Hunderttausende Opfer weltweit: Katholische Kirche braucht dringlichst „Chemotherapie“

Seit Jahrzehnten erschüttern die weltweiten Missbrauchsskandale der katholischen Kirche die Öffentlichkeit. Vier Tage lang sprachen nun im Vatikan hochrangige Vertreter der katholischen Kirche über diese unzähligen Skandale und Vorfälle priesterlichen Kindesmissbrauchs und viele der demonstrierenden Opfer forderten eine „Chemotherapie“ für die katholische Kirche. Papst Franziskus versprach Besserung, doch der weltweite Eklat wirft Fragen auf: Ist die katholische Kirche noch zu retten?

Doch wehe all denen, die es wagen, jene Kleriker, die Kinder missbrauchten, an den Pranger zu stellen, denn laut Aussage des Papstes sollte sich jeder immer darüber bewusst sein, „dass er selbst auch Sünder sei und daher auch anderen vergeben. Schon die Bibel spreche vom Teufel als Ankläger. Wer sein Leben nur damit verbringe, anzuklagen, sei Freund und Familie des Teufels.“

Tierfreund Hubert schreibt hierzu in seinem Blog-Artikel „Vatikan-Konferenz – das Fiasko des Franziskus“ folgendes:

Da lädt der Papst Bischöfe aus der ganzen Welt ein um das große Problem der Kirche mit dem sexuellen Missbrauch weltweit in ihren Institutionen aufzuarbeiten und einen ganz neuen Umgang damit zu fordern … und dann kommt sowas dabei heraus – nämlich ZERO. Er tut so als ob er der oberste Kinderschützer wäre und will auch noch außerkirchliche Menschen damit belehren. Entweder tut er so – oder er hat wirklich nichts verstanden. Die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche hat einen schweren Treffer erhalten. Der Schweizer Jean-Marie Fürbringer, ein Missbrauchsopfer, hatte wohl recht als er sagte: „dem Teufel die Schuld zu geben, sei „pastorales Blabla“.

Foto: picture alliance/dpa

Es folgen Auszüge von Tagesschau.de :

Opfer von Vatikan-Konferenz enttäuscht

Ein „Fiasko“, eine „vertane Chance“ – die Kritik der Betroffenen-Verbände an der Anti-Missbrauchskonferenz im Vatikan ist scharf. Und das, obwohl der Papst in seiner Abschlussrede deutliche Worte fand. Der mehrtägige Krisengipfel im Vatikan zum Kindesmissbrauch hat Enttäuschung bei den Opfern ausgelöst, die auf konkrete Maßnahmen der katholischen Kirche gehofft hatten. Papst Franziskus versicherte zum Abschluss der viertägigen Sonderkonferenz zwar, die Kirche werde künftig jeden einzelnen Fall mit „äußerster Ernsthaftigkeit“ verfolgen. Ein Priester, der Kinder missbrauche, sei ein „Werkzeug des Satans“.

Opferverbände zeigten sich aber enttäuscht von der Rede und beklagten einen Mangel an wirklicher Veränderung. Der Schweizer Jean-Marie Fürbringer, der wie viele andere Missbrauchsopfer auf dem Petersplatz das Ende der Konferenz abgewartet hatte, sagte, dem Teufel die Schuld zu geben, sei „pastorales Blabla“.

Auch Matthias Katsch vom deutschen Opferverband „Eckiger Tisch“ erklärte, die Rede des Papstes sei „der schamlose Versuch, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, ohne sich der Schuld und dem Versagen zu stellen und wirkliche Veränderung anzugehen“. Ein „Fiasko“ und eine „vertane Chance“ nannte Thomas Schüller, Direktor für Kanonisches Recht an der Universität Münster, die Papst-Rede.

Von br.de : Wie erleben Opfer die Missbrauchskonferenz im Vatikan?

Sie sind die Gesichter dieses Gipfels. Frauen und Männer, die als Kinder von Priestern missbraucht worden sind. Und während die Bischöfe hinter verschlossenen Türen beraten, werden die Opfer nicht müde, vor den Vatikantoren ihre Geschichte zu erzählen. Wie Alessandro Battaglia, der mit 15 von einem Priester sexuell missbraucht wurde. „Jeder von uns hat mindestens einmal versucht, sich das Leben zu nehmen.“ Nur mit viel Mühe schafft es Alessandro, über das Trauma seines Lebens zu sprechen.

