Töten, quälen und verstümmeln mit kirchlichem Segen

Von der AG Wild beim Wild

Alle Hobby-Jäger sollten sich den heiligen Hubertus zum Vorbild nehmen und aufhören zu jagen.

Zum Hubertustag, dem Gedenktag des Heiligen Hubertus von Lüttich am 3. November, kritisiert die IG Wild beim Wild derartige Ausrichtungen des Gottesdienstes. Hubertusmessen, die vornehmlich von Hobby-Jägern mitverantwortet und besucht werden, sind nicht mit der christlichen Ethik der Achtung vor dem Leben vereinbar.

Sie bilden häufig den Auftakt zu den besonders grausamen Drück- und Treibjagden sowie Sonderjagden wie im Kanton Graubünden, bei denen Hobby-Jäger durch die Wälder ziehen und unzählige Tiere hetzen und töten. Die IG Wild beim Wild appelliert daher an die Kirchenvertreter, sich künftig von den gewaltverherrlichenden und sektiererischen Messen zu distanzieren.

Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für die Jagd, denn sie ist nicht dazu geeignet, Bestände dauerhaft zu regulieren. Jagd bedeutet nicht weniger Wildtiere, sondern mehr Geburten.

Wenn immer mehr Wildtiere von einer Art geschossen werden, weil es immer mehr gibt, müssen dann noch mehr geschossen werden, damit es weniger werden?

Historisch gesehen ist Jagd zur Bestandesregulierung auch keine Jagd, sondern terroristischer Zooizid.

Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben bei Drückjagden bis zu zwei Drittel der Wildtiere nicht sofort. Mit zerschossenen Knochen und heraushängenden Innereien flüchten die Tiere, leiden unter den Verletzungen oft tagelang und sterben qualvoll, wenn sie bei der sogenannten Nachsuche nicht gefunden werden.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass die Jagd nicht dazu geeignet ist, Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wissenschaftler wiesen nach, dass in bejagten Wildschweinpopulationen die Geschlechtsreife der weiblichen Tiere früher eintritt, was die Geburtenrate ansteigen lässt. Demnach bedingt ein hoher Jagddruck, dass sich in dem Gebiet die Population der betreffenden Wildtiere erhöht.

Auch der renommierte Biologe Prof. Dr. Josef Reichholf sieht aus wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit in der Jagd: Die nahezu ausgerotteten Wölfe müssen nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet.

Einen Gottesdienst zu feiern, der Jägern den symbolischen Segen für das systematische Töten wehrloser Mitgeschöpfe gibt, sendet ein völlig falsches Signal. Kirchen müssen für die Bewahrung der Schöpfung eintreten, nicht für ihre Zerstörung“, sagt Julia Bielecki, Theologin. „Die Hubertusmesse verkennt zudem, dass der Heilige Hubertus vom Jäger zum überzeugten Jagdgegner wurde.“

Die Legende Hubertus und dem kreuztragenden Hirsch ist aus der Dichtung und der bildenden Kunst bekannt.

Gemäss der überlieferten Legende wurde Hubertus um 655 als Sohn eines Edelmannes geboren und starb im Jahre 728. Anfangs führte er ein vergnügungssüchtiges Leben und war ein leidenschaftlicher Jäger. Als er eines Tages bei der Jagd einen Hirsch aufgespürt hatte und ihn verfolgte, um ihn zu töten, stellte sich dieser ihm plötzlich entgegen. Zwischen seinem Geweih erstrahlte ein Kreuz und in der Gestalt des Hirsches sprach Christus zu ihm: “Hubertus, warum jagst du mich?” Hubertus stieg vom Pferd und kniete vor dem Hirsch nieder. Von diesem Moment an beendete Hubertus das Jagen und führte fortan ein einfaches Leben.

Trotz alledem finden aber alljährlich um den 3. November, dem Hubertustag, die so genannten Hubertusjagden sowie Hubertusmessen in Kirchen statt. Anstatt den heiligen Hubertus zum Schutzpatron der Tiere zu machen, ernannte die Kirche ihn zum Patron der Wildtierkiller.

Der Sinn der Hubertuslegende ist doch wohl dieser, dass der Mensch in Einklang und Frieden mit der Natur und den Tieren leben soll. Er soll nicht der Jäger, sondern der Beschützer und der Freund der Tiere sein. Wie heisst es doch so schön bei Markus 16,15: »Gehet hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.« Hiermit ist sicherlich nicht das Jagen gemeint.

