Herbstzeit ist Jagdzeit

Während in den Sommermonaten viele – leider nicht alle – Wildtiere noch Schonzeit haben, dürfen Jäger im Herbst auch wieder Feldhase, Fasan und Rebhuhn töten. Und damit sind wir auch schon beim Thema: die Treibjagd ist eine Form der Gesellschaftsjagd, bei der Treiber und Hunde das Wild aufscheuchen und die flüchtigen Tiere vor die Flinten (meist, aber nicht nur) von Männern treiben, deren Freizeitbeschäftigung das Töten von Tieren ist.

Gerne sind das auch mal Gruppen von Jägern aus den benachbarten Niederlanden (wo die Jagd weitgehend eingeschränkt ist), die hier gegen entsprechendes Entgelt an den Jagdpächter unsere auf roten Listen der gefährdeten Tierarten stehenden Feldhasen oder Rebhühner schießen. Im Jagdjahr 2015/16 (jeweils April bis März) sind in Deutschland (nach der vom Jagdverband veröffentlichten Statistik) noch 241.899 Feldhasen und 2.683 Rebhühner geschossen worden (ein kleiner Teil dieser Tiere wurde auch überfahren). Vor zehn Jahren waren das noch fünfmal so viele Rebhühner und etwa zweieinhalbmal so viele Feldhasen.

Nun sollte man nicht glauben, dass der Rückgang der „Jagdstrecke“ auf jagdliche Zurückhaltung zurückzuführen ist, sondern vielmehr darauf, dass der Bestand dieser Tierart signifikant zurückgegangen ist. Hauptursache dafür, dass es kaum noch Rebhühner und relativ geringe Feldhasenbestände gibt, ist die Industrialisierung der Landwirtschaft – Artenfeind Nr. 1. Spritzmittel, die Bearbeitung der Felder mit immer größerem und schnellerem Gerät, in kürzeren Abständen und mit höherer Intensität raubt vielen Tieren die Lebensgrundlagen. Eine Vielfalt von Kräutern und Insekten gibt es heute auf den Feldern kaum, die infrage kommenden Lebensräume wurden zerstört oder werden intensiv bearbeitet – was letztlich auch einer Zerstörung gleichkommt. Das in dieser Situation überhaupt noch Treibjagden auf das sogenannte Niederwild stattfinden, finden wir unverantwortlich.

Aus Sicht des Tierschutzes wird neben dem negativen Einfluss dieser Art der Jagd auf gefährdete Bestände insbesondere kritisiert, dass die Treffsicherheit bei Treibjagden gering ist. Die Tiere sind hoch flüchtig und werden nur selten mit dem ersten Schuss getötet, was dann zu erheblichen Todesqualen führen kann. Oft kommt hinzu, dass das jagdliche Handwerk so miserabel ausgeführt wird, dass nur ein geringer Teil der getöteten Wildtiere überhaupt verwertet werden kann.

Beides gilt übrigens nicht nur für Treibjagden auf die kleinen Tierarten, bei der auch jeder Fuchs und jeder Dachs „mitgenommen“ wird, sondern auch bei Bewegungsjagden (z.B. Drückjagd) auf Rotwild (Hirsche) oder Wildschweine. Da beträgt Untersuchungen zufolge die „Blattschuss-Quote“ (erster Treffer tödlich) gerade einmal 35 %. Eine „unverzügliche“ Nachsuche von verletzten Tieren, wie sie auch von den Jagdgesetzen gefordert wird, findet in der Regel nicht statt. Der Ablauf der Treib- oder Drückjagd würde erheblich gestört werden.

Dennoch werden diese und andere Tierquälereien im Rahmen der Jagd so gut wie nicht geahndet – der Nachweis ist für einen Außenstehenden einfach schwer zu führen. Und selbst wenn er ihn führen kann, stößt er bei der Staatsgewalt nicht selten auf pro Jagd eingestellte Richter oder Staatsanwälte. Eine behördliche Genehmigung oder gar Aufsicht von Gesellschaftsjagden ist vom Gesetz her nicht vorgesehen. Man überlässt die Jagd und die Jäger sich selbst – mit der Konsequenz, dass es hier nicht nur unendliches Tierleid gibt, sondern Jahr für Jahr auch einige hundert Personen durch Schusswaffen verletzt und 20 – 40 Menschen getötet werden.

Die Politik ist hinsichtlich einer Kontrolle der Jagd und der Umsetzung ihrer eigenen Gesetze weitgehend untätig. Die Aufnahme des Tierschutzes als Staatsziel im Rahmen der Verfassungsänderung von 2002 hat bisher nur zu wenigen Änderungen der aktuellen Jagdgesetzgebung geführt. Das Tierschutzgesetz scheint, wenn es um die Jagd geht, immer noch reine Makulatur zu sein. Kein Wunder, denn die führende Vertretung der Jäger in Deutschland, der Deutsche Jagdverband (DJV), ist bestens vernetzt. Die Präsidenten dieses Verbandes sind häufig ehemalige Minister oder Abgeordnete, nicht wenige Politiker sind passionierte Freizeitjäger, die für die Jagdgesetzgebung zuständigen Abteilungen in den Ministerien sind mit Jägern besetzt oder werden von Lobbyisten geleitet.

