Von Tierfreunden und Tierquälern


Es gibt viele Tierfreunde in Deutschland. Sehr viele. Wir gehören zu den tierfreundlichsten Ländern – sagt man. Und schenkt man Politikeraussagen Glauben, haben wir auch das beste Tierschutzgesetz der Welt. Kenner der Materie sprechen hingegen von einem »Tiernutzgesetz«, das in der Praxis kein Tier vor Misshandlung schützt. Denn der Begriff ‚Tierschutzgesetz‘ täuscht darüber hinweg, dass es leider eher Hauptanliegen des Gesetzes ist, gnadenlos die Ausbeutung von Tieren zu regulieren und letztlich auch zu legalisieren, als zu schützen. Und – sei es bei offiziellen Umfragen, oder in privaten Gesprächen, immer wieder wird von der Bevölkerung bekundet, wie sehr »tierlieb« man doch sei.

Es ist »in«, gehört heutzutage einfach zum guten Ton, sich demonstrativ zum Umweltschutzgedanken zu bekennen und ein Herz für Tiere zu zeigen. Doch wie tierfreundlich sind wir im Alltagsleben, wie sieht es wirklich aus? Ist vieles vielleicht nur ein leeres Lippenbekenntnis?

So bezeichnet sich ein Tierexperimentator – tagsüber beschäftigt ätzende Flüssigkeiten in Kaninchenaugen zu träufeln – abends, bei einem Fernsehinterview, währenddessen er demonstrativ für die Kamera seinen schwanzwedelnden Hund streichelt, als Tierfreund.

Auch der Betreiber einer Hühnerlegebatterie, dessen quälerisch gehaltene Tiere nach höchstrichterlicher Entscheidung »KZ-Hühner« genannt werden dürfen, sieht sich als Tierfreund und schämt sich nicht zu versuchen diese widerliche Tierschinderei mit perfiden Ausreden zu verteidigen, »… seine Hennen seien so vor natürlichen Feinden (Fuchs, Habicht) fürsorglich geschützt und legten wohlbehütet im Warmen ihre Eier«.

Reiter, die aus Ehrgeiz ihr ‚Sportgerät‘ Pferd überanstrengen, ja sogar zu Tode schinden, Züchter jeglicher Couleur, die stolz oft zusätzlich Krüppel-Qualzuchten »kreieren«, oder letztlich nur für den Schlachthof die ‚Ware‘ Tier vermehren, wie auch professionelle Tierhändler und Geschäftemacher und, und, und… – sie alle, alle geistern als »Tierfreunde« durch die Statistiken.

Auch bei den Kleintierliebhabern ist der Schritt von der Tierliebe zur Tierquälerei nicht allzu groß. Meist aus Unkenntnis der tierischen Bedürfnisse, Gleichgültigkeit, oder sträflicher Dummheit vegetieren Vögel in zu kleinen Volieren, Fische in schlecht belüfteten, überfüllten Aquarien, und sind Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Hausratten oder Mäuse dem Halter nach der ersten interessanten Zeit langweilig geworden und werden nur noch notdürftig versorgt, bis ein gnädiger Tod sie in ihren Käfigen von ihren Leiden erlöst.

Katzen werden wider besseres Wissen oftmals auch von »Tierfreunden« aus blankem Geiz nicht kastriert – trotz Katzenschwemme, trotz unübersehbarem Katzenelend und immerwährender verzweifelter Appelle der Tierschutzorganisationen. Der Hund hängt lebenslang an der Kette, oder kommt niemals aus dem Zwinger, oder dunklen Kellergewölben heraus – sein ‚Besitzer‘ sieht sich ebenfalls als Tierfreund, füttert er ihn doch, so etwas übriggeblieben ist, gewissenhaft mit Essensresten, gleich einer vierbeinigen Mülltonne.

Der deutsche Tourist, der mit dem Kauf einer Eintrittskarte die Barbarei des Stierkampfes in staubigen Arenen Spaniens unterstützt (Zitat: »… muss man doch gesehen haben, um mitreden zu können«) und anschließend im Schickeria-Restaurant genüsslich den bei lebendigem Leib in kochendem Wasser zu Tode gequälten Hummer als »Delikatesse« verspeist, mag sich möglicherweise auch als Tierfreund bezeichnen – hat er doch im heimatlichen Garten ein hübsches Vogelhäuschen aufgestellt.

