In Memory 0f Karlheinz Deschner (25)

Karlheinz Deschner im Kreuzfeuer kritischer und befürwortender Stimmen ….

. wobei seine Kritiker in ihrer Eigenschaft als hochkarätige Vertreter beider Kirchen selbstverständlich seine „Kriminalgeschichte des Christentums“ als überspitzt und übertrieben herunterspielen und sich dementsprechend als große Dummköpfe und als nicht besonders intelligent und wahrheitsliebend erweisen.

Die hasserfüllten Augen des Herrn Deschner (1)


Die hasserfüllten Augen des Herrn Deschner (2)


In Memory of Karlheinz Deschner (23)


Fortsetzung vom vergangenem Sonntag

Und natürlich darf der Mensch auch künftig seine „Mitgeschöpfe“ kaum vorstellbar gräßlich zu Tode schinden. Zwar sollen, einigen Fachleuten zufolge, Tierversuche für die Medizin wissenschaftlich wertlos sein – doch auch andernfalls wäre ich ausnahmslos dagegen.

Ihr Wert für die Wirtschaft aber ist unbestritten. Für den Vatikan, beteiligt an Pharmafirmen, ist diese fürchterlichste Tortur der Welt, diese gesammelte immerwährende Grausamkeit bis zum Tod, „sittlich zulässig“. Auch und gerade für seine Heiligkeit Johannes Paul II. können Tiere „natürlich … Gegenstand (!) von Experimenten sein“, wie er am 23. Oktober 1982 verlauten ließ – von Experimenten, die der Hindu Ghandi „das schwärzeste aller Verbrechen“ nennt. (Diesem Verbrechen fielen 1989 allein in Deutschland – nach einem allerdings sehr unvollständigen Regierungsbericht – 2,64 Millionen Tiere zum Opfer.)

Freilich, wie sollte die Gemeinschaft der Heiligen (und Scheinheiligen), wie sollte eine monopolistische Marktform im Mantel der Religion, die jahrhundertelang auch „Ebenbilder Gottes“ unbarmherzig peinvoll-böse mund- und mausetot machte, deren phänomenalster Werbeautor Augustin, angeblich „umflossen vom milden Glanze unbegrenzter Güte“ (Martin Grabmann), in Wirklichkeit Urvater aller mittelalterlichen Henkersknechte, schon um 400 sogar das Foltern – selbst von (schismatischen) Christen – nicht nur eine Bagatelle im Vergleich zur Hölle nennen, sondern geradezu als „Kur“ (emendatio) heils- und inquisitionsgeschichtlich etablieren konnte, wie sollte eine Kirche, die unmittelbare und mittelbare Mörderin von Hunderten von Millionen schuldloser Menschen, tierisches Leben nicht nur verbal, nicht nur sub specie momenti, und sei es mit noch so sonorer Phraseologie in Sonntagsreden, Tiergottesdiensten, durch Tieresegnen, Weihwasserbespritzen et cetera, sondern tatsächlich schützen? Wie sollte sie Tieren eine Seele zugestehen, die sie, beim Rauben fremder Länder, noch Menschen anderer Rasse und Lebensart absprach?

Auch viele Rom-Katholiken empörte dieser Weltkatechismus. Renato Moretti, der wackere Franziskaner, schrie gar: „Satan ist im Vatikan eingezogen!“ Immerhin gibt es Gottesdiener, beschämend wenige, die nicht bloß moderat für die „unbeweinte Kreatur“ streiten (Joseph Bernhart), sondern die auch den „Verrat der Kirchen an den Tieren“ geißeln (Carl Anders Skriver), dabei aber das Christentum rechtfertigen, reinwaschen wollen oder, wie der sicher meritenreiche Oxforder Theologe und Tierethiker Andrew Linzey, wenigstens den „Geist des Evangeliums“, das doch ohne jeden bestimmten Anhalt dafür ist.

Nirgends lehrt Jesus: Schützt die Tiere – er tötet zweitausend.

Mit Vorliebe sucht man heute das Alte Testament zu salvieren. Ungeachtet dutzendweiser wutschäumender Ausrottungsdirektiven seines Götzen betont man die angebliche Achtung der „Schrift“ vor dem Leben, ihr altes Schöpfungswissen, die Schöpfungsgemeinschaft von Mensch und Tier et cetera – nichts als vages, sich auch schnell in Widersprüche verhaspelndes Gestammel oder glatte Heuchelei. In aller Regel nämlich ist aus der Bibel ganz klar das Gegenteil herauszulesen und deshalb auch ganz klar das Gegenteil hervorgegangen. Und zu dem Auftrag, der ihr so fatal voransteht und unserer Historie geradezu posaunenhaft präludiert, gehört nun einmal untrennbar der Nachhall, die Wirkung.

Wie erbärmlich jedoch, die Wurzeln des Unheils im Alten Testament, im Christentum zu ignorieren und die Schuld dafür besonders und immer wieder auf das entchristlichte (gewiß nicht zu entlastende, hemmungslos entfesselte, nichts als profitgeile) Wirtschaftssystem der Moderne zu schieben (vgl. etwa die „Arbeitshilfen“ 113, 1993, S. 7 f. des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz). Denn wie Hitlers Tötung der Juden die terrible Konsequenz ihrer fast zweitausendjährigen blutrünstigen Verfolgung durch die Kirchen ist, so ist die jeder Beschreibung spottende moderne Vermarktung des Tieres nicht als die technisch forcierte und perfektionierte Fortsetzung eines nie abreißenden Massenmordes durch alle christlichen Zeiten, das Resultat letztlich des Anfangsschreis: „Machet sie euch untertan“ – das umfassendste Unterjochungs- und Todesverdikt der Geschichte, infernalischer Auftakt der Deformierung eines Sterns zum Schlachthaus.

Seit zwei Jahrtausenden brüstet sich die Christenheit, das Tieropfer von Anfang an abgeschafft zu haben. Stimmt. Und doch hat sie mehr Tiere geopfert als jede andere Religion – nur nicht mehr Gott, sondern dem eigenen Bauch.