Quelle: wildtierschutz-deutschland.de


 

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Hilf uns!!!

Aufruf von Wildtierschutz Deutschland e.V. :

Liebe Tierfreunde!

Wir möchten Sie heute um Ihre Unterstützung bitten. Gemeinsam mit dem Fuchsexperten Daniel Peller haben wir anlässlich der Fuchswochen in Gießen eine Petition an den Petitionsausschuss des hessischen Landtags geschrieben, die bis heute von über 8.600 Unterstützern unterschrieben wurde.

Jedes Jahr werden in Deutschland fast 500.000 Füchse durch die Jagd getötet. Die meisten davon während der Wintermonate. Die Füchse sind dann in der Paarungszeit und weniger vorsichtig. Häufig liegt auch Schnee – ein weiterer Vorteil für den Jäger, der den Rotfuchs nun viel leichter ausmachen kann.

Die Gründe für die Fuchsjagd dienen dazu, die Öffentlichkeit hinter’s Licht zu führen.

Fuchsbestände lassen sich durch die Jagd nicht nachhaltig reduzieren. Die Tiere reagieren einfach mit mehr Nachwuchs. Für den Rückgang von Rebhühnern, Fasanen und Feldhasen ist nicht der Fuchs verantwortlich zu machen  – natürlich erbeutet er das ein oder andere kranke oder reaktionsschwache Tier – seine Hauptnahrung aber besteht aus Mäusen und aus Aas. Hauptursache für den Rückgang von Hasen und Bodenbrütern ist die intensive Landwirtschaft, die sowohl den Lebensraum als auch die Nahrungsgrundlage für viele Tierarten zerstört.

Wussten Sie, dass Jäger im vergangenen Jagdjahr ca. 100.000 Fasanen, 2.800 Rebhühner und 250.000 Feldhasen getötet haben?

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Video von Tierfilmer Jens Klingebiel: Eine Chance für den Fuchs

Sie sind schlau, sind sozial und sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Tierwelt. Dennoch sind Füchse verhaßt wie kaum ein anderes Tier. Der Fuchs wird von Jägern verfolgt und selbst die harmlos spielenden Jungfüchse vor ihrem Bau sind vor den besonders abgebrühten Jägern nicht sicher.

Diese Verfolgung ist in erster Linie das Ergebnis von „Futterneid“. Viele Jäger befürchten, durch den Fuchs weniger Abschüsse von Rebhühnern, Fasanen, Kaninchen und Enten zu haben. Daher versucht man den Bestand der Füchse extrem einzudämmen. Auf waidmännisches Verhalten wird dabei kaum geachtet – diese Aussage beruht leider auf eigenen Beobachtungen. Der Fuchs wird als lebende Zielscheibe genutzt. Dabei ist es vielen Jägern vollkommen egal, ob das Tier Schmerz empfindet oder schwer verletzt irgendwo verendet.

Deine Unterschrift gegen die Fuchsjagd

Von Dr. Bleibohm und Harald Hoos

Liebe Freunde der Tiere,

unsere Kollegen von Wildtierschutz Deutschland (www.wildtierschutz-deutschland.de) haben eine wichtige Petition gegen die Fuchsjagd ins Leben gerufen, die wir unterstützen und hiermit auch Sie um Unterstützung bitten:

Am 5. Januar 2017 hat der „Jagdverein „Hubertus“ Gießen u. Umgebung e.V.“ auf seiner Internetpräsenz eine Einladung zu den sog. „Fuchswochen 2017“ veröffentlicht. Während dieser „Fuchswochen“, die zu dieser Zeit vielerorts in Deutschland ausgerufen werden, findet traditionell eine besonders intensive Bejagung von Füchsen statt. Doch ist diese alte Tradition aus heutiger Sicht zeitgemäß und sinnvoll? Wir sagen nein!

Die Jagd auf Füchse ist nun einfacher, da die Füchse sich in ihrer Paarungszeit befinden und deshalb weniger vorsichtig als üblich sind. Zudem sind durch den Schnee aktive Baue und Wechsel leichter zu finden. Dies wird alljährlich ausgenutzt, um innerhalb von kurzer Zeit im Rahmen der Fuchswochen auch im Kreis Gießen möglichst viele Füchse zu töten. Im Jahr 2012 waren es beispielsweise 66 Füchse und im Jahr 2013 waren es sogar 106 Füchse (und einige andere Tiere), die alleine im Kreis Gießen den Jägern während den Fuchswochen zum Opfer gefallen sind – Tiere, die wichtige Funktionen in unserem Ökosystem wahrnehmen, empfindsame Wesen, Individuen mit Charakter, die zur selben Familie ‘Canidae‘ gehören, wie unsere geschätzten Haushunde und viele Eigenschaften mit ihnen teilen.