Schädliches Handeln ist schändliches Handeln.

Die Tiere sind „unsere Brüder und Schwestern“, unsere Nächsten. Jede Nutzung von ihnen – sei es zur Nahrungsmittelproduktion, für Bekleidung, zur Unterhaltung oder in Tierversuchen – und jede Degradierung zur Ware, widerspricht einer friedvollen, bewahrenden und lebensachtenden Haltung.

Quelle: wildbeimwild.com

Höllenfahrt mit Gegenverkehr

Ein lesenswerter, religionskritischer Artikel von Hans Halter aus dem Jahre 1998

Wo bleibt die Seele nach dem Tod? Was geschieht mit ihr? Der Papst hat darüber eigene Theorien entwickelt – nun ist das theologische Kuddelmuddel perfekt.

Wer nach Rom zum Heiligen Vater pilgert, der muß einen langen Hals machen, um bei der öffentlichen Audienz des Statthalters Jesu Christi auf Erden ansichtig zu werden. Was der 264. Nachfolger des Apostels Petrus jedoch zu sagen hat, überträgt Radio Vatikan gut verständlich in alle Welt.

Ende Oktober verkündete Johannes Paul II. vor Pilgern seine Theorie über die Seele des Menschen. Das wurde auch höchste Zeit. Der strenge deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der römischen Glaubenskongregation, hatte alle Kollegen bereits gemahnt, „mehr vom ewigen Leben und Gottes Gericht zu sprechen“. So was läßt sich der polnische Priester Karol Wojtyla nicht zweimal sagen.

Je älter er wird, desto mehr interessiert sich der gesundheitlich angeschlagene 78jährige für das Leben nach dem Tod – inklusive Himmel, Hölle, Fegefeuer, Engel, Teufel und dem Jüngsten Gericht. Seit nahezu 2000 Jahren schmücken die christlichen Theologen das Jenseits mit Heils- und Horrorvisionen aus. Doch vieles widerspricht sich, an Gewißheit fehlt es den armen Seelen noch.

Damit ist für gläubige Katholiken nun Schluß. Papst Johannes Paul II. sagt, wie es wirklich ist:

Man sollte nicht meinen, daß das Leben nach dem Tod erst mit dem Jüngsten Gericht beginnt. Es herrschen ganz besondere Bedingungen nach dem natürlichen Tod. Es handelt sich um eine Übergangsphase, in welcher der Körper sich auflöst und das Weiterleben eines spirituellen Elements beginnt. Dieses Element ist ausgestattet mit einem eigenen Bewußtsein und einem eigenen Willen, und zwar so, daß der Mensch existiert, obwohl er keinen Körper mehr besitzt.

Das „spirituelle Element“ – die Seele – gilt Theologen als das „nach dem Tode existente nichtfleischliche Selbst des Menschen“, als eine „unstoffliche Grundgegebenheit vergangenen Daseins“.

Der Papst verkündigt: Jede Seele werde neu und „unmittelbar von Gott geschaffen“, eigens für jeden Leib. Früher glaubte man, daß Knaben am 40. Tag, Mädchen erst am 80. Tag des fötalen Lebens eine Seele aus Gottes Hand erhalten. Inzwischen gilt der Moment der Zeugung als Geburtsstunde der Seele. Unglücklicherweise ist sie mit der Erbsünde belastet, wegen Adams Fehltritt im Paradies.

Ob der Leib das Grab der Seele ist oder vielleicht nur sein Gefängnis, ob die Seele durch den Leib in die Sünde – definiert als „Ungehorsam gegen Gott“ – herabgezogen wird oder ob es sich womöglich umgekehrt verhält: Das alles hat unter Christen zu lebhaften, auch kriegerischen Kontroversen geführt, blieb aber ungeklärt.

Einig ist man sich nur in einem: daß die Seele unsterblich ist. Doch damit beginnen gleich die nächsten Schwierigkeiten: Wo bleibt die Seele zwischen Tod und Jüngstem Gericht? Hat sie ihre Ruh‘ bis zum Gerichtstermin? Schläft sie, während der Leib zu Staub zerfällt? Nein, sagt der Papst. Das „spirituelle Element“ sei auch ohne Körper ein Mensch, unsichtbar zwar, aber ausgestattet mit Bewußtsein und eigenem Willen, logischerweise also auch mit Gedächtnis und Verstand.