Priester der Amtskirchen, Möchte-gern-Koryphäen der Nächstenliebe halten salbungsvolle Kanzelreden, tolerieren jedoch „politisch korrekt“ übelste Tierquälerei wie betäubungsloses Abmetzeln (Schächten) von Tieren, oder verherrlichen pharisäerhaft als Hege bezeichnetes Tun der Jagdgenossen und beweihräuchern in verfälschenden »Hubertusmessen« mit heuchlerischem Brimborium das Töten von Tieren in Wald und Flur.

Es ist schon schlimm, welch üble Fehler der liebe Gott bei seiner Schöpfung gemacht hat und neben bösartigem, konkurrierenden „Raubzeug“, wie Füchsen, streunenden Hunden, und Katzen, Grünzeug äsendem Rehwild, gar auch wühlende Wildschweine und andere störende Tiere schuf. All dieses Versagen muss die edle „Dornen“-Krone der Schöpfung im grünen Rock, nun mühsam mit Fallen, Schießeisen und über 1500 Tonnen Blei und Eisen jährlich ausbügeln. Mit im Jagdfieber zitternder Hand, werden so Tiere „angeschweißt“, krüppelig geschossen, sterben qualvoll mit zerfetzten Läufen und durchlöchertem Torso oft erst nach Wochen oder Monaten – keinesfalls bleiben die Tiere alle wunschgemäß „im Feuer“ liegen. “Wir Jäger sind begnadete Menschen” formulierte so einst auch in überwältigend bescheidener Selbsteinschätzung Jagdautor Fritz von Forell.(`Die Sache mit dem Waidwerk`, Seite 37, Dr. Horst Hagen/Herbig Verlag) Für diese lodengrün gewandeten, begnadeten Auserwählten, übertrifft wohl nur noch ihre Lust am Töten der Tiere, die Freude am vermeintlich so exorbitanten Wert ihres Menschdaseins…

So bastelt sich jeder nach eigenem Gutdünken (s)ein beliebiges Tierschutzverständnis zurecht. Das Wort »Tierfreund«, sprich ‚Freund des Tieres‘ wird zu leichtfertig gebraucht, ja vielfach missbraucht, stellt es doch im Sinne der Begrifflichkeit angewandt, eine hohen Anspruch. So ist es leicht und eigentlich selbstverständlich, dem im eigenen Haushalt lebenden Hund, oder der Katze, die artgerecht mit Familienanschluss gehalten werden, ein guter »Freund« zu sein. Man mag dann ein Hunde- oder Katzenfreund sein.

Aber ist man deshalb schon ein Tierfreund? Hier ist ein großes Fragezeichen angebracht. Soll unsere Freundschaft, unser Mitgefühl zum Tier glaubhaft und ernsthaft sein, darf sie nicht selektieren und klassifizieren in Streichel-, Nutz-, Versuchs- und Pelztiere, wie es oft – zu oft – auch von manchen selbsternannten Tierfreunden geschieht. Denn Freunde nutzt man nicht aus, zieht ihnen nicht das Fell über die Ohren – und Freunde isst man übrigens auch nicht auf. Denn “Fleisch ist kein notwendiger Bestandteil der menschlichen Ernährung.(…) Der Verzicht auf dieses Nahrungsmittel stellt keine unzumutbare Beschränkung der persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten dar.”

Diese weisen Erkenntnisse stammen nicht etwa aus einem Vegetarierhandbuch. Sondern, man höre und staune – es sind Zitate die im Zusammenhang mit dem (nach hier importierten) grauenvollen betäubungslosen Schächten von Tieren, schwarz auf weiß in den Urteilsbegründungen des Oberverwaltungsgerichts Hamburg und dem Bundesverwaltungsgericht Berlin nachzulesen sind. Hochrichterlich wird hier bestätigt was Mediziner, ernährungsbewusste Bürger und Tierfreunde schon lange wissen: Fleischessen ist absolut unnötig. Im Gegenteil, es ist maßgeblich verantwortlich für viele Krankheiten : Fettsucht mit infolge Kreislaufproblemen, Bluthochdruck, Schlaganfällen, Herzinfarkten, Diabetes, hohe Harnsäurewerte, Arthritis, Gicht , usw., usw.

Der Verzehr von Tierleichenteilen kann grundsätzlich nicht gesund sein – unabhängig von Skandalen mit Salmonellen, Trichinen, Knochen, Sehnen, Würmern, Blut, Gedärmen und sonstigen ekelerregenden halbverwesten Tierabfällen in Gammelfleischprodukten. Fleischessen ist unnötig wie ein Kropf und zweifellos nicht nur schädlich für das betroffene Tier.

Wer möchte schon als Tierquäler oder Tiertöter dastehen? Doch genau letzteres ist jedem Fleischesser indirekt vorzuwerfen. Denn die Nachfrage regelt das Angebot. Und Fleisch wächst bekanntlich nicht auf Bäumen – sondern wird als Massenware unter vielfach erbärmlichsten Bedingungen “erzeugt” und dann zu Billigstpreisen verramscht.

Der Begriff ‚Tierfreund‘ beinhaltet Verantwortung gegenüber aller Kreatur, gegenüber allen Tierindividuen und Arten, auch wenn sie uns persönlich nicht nahe stehen oder besonders sympathisch sind. Zur Verdeutlichung sei ein Beispiel angeführt: Wer zwingt uns das »Ekeltier« Spinne in der Wohnung totzuschlagen, anstatt das nützliche Krabbeltier zu fangen und unversehrt aus dem Fenster zu befördern? Ist es das Gefühl uns dabei lächerlich zu machen, oder nur Gedankenlosigkeit? Schon vor über 150 Jahren schrieb dazu Heinrich Heine: »Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten, aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.«

Gefordert ist mehr ehrliches Tierschutzverhalten im Alltagsgeschehen. Glaubwürdigkeit misst sich weniger an hehren Absichtserklärungen oder markigen Lippenbekenntnissen – sondern am Verhalten. Edle Gesinnungsethik muss in Handlungsethik münden. Was nutzt ein neu eingeführtes Staatsziel Tierschutz (s. GG Art 20 a), wenn die Umsetzung dieser Verfassungsvorgabe durch eine Verweigerung der Politik das Verbandsklagerecht auch für Tierschutzverbände einzuführen, brachial blockiert wird? Jedes »Nein« eines Volksvertreters zu dem rechtstaatlichen Instrument »Verbandsklage«, entlarvt auch das unmissverständliche Nein dieses Politikers zum Tierschutz – und muss auch das Wahlverhalten eines jedes ernsthaften (!) Tierfreundes beeinflussen!

Überall im Alltagsgeschehen könnte ein wenig mehr Ernsthaftigkeit und Nachdenklichkeit den Tierschutz voranbringen. Das beginnt bereits beim Einkauf. Dr. Andreas Grasmüller, München in einem Fernseh-Interview schon vor 20 Jahren:

»Wenn alle Hausfrauen, die für sich in Anspruch nehmen Tiere zu lieben, keine Eier aus der Legebatterie kaufen würden, wäre das Problem der Hühnerkäfighaltung längst gelöst«. Die Nachfrage regelt das Angebot. Eier aus artgerechter Freilandhaltung sind mittlerweile überall erhältlich. Andernfalls fragen Sie konkret danach – auch bei anderen Produkten vom Tier – um den Händler zur Listung von möglichst qualfrei erzeugten Tierprodukten mit einem Bio-Siegel zu motivieren.

Wenn wir auf das Tragen von Fell-Bekleidung nach Neandertaler-Manier (auch betr. Accessoires, oder versteckt als Futter verarbeitet) verzichten, würden auch in diesem Bereich viele vollkommen unnötige Quälereien vermieden. Wir können uns heute im Zeitalter modernster Fertigungstechniken und Hightech-Materialien warm und elegant kleiden, ohne perverse Eitelkeiten auf Kosten von qualvoll in Fallen gefangenen Wildtieren, oder verkrüppelten Zucht»pelz«tieren befriedigen zu müssen. »Ein Pelzmantel soll Vornehmheit repräsentieren. Aber bei soviel Qual, Not, Blut der geschundenen Kreatur, enthüllt er eine ganz andere Mentalität – Gefühlskälte, Arroganz und nichts als eitle Dummheit.« (Verhaltensforscher Vitus B. Dröscher)

Bei der Entwicklung immer neuer, für unser Wohlbefinden absolut überflüssiger Produkte aus den Chemieküchen, für Kosmetika, Putz- und Waschmittel, werden täglich tausende Tiere »verbraucht«. Sie leiden und sterben in den Laboratorien für Erzeugnisse die ohnehin in unüberschaubarem Überfluss auf dem Markt vorhanden sind. Dies müsste nicht sein, wenn der Verbraucher – sich seiner Verantwortung und Käufermacht bewusst – ausschließlich auf Naturprodukte, oder altbewährte Artikel zurückgreifen würde, die nicht (mehr) in Tierversuchen getestet werden.

Schließlich im medizinischen Bereich: Wann werden wir angesichts vielfacher Arzneimittelskandale endlich begreifen, dass mit Veterinärmedizin-Wissen – gewonnen im Tierexperiment – Homo sapiens Gebrechen nicht kurierbar sind? Denn der Mensch ist keine Maus! Und gerade hier, wie auch bei den in der letzten Zeit in die Kritik gekommenen Gen-Manipulationen trifft besonders zu: Nicht alles was machbar erscheint, ist auch erlaubt. Moral und Ethik sind nicht nach Belieben teil- und anwendbar.

Lassen wir uns also bei unserem Einsatz für unsere tierischen Mitgeschöpfe – die wirklich Ärmsten der Armen – nicht beirren. Jeremy Bentham (1748-1832):

“Wesentlich ist nicht die Zahl der Beine, die Behaarung, oder Farbe der Haut (…) Ein erwachsenes Pferd oder ein erwachsener Hund sind weitaus verständiger als ein Kind, das einen Tag, eine Woche, oder sogar einen Monat alt ist. Doch selbst wenn das nicht so wäre, was würde das ändern? Die Frage ist nicht, können sie denken oder sprechen, sondern – können sie leiden?“

Tiere sind die Sklaven der heutigen Zeit. Und solange wir ihre Fesseln nicht lösen können, müssen wir zumindest ihre Ketten lockern, ohne natürlich das Ziel – die Befreiung aller unter der Knute der Menschen ächzenden Kreatur – aus den Augen zu verlieren. So ist Tierschutzarbeit heute mehr denn je traurige Notwendigkeit. Mitleid alleine genügt nicht – helfen ist wichtig!

Und jeder kann helfen auf seine eigene, ihm individuell mögliche Art und Weise. Sei es durch aktive Mitarbeit in der Tierschutzbewegung, oder durch finanzielle Unterstützung einer engagierten Tierschutzorganisation seines Vertrauens. Jeder Einzelne, jeder Tierfreund im rechten Sinne des Wortes – als Freund des Tieres – kann durch sein Verhalten seinen Teil dazu beitragen, Tierschutz mit mehr Leben zu erfüllen. Indem er verantwortungsvoll allen (!) Tierarten und Tierindividuen gegenüber handelt und gerade in Alltagssituationen – über den Tellerrand seines eigenen Bereiches hinaus – sich engagiert für das Recht und den Schutz unserer älteren, aber so hilflosen, Tiergeschwister einsetzt.

Ulrich Dittmann (31.01.2012)

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Silke Ruthenberg über Tierfreunde, Tierschützer u. Tierrechtler

Die Begriffe werden x-beliebig verwendet und doch darf man die Macht der Sprache und die indirekte Aussage von Wörtern nicht unterschätzen. Doch die Sache der Tiere braucht Klarheit, auch bei der Wahl der Worte.

