Endzeit – Eine Polemik (Teil 1)

Fakten:

Wir leben in einer Endzeit. Keine Endzeit, wie sie im Laufe der Jahrhunderte zahllos von diversen Religionen angekündigt, aber nicht eingetroffen ist. Eine Endzeit, in der die bisherige Struktur der Welt, präziser der mit Leben durchzogenen Natur, sich dramatisch irreversibel verändert und weiter verändern wird. Die Evolution, die über viele Millionen von Jahren einen Baum verschiedenster Lebensformen, Lebenswelten und zahllose Gattungen hervorgebracht hat, ist für die meisten Lebenswelten beendet, weil der jeweilige individuelle Zweig des Baums von einem Wesen vernichtet wurde, das heute allgemein als Mensch bezeichnet wird.

Was ist passiert, was hat sich ereignet?

Die Menschheit ist in die Phase des exponentiellen Wachstums eingetreten, eine Phase, die es in der Erdgeschichte für ein Lebewesen vorher nicht gab. Dieses Wachstum bedeutet:

Nettozunahme der Erdbevölkerung pro Sekunde um 2,6 Menschen, d.h. um ca. 80 Millionen Menschen pro Jahr mit einer Verringerung der Naturfläche in entsprechender Größe, um diesen Menschen Nahrung und Lebensraum zu bieten; dadurch Verringerung sämtlicher Ressourcen, angefangen von Kohle, Öl, Gas, Wasser bis zu Wäldern, unbesiedelter Naturlandschaft und sauberer Atemluft, sowie die Erschöpfung der Regenerationsfähigkeit des Systems „Erde“.

Zunehmende Verkarstung und Ausbreitung von Wüsten, Abschmelzen der Polkappen und Gletscher durch Anstieg der globalen Temperatur, Klimawandel und fortschreitende Instabilität des Wetters mit Ernteausfällen und Hungersnöten, dadurch Wanderungsnotwendigkeiten für Mensch und Tier in „noch“ intakte Lebensräume, die dann gleichfalls kurzfristig zusammenbrechen.

Mit diesen Faktoren, die hier nur skizzenhaft angerissen wurden und im Detail für den Interessierten leicht nachlesbar sind, reduziert sich der Baum der Evolution, das jahrtausendealte Gleichgewicht des Lebens, der Natur, langfristig auf eine dominierende Spezies – den Menschen.

Vision

Die Menschheit überführt den Planeten „Erde“ in eine reine Menschenwelt, wie sie heute bereits in Megagroßstädten erahnt werden kann, wie sie offensichtlich in China bereits realisiert wird (in den 70er Jahren Massenvernichtung der Vögel, heute der Hunde, Katzen, Hühner, Schweine etc.).

Die belebte Welt wird auf eine nur auf den Menschen ausgerichtete Umwelt reduziert werden, in welcher bisher freie und unberührte Natur (Wälder, Wiesen, Flüsse, Seen etc.) künftig nur noch in künstlichen Parklandschaften existieren wird und tierisches Leben nur noch in Gettos wie Zoos und Massentierhaltungen vorhanden sein wird.

Der Menschheit fehlt der Blick für die Gesamtwelt, für die Gesamtschau. Lediglich sein enges Weltspektrum wird als Basis genommen und von diesem schmalen Fundament auf das Ganze geschlossen. Die umgebende Welt wird in eine nur auf den Menschen ausgerichteten Nutzungsbetrachtung klassifiziert und entsprechend angepaßt oder vernichtet, so daß dem überwiegenden Teil künftiger menschlicher Generationen freie Natur lediglich aus Filmen vergangener Zeiten und die Tiere aus den Tiefkühltruhen der Supermärkte bekannt sein werden.

An diesem Punkt wird auch der Mensch zum entmündigten Wesen degradiert werden, kulturelle und geschichtliche Wurzeln und Bindungen verloren haben, sklavenähnlich in Superstädten als vielstellige Nummer wohnen, seiner Arbeit in anonymen Industriekomplexen nachgehen, genormte und industriell gefertigte Nahrung erhalten, verpestete Luft atmen, gefilterte und selektierte Informationen hören, lesen und sehen und allerorten elektronisch kontrolliert und überwacht sein.