Das wird sich als sehr vorteilhaft erweisen, denn im Jenseits muß sich die Seele auf vielerlei Überraschungen gefaßt machen. Es ist, wie Wojtyla sagt, eben eine „Übergangsphase“ mit „ganz besonderen Bedingungen“. Was genau er darunter versteht, verrät er nicht.

Bisher galt: Der Seele droht entweder die Hölle, eine göttliche Strafanstalt, in der es, wie der kritische Münsteraner Theologe Herbert Vorgrimler sagt, zugeht wie in einem „gigantischen unterirdischen Auschwitz“ mit Folter, Sonderlagern, Schwefel und Feuer, Hunger und Durst.

Die Seele kann aber auch in den Himmel entschweben, wo Milch und Honig fließen, die Harfen klingen, alle Sinne sich ergötzen, kurzum: Es herrscht der „Zustand höchsten Glücks“, so schön, daß er laut neuestem „Katechismus der Katholischen Kirche“ über „jedes Verständnis und jede Vorstellung hinausgeht“. Deshalb sind die interessanten Fragen, ob es im Himmel geschlechtliche Liebe gibt oder wie dort die Verhältnisse irdischer Ehepartner geregelt sind, unbeantwortbar.

Die mittelalterliche Mystikerin Mechthild von Magdeburg (1210 bis 1285) war ganz sicher, daß sich der Herr Jesus im himmlischen Brautgemach mit den reinsten aller Jungfrauen – Nonnen wie Mechthild – intim vereinigen werde. Mechthild wurde heiliggesprochen. Sehr zu ihrem Vorteil, denn die Seligen und Heiligen erfahren alle himmlischen Freuden ohne Zeitverlust, sie gelangen unverzüglich in den Himmel. Allen anderen droht ein gerichtliches Verfahren – wann, wo und wie oft, darüber hat sich der Papst bisher nicht geäußert. Das ist theologisch vermintes Gelände. Denn die Wege ins Paradies oder ins ewige Feuer sind in zwei Jahrtausenden mehrfach neu markiert worden.

Glaubt man dem Apostel und Evangelisten Matthäus – er war Zöllner und soll später mit einem Beil erschlagen worden sein -, so hat Jesus ihm erzählt, daß am Jüngsten Tag, dem Ende der Welt, alle Menschen vom Tode auferstehen werden. Sie versammeln sich dann zum Weltgericht, das Jesus in Gottes Namen abhalten wird.

Dabei scheidet er die Guten von den Bösen, „gleich wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet“. Die Guten kommen in den Himmel, die Bösen für immer in die Hölle. Revisionsmöglichkeiten gibt es nicht.

Johannes, der Lieblingsjünger Jesu – er folgte dem Ruf seines Herrn, ohne sich, so der Mythos, auch nur ein einziges Mal nach seiner Braut umzublicken -, hat die Modalitäten von Himmelfahrt und Höllensturz unter Berufung auf Jesus anders dargestellt. Danach „kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind“, Jesu Stimme hören werden. „Und es werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.“

Beim Weltgericht, wie es dem Apostel Johannes vorschwebt, wird also weniger Gedränge herrschen als bei seinem Kollegen Matthäus. Denn laut Johannes fahren die Guten am Jüngsten Tag direkt und ohne gerichtliche Überprüfung in den Himmel hinauf. Nur die Bösen werden abgeurteilt. Der göttliche Richter kennt dabei nur Freispruch oder Höllenfahrt.

Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, unter seinesgleichen ein liberaler Mann, beschreibt die Hölle als „totale, unaufhebbare Vereinsamung des Menschen“. Niemand könne katholischer Christ sein, ohne an die Hölle zu glauben, „denn wo es Heil gibt, gibt es auch Heilsverlust“. Lehmann wird es wissen, er hat über die Auferstehung zum Dr. theol. promoviert.

Jesus, ein anderer Sachverständiger, nennt die Hölle einen „Ofen, in dem das ewige Feuer brennt“. Nach seiner Kreuzigung hat Gottes Sohn sich die Zeit bis zur Auferstehung mit einer „Höllenfahrt“ vertrieben. Er überwand die Teufel und führte die gepeinigten Vorväter des Alten Testaments, die Jahrtausende auf ihre Erlösung gewartet hatten, direkt ins Paradies.

Dort begrüßte sie der „Gute Schächer“. Der hatte, wie es sein Beruf erforderte, während seiner irdischen Jahre Tieren ohne Betäubung die Halsschlagader aufgeschnitten und sie ausbluten lassen. Als er von der römischen Besatzungsmacht neben Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, bereute er seine Verbrechen. Zum Lohn hatte Gottes Sohn ihm versprochen: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein“ – und Wort gehalten.

Die beiden biblisch bezeugten Varianten des letzten Gerichts lassen jedoch viele Fragen offen. Weil das Weltgericht am Ende der Zeit tagt, ist unklar, wo Gerechte und Ungerechte die Wartezeit verbringen, vor allem: ob gemeinsam oder getrennt, schlafend oder munter, leidend oder guter Dinge. Darüber schweigt sich die Bibel aus, was den polnischen Papst nicht daran hindert, die Geschichte fortzuschreiben.

Das haben auch einige seiner Vorgänger getan. So hat Papst Benedikt XII., vor seinem Amtsantritt ein gefürchteter Inquisitor, 1336 „mit apostolischer Vollmacht“ einen „für immer geltenden Lehrentscheid“ erlassen, der auch seinen Nachfolger Johannes Paul II. bindet. Danach gibt es im Jenseits außer Himmel, Hölle und Jüngstem Gericht noch drei weitere Institutionen: ein „Partikulargericht“, das „Fegefeuer“ und den „Limbus“.

Sofort nach dem irdischen Tod wird die Seele vor ein besonderes Gericht gestellt. Drei Pfade tun sich dabei auf: Im Glücksfall tritt der Delinquent „unmittelbar in die himmlische Seligkeit“ ein. In die Hölle gerät, „wer sich selbst für immer sogleich verdammt“. Zweifelsfälle werden zur Läuterung ins Fegefeuer verwiesen. Milde waltet nur bei den ungetauften kleinen Kindern. Ihre Seelen kommen in den Limbus, einen neutralen Ort, wo sie keine himmlischen Freuden genießen, aber auch keine höllischen Qualen leiden.

Wer als getaufter Erwachsener „in der Gnade und Freundschaft Gottes stirbt“, aber, wie das irdische Leben so spielt, „noch nicht vollkommen geläutert ist“, der muß in das reinigende Fegefeuer. Dort widerfährt der armen Seele höllische Pein, sie ist aber zugleich hoffnungsfroh. Denn über kurz oder lang darf sie in die „Freuden des Himmels“ eingehen. Ob das Fegefeuer Stunden, Jahre oder gar Jahrtausende dauert, ist ungewiß.

Ein Segen, daß die harten Zeiten im Jenseits den armen Seelen durch Gottes Engel erleichtert werden. Dazu hat Papst Johannes Paul II. bereits vor zwölf Jahren das Nötige offenbart: Auch die Engel sind danach „mit Vernunft und freiem Willen begabt“, nicht anders als die menschlichen Seelen. Engel sind aber „rein geistige Geschöpfe“ und deshalb „dem Menschen überlegen“. Sie treten als – meist wohlwollende – Zeugen vor Gericht auf und haben, lehrt der jetzige Papst, „am Urteil Gottes teil“.

Evangelische Christen brauchen nicht vor das Individualgericht oder ins Fegefeuer. Die Reformatoren haben beides aus der Christenlehre getilgt. Es gilt das Wort des Zürcher Reformators Ulrich Zwingli: „Stirbt einer im Glauben, so wird er heil, stirbt er in Unglaubnis, so wird er verdammt.“

Wie der Papst seine Seelenkunde von der Übergangsphase mit dem gültigen Lehrentscheid Benedikts XII. harmonisieren will, ist sein Geheimnis. Schließlich hatte dieser Mönch auf dem Stuhl Petri verkündet, daß Fegefeuer und Höllenstrafen sofort, unmittelbar nach dem irdischen Tod, eintreten. Gottes Allmacht dulde keinen Aufschub bis zum Jüngsten Gericht an irgendeinem Sankt Nimmerleinstag.