Er, der in seiner Jugend in der Kirche aktiv war, als Pfadfinder, als Jugendleiter, hat seinen Glauben verloren. „Sie haben mir den Glauben gestohlen. An eine Kirche, einen Gott, der so etwas zulässt, kann ich nicht mehr glauben.“ Bei der Gerichtsverhandlung gegen den Mann, der Alessandro vergewaltigt hat, kommt heraus, dass der Weihbischof damals empfohlen hat, den Täter zu versetzen.

Auch Bischöfe in Italien hätten Täter-Priester nur in andere Gemeinden versetzt. Battaglia: „In Italien gibt es fünf Bischöfe, die vor Gericht zugegeben haben, pädophile Priester in andere Gemeinden versetzt zu haben, die also wie in meinem Fall Taten vertuscht haben.“

Auch Matthias Katsch ist wie viele Opfervertreter enttäuscht, dass Überlebende bei dieser Konferenz nur eine Nebenrolle spielen. Wie Kirche Missbrauch in den eigenen Reihen bekämpfen muss, würde er gerne den Konferenzteilnehmern persönlich sagen, vor allem einem Mann. „Stellen sie sich vor, der Papst öffnet morgen den Petersdom und sagt: Alle Betroffenen kommt her, ich empfange Euch, ich höre euch zu!“ Aus vielen Nationen sind Missbrauchsopfer in diesen Tagen nach Rom gereist. Für viele von ihnen ein enormer Kraftakt – auch finanziell.

.Siehe auch „Interview mit Matthias Katsch“ auf feinschwarz.net

Und hier noch ein Song für und über Papst Franziskus von Extra 3, denn die katholische Kirche ist alles andere als heilig, sondern sehr, sehr sündhaft und schuldbeladen:

Fiesta Vatikana

Aphorismen von Karlheinz Deschner

Aus dem Buch „Für einen Bissen Fleisch“

Karlheinz Deschner gehört zu den vielen Querdenkern, die von Arthur Schopenhauer geprägt, ja – wie Deschner selbst äußerte – „aufgewühlt“ wurden. Wie sehr Arthur Schopenhauer ihn geprägt hat, wird auch in Deschners bissigen und nachfolgenden Aphorismen deutlich, die ganz gewiss auch jedem Tierrechtler aus dem Herzen gesprochen sind. Es ist gerade seine konsequente Tierliebe, seine immense Kenntnis der Kirchengeschichte, die Deschner zu einen entschiedenen Gegner der Kirche, ja zur christlichen Religion machten.

Das schwärzeste aller Verbrechen (Teil 4)

Fortsetzung vom 10. Februar 2019

„Grausamkeit gegen Tiere“, notiert Alexander von Humboldt, „kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen.“ Aber bei wahrer Religion. Tausende von Tieren wurden vom 9. bis zum 19. Jahrhundert – segensreiche Nachwehen alttestamentlicher Theokratie – strafverfolgt und barbarisch exekutiert, häufig wegen sogenannter Bestialität (sodomia ratione generis).

Auch den Klerus bedrohte man dafür mit Strafen, erst recht die Laien, und wollte noch die lasterhaften Tiere umgebracht und den Hunden vorgeworfen sehen. Doch auch Hunde büßten, hatten sie gesündigt, schrecklich, wie jene „Punzenlecker“, die man 1771 im Pariser Raum, waren sie Rüden, sämtlich konfiszierte und verbrannte. Denkwürdig, beiläufig, daß die christliche Kirche das von den Juden übernommene Gesetz gegen Bestialität auf die Juden selbst ausgedehnt hat. Galt doch der Koitus zwischen Christ und Jüdin – hier knüpften, wie nicht selten dann in dieser Hinsicht, die vom Kirchenschwachsinn inspirierten Nazis an – als gleichwertig dem mit einem Tier.

Nun gibt es Christen, die gern jenen, der dem Bruder Esel predigte, den Vögeln, als Alibi benutzen, Franz von Assisi, diese fast singuläre Lichtgestalt in all den finsteren Geschehnissen der Kirchengeschichte. Seine Beziehung aber zum Tier, wie halbherzig auch immer – er wandte sich bei eklatanten Roheitsakten „nicht gegen die Roheit selbst und erst recht nicht gegen die Rohlinge persönlich“ (so der Bayreuther Soziologe Gotthard Teutsch) -, nahm die Kirche nie wirklich ernst. Papst Innozenz III. kommentierte, der Überlieferung zufolge, er solle doch den Schweinen predigen.