Damit hat auch er dann seine körperliche und geistige Freiheit verloren, er hat alles verloren, was Natur und Geistesentwicklung viele Jahrhunderte für ihn bereitgehalten haben, was ihn geformt hat und ihm Größe hätte geben können, ihm aber durch eigenes Verschulden entglitten ist; “die Freiheit ist es, der der Kampf gilt – um diesen Preis wird gerungen“ hatte Seneca einstmals postuliert.

Der Mensch hat sich mit seiner Herdenhaltung in Unfreiheit abgefunden und sie als Normalität akzeptiert; er hat die Erde mit seiner unkontrollierten Vermehrung wie ein Karzinom, wie blutiger Schorf, überzogen.

Dies ist die Vision, Prognose und Konsequenz der Fakten; der Fakten, die heute von nahezu allen Menschen verdrängt und weder gesehen noch gehört werden wollen und nur von einer verschwindenden Minorität verstanden werden, in den kommenden Jahren der nächsten und übernächsten Generation in drastischer Weise aber Realität werden.

Fortsetzung nächsten Sonntag ……

Das Wort zum Sonntag: Illusion Menschenwürde (1)

Die Menschenrechte regeln die Beziehungen der Menschen untereinander und beschreiben einen globalen idealisierten Sollzustand für die Gattung Mensch. Sie betrachten den Mensch als isolierte Einheit, denn eine Verbindung zur übrigen Natur und den anderen Lebewesen wird in der Konvention ausgeklammert.

Die Präambel der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (Resolution 217 A (III) der Generalversammlung vom 10. Dezember 1948, vom Vatikan nicht unterschrieben!) spricht von angeborener Würde des Menschen, einer Würde, in deren Genuss das Individuum zufällig durch Geburt und durch eine Laune der Natur gelangt mit der Folge, dass ein angeborenes Faktum dauerhaft wirkt und vom Geburtsmoment bis zur Todesstunde vorhanden ist. Ein Bemühen, Erlernen oder ein Streben nach diesem Kriterium ist infolgedessen nicht notwendig, ein Verlust darüber hinaus ausgeschlossen.

Es ist zu fragen, was unter dem in dieser Erklärung undefinierten und nebulös-schwammigen Begriff der Würde zu verstehen ist und wie sie allein durch Geburt dem menschlichen Individuum zufallen kann, während allen anderen Lebewesen diese Würde vorenthalten, in Summe gar abgesprochen wird mit der Wirkung, dass kein Wort einen tieferen Keil zwischen Mensch und übrige Kreatur getrieben hat als das Wort Menschenwürde.

Der österreichische Tierrechts-Philosoph Helmut Kaplan meint in diesem Zusammenhang:

Wer sich einmal der Mühe unterzogen hat herauszufinden, was unter Menschenwürde eigentlich zu verstehen ist, wird begreifen, warum dieser Begriff in ernsthaften, rationalen Diskussionen nichts verloren hat: Es ist schlicht unmöglich, auch nur ansatzweise herauszubekommen, was „Menschenwürde“ eigentlich bedeuten soll. Mehr noch: Je intensiver man nach dem Sinn dieses Wortes fahndet, desto ratloser und verwirrter wird man nur. Außer, dass die Menschenwürde „unantastbar“ sei, ist letztlich nichts von ihr in Erfahrung zu bringen.“

Ist eine Eigenschaft jedoch angeboren, kann sie sich grundsätzlich nur auf dreierlei Arten manifestieren, nämlich durch Spezifika des Körpers, des Geistes und – das ist aus menschlicher Sichtweise gesprochen – durch metaphysische Besonderheiten.

Untersucht man den Bereich des menschlichen Körpers und vergleicht ihn mit der Tierwelt ist das Ergebnis eindeutig. Jeder Tiger, jeder Delfin, jeder Adler ist dem menschlichen Körper in Schönheit, Anmut, Eleganz uneinholbar überlegen. Jede Kuh, jeder Wal, jeder Elefant übertrifft in der Körperkraft den Menschen. Jeder Hase, jede Gazelle, jedes Pferd ist unvergleichlich schneller als der Mensch.