Auch kollidiert Karol Wojtylas Seelenlehre sowohl mit den Mitteilungen des Alten Testaments, nach denen die Seele mit dem Leib stirbt und nur gemeinsam mit ihm aufersteht zum ewigen Leben, als auch mit den Notizen des Evangelisten Johannes, bei dem von Seelen überhaupt nicht die Rede ist.

Dem Schweizer Historiker Peter Jezler, einem anerkannten Experten für Himmel, Hölle und das Fegefeuer, ist noch ein weiteres Dilemma aufgefallen: „Wenn man die Fegefeuer-Lehre mit jener vom Weltgericht überlagert, entsteht notgedrungen Gegenverkehr.“ Jezler, der die überirdischen Rechts- und Aufenthaltsregeln grafisch dargestellt hat, zeichnete eine recht verwirrende Übersicht vom letzten Stand der himmlischen Gerechtigkeit.

Am Jüngsten Tag kehren demnach alle menschlichen Seelen aus Himmel und Hölle zum Weltgericht zurück. Diese überirdische Revisionsinstanz unter dem Vorsitz von Gottes Sohn wird die Urteile des Partikulargerichts in der Regel bestätigen, in Ausnahmefällen aber auch korrigieren, woraufhin die Seelen sich mit ihrem auferstandenen Fleisch verbinden und in Himmel oder Hölle zurückkehren.

Das Gedränge wird beträchtlich sein, da seit Christi Geburt viele Milliarden Christenmenschen gestorben sind, die alle vor das Weltgericht gestellt werden. Vom Erscheinen befreit sind nur die Seligen und Heiligen der katholischen Kirche, über 4000 Personen. Wie kein Papst vor ihm hat Karol Wojtyla aus Krakau deren Zahl vermehrt. Er sprach über 300 Menschen heilig, die nun alle im Paradies leben.

Immer Ärger mit Gottes unfähigem Bodenpersonal

Von Herrn Dittmann bereits schon vor einigen Jahren verfasst und veröffentlicht, aber immer noch sehr aktuell, weil die christlichen Kirchen immer noch damit beschäftigt sind, die Tiere nach wie vor schändlich zu verraten und für deren Rechte keinen einzigen Finger zu rühren. Und deswegen spricht aus meiner Sicht auch nichts dagegen – sondern ganz im Gegenteil – bereits schon hier in diesem Blog vorhandene Beiträge infolge ihrer Relevanz und berechtigten Kritik und Anklage dann und wann nochmals aufzugreifen und erneut in Erinnerung zu rufen.

„Himmelschreiende Ruchlosigkeit, mit welcher der christliche Pöbel gegen Tiere verfährt, sie lachend tötet, verstümmelt oder martert“ – mit so deutlichen Worten formulierte schon im 19. Jahrhundert Arthur Schopenhauer die moralische Verwerflichkeit des Menschen im Verhalten gegenüber seinen älteren Verwandten, den Tieren. Wahrlich, für Tiere hat der Teufel keinen Klumpfuß und keine Hörner, sondern ein Menschengesicht.

Zu ergänzen wäre dazu lediglich: Und die „Kronjuwelen der Schöpfung“, die Pfaffen im schwarzen Gewand, segnen all das unchristliche Wüten der „Dornenkrone Mensch“ per hoheitsvoll zelebrierten anthropozentrischen Kanzelreden willfährig ab – denn bekanntlich gibt es für den Homo sapiens keine größere Lust und Freude, als eine öffentliche, hochpriesterliche Würdigung des eigenen Tuns und Bestätigung seines vermeintlich einzigartigen Wertes.

Es erzeugt Gänsehaut, in welch traurigem, Gottes Schöpfung verhöhnenden Anthropozentrismus viele Kirchenchristen und Priester gefangen sind. Lebensverachtende Formulierungen, wie gerade im Katholischen Katechismus gebraucht, fordern förmlich, gar wörtlich, dazu auf, Leid und Schmerz empfindende tierische Mitgeschöpfe als bloße „Ressourcen“ anzusehen. „Tiere, Pflanzen (…) sind von Natur aus zum gemeinsamen Wohl der Menschheit bestimmt“ (Nr. 2415), oder, „… man darf sich der Tiere zur Ernährung und Herstellung von Kleidern bedienen (…) und medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen(!) Grenzen sittlich zulässig…“ (Nr.2417) oder, „… ist es unwürdig, für sie (Tiere) Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte“. (Nr. 2418)

Albert Schweitzer hat all diesen Möchte-gern-Ethik-Aposteln in dieser Sache den selbstaufgesetzten Heiligenschein der Menschheit ganz tief über die Ohren gezogen: „Wie die Hausfrau, die die gute Stube gescheuert hat, Sorge trägt, dass die Türe zu ist, damit ja der Hund nicht hereinkomme und das getane Werk durch die Spuren seiner Pfoten entstellte, also wachen die europäischen Denker darüber, dass ihnen keine Tiere in der Ethik herumlaufen“.