Eine Definition:

TIERFREUND :

Tierfreund will jeder sein, wer outet sich schon gern als Tierfeind? Und doch: sich als Tierfreund zu fühlen tut nur einem gut: sich selbst. Wenn man Tiere süß und goldig findet kann man doch kein schlechter Mensch sein? Es ist einfach herrlich bequem Tierfreund zu sein. Und es verpflichtet schlicht zu nichts. Wie skuril der Begriff „Tierfreund“ klingt, wenn Tierrechtler angesprochen sind und von Tierfolter die Rede, macht ein Blick in die Vergangenheit deutlich.

Die Ökonomie der Antike beruhte auf der Sklaverei; und im ersten und zweiten Jahrhundert begann sich ein Missgefühl daran zu regen. Forderungen werden laut, man solle die Sklaven schonender behandeln, sie, die im römischen Recht Sklaven als Sache betrachtet werden.

Philosophen appellieren ans Mitgefühl und raten gewissermaßen zu artgerechter Haltung. „Sklaven wären es?“, ruft Seneca aus, „Nein! Vielmehr sind es…Freunde!“ Freunde. Nicht Menschen. Das ist zu viel und zugleich zu wenig, denn es erlaubt feuchte Augen, ohne zu grundsätzlichen Erwägungen zu zwingen. Es ist rundheraus gesagt sentimental.

TIERSCHÜTZER :

Beschützer zu sein ist ein Urinstinkt des Menschen. Die Mutter schützt das Kind. Der Vater die Mutter und das Kind. Der Tierschützer das Tier. Ein klassisches Macht-Ohnmacht-Verhältnis. Schützen kann nur der Mächtige, beschützt wird der Ohnmächtige. Ob er will oder nicht. Wenn der Tierschützer über das Tier spricht, sieht man in Gedanken die streichelnde Hand und wie er sich in Güte hinunterbeugt. Doch diese Hand schützt nicht vor Qual, die Menschen den Tieren täglich antun. Sie mildert sie höchstens ab. Der Tierschützer will den menschlichen Tiertransport, nicht den unmenschlichen. Denn eines glaubt der Tierschützer zu wissen: Das Tier steht unter dem Menschen. Würde es sich sonst beschützen lassen?

TIERRECHTLER :

Was unterscheidet den Menschen von den anderen Tieren? Alle Tiere wollen leben, fühlen Freude und Schmerz, Liebe und Hass, streben nach Glück und Freiheit. Was also ist der Unterschied? Dass der Mensch für sich in Anspruch nimmt, was er den Tieren nicht gönnt, sagt der Tierrechtler. Und was unterscheidet den Tierrechtler vom Tierschützer? Dass er sich nicht mit dieser Ungerechtigkeit abfinden will. Dass er für die Tiere erkämpfen will, was er auch für sich selbst einfordert: Ein unveräußerliches Recht auf sein Leben, auf seine Freiheit und Unversehrheit. Hier geht es nicht um Schutz und Liebe. Hier geht es einfach um Respekt.

ANIMAL PEACE :

Jedes fühlende und denkende Tier ist Träger dieser natürlichen und unveräußerlichen Rechte. Es ist darüber hinaus ein genuin politisches Wesen mit einem grundsätzlichen Anspruch auf rechtlichen und politischen Schutz vor Diskriminierung und auf gleichberechtigte Berücksichtigung seiner elementaren Interessen in der Gemeinschaft Aller und das unabhängig von seiner Artzugehörigkeit. Wir sind der festen Überzeugung, dass diese Position aus tatsächlichen wie auch aus strategischen Gründen die beste ist. Diesem Geist ist jeder Satz, jede Tat untergeordnet. Mit diesem Geist wird man jeden Satz und jedes Wort von ANIMAL PEACE verstehen können. Wer unsere Taten und Worte in Frage stellt, stellt in Wahrheit diesen Geist in Frage. Den Geist von der Befreiung aller Tiere.

