Ein Sterbehelfer, der das Leben liebte

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Ein Nachruf auf Uwe-Christian Arnold von Michael Schmidt-Salomon (Giordano-Bruno-Stiftung)

Uwe-Christian Arnold 2015 bei der Aktion „Lassen Sie das doch den Klempner machen!“ vor der Frankfurter Paulskirche

Er hätte so gerne an der mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts zu § 217 StGB in der kommenden Woche mitgewirkt, doch seine Krebserkrankung war zu weit fortgeschritten: Am gestrigen Freitag starb „Deutschlands bekanntester Sterbehelfer“ Uwe-Christian Arnold in seiner Wohnung in Berlin. Noch am Abend vor seinem Tod versendete er eine Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht, sein politisches Vermächtnis.

Uwe-Christian Arnold, den alle nur „Christian“ nannten, war ein außergewöhnlicher Mensch, ein furchtloser Streiter für die Selbstbestimmung am Lebensende, ein „notorischer Querulant“, der sich von den konservativen Bestimmungen der Ärztekammern nicht maßregeln ließ, ein unverbesserlicher Witzbold, der auch vor deftigen Späßen nicht zurückschreckte, ein einfühlsamer Arzt, der den Menschen in ihren schwersten Stunden zur Seite stand, und nicht zuletzt auch ein Freund, auf den man sich hundertprozentig verlassen konnte. Hinter seiner harten Schale verbarg er ein weiches Herz. Die Schicksale seiner Patientinnen und Patienten nahmen ihn oft sehr viel mehr mit, als er es öffentlich zugegeben hätte. Und so heftig er auch über die Vertreter des „Sterbe- und Leidensverlängerungskartells“ mit ihrem „Multimilliarden-Geschäft“ herziehen konnte, für Notleidende hätte er sein letztes Hemd geopfert.

Ich lernte Christian vor 10 Jahren bei einem Treffen von „Dignitas“ und „Dignitas Deutschland“ am Sitz der Giordano-Bruno-Stiftung kennen. Zunächst wusste ich nicht so recht, was ich von diesem etwas ruppigen Mann mit der schnoddrigen „Berliner Schnauze“ halten sollte, doch dann merkte ich schnell, dass er blitzgescheit war und sein Herz an der richtigen Stelle trug. Seinen ersten programmatischen Vortrag über das „Recht auf Letzte Hilfe“ hielt Christian im April 2013 am gbs-Stiftungssitz „Haus Weitblick“ in Oberwesel.

Damals vereinbarten wir, dass ich ihn beim Schreiben eines Buches unterstützen werde. Und so erzählte mir Christian wenige Monate später in langen, intensiven Sitzungen von seinem Leben und seiner Arbeit als Arzt und Sterbehelfer. Ich studierte die Fälle, die er betreut hatte, und die Anklagen, die gegen ihn erhoben worden waren. Und wir trafen uns mit einigen seiner Patientinnen und Patienten. Schließlich war ich auch bei einer seiner Freitodbegleitungen dabei, was mich sehr berührte.

Durch die gemeinsame Arbeit an dem Buch „Letzte Hilfe: Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben“, das im Oktober 2014 – pünktlich zum Start der „Letzte Hilfe“-Kampagne „Mein Ende gehört mir“ – im Rowohlt-Verlag erschien, kam mir Christian noch einmal näher. Ich war verblüfft darüber, mit welcher Begeisterung er von alten Spielfilmen erzählen konnte, über die er sich noch immer schlapplachte, oder von bewegenden Opernaufführungen und Jazzauftritten, die seine Augen noch Jahrzehnte später zum Leuchten brachten.

Christian liebte gute Bücher, gute Musik, gutes Essen und guten Wein, doch bei aller Lebensfreude, die er an den Tag legte, konnte man stets auch die enorme Belastung spüren, unter der er stand. Denn Christian hatte – als einziger Arzt in Deutschland – mehrere Hundert schwerstleidende Menschen beim Freitod begleitet und dabei Berührendes und Tröstliches, aber auch unaussprechliche Not erlebt – und dies alles ohne jegliche fachliche Begleitung! Außer mit Helga, seiner Frau, und einigen wenigen Freundinnen und Freunden konnte er mit niemandem über seine Erfahrungen als Sterbehelfer sprechen.

Irgendwann wurde mir klar, dass Christian dieses Problem auf seine ganz eigene Art löste – zum Beispiel, indem er uns immer wieder anrief, um die neuesten Witze zu erzählen, die er gerade irgendwo aufgeschnappt hatte. Sein hohes, langgezogenes „Haaaahaaaa“, das auf jede Pointe folgte, werde ich nie vergessen. Es war Christians Form der Psychotherapie.

Vor allem in den Jahren 2014 und 2015 kämpfte Christian wie ein Löwe für das Selbstbestimmungsrecht am Lebensende und für eine humane Sterbekultur. Er hat in dieser Zeit unzählige Interviews gegeben, Talkshows besucht, Podiumsdiskussionen bestritten und an Filmdokumentationen mitgewirkt. Hoffnung gab ihm, dass 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Liberalisierung der Sterbehilfe votierten. Dass der Deutsche Bundestag entgegen diesem Bevölkerungsvotum Ende 2015 das „Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ verabschiedete, das jede Form der professionellen Freitodbegleitung verbietