Denn sie wissen nicht, was sie glauben (Teil 4)


Die fünf Bücher Mose

Das ist derselbe Mose, den auch heute noch unsere Schulbibeln und Religionsbücher als großes biblisches Vorbild vermitteln. Bezeichnend scheint weiter, in welch provokativ-ritualistischer Weise die «Bewältigung» dieser ungeheuren Kriegsverbrechen geschieht: «Jeder von euch, der einen Menschen umgebracht hat, und jeder, der einen Erschlagenen berührt hat, muß sich am dritten und am siebten Tag der Entsündigung unterziehen . . . Wascht am siebten Tag eure Kleider, dann seid ihr rein und dürft in das Lager zurückkommen» (Num. 31; 19, 24).

Dann wird eingehend beschrieben, wie die überaus reiche Beute, bestehend aus Schafen und Ziegen, Rindern, Eseln «und insgesamt 32 Tausend Menschen, Frauen, die noch mit keinem Mann geschlafen hatten» (in dieser Reihenfolge aufgeführt), inklusive der an den Herrn zu entrichtenden «Steuer» von 61 Menschen verteilt wurde.

Wie eng und effizient sich das Zusammenwirken des biblischen Gottes mit seinen Kriegern bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Vernichtungsfeldzüge gestaltet, zeigt eine weitere Stelle: «Der Herr sagte zu mir: Steht auf, brecht auf und überquert das Tal des Arnon! Hiermit gebe ich Sihon, den König von Heschbon, den Amoriter, mit seinem Land in eure Gewalt. Fang an, in Besitz zu nehmen! Bei Sihon sollst du den Kampf beginnen. Und ich fange heute an, den Völkern überall unter dem Himmel Schrecken und Furcht vor dir ins Gesicht zu zeichnen. Wenn sie von dir nur hören, zittern sie. Sie winden sich vor Angst, wenn sie dich sehen» (Dtn. 2; 17, 24, 25).

Die Israeliten schlugen nun Sihon ein Durchzugsabkommen vor. «Doch Sihon, der König von Heschbon, weigerte sich, uns bei sich durchziehen zu lassen.» Dies wäre alleine schon verständlich gegenüber einem Volk, vor dem Gott «den Völkern überall Furcht und Schrecken ins Gesicht» gezeichnet hat (Dtn. 2; 25).

Aber es gibt noch eine hintergründigere Ursache: «Denn der Herr, dein Gott, hatte seinen Kampfgeist gestärkt und ihm Mut gemacht, um ihn in deine Gewalt zu geben, wie es inzwischen geschehen ist. Zu mir aber sagte der Herr: Hiermit fange ich an: Ich liefere dir Sihon und sein Land aus . . . Der Herr, unser Gott, lieferte ihn uns aus . . . Wir weihten die ganze männliche Bevölkerung, die Frauen, die Kinder und die Greise der Vernichtung; keinen ließen wir überleben» (Dtn. 2; 30, 31, 33, 34).

Im folgenden bestätigt Gott diesen Genozid und fordert zu seiner Wiederholung auf: «Dann wendeten wir uns dem Weg zum Baschan zu und zogen hinauf. Og, der König des Baschan, rückte mit seinem ganzen Volk gegen uns aus, um bei Edrei zu kämpfen. Der Herr sagte zu mir: Fürchte ihn nicht, denn ich gebe ihn, sein ganzes Volk und sein Land in deine Gewalt. Tu mit ihm, was du mit Sihon getan hast . . . Und der Herr, unser Gott, gab auch Og, den König des Baschan, und sein ganzes Volk in unsere Gewalt. Wir schlugen ihn und ließen keinen überleben. Damals eroberten wir alle seine Städte . . . Wir weihten sie der Vernichtung, wie wir es mit Sihon, dem König von Heschbon, getan hatten. Wir weihten die ganze männliche Bevölkerung und die Frauen, Kinder und Greise der Vernichtung» (Dtn. 3; 1-4, 6).

Fortsetzung folgt …….

Denn sie wissen nicht, was sie glauben (Teil 3)


Die fünf Bücher Mose

Es soll aber auch in manchen Fällen behutsamer vorgegangen werden; nicht weil irgendeine Regung von Menschlichkeit Jahwe oder die unter seinem Gebot handelnden Israeliten zurückhalten würde; nein, es sind ganz andere Gründe: «Doch der Herr, dein Gott, wird diese Völker dir nur nach und nach aus dem Weg räumen. Du kannst sie nicht rasch ausmerzen, weil sonst die wilden Tiere überhandnehmen und dir schaden» (Dtn. 7; 22).