Allen Tieren gemeinsam ist aber eine weit höhere Überlebensfähigkeit ohne Hilfsmittel in der freien Natur als dem Menschen. Auch der aufrechte Gang, die Fortbewegung auf zwei Beinen, ist kein Alleinstellungsmerkmal für eine bemerkenswerte körperliche Sonderstellung des Menschen, denn auch das Huhn läuft auf zwei Beinen. Die Gen-Analyse entzieht zusätzlich einer unterstellten körperlichen Sonderstellung des Menschen vollends den Boden.

Der nächste Verwandte des Menschen, der Schimpanse, steht uns genetisch sehr nah – dies bestätigte jetzt eine aufwendige Genanalyse. Bis zu 99 Prozent des Erbguts der beiden Arten sind identisch. Ausgerechnet im Gehirn sind die Gen-Unterschiede am geringsten“. Siehe Artikel auf spiegel.de

Und Friedrich Nietzsche stellt aus philosophischer Sicht unmissverständlich klar:

Wir haben umgelernt. Wir sind in allen Stücken bescheidner geworden. Wir leiten den Menschen nicht mehr vom ‚Geist‘, von der ‚Gottheit‘ ab, wir haben ihn unter die Tiere zurückgestellt. Er gilt uns als das stärkste Tier, weil er das listigste ist: eine Folge davon ist seine Geistigkeit. Wir wehren uns andrerseits gegen eine Eitelkeit, die auch hier wieder laut werden möchte: wie als ob der Mensch die große Hinterabsicht der tierischen Entwicklung gewesen sei. Er ist durchaus keine Krone der Schöpfung: jedes Wesen ist, neben ihm, auf einer gleichen Stufe der Vollkommenheit … Und indem wir das behaupten, behaupten wir noch zu viel: der Mensch ist, relativ genommen, das mißratenste Tier, das krankhafteste, das von seinen Instinkten am gefährlichsten abgeirrte – freilich, mit alledem, auch das interessanteste!“ (Friedrich Nietzsche, Der Antichrist, 14)

Und er schreibt an anderer Stelle:

Der Mensch als Gattung stellt keinen Fortschritt im Vergleich zu irgendeinem andern Tier dar“. (Friedrich Nietzsche: aus dem Nachlass der Achtzigerjahre) sowie „Doch überlege man wohl: wo hört das Tier auf, wo fängt der Mensch an?“ (Friedrich Nietzsche: Unzeitgemäße Betrachtungen)

Fundamentale Sätze und Aussagen, die in ihrer Eindeutigkeit keiner weiteren Erklärung bedürfen.

Ohne das Segment der körperlich-menschlichen Besonderheit in extenso auszuführen, zeigt der kleine Rundblick durch die Natur, dass die angeborene Würde wohl kaum in den körperlichen Gegebenheiten des Menschen liegen kann.

Betrachtet man die zweite Komponente der potentiellen Unterscheidungskriterien, den menschlichen Geist im weitesten Sinn, ist eine differenzierte Fallunterscheidung zu treffen, denn Geist – respektive Vernunft – ist in der Menschenwelt ein nur partiell anzutreffendes Gut.

In den ersten Jahren eines Menschenlebens ist Verstand und Denkvermögen vielfach zahlreichen tierischen Kreaturen unterlegen. Das Gleiche trifft für diverse Krankheitsformen, die den menschlichen Geist, seine Vernunft und Denkfähigkeit vernebeln oder auslöschen können, zu. Spricht man diesen Personengruppen eine wie auch immer geartete Würde zu, muss entweder nach dem Gleichheitsprinzip tierlichen Kreaturen mit höherer Denkfähigkeit die Würde ebenfalls zuerkannt werden oder im Umkehrfall den geschilderten Menschengruppen die Würde aberkannt werden. Letzter Fall wäre nach den Gesetzen der Logik zwingend, nach menschlichem Verständnis heute aber obsolet und indiskutabel.

Fortsetzung dieses Artikels am kommenden Sonntag …..