Und dreieinhalb Jahrhunderte später, 1567, verbot Pius V. – Inquisitor und heilig – durch die Bulle „De salute gregis“ zwar Stierkämpfe „für ewige Zeiten“ doch nicht, wie meist hingestellt, als Humanitätsakt gegenüber den Stieren und oft grauenhaft krepierenden Pferden, sondern nur, wegen der „häufigen Todesfälle von Menschen, Verstümmelungen menschlicher Glieder und Gefahr für das Seelenheil“. Wieder dreihundert Jahre darauf, Mitte des 19. Säkulums, untersagte Pius IX. die Eröffnung eines Tierschutzbüros in Rom, habe der Mensch doch, was Tiere betrifft, keinerlei Pflichten – und 1985 erfolgte der erste Schritt zu seiner Heiligsprechung kraft offizieller Anerkennung seiner „heroischen Tugend“.

Und heute? Klipp und klar erklärt 1993 der „Katechismus der Katholischen Kirche“: „Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bilde geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig …“

Ja, hält dieser katholische Katechismus nicht weiter Tür und Tor offen für jede Scheußlichkeit gegenüber einer ganz und gar wehrlosen, ganz und gar schuldlosen, aber ganz und gar versklavten Kreatur? Gegenüber Geschöpfen, die oft in ihrem Erleben, Fühlen, wie Genetik, Biologie, Verhaltensforschung, wie ja auch alltägliche Erfahrungen zeigen, uns in vielem sehr ähnlich, uns nicht selten inniger, treuer zugetan sind selbst als menschliche Freunde?

Doch fort und fort darf das animal rationale mit (nicht nur) katholischem Plazet Leichen genießen, fort und fort darf es weiter sich vollstopfen mit Fleisch und Fisch bis zum Rande seines Fassungsvermögens, wofür Jahr um Jahr Milliarden „Mitgeschöpfe“ verröcheln müssen, weit mehr als die Hälfte unbetäubt ist, ja auch nach den EKD-„Texten“ 41, 1991, das „Gewaltverhältnis“ zwischen Mensch und Tier „grundsätzlich unaufhebbar“. Und weiter darf der Mensch, laut „Weltkatechismus“, sich geschäftlich der Tiere bedienen.

Und wie bedient er sich? Indem er Robbenbabys vor den Augen ihrer Mütter zu Tode knüttelt. Indem er Karakullämmer gleichsam pränatal aus dem Mutterleib prügelt. Indem er in den Ferkel-, den Hühnerbatterien, den Mastboxen und Dunkelställen die ihm rettungslos, ihm wie Sachen, nein, wie Dreck Ausgelieferten derart zusammenpfercht, daß sie in ihrer Not einander Schwänze und Ohren abbeißen oder die eigenen Jungen fressen. Und seit dem 11. Dezember 1996 erlaubt unsere christliche Regierung das Halten von noch mehr Tieren als bisher „pro Anlage ohne Genehmigung“ – beinah dreimal soviel!

Man bedient sich der ohnmächtigen Kreatur, der „Mitgeschöpfe“, indem man ungezählte Kälbchen auf qualvollstem Transport ihren Schlächtern lebend, sterbend, schon krepiert, zukarrt, um die „Frühvermarktungs-„, die „Herodes-Prämie“ zu kassieren, ein Schimpf- und Schandgeld sondergleichen!

Das Monster der Schöpfung darf Tiere zum Amüsement gebrauchen. Und wie gebraucht es sie? Indem es Enten, Gänsen, Hühnern um die Wette die Köpfe abreißt. Indem es beim „Steer Busting“ Tiere mit dem Lasso an den Hinterläufen fängt und herumschleift, bis sie sterben. Indem es Stieren, vor ihrem Todeskampf in der Arena, die Nase mit Watte verstopft, die Augen mit Vaseline verkleistert. Indem es an gewissen Heiligenfesten in Spanien mit pfarrherrlichem Beistand Ziegen und ihre Jungen lebend vom Kirchturm stürzt.

Und natürlich darf der Mensch auch künftig seine „Mitgeschöpfe“ kaum vorstellbar gräßlich zu Tode schinden. Zwar sollen, einigen Fachleuten zufolge, Tierversuche für die Medizin wissenschaftlich wertlos sein – doch auch andernfalls wäre ich ausnahmslos dagegen.

Ihr Wert für die Wirtschaft aber ist unbestritten. Für den Vatikan, beteiligt an Pharmafirmen, ist diese fürchterlichste Tortur der Welt, diese gesammelte immerwährende Grausamkeit bis zum Tod, „sittlich zulässig“. Auch und gerade für seine Heiligkeit Johannes Paul II. können Tiere „natürlich … Gegenstand (!) von Experimenten sein“, wie er am 23. Oktober 1982 verlauten ließ – von Experimenten, die der Hindu Ghandi „das schwärzeste aller Verbrechen“ nennt.