Wir sehen in der Fuchsjagd allgemein und in den Fuchswochen im Besonderen nichts weiter als ein grausames Treiben, für das es keinerlei sinnvolle Rechtfertigung gibt, denn :

Die Jagd auf Füchse ist kein geeignetes und schon gar kein nachhaltiges Mittel, einen sinnvollen Beitrag zum Natur-, Arten- und Wildtierschutz zu leisten.

Die Jagd auf Füchse hat generell keine regulierende Wirkung auf den Fuchsbestand, sondern kann sogar letztendlich zu einem Anstieg der Fuchspopulation führen.

Die Jagd auf Füchse ist kein geeignetes Mittel um die Befallsrate von Füchsen mit Wildkrankheiten (wie z. B. den Befall mit dem Fuchsbandwurm) zu reduzieren oder der Verbreitung von Wildkrankheiten vorzubeugen, sondern begünstigt die Verbreitung von Wildkrankheiten unter Füchsen sogar.

Die Jagd auf Füchse ist kein geeignetes Mittel, um bedrohte Arten zu schützen. Viele verschiedene Faktoren haben dazu geführt, dass es in unserer Kulturlandschaft unter den Tieren sowohl Gewinner als auch Verlierer gibt. Die Füchse tragen keine Schuld an dieser Entwicklung. Allerdings erfüllen Füchse und andere Beutegreifer wichtige Aufgaben im Ökosystem, die sie für einen gesunden Wildbestand unverzichtbar machen.

In Zeiten von Geflügelpest („Vogelgrippe“), Myxomatose (bei Kaninchen) und Hasenpest (Tularämie) in Hessen ist es geradezu unverantwortlich, Füchse – die natürliche Gesundheitspolizei – durch die Jagd dezimieren zu wollen. Füchse schützen durch die Erbeutung von kranken Tieren und die Beseitigung von Aas auch bedrohte Arten (z. B. Rebhühner, Hasen) vor der Ansteckung mit gefährlichen Seuchen, verhindern die Ausbreitung von kranken Tieren und leisten damit einen unschätzbar wertvollen Beitrag zur Gesunderhaltung des gesamten Wildbestands und auch zum Schutz von bedrohten Arten.

Auch die angebliche sinnvolle Nutzung der getöteten Füchse (z. B. die Verwertung des Pelzes) stellt aus unserer Sicht keinen vernünftigen Grund für die massenhafte Tötung von Füchsen dar. Echtpelzprodukte sind unweigerlich mit Leid und Tod von Tieren verbunden und es besteht keinerlei Notwendigkeit für Pelzprodukte als Kleidung oder vermeintlich modisches Accessoire. Zudem ist nur ein kleiner Bruchteil der Felle aus der Jagd überhaupt für eine Verwertung geeignet.

Umwelt-, Natur-, Arten- und Wildtierschutz bewegen sich im Spannungsfeld vieler Interessengemeinschaften. Ohne weitreichende Veränderungen (vor allem bei Jagd und Landwirtschaft) und Maßnahmen zum Schutz und zur Schaffung von ursprünglichen Naturflächen, die einen reichhaltigen Lebensraum für ALLE Tiere bieten, wird sich die ernste Situation für viele Tierarten in Deutschland nicht verbessern, sondern weiter verschlechtern.

Die Jagd auf Füchse leistet hierzu keinen sinnvollen Beitrag, sondern schadet Natur und Tierwelt und letztendlich auch uns Menschen auf vielfache Weise. Die Jagd auf Füchse muss daher eingestellt werden! Anstatt Füchse als Sündenböcke zu opfern und damit über die tatsächlichen Missstände in unserer Kulturlandschaft hinwegzutäuschen, müssen endlich sinnvolle und nachhaltige Konzepte zum verbesserten Umwelt-, Natur-, Arten- und Wildtierschutz erarbeitet und gegen die Unvernunft anderer Interessengemeinschaften durchgesetzt werden.

Eine ausführliche und anhand zahlreicher Quellen belegte Erläuterung und Begründung unserer Forderungen zu diesem komplexen Thema ist ausdrücklich ein Bestandteil dieser Petition, wird jedoch aufgrund der Zeichenbeschränkung des Petitionstextes in einem separaten Dokument bereitgestellt. Der komplette Petitionstext inkl. der ausführlichen Begründung und der Quellenangaben ist hier abrufbar. (http://www.fuchs-hilfe.de/Downloads/Petition_Fuchsjagd_2017.pdf)

Herzliche Grüße
für pro iure animalis
Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

Bitte unterschreibe hier die Petition gegen die Fuchsjagd :

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