glockengeläut gefeiert. Das Feuerwerk sollte im vorchristlich-animistischen Glauben früher „böse Geister“ vertreiben und drückt heute auch Vorfreude auf das neue Jahr aus.“ (Wikipedia).

Da fragt sich der aufgeklärte Mensch des 21. Jahrhunderts, hallo, leben wir noch im frühen Mittelalter, wo man an Hexen, Geister und Dämonen glaubte und meint, diese zum Jahreswechsel mit Lärm und Gestank vertreiben zu müssen? Wie weit sind wir in diesem Land der Dichter und Denker gekommen, einerseits träumen wir vom digitalen Zeitalter, andererseits befindet sich ein Teil unserer Bevölkerung noch auf Steinzeitniveau, was man auch an vielen anderen Stellen merkt – leider.

Nein, was hier passiert, ist nicht nur die Freude auf das neue Jahr, wobei man angesichts der dramatischen Veränderungen auf unserem Planeten wie Überbevölkerung, Klimawandel, Artensterben etc. sich ehrlich die Frage stellen muss, auf welche Verbesserungen sich man hier noch freuen kann? Vor hundert Jahren nach dem 1. Weltkrieg wäre ein solche Vorfreude noch begründet gewesen aber in der heutigen Zeit werden sich begründet nur Einige auf noch bessere Umsätze und Anhäufungen von Reichtum freuen können, die meisten werden aber diesbezüglich enttäuscht werden.

Und diese, man wundert sich, machen in den Warteschlangen beim Böllerverkauf den größten Teil aus, hier steht nicht die soziale Mittel- oder Oberschicht oder gar die Intelligenz an, es sind oftmals die, die von Hartz 4 leben müssen und einen Teil ihres Geldes im wahrsten Sinne des Wortes dann noch verballern.

Was hier in der Silvesternacht jedes Jahr stattfindet, ist eine Art Stellvertreterkrieg, jeder kann sich und seinem Herzen mit lauten Geböllere Luft machen, oftmals gepaart mit reichlich Alkohol die Sau rauslassen, seinen archaischen Ur-Instinkten freien Lauf lassen…

Aber die Sache hat noch andere Haken.

Jedes Jahr werden allein in Deutschland rund 10.000 Tonnen Feuerwerkskörper im Wert von mehr als 100 Millionen Euro in die Luft gejagt – Tendenz steigend! Durch die Böller und Raketen rieselt ein Chemiecocktail bestehend aus Schwarzpulver, Nitraten, Chloraten und Perchloraten – sauerstoffreiche Metallsalze der Elemente Natrium (gelbe Flammenfärbung), Kalium (blass-violett), Strontium (rot) oder Barium (grün) sowie Blei, Arsen, Aluminium, PVC, Schwefel und in kleineren Mengen Eisen-, Kupfer-, Titan-, Antimon- und Zinkverbindungen und viele weiteren Verbindungen leise vom Himmel und belastet Mensch, Tier und Umwelt.

Die gesundheitlichen Risiken für die Menschen alle aufzählen, würde den Rahmen dieses Leserbriefes weit sprengen.

Raucher dürfen in Gaststätten nicht mehr rauchen, seit Jahren macht ein Abgasskandal nach dem anderen die Runde, Dieselfahrzeuge werden als die Hauptschuldigen benannt, überall werden die Feinstaubwerte überschritten, Fahrverbote ausgerufen etc. Dabei zeigen Messungen, dass in Innenstädten in der Stunde nach Mitternacht Extremwerte von weit mehr als 1000 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft erreicht werden, über 20 mal mehr als erlaubt! Die Feinstaubbelastung durch die Silvesterknallerei trägt nach Angaben des Umweltbundesamtes zu 15% an der Gesamtfeinstaubbelastung durch Verkehr u.a. in Deutschland bei!

Na prima, wo bleiben da die Behörden, die Gleichen, die zuvor die Fahrverbote mit Hinweis auf den Schutz der Bevölkerung vor Feinstaub ausgerufen haben? Hier ist noch dringender Handlungsbedarf durch die zuständigen Behörden und Kommunen notwendig!

Am schlimmsten trifft es die Tiere. Jeder Tierhalter, egal ob Hund, Katze, Vogel oder Pferd weiß, dass Tiere sehr lärmempfindlich sind und der Lärm und Gestank ist für die Tiere unerträglicher Stress und Folter! Zehntausende in den Städten lebende und dort schlafende Wildvögel, vor allem Haussperlinge werden durch dieses Silvesterinferno von ihren Schlafplätzen aufgescheucht, fliegen verängstigt in die Dunkelheit und verunglücken zu Tausenden!