Ist das menschenverachtende Kalkül einer solchen Aussage noch zu steigern? Ich gestehe, ich kann hier keinen prinzipiellen Unterschied zu analogen Überlegungen Himmlers und seiner Umgebung über die vorläufig wohl noch notwendige Existenz der slawischen «Untermenschen» in der zu erobernden und zu germanisierenden Sowjetunion sehen. Aber nur Geduld: «Doch wird der Herr dein Gott dir diese Völker ausliefern. Er wird sie in ausweglose Verwirrung stürzen, bis sie vernichtet sind . . .» (Dtn. 7; 23).

Um zu zeigen, daß diese Stellen nicht alleinstehen, einen vereinzelten «Betriebsunfall», Fremdkörper in einem sonstig humanen, ethisch hochstehenden, weil ja auf Gott zurückgehenden Gesamttext darstellen, hier noch weitere Belege: «Wenn du vor eine Stadt ziehst, um sie anzugreifen, dann sollst du ihr zunächst eine friedliche Einigung vorschlagen. Nimmt sie die friedliche Einigung an und öffnet dir die Tore, dann soll die gesamte Bevölkerung, die du dort vorfindest, zum Frondienst verpflichtet und dir untertan sein. Lehnt sie eine friedliche» – (= Frondienst, Unterwerfung) – «Einigung mit dir ab und will sich mit dir im Kampf messen, dann darfst du sie belagern. Wenn der Herr, dein Gott, sie in deine Gewalt gibt, sollst du alle männlichen Personen mit scharfem Schwert erschlagen. Die Frauen aber, die Kinder und Greise, das Vieh und alles, was sich sonst in der Stadt befindet, alles, was sich darin plündern läßt, darfst du dir als Beute nehmen. Was du bei deinen Feinden geplündert hast, darfst du verzehren; denn der Herr, dein Gott, hat es dir geschenkt. So sollst du mit allen Städten verfahren, die sehr weit von dir entfernt liegen und nicht zu den Städten dieser Völker hier gehören. Aus den Städten dieser Völker jedoch, die der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen. Vielmehr sollst du die Hetiter und Amoniter, Kanaaniter und Perisiter, Hiwiter und Jebusiter der Vernichtung weihen, so wie es der Herr, dein Gott, dir zur Pflicht gemacht hat . . .» (Dtn. 20; 10-17).

Wieder finden wir die fast zynisch anmutende Sorge, dieses Mal um den Baumbestand, wenn der Text fortfährt: «Wenn du eine Stadt längere Zeit hindurch belagerst, um sie anzugreifen und zu erobern, dann sollst du ihrem Baumbestand keinen Schaden zufÜgen indem du die Axt daranlegst. Du darfst von den Bäumen essen sie aber nicht fällen mit dem Gedanken, die Bäume auf dem Feld seien der Mensch selbst (sic!) . . .» (Dtn. 20; 19).

Die Israeliten, «gottesfürchtig», halten sich denn auch an diese Anweisungen; wo nicht, hilft Mose («der Größte unter allen alttestamentarischen Gestalten»,), der über entsprechende Unterlassungen in Zorn gerät, nach: «Der Herr sprach zu Mose: Nimm für die Israeliten Rache an den Midianitern . . . Sie zogen gegen Midian zu Feld, wie der Herr Mose befohlen hatte, und brachten alle männlichen Personen um. . . Die Frauen von Midian und dessen kleine Kinder nahmen die Israeliten als Gefangene. Alle Städte im Siedlungsgebiet der Midianiter und ihre Zeltdörfer brannten sie nieder . . . Mose aber geriet in Zorn über die Befehlshaber, die Hauptleute der Tausendschaften und die Hauptleute der Hundertschaften, die von dem Kriegszug zurückkamen. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen am Leben gelassen? Gerade sie haben auf den Rat Bileams hin die Israeliten dazu verführt, vom Herrn abzufallen und dem Pegor zu dienen, so daß die Plage über die Gemeinde des Herrn kam. Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen, die schon einen Mann erkannt und mit einem Mann geschlafen haben. Aber alle weiblichen Kinder und die Frauen, die noch nicht mit einem Mann geschlafen haben, laßt für euch am Leben!» (Num 31; 2,7,9, 10, 14-18).

Fortsetzung folgt …..

Denn sie wissen nicht, was sie glauben (Teil 2)


Die fünf Bücher Mose

Befragt man zunächst die fünf Bücher Mose, welche Einstellung sie zum Krieg, zur Gewaltanwendung gegen andere Völker vermitteln, so findet man mehrheitlich eine, gelinde gesagt, ausgesprochen positive Bewertung des Krieges, und zwar in der Regel eines «imperialistischen» Angriffs- und Eroberungskrieges. Diese positive Bewertung geht ganz eindeutig von Gott als letzter moralischer Instanz aus, der immer wieder sein auserwähltes Volk zum Angriffs- und Eroberungskrieg auffordert: « Greift die Medianiter an und schlagt sie!» (Num. 25; 16, 17). «Alle deine Knechte aber werden sich rüsten und vor den Augen des Herrn über den Jordan in den Krieg ziehen, wie mein Herr befiehlt» (Num. 32; 27).