Probleme gibt es weniger mit dem Himmlischen Hausherrn, sondern allzeit mit Gottes unfähigem Dienstpersonal hier auf Erden. Die Verkommenheit der Amtskirchen steht seit Jahrhunderten – bis heute – denen der weltlichen Entscheidungsträger in nichts, aber in gar nichts nach.

Man vertritt und praktiziert schlicht eine „Ethik“ des Terrors gegen die Mitgeschöpflichkeit: Pfarrer Reinald Fuhr, Evang. Kirchengemeinde Hüttenfeld bezeichnet die Jagd als sein „jagdliches Hobby“. Pastoren predigen und jagen in Personalunion, oder halten, der grünen Zunft sich schlicht prostituierend, gotteslästerliche Hubertusmessen ab, segnen vieltausendfach gewissenlosen Tiermord und bagatellisieren – sich anbiedernd – nach hier eingeschleppte anachronistische Sitten, wie betäubungsloses Schächten von Tieren.

Siehe Beitrag der Frankfurter Rundschau vom 6. Juli 2002, „Kirche wirbt um Verständnis fürs Schächten“ : Pfarrer Wegner und Landwirt Roos, Umweltreferenten der `Ev. Kirche in Hessen und Nassau´ preisen in diesem Beitrag skandalös und devot-anbiedernd das archaische betäubungslose Schächtmetzeln als „relativ naturnahe Tötung“ u.a. „…weil die demütige Haltung des Schlachtenden, die Ruhe der Prozedur und der Anrufung Allahs bei muslimischen Metzgern wesentlich zur Angstvermeidung beitragen könne“.

Phantasien, die man eher orientalischen Märchenerzählern, denn den Hirnwindungen eines evangelischen Pfarrers zutrauen würde – ein hanebüchenes Geschwafel, das nur noch als gotteslästerliche, blanke Verhöhnung der gequälten Kreatur angesehen werden kann.

Oder man verschachert wie einst Judas für einige Silberlinge ein Grundstück an ein Forschungszentrum. Dies wurde auf Anfrage des „Arbeitskreises humaner Tierschutz e.V.“ von Pastor Dr. Johannes Neukirch, Pressesprecher der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, kürzlich ausdrücklich bestätigt – und ermöglicht so, nach Manier eines vornehmen Schreibtischtäters, auf diesem nunmehr zum „Blutacker“ mutierten Kirchengelände künftig grauenhafte Tierexperimente. Auch hier wäscht man sich frommselig, ohne Unrechtsbewusstsein, die Hände in Unschuld.

Kann man sich einen Jesus vorstellen, der tief gebeugt über einem aufgeschnittenem, stöhnenden Versuchstier eilfertig ein blutiges Skalpell führt – abgeschottet hinter Stahltüren der hauptsächlich an ihren Dividenden interessierten Pharmaindustrie?

Oder einen jagenden Jesus mit einem Gewehr, der mit vor Schießgier zittriger Hand, Hasen, Rehe (oder auch böse Jagdkonkurrenz – „Raubzeug“, wie Nachbars Katze oder Hund) und anderes Getier „anschweißt“, d.h. anschießt, verletzt, verkrüppelt? Denn viele Tiere bleiben nicht sofort tot „im Feuer“ liegen, sondern krepieren erst elend nach Tagen oder Wochen unter furchtbaren Qualen. Oder einen Jesus mit einem fettbeschmierten Metzgermesser in der Hand, Fleischfetzen von Gedärmen und Sehnen schabend?