Quelle: animal peace/Silke Ruthenberg

Über die Schizophrenie omnivorer Tierfreunde

Ein omnivorer Tierfreund ist ein vergleichbares Phänomen wie der sympathische Choleriker, der „normalerweise ganz anders“ und „in Wirklichkeit voll nett“ ist. Nur manchmal eben überhaupt nicht. Da tickt er komplett aus und behandelt seine Mitmenschen wie ein Stück Scheiße. Sehr ähnlich der tierliebe Fleischesser: Erst liebkost er seinen Hund („mein bester Freund und Kamerad“), dann unterschreibt er eine Petition gegen das Abschlachten der Delfine in Taiji („Diese Japaner, das sind doch gefühllose Unmenschen! Da kann ich doch nicht tatenlos zusehen.“), spendet 50 € an den örtlichen Tierschutzverein („Für das Wohl der Tiere würde ich jederzeit ohne zu zögern mein letztes Hemd geben.“), und dann ….. isst er ganz genüsslich ein Steak – die fleischgewordene Todesangst eines feige hingerichteten, unschuldigen Tierkindes.

Ich höre diese Botschaft mehrmals die Woche: „Ja, natürlich esse ich Fleisch und dennoch bin ich ein engagierter Tierfreund. Das ist doch beides möglich. Wo ist das Problem?“ Und meist folgt dann noch die immer gleiche, um Absolution winselnde, Standardfloskel: „Aber ich esse wirklich sehr bewusst Fleisch und auch nur selten, ausschließlich vom Metzger meines Vertrauens, der jedes Tier namentlich kennt und es am Ende seines erfüllten Lebens maximal human seiner Bestimmung zuführt.“

Statt das erhoffte Lob auszusprechen („Super, was du dir für Gedanken machst“), habe ich mir angewöhnt, den Begriff „Tierfreund“ aufzugreifen, in etwa so: „Für mich ist ein Freund jemand, der mich mag, mir vertraut, mich genau so akzeptiert, wie ich bin. Jemand, der ehrlich zu mir ist, durchaus auch mal kritisch, mich aber nicht belehrt, bevormundet, beschämt, täuscht oder in meiner Freiheit einschränkt. Jemand, der jederzeit für mich da ist, der mir gerade in schwierigen Zeiten zur Seite steht, mich gegen Angriffe jeder Art verteidigt, mir von ganzem Herzen für mein Leben nur das Beste wünscht und mir niemals willentlich Schaden zufügt.

Wenn ich prüfen will, ob ich mich zu recht als Tierfreund bezeichne, wechsle ich einfach die Perspektive und frage mich, inwiefern die Tiere, deren Freund zu sein ich behaupte, das wohl auch so sehen. Dann wäre bei meinem Verständnis von Freundschaft sofort sonnenklar, dass Handlungen wie Einsperren, Vergewaltigen, Deportieren, Ermorden, Zerstückeln und Essen aus Sicht der Tiere definitiv nicht als Freundschaftsbeweis durchgehen.“ Nach einer kleinen Kunstpause frage ich dann neugierig nach: „Was genau bedeutet wahre Freundschaft für dich? Was unterscheidet dein Verständnis so sehr von meinem, dass es all die grausame Gewalt Tieren gegenüber toleriert und akzeptiert?“

Spricht man mit Omnivoren über die Ausbeutung der Tiere durch den Menschen oder etwas spezieller über das Thema Fleischkonsum, dann beeilen sie sich meist klarzustellen, dass ihnen die Tiere „wirklich auch leid tun“, und dass man die untragbaren Zustände in der „Fleischproduktion“ dringend reformieren müsse, damit „man wieder guten Gewissens Fleisch essen kann“.

Solche Aussagen sind für Veganer kaum erträglich, weil sie sich verstört fragen: Wie kann man Mitleid mit jemand empfinden und ihn dann töten und essen? Was zum Teufel soll eine „reformierte Ausbeutung“ sein, die so toll ist, dass sie sogar  millionenfachen Mord rechtfertigt? Wie kann jemand, der die Hinrichtung von Tierkindern beauftragt, überhaupt jemals ein „gutes Gewissen“ haben? Welche geistigen Verrenkungen sind hierzu nötig?

92 % der Deutschen essen Tierleichen und die große Mehrheit sagt, sie empfinde Mitleid, wenn ein Tier „unnötige“ Qualen erleidet. Sind das alles verlogene Heuchler?  Wenn nicht, wie kann es dann sein, dass Omnivoren angeblich fühlen wie ich und trotzdem weder Schuld empfinden noch ein schlechtes Gewissen haben, sobald sie Tiere essen?