Jedem wahren Tierfreund zerreißt es angesichts dieser Situation das Herz und es ist auch ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz §39 und gegen das Tierschutzgesetz §1!

Aber auch Menschen, die diese Knallerei nicht wollen, werden durch diese belästigt.

Der Straftatbestand der Nötigung wird durch diese Knallerei voll erfüllt. Eine Ökobilanz für die Herstellung der Knaller und die Knallerei selbst fällt verheerend aus, zurück bleiben Dreck, Umweltbelastungen und Sondermüll.

Für mich steht fest, die, die meinen, durch Luft- Licht- Lärm- und Umweltverschmutzung, denn nichts anderes ist diese Silvesterknallerei, das neue Jahr begrüßen zu müssen, haben sich selbst einer ganz spezifischen Bevölkerungsgruppe zugeordnet und können mit Sicherheit keine Tierfreunde sein!


Wir hoffen, Sie nehmen einige dieser Aspekte mit ins Neue Jahr und hoffen auch, dass unsere vergangenen Rundbriefe zum Nachdenken angeregt haben. Wir lesen uns wieder in 2019 – einen guten Start wünscht Ihnen

für pro iure animalis

Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

Die mörderische Konsequenz des Mitleids

Aus dem aktuellen Newsletter von pro-iure-animalis.de

Liebe Freunde der Tiere,

in vielen unseren Ausführungen zum Thema „Eingriffe durch die Jagd in die Populationsdynamik einzelner Tierarten“ haben wir ausgeführt, dass die Natur selbständig die Population an den vorhandenen Lebensraum und die Lebensbedingungen anpasst.

Die einzige Spezies auf dieser Erde, die diesem Prinzip diametral entgegen handelt, ist der Mensch, mit der Folge, dass Leid vielfältigster Art für ihn und die Tierwelt entsteht. Gegen jede Logik wird intensiv das Grundproblem des Erdballs, nämlich das exponentielle Wachstum der Weltbevölkerung, ignoriert.

Bereits 1984 hat sich Hoimar von Ditfurth in einem bemerkenswerten Artikel sehr fundiert mit der Wachstumsproblematik und ihren Folgen auseinandergesetzt und die Verlogenheit des politischen und kirchlichen Handelns beschrieben. Dieser Artikel ist aktueller denn je – wir empfehlen ihn als Weihnachtslektüre.

Die mörderische Konsequenz des Mitleids

Der Selbstbetrug bei den Brot-Spenden für die Dritte Welt

Von Hoimar von Ditfurth

Auch heute werden wieder 40 000 Kinder sterben – alle zwei Sekunden eines. Sie verhungern. Als kleine Skelette mit faltig-alten Gesichtern werden sie irgendwann im Laufe dieses Tages aufhören weiterzuleben. Tag für Tag, 365 mal in jedem Jahr, das Gott werden läßt. Alle 24 Stunden entsteht so, verteilt über die Länder der sogenannten Dritten Welt, ein Berg von 40 000 verschrumpelten Kinderleichen.

Furchtbar? Viel schlimmer: Wenn diese Kinder nicht stürben, wenn sie nicht in den Armen ihrer Mütter verhungerten, die selbst nicht mehr die Kraft haben, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen, wenn sie etwa überlebten und gar erwachsen würden, um selbst Kinder zu haben, dann wäre die Katastrophe noch weitaus größer. Es mag zynisch klingen, daß ihr vieltausendfacher lautloser Tod die Erde vor einer Situation bewahrt, die alles heutige Sterben bei weitem überträfe. Nur, es ist die logische Konsequenz aus der irrationalen Ungleichung, dem Geburtenüberschuß aus der Dritten Welt durch Geburtenkontrolle nicht vorzubeugen aus der heuchlerischen Achtung vor ungeborenem Leben, das – erst einmal geboren – am Leben nicht erhalten werden kann.

Deshalb ist es an der Zeit, eine Bürgerinitiative ins Leben zu rufen mit dem Ziel, den verhängnisvollen Unfug anzuprangern, der mit jenen kleinen Zeitungsanzeigen getrieben wird, aus deren Bildern einem ein dunkelhäutiges Kind mit großen Hungeraugen entgegenblickt. Eine Initiative verantwortungsbewußter Mitbürger, die nicht länger hinzunehmen bereit sind, daß mit den Methoden moderner Werbestrategien zielbewußt ein Mitleid kultiviert wird, dessen Konsequenzen tödlich sind.