Oder kann man sich einen Jesus ausmalen, von Ammoniakdünsten umwabert, in den KZ-Hühnerhaltungen zuerst die Eier einsammelnd, danach durch Tierleichen watend die noch lebenden ausgelaugten elenden Tierkörper knochenbrechend in Plastikkörbe verpackend, um Gottes Sohn dann schließlich – siehe oben – mit einem Metzgermesser in der Hand in einem Schlachthaus wiederzufinden ?

Diese Frage sei auch an Pastor Michael Dübbers der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Südfeld/Holstein gerichtet, der sich nicht schämte zu Ostern 2010 als besonderes „Event“ Lammbraten in seiner Kirche anzubieten.

Es war und ist die Diskrepanz zwischen hehren Worten, heuchlerischen Kanzelreden – und dem dann tatsächlichen unchristlichem, lebensverachtenden Handeln der Amtskirchen, das rechtschaffene Menschen abstößt, schlicht anekelt. Man verkündet so das Evangelium ähnlich glaubhaft wie ein Metzger, der eine vegetarische Lebensweise predigt. So kehrt man eine pharisäerhaft propagierte „christliche Nächstenliebe“ mit weihevoll und salbungsvoll verbrämten Worthülsen auf schlicht beschämende Art und Weise lebensverachtend förmlich in den Schmutz.

Wer, wenn nicht die Amtskirchen, die auf ihren angehäuften weltlichen Schätzen brütenden selbsternannten Vertreter des Christentums, wären mehr prädestiniert, sich unmissverständlich und engagiert für die angeblich von Gott geschaffene Welt mit all seinen Geschöpfen – Menschen wie Tieren und Pflanzen – einzusetzen ? Jesus wäre gewiss an ihrer Seite! War es nicht Jesus, der Tierhändler, Krämerseelen und Kleingläubige mit heißem Herzen aus dem Tempel jagte!

Geheim gehaltene alte Schriften (apokryphe Evangelien) zeugen von einer umfassenden Tierliebe Jesu. Weshalb werden diese unterschlagen und von der Amtskirche nicht anerkannt?

Weil man es sich seit Jahrhunderten zusammen mit weltlichen Machthabern – Wasser predigend, Wein saufend – bequem eingerichtet hat und ungern Pfründe freiwillig aufkündigt. Statt sich mit Macht und heiligem Zorn für die Gesamtgeschöpflichkeit Gottes einzusetzen, ist die Amtskirche taub für die Schreie der geschändeten Kreatur. Seit jeher sind von ihr bestenfalls laue Lippenbekenntnisse zu vernehmen – abgesehen von einigen wenigen einzelnen, mutigen kirchlichen Stimmen, wie sie die Vereinigung „Aktion Kirche und Tiere e.V. – AKUT“ vorbildlich repräsentiert.

Vielleicht als schöngeistigen Ausgleich, präsentiert der Klerus im Gegenzug dafür den Gläubigen Jahr für Jahr zu Weihnachten ein rührseliges, öffentlich aufgeführtes Bühnenstück im Altarraum, ein harmonisches Miteinander zwischen göttlichem Christkindlein in der Krippe und den Tieren. Ochs, Esel und Schafe sind die standardisiert auserwählten Mitgeschöpfe, die einmal jährlich anbetend zusammen mit Hirten und Königen, geschützt und friedlich, Jesus zu Füßen liegen dürfen. Die Realität des heutigen, verlogenen, brutalen Alltagsgeschehens, dem die Tiere ansonsten millionenfach ausgesetzt sind, findet hingegen denkbar wenig Erwähnung.

Die Amtskirche braucht bei Laune gehaltene Christen, gutmütige, unkritische Zahler der Kirchensteuer, zwangseingetrieben von Vater Staat – ein sich gegenseitig seit Jahrhunderten genial (unter-)stützendes Konglomerat.

Doch die Fassade bröckelt. Ungemach dräut. Immer mehr ernsthafte Christen erwachen aus tradierter Duldungsstarre und drängen befreit aus den Fesseln der Amtskirche. Wie auch Hans Apel. Einst Bundesminister für Verteidigung und für Finanzen sowie ehemaliger evangelischer Kirchenvorstand, ist er aus der Amtskirche aus- und in eine Freikirche eingetreten.