Das schwärzeste aller Verbrechen (Teil 1)

Im Gegensatz zum Beitrag vom 16.12.2018: Essay im vollen und ungekürzten Wortlaut

„Für mich ist das Leben eines Lamms nicht weniger wertvoll als das Leben eines Menschen. Und ich würde niemals um des menschlichen Körpers willen einem Lamm das Leben nehmen wollen. Je hilfloser ein Lebewesen ist, desto größer ist sein Anspruch auf menschlichen Schutz vor menschlicher Grausamkeit.“ (Mahatma Gandhi)

Zusammengesackten Eseln soll man aufhelfen, verirrte Schafe zurückführen, überhaupt „für sein Vieh“ sorgen. Werden die Tiere im Alten Testament nicht freundlich bedacht? „Hast du Vieh, so warte sein, und bringt’s dir Nutzen, so behalte es.“ Biblischer Tierschutz? Archaischer Respekt vor dem nichtmenschlichen Leben?

Der nackte Egoismus einer Viehzüchterreligion! Da sind sich, wie in so vielen Greueln – doch im krassen Kontrast zum Monismus der alten Asiaten, Indianer -, die monotheistischen Gottesanbeter einig: „Allah ist’s, der für euch das Vieh macht“, rühmt der Koran. „Die einen Tiere sind zum Reiten da, die anderen zum Essen. Und ihr habt den Nutzen davon“ (40,79 f.).

Klingt herzlos? Aber nein. Heiße „herrschen“ doch, so das Hirtenschreiben der deutschen Bischöfe 28, 1980, nicht Willkür, Zerstörung, sondern „liebende Sorge, hegendes Wahren“. Oder, so das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz am 4. Oktober 1993: „Fürsorge und Verantwortung“. Bedeute der Begriff „untermachen/unterwerfen“, so 1985 eine „Gemeinsame Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz“, nicht etwa „Unterdrückung“ oder „Ausbeutung“. Gott bewahre! Nein: „Das Herrschen des Menschen über die Tierwelt … erinnert an das Walten eines Hirten gegenüber seiner Herde.“ Wie wahr – wenn Sie sich gütigst mit Theodor Lessing erinnern, warum denn der Hirte, auch und gerade der „gute Hirte“, seine Herde hegt? Erstens damit er sie scheren kann, zweitens damit er sie fressen kann.

Gewiß, einige Tiere wurden vor der Sintflut gerettet. Just diese Stelle (Gen.8,15-19) empfiehlt das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (4. 10. 1993, S. 69) „für die Liturgie“, unterschlägt aber glatt die gleich folgende Fatalität (Gen. 8,20 f.): das teilweise Opfern des geretteten Viehs und der überlebenden Vögel durch Noah „auf dem Altar. Und der Herr roch den lieblichen Geruch …“

Oh, wir kennen diese Nase! Riecht sie nicht Blut noch immer gern?

Und gleich darauf dröhnt es abermals: „Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel … und über allen Fischen im Meer in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, sei eure Speise …“.

Und bloß ein Blättchen weiter nach dieser furiosen Freßanweisung, da beehrt Herr Nimrod die Schöpfungsordnung – „und war ein gewaltiger Jäger vor dem HERRN“: biblischer Aufgang des open air bestivals. Hier ist sie, die hehre Herren-, Heger-, Pflegerlüge, das Halali, das die Kreatur in den Kochtopf jagt – indes für die EKD („Texte“ 41, 1991): „ethisch vertretbar“.

Da die Fressenden, dort jene, die froh sein können, daß man sie frißt.

Las ich doch erst unlängst vom Dogmatikkolleg eines „heute berühmten deutschen Bischofs“, der im Rahmen der Schöpfungslehre erklärte, es könne ja „dem Fisch und dem Hasen gar nichts Besseres passieren, als vom Menschen gegessen zu werden, denn dies entspreche der Rangmäßigkeit der Schöpfungsordnung“ – und wurde von fünfhundert Hörern, sicher gut christlichen, „mit wohlgefälligem Lachen“ belohnt (in: H.F. Kaplan, Hg., Warum ich Vegetarier bin. Prominente erzählen, 1995).

Fortsetzung nächsten Sonntag …..