Denn für jedes einzelne Kind, das heute durch die Aktivitäten solcher Organisationen gerettet wird, wird es in der nächsten Generation vier oder fünf oder sechs Kinder geben. Und dazu, auch diese wieder vor einem elenden Hungertod bewahren zu können, werden dann selbst die vereinigten Anstrengungen von „Misereor“ und „Brot für die Welt“ und all die vielen Patenschaften nicht mehr ausreichen.

Wer nicht zu feige ist, hinzusehen, kommt an der Einsicht nicht vorbei, daß jeder, der sich darauf beschränkt, die heute hungernden Kinder zu sättigen, statt dem unvermeidlichen Sterben durch Geburtenkontrolle vorzubeugen, unmittelbar und ursächlich dazu beiträgt, die Leichenberge, denen sich die morgige Generation gegenübersehen wird, auf noch größere Höhen anwachsen zu lassen.

Warum ist es eigentlich so schwer, dieser simplen Erkenntnis zu allgemeiner Anerkennung zu verhelfen? Die Antwort liegt auf der Hand: Weil sie einhergeht mit dem Eingeständnis eines unrühmlichen Selbstbetrugs.

Der gleiche Augenblick, in dem ich mir über die mörderischen Konsequenzen des Mitleids klarwerde, an das hier appelliert wird, verschafft mir auch die peinliche Entdeckung, daß die Hilfsbereitschaft, welche die bewußten Anzeigen in mir mobilisieren, gar nicht dem hungernden Kind gilt, sondern in Wahrheit mir selbst, nämlich meinem eigenen Seelenfrieden. Einzig und allein zur Besänftigung des eigenen Gewissens kann ein „Mitleid“ taugen, das objektiv nur dazu beiträgt, das Elend der Menschen, denen es angeblich dient, in Zukunft entsetzlich zu vermehren. Jede andere Behauptung wäre unfrommer Selbstbetrug oder pure Heuchelei.

An dieser Stelle muß ein naheliegendes Mißverständnis abgewehrt werden. Selbstverständlich geht es hier nicht darum, einer Einstellung der Hilfeleistungen für die 40 Millionen Menschen das Wort zu reden, die nach Auskunft der Uno jährlich an Hunger oder den direkten Folgen chronischer Unterernährung sterben. Es geht einzig darum, die Heuchelei bloßzulegen, mit der alle Beteiligten sich in der Art einer konspirativen Kumpanei wechselseitiger moralischer Freisprechung weiszumachen versuchen, wir könnten uns unsere Verantwortung auf so billige Weise vom Hals schaffen.

Anlaß zur Empörung ist die Tatsache, daß die üblichen Aktivitäten der kirchlichen, weltlichen und kommerziellen Hilfsorganisationen gedankenlos und damit schuldhaft jener moralischen Drückebergerei Vorschub leisten, in der befangen wir uns nur allzu bereitwillig einreden lassen, daß eine kleine Spende dann und wann uns von der Schuld befreien könnte, die wir angesichts des Massensterbens außerhalb unserer Wohlstandsgrenzen zu tragen haben.

Noch aus einem zweiten Grunde sind daher alle diese „Brot für die Welt“- und Patenschafts-Kampagnen kritikwürdig: Dadurch, daß sie uns die begierig ergriffene Gelegenheit verschaffen, unser Gewissen zu betäuben, beseitigen sie den psychologischen Druck, der allein uns dazu bewegen könnte, über sinnvolle, ursächlich wirksame Methoden zur Beendigung des Massensterbens nachzudenken.

Weltweit jährlich 40 Millionen Hungertote. Ein nur noch in Megatonnen ausdrückbares Produktionsvolumen an menschlichem Aas. Solche Größenordnungen haben selbst Hitler und Stalin gemeinsam nicht zuwegegebracht. Das ist die Proportion, um die es sich handelt. Das ist die Rechnung, mit der wir konfrontiert sind. Daß sie durch Spendenaktionen zu begleichen sei, kann nur ein Narr behaupten, und daß sie uns nichts anginge, nur ein Zyniker.

Ein Großteil dieser Megatode ist nämlich unter anderem eine Folge des Umstands, daß die satte Hälfte der Menschheit einen entsprechend hohen Anteil ihres Überflusses – und seit neuerem wohl auch noch etwas mehr als das – für eine immer maßloser werdende Aufrüstung verpulvert. Und ihr folgen immer mehr Drittweltländer, die, kaum daß sie über den Tellerrand schauen, ihre Selbstbestätigung in Waffenkauf und Minirüstung suchen.