In seinem Buch „Volkskirche ohne Volk“ stellt er fest: „Wenn Menschen nach Gott suchen, suchen sie immer weniger bei der Evangelischen Kirche.(…) Neue Religiosität manifestiert sich vor allem außerhalb der beiden Großkirchen.“ Und er liest der Amtskirche tüchtig die Leviten: „Für ihr weitgespanntes Netz ihrer Sozialeinrichtungen – Kindergärten, Altenheime, Krankenhäuser zahlen der Staat und ihre Benutzer bis zu 95 Prozent der anfallenden Kosten. Insofern werden die Kirchensteuerzahler systematisch belogen, wenn ihnen vorgegaukelt wird, nur durch ihre Zahlungen würde die sozialkaritative Arbeit der beiden Großkirchen ermöglicht“. Und weiter, „… kirchliche Außenseiter und Sinnvermittler, die neu auf den Markt drängen, sollen durch Verleumdungen und Verdächtigungen kleingehalten werden“. Die „Drecksarbeit“ der „Sektenbeauftragten“ – so Apel wörtlich – werde die Volkskirche aber nicht retten.

Die heute vorliegenden Bibeltexte vermelden keinesfalls das schiere vom Himmel gefallene Wort Gottes, wie manche wohl noch glauben. Es handelt sich um Übersetzungen von Übersetzungen und Abschriften von Abschriften. Viele pfuschten in den „Heiligen Schriften“ nach wohl kalkuliertem Gutdünken herum. Belegt ist, dass allein in der Vulgata, der Bibelübersetzung von Hieronymus (um 400 n. Chr.) etwa 3500 (!) Stellen verändert und verfälscht wurden (s.u.a. Karl-Heinz Deschner ´ Der gefälschte Glaube´).

Schriften der Urchristen – die man bis heute versucht, sehr zielgerichtet zu diskreditieren (ähnlich dem Schicksal vieler Naturreligionen!) – belegen ein Vegetariertum und eine allumfassende Nächstenliebe, die auch Tiere umfasste.

Diese Lehren liegen heute von den Hohepriestern des Kirchentums zertreten am Boden und man huldigt einem Vatikan, der im Zeitalter von Aids und die Erde verschlingenden Menschenmassen, Präservative verteufelt! Eine Lizenz für religiös-fanatische, skandalöse Verwirrtheiten beanspruchen – wie man hier sieht – nicht nur Islam und Judentum.

Man denkt und handelt heute „evangelisch“ oder „katholisch“ oder sonstigem selbst zusammen gebasteltem Möchte-gern-Christentum – aber nicht mehr christlich. Ein ernsthaft gelebtes Gutsein im besten Sinne des Wortes – die Intention aller Religionen – “…orientiert sich nicht an der Hautfarbe, der Zahl der Beine noch der Behaarung der Haut. Denn ein erwachsenes Pferd oder ein erwachsener Hund sind (schon) weitaus verständiger und mitteilsamer als ein Kind, das eine Woche oder sogar einen Monat alt ist. Doch selbst wenn es nicht so wäre, was würde das ändern? Die Frage ist nicht: Können sie denken oder sprechen, sondern können sie leiden?“ (Jeremy Bentham 1748-1832).

Dem ist nichts hinzuzufügen. Moral, Ethik und gelebte Nächstenliebe sind nicht nach beliebigem Gutdünken anwend-und teilbar.

Die Amtskirche, armselig fixiert auf die „Krone der Schöpfung“ und unfähig über den Tellerrand anthropozentrischen Denkens zu blicken, ist leider ein unglaubwürdiger Torso. Nimmt es Wunder, dass immer mehr Christen die morsch gewordenen Gemäuer der Kirche verlassen? Menschen- und Tierschutz gehören in göttlichem Sinne untrennbar zusammen. Und Christsein definiert sich keinesfalls zwingend über die Zugehörigkeit zu einer Großkirche.

Dieser schmerzhafte Lernprozess wird der Kirche nicht erspart bleiben: Gott ja, Amtskirche nein – nur so kann der Leitspruch für ernsthafte (!) Christen heute lauten.

Verwiesen wird auf weiterführende Literatur von Hubertus Mynarek (Kritiker kontra Kriecher – Menschenverachtung in den christlichen Kirchen), Eugen Drewermann (Der tödliche Fortschritt), oder Karl-Heinz Deschner und seine einzigartige, groß angelegte Dokumentation „Kriminalgeschichte des Christentums“.

V.i.S.d.P.: Ulrich Dittmann / April 2010