Es könnte damit zu tun haben, dass beide, Omnivoren und Veganer, zwar sagen „mir tun die Tiere leid“, aber damit (unbewusst!) zwei verschiedene Gefühle ausdrücken. So mancher Fleischesser mag vielleicht Mitleid mit den Tieren empfinden, jedoch Veganer und echte Tierfreunde emfinden Mitgefühl – zwei völlig unterschiedliche Qualitäten.

Mitleid ist eine gönnerhafte Geste, die dem Ego des Stärkeren entspringt und der Beruhigung des eigenen Gewissens dient. Mitleid empfindet, wer sich überlegen fühlt, kommt also von oben herab, geschieht nicht auf Augenhöhe. Mitleid empfindet zum Beispiel der amerikanische Präsident, wenn er ausnahmsweise den Thanksgiving-Truthahn begnadigt. Er tut das für sich, indem er sein Ego streichelt und sich und der ganzen Welt zeigt, was für ein guter Mensch er doch ist. Der Gedanke, dass es nicht in Ordnung sein könnte, Truthähne zu schlachten, spielt dabei keine Rolle. Mitleid ist manchmal nichts weiter als die höflichste Form von Verachtung. Es hilft den Menschen außerdem, sich selbst als bessere Menschen im Vergleich zu anderen Tätern einzustufen und das eigene Handeln dadurch zu entschuldigen. Diese inneren Bewertungsvorgänge erfolgen jedoch nicht bewusst. Sie werden nicht hinterfragt und sind in der Regel nicht besprechbar. Aber gerade deshalb sind sie in in ihrer psychologischen Bedeutung als Stabilisator der karnistischen Ideologie kaum zu überschätzen.

Mitgefühl hingegen ist das Erschaudern des Herzens im Angesicht jeglichen Leidens. Wer Mitgefühl empfindet, begibt sich auf Augenhöhe mit seinem Gegenüber. Er sieht und fühlt die Dinge mit den Augen und in der Haut des anderen. Wer Mitgefühl mit den Tieren empfindet, hört ihre markerschütternden Schreie, sieht ihre verzweifelten Blicke, fühlt ihre Trauer und Todesangst, spürt das Schlachtermesser an der eigenen Kehle. Er verbindet sich ganz mit dem Schmerz der Opfer. Er weiß und fühlt, dass es auch seine eigenen Schreie, Blicke, Gefühle und Tränen sind, die er da wahrnimmt. Er fühlt in diesem Moment das Leiden aller beseelten Geschöpfe in dieser gewalttätigen Welt. Mitleid oder Mitgefühl? Ein grosser Unterschied, der den Unterschied ausmacht.

Wenn in omnivordominierter geselliger Runde mit kleinstmöglicher veganer Minderheitsbeteiligung die Sprache auf das Thema Veganismus und Tierrechte kommt, lässt sich mit schlafwandlerischer Sicherheit vorhersagen, dass recht schnell ein Akteur klarstellt: „Also, ich finde schon, dass es möglich ist, ein tierlieber Mensch zu sein und trotzdem Fleisch zu essen.“ Die anderen „Normalesser“ beeilen sich dann, durch heftiges Kopfnicken, durch Seh-ich-auch-so-Bekundungen oder zustimmendes Grunzen zu signalisieren, dass das Thema hiermit umfassend geklärt wäre und keiner weiteren Erörterung bedarf.

Anstatt dagegen zu argumentieren kann man auch entgegnen: „Du hast völlig recht. Natürlich ist es möglich, dass sich jemand voller Liebe um sein Haustier kümmert und regelmäßig Fleisch isst. So, wie es auch möglich ist, dass jemand seinen Kindern ein überaus liebevoller Vater ist und gleichzeitig seine Frau behandelt wie ein Stück Dreck. Es ist auch möglich, dass jemand am Morgen für den Opa von nebenan den Rasen mäht und im Schutze der Nacht Jagd auf Asylanten macht und ihnen den Schädel einschlägt. Ja, all das ist in unserem Land durchaus möglich und geschieht Tag für Tag. Doch wann endlich werdet ihr euch der Frage stellen, ob dies alles auch richtig ist?
Armin Rohm

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