Gerade dann, wenn man davon überzeugt ist, daß die christlichen Kirchen ein Erbe bewahren, ohne das diese Welt noch unerträglicher wäre, gerade dann gerät die Verbitterung um so größer, wenn man sich vor Augen hält, wie tief auch sie in diese Komplicenschaft wechselseitiger Gewissens-Salvierung verstrickt sind. Das gilt, wie nicht bestritten werden kann, vor allem für die katholische Kirche. Was soll man von einer Instanz halten, die uns zur Rettung verhungernder Kinder aufruft, während sie gleichzeitig mit dem ganzen Gewicht ihres weltweiten Ansehens dazu beiträgt, die Zahl dieser Kinder über jedes rettbare Maß hinaus zu vergrößern?

Was ist von der Moral einer sich moralisch verstehenden Institution zu halten, die offensichtlich das Nicht-Geborenwerden für ein entschieden größeres Übel hält als die Unerfreulichkeit, an Unterernährung zu verrecken? Hier wird, wohlgemerkt, nicht etwa auf Abtreibungslösungen angespielt, sondern allein auf die Möglichkeiten der Empfängnisverhütung (ein Zusatz, der schon deshalb notwendig erscheint, weil die Kirche in der Diskussion beides ärgerlicherweise ständig zu vermengen trachtet).

Die Erde hat nach den offiziellen Statistiken in den letzten beiden Jahren die größte Bevölkerungsexplosion ihrer Geschichte erlebt. Einige Autoren haben sich dessenungeachtet dazu verstiegen, die Tatsache als „Erfolg“ auszugeben, daß die veröffentlichten Zahlen hinter den ursprünglichen Prognosen um einige Prozent zurückgeblieben sind. Wie auch immer, das Endresultat ist furchteinflößend: 1950 gab es auf der Erde 2,5 Milliarden Menschen. Heute sind es bereits 4,8 Milliarden. Im Jahre 2000 werden es mindestens sechs Milliarden sein.

Man braucht keinen Computer, um ermessen zu können, was das für die Probleme bedeutet, die heute schon so gut wie unlösbar sind: Wohnungen, Energieversorgung, Abfallerzeugung, Arbeitsplätze, Rohstoffbedarf – es geht ja keineswegs nur, wie mancher zu glauben scheint, um die Ernährung dieser Menschenmassen. Wenn nicht sehr bald etwas Entscheidendes geschieht, dann treiben wir einer Katastrophe entgegen, für die es in der bisherigen menschlichen Geschichte kein Beispiel und keinen Vergleich gibt.

Vom Himmel wird die Rettung nicht fallen – wenn es noch eine gibt. Vielleicht wären wir heute noch imstande, den Zug aufzuhalten, der uns dem Abgrund täglich ein Stück näherbringt. Eine ungeheure gemeinsame Anstrengung wäre vonnöten. Warum nur rafft sich niemand zu ihr auf?

Zu den Faktoren, die diese feige Verdrängungsneigung begünstigen, gehören jene Anzeigen mit den Bildern abgemagerter und verhungernder Kinder. Selbstverständlich sind wir moralisch verpflichtet, den Hungertod auch durch Spenden zu bekämpfen. Wer der Suggestion dieser Anzeigen jedoch in der Weise erliegt, daß er sich einreden läßt, er könne mit einer bloßen Spende davonkommen, der verstrickt sich erst endgültig in Schuld.

Wir wünschen allen Freunden und Tierfreunden ein frohes Weihnachtsfest!

Herzliche Grüße für pro iure animalis

Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

„Na und?“

Rebloggt von hubwen.wordpress.com

.Bericht über eine Mahnwache in Buchloe und München

Von Daniela Böhm

Eigentlich sollte Mitgefühl keine Rechtfertigung brauchen. Und doch … Vor einem Schlachthof zu stehen und gegen das Schlachten zu mahnen, bedarf ihrer. Ich weiß nicht, was am Tag unserer Mahnwache schlimmer ist: der eisige Wind oder der Zorn des Bauern, der sich wie die Glut eines feuerspuckenden Vulkans über uns ergießt. Ich weiß nur eines: wirklich schlimm ist das, was in diesem Schlachthof in Buchloe, der auch schon Vorhof zur Hölle genannt wurde, geschieht.