Freilich, wie sollte die Gemeinschaft der Heiligen (und Scheinheiligen), wie sollte eine monopolistische Marktform im Mantel der Religion, die jahrhundertelang auch „Ebenbilder Gottes“ unbarmherzig peinvoll-böse mund- und mausetot machte, deren phänomenalster Werbeautor Augustin, angeblich „umflossen vom milden Glanze unbegrenzter Güte“ (Martin Grabmann), in Wirklichkeit Urvater aller mittelalterlichen Henkersknechte, schon um 400 sogar das Foltern – selbst von (schismatischen) Christen – nicht nur eine Bagatelle im Vergleich zur Hölle nennen, sondern geradezu als „Kur“ (emendatio) heils- und inquisitionsgeschichtlich etablieren konnte, wie sollte eine Kirche, die unmittelbare und mittelbare Mörderin von Hunderten von Millionen schuldloser Menschen, tierisches Leben nicht nur verbal, nicht nur sub specie momenti, und sei es mit noch so sonorer Phraseologie in Sonntagsreden, Tiergottesdiensten, durch Tieresegnen, Weihwasserbespritzen et cetera, sondern tatsächlich schützen? Wie sollte sie Tieren eine Seele zugestehen, die sie, beim Rauben fremder Länder, noch Menschen anderer Rasse und Lebensart absprach?

Auch viele Rom-Katholiken empörte dieser Weltkatechismus. Renato Moretti, der wackere Franziskaner, schrie gar: „Satan ist im Vatikan eingezogen!“ Immerhin gibt es Gottesdiener, beschämend wenige, die nicht bloß moderat für die „unbeweinte Kreatur“ streiten (Joseph Bernhart), sondern die auch den „Verrat der Kirchen an den Tieren“ geißeln (Carl Anders Skriver), dabei aber das Christentum rechtfertigen, reinwaschen wollen oder, wie der sicher meritenreiche Oxforder Theologe und Tierethiker Andrew Linzey, wenigstens den „Geist des Evangeliums“, das doch ohne jeden bestimmten Anhalt dafür ist.

Nirgends lehrt Jesus: Schützt die Tiere – er tötet zweitausend.

Mit Vorliebe sucht man heute das Alte Testament zu salvieren. Ungeachtet dutzendweiser wutschäumender Ausrottungsdirektiven seines Götzen betont man die angebliche Achtung der „Schrift“ vor dem Leben, ihr altes Schöpfungswissen, die Schöpfungsgemeinschaft von Mensch und Tier et cetera – nichts als vages, sich auch schnell in Widersprüche verhaspelndes Gestammel oder glatte Heuchelei. In aller Regel nämlich ist aus der Bibel ganz klar das Gegenteil herauszulesen und deshalb auch ganz klar das Gegenteil hervorgegangen. Und zu dem Auftrag, der ihr so fatal voransteht und unserer Historie geradezu posaunenhaft präludiert, gehört nun einmal untrennbar der Nachhall, die Wirkung.

Wie erbärmlich jedoch, die Wurzeln des Unheils im Alten Testament, im Christentum zu ignorieren und die Schuld dafür besonders und immer wieder auf das entchristlichte (gewiß nicht zu entlastende, hemmungslos entfesselte, nichts als profitgeile) Wirtschaftssystem der Moderne zu schieben (vgl. etwa die „Arbeitshilfen“ 113, 1993, S. 7 f., des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz).

Denn wie Hitlers Tötung der Juden die terrible Konsequenz ihrer fast zweitausendjährigen blutrünstigen Verfolgung durch die Kirchen ist, so ist die jeder Beschreibung spottende moderne Vermarktung des Tieres nicht als die technisch forcierte und perfektionierte Fortsetzung eines nie abreißenden Massenmordes durch alle christlichen Zeiten, das Resultat letztlich des Anfangsschreis: „Machet sie euch untertan“ – das umfassendste Unterjochungs- und Todesverdikt der Geschichte, infernalischer Auftakt der Deformierung eines Sterns zum Schlachthaus. Seit zwei Jahrtausenden brüstet sich die Christenheit, das Tieropfer von Anfang an abgeschafft zu haben, stimmt. Und doch hat sie mehr Tiere geopfert als jede andere Religion – nur nicht mehr Gott, sondern dem eigenen Bauch.