Der biblische Gott zeigt ausdrücklich Wohlgefallen an Eroberungskriegen, insbesondere auch an der Vernichtung und Zerstörung der eroberten Gebiete; das zeigt sich auch darin, daß Israel Gott für seine Erhörung die Zerstörung und Vernichtung als offenbar Gott angenehm – sonst gäbe das Ganze keinen Sinn – verspricht, etwa: «Da gelobte Israel dem Herrn: Wenn Du mir dieses Volk in meine Gewalt gibst, dann weihe ich ihre Stätte dem Untergang. Der Herr hörte auf Israel und gab die Kanaaniter in seine Gewalt. Israel weihte sie und ihre Stätte dem Untergang » (Num. 21; 2-3).

Gott wird aber auch immer wieder selbst als derjenige dargestellt, der eigentlich die Kriege führt: «Ich vertreibe die Kanaaniter, Amoniter, Hetiter . . .» (Ex. 33; 2); «Gott . . . frißt die Völker, die ihm feind sind, er zermalmt ihre Knochen . . .» (Num. 24; 8); « . . . denn der Herr, euer Gott, ist es, der für euch kämpft » (Dtn. 3; 22); er «räumt die Völker aus dem Weg » (Dtn. 7; 1). «MeinePfeile mache ich trunken von Blut, während meinSchwert sich ins Fleisch frißt – trunken vom Blut Erschlagener und Gefangener . . . » (Dtn. 32; 42). «Höre Israel! Heute wirst du den Jordan überschreiten, um in das Land von Völkern, die größer und mächtiger sind als du, hineinzuziehen und ihren Besitz zu übernehmen . . . Heute wirst du erkennen, daß der Herr, dein Gott, wie ein verzehrendes Feuer selbst vor dir hinüberzieht. Er wird sie vernichten und er wird sie dir unterwerfen, so daß du sie unverzüglich vertreiben und austilgen kannst,wie es der Herr dir zugesagt hat» (Dtn. 9; 3).

«Auch hat der Herr zu mir gesagt: Du wirst den Jordan hier nicht überschreiten. Der Herr, dein Gott, zieht selbst vor dir hinüber, er selbst vernichtet diese Völker bei deinem Angriff, so daß du ihren Besitz übernehmen kannst . . . Der Herr wird an ihnen tun, was er an Sihon und Og, den Amoriterkönigen, die er vernichtete, und an ihrem Land getan hat. Der Herr wird sie euch ausliefern. Dann sollt ihr an ihnen genau nach dem Gebot handeln, auf das ich euch verpflichtet habe» (Dtn. 31; 2-5).

Es dürfte schon hier deutlich werden, welchem biblischen Geist das christliche Kreuzzugsdenken (z.B. der Aufruf Papst Urbans II.zum Kreuzzug: «Der Herr ist es, der euch ruft!») und das «Gott mit uns» so vieler christlicher Heere bis in neueste Zeit entstammt.

Dieser biblische Gott hat nicht nur Gefallen an (Angriffs-)Kriegen, ordnet sie selbst an und führt sie im Grunde selbst, sondern propagiert und ordnet ausdrücklich die inhumanste Extremvariante des Krieges, den Genozid, die wahllose, ausnahmslose Hinschlachtung nicht nur der besiegten Männer, sondern auch von Kindern, Frauen und Greisen an.

So verkündet Mose den Israeliten ausdrücklich als Gottes Gebot und Wille («Daher sollt ihr darauf achten, daß ihr handelt, wie es der Herr, euer Gott, euch vorgeschrieben hat. Ihr sollt weder rechts noch links abweichen!», Dtn. 5; 32): «Wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land geführt hat, in das du jetzt hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, wenn er dir viele Völker aus dem Weg räumt . . . Wenn der Herr, dein Gott, sie dir ausliefert und du sie schlägst, dann sollst du sie der Vernichtung weihen (sic!). Du sollst keinen Vertrag mit ihnen schließen, sie nicht verschonen . . . Du wirst alle Völker verzehren, die der Herr, dein Gott, für dich bestimmt. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen . . .; außerdem wird der Herr, dein Gott, Panik unter ihnen ausbrechen lassen, so lange, bis auch die ausgetilgt sind, die überleben konnten und sich vor dir versteckt haben» (Dtn. 7; 1, 2, 16, 20).

Fortsetzung folgt ….