Das Schicksal, das die zwei ausgedienten Kühe erwartet, die der wutentbrannte Bauer soeben dort abgeliefert hat. Das ist schlimm. Nicht der tobende Bauer oder der Wind, der einem die Knochen gefrieren lässt. Aber dennoch spüre ich als Mensch in diesen Augenblicken sowohl die Eiseskälte, die mir zu schaffen macht, als auch den wutentbrannten Hass des Bauern. Ich bin mittendrin und fühle mich wie David gegen Goliath, wissend, dass ich ein hilfloser Verlierer bin. Diejenigen, die ihr Leben verlieren, kann ich nicht retten.

Ich kann nichts tun, außer wie meine anderen drei Mitkämpferinnen mit einem Schild in der Hand dazustehen, um es den ein- und ausfahrenden Tier- und Fleischtransportern entgegenzuhalten. Nicht einmal Grabkerzen kann ich an diesem Tag aufstellen, sie fallen sofort um oder gehen aus; auch die Schilder, die sonst am Boden vor den Lichtern liegen, fegt der Wind sofort hinweg.

Der Bauer regt sich so sehr und lange auf, dass ich tatsächlich befürchte, er fällt mit einem Herzinfarkt von seinem Traktor, der genauso alt und schlecht aussieht wie er. „Geht’s ham ihr Weiber“, schimpft er und eine ernsthafte Diskussion scheint unmöglich. Das wird mir auch bei seinem Argument klar, dass die zwanzig Millionen Touristen, die jährlich nach Deutschland kommen, schuld seien, denn die wollen alle Fleisch essen.

Ich bitte ihn weiterzufahren, weil es doch keinen Sinn mache, in dieser Art und Weise miteinander zu reden. Irgendwann gibt er tatsächlich auf, weil wir uns entfernen und ihm keine große Beachtung mehr schenken.

Ohne Unterlass fahren Tiertransporter ein, sowohl große, als auch kleine von den Bauern aus der Umgebung, mit nur ein oder zwei Rindern. Manche haben sogar Namen. Manche hatten vielleicht ein halbwegs gutes Leben. Solange sie gedient und funktioniert haben. Was von diesem Leben übrig bleibt, endet für Geld im Vorhof zur Hölle. Wobei jeder Schlachthof für die Tiere die Hölle ist. Es ist halt eine menschliche Redewendung …

Und ja, natürlich gibt es auch den einen Bauern, der sich ruhig und sachlich mit uns unterhält. Und den Fahrer eines Tiertransporters, der aus dieser Hölle hinausfährt. Argumente, Schuldzuweisungen …. „Die Großen machen die Kleinen kaputt, schuld an den haarsträubenden Tiertransporten ist die Gesetzgebung der EU“, etc. All diesen Argumenten fehlt etwas Entscheidendes: das Mitgefühl. Ich mag diese rationalen oder irrationalen Phrasen gar nicht mehr hören. Ich habe so viele gehört.

Während sich die anderen beiden mit dem Bauern unterhalten, stehe ich mit Nicki vor dem kleinen Transporter mit fünf oder sechs Rindern. Fassungslos blicken wir in ihre Augen, bewundern ihre Schönheit, wissend, was sie erwartet. Die Argumente des Bauern interessieren mich nicht. Es geht ja doch nur um ihn, um seine Existenz. Es geht nicht um die Ehrfurcht vor dem Leben. Sonst stünde er jetzt nicht hier mit seinem Transporter, am Tor zur Hölle.

Wir leben in einer Gesellschaft, die Mitgefühl selektiert. Gesellschaftsfähig ist das Mitgefühl für den misshandelten rumänischen Straßenhund, unpassend das Mitgefühl für die ausgediente alte Milchkuh. Wir sind von legitimierter Diskriminierung umgeben – tagein, tagaus. Die meisten Menschen akzeptieren Leid, Tod und Gewalt an Lebewesen, die anders aussehen, andere Formen der Kommunikation nutzen und einen anderen Platz im Leben haben.

Wer gab uns jemals das Recht? Wir selbst waren es und haben es als Recht des Stärkeren über Schwächere gerechtfertigt. In einem Land vor unserer Zeit, das Lichtjahre entfernt scheint, und in der sich der Mensch gegen wilde Tiere verteidigen musste, war dieses Recht eine legitimierte Notwehr. Aber tatsächlich leben wir jetzt im 21. Jahrhundert und haben uns weiter entwickelt, bis zu dem Punkt, an dem wir als aufgeklärte und bewusste Wesen die Diskriminierung gegenüber anderen Menschen ächten und als Unrecht definieren. Zumindest bemüht sich ein Großteil der Menschen hierzulande darum.

Später in München …

Man hält dem eisigen Wind der Gleichgültigkeit sein Herz entgegen und lässt die Verspottungen und Schmähungen über sich ergehen. Es schmerzt nicht, denn der Schmerz ist bei den Tieren. Man rechtfertigt sein Mitgefühl, obwohl es einem unverständlich ist …

Auch hier bläst der kalte Wind in der Nacht ständig alle Kerzen aus, und irgendwann geben wir auf. Ein paar Lichter halten sich wacker, erhellen die tiefschwarze und regnerische Nacht – es sollen doch Lichter des Gedenkens und der Hoffnung sein … Auch wir versuchen irgendwie durchzuhalten.

Bevor die Nacht in den Tag versinkt, fährt ein letzter Transporter ein. Er ist nicht besonders groß und auf seiner Rückseite steht „Südferkel“. Man sieht und hört sie nicht. Kein Laut dringt aus dem Wagen. Durchschnittlich acht Wochen sind sie alt, Tierkinder, und einige unter ihnen wurden vielleicht noch gesäugt. Die Vorstellung von dem, was sie erwartet, macht die Kälte noch kälter.

Es ist später Vormittag. Mittlerweile rollen die Transporter mit den Rindern ein. Die Kälte hat mich und meine zwei treuesten Gefährtinnen seit gestern so fest im Griff, dass sie jetzt allen Raum einnimmt und ich das Gefühl habe, nicht mehr geradeaus denken zu können. Ich stehe auf der anderen Seite der Einfahrt, als ein Mann aus einem Seiteneingang zu seinem Auto geht, das dicht hinter mir geparkt ist. Er hält einen Plastiksack in seiner rechten Hand. Zunächst kann ich nicht wirklich etwas erkennen – Menschen mit diesen Säcken sieht man hier viele. Oft sind es Mitarbeiter, die sich Fleisch mit nach Hause nehmen. Als ich das dritte Mal hinsehe und der Mann näher kommt, kann ich es erkennen. Es ist ein Ferkel. Blass und klein, die Augen geschlossen. Der winzige Lebensfunke, der nur ein paar Wochen in ihm war, entschwunden. Der Mann öffnet den Kofferraum und legt den Plastiksack hinein.

Ich weiß nicht, warum ich zu dem Auto gehe, der Mann ist schon eingestiegen, seine Fahrertür geschlossen. Ich klopfe an die Scheibe und er öffnet die Tür. „Haben Sie da gerade ein Ferkel in Ihren Kofferraum getan?“

Meine Frage erscheint mir überflüssig und absurd; ich habe es ja mit eigenen Augen gesehen. Der Mann sieht mich verdutzt an, erwidert einen Moment lang nichts und sagt dann: „Na und?“ Bevor ich etwas antworten kann, schlägt er die Tür zu und fährt davon. Ein paar Wochen Leben. Ausgelöscht. Und das ist es, was übrig bleibt: ein „Na und?“

Wie viel Angst und grenzenlose Verzweiflung sind dem vorausgegangen, als die Hand des Todes nach einem viel zu kurzen und kostbaren Leben griff. Staunende Augen für immer erloschen, die Unschuld in Schuld verwandelt.

Es tut weh.

Es tut immer wieder unfassbar weh.

Eure Argumente interessieren mich nicht mehr.

Eure kalten Herzen lassen mir das Blut in den Adern gefrieren.

Wahres Menschentum sollte nicht vor dem Teller halt machen.

Es sollte andere Lebewesen nicht diskriminieren.

Wahres Menschentum bedeutet, mit dem Herzen zu leben und seine Liebe nicht diskriminierend zu verschenken. Die Wahrheit ist einfach, sie spricht die Sprache der Liebe und des Mitgefühls.

Daniela Böhm

Kultur oder Unkultur? – Staatspunker rocken öffentlich-rechtlich

Achtung: Heute um 23:30 Uhr ist es soweit: die ZDF-Aufzeichnung des umstrittenen Konzerts von „Feine Sahne Fischfilet“, der „Punkrocker gegen Nazis“, aus dem anhaltinischen Dessau wird auf 3sat unter der Rubrik „Kulturzeit“ in die deutschen Wohnzimmer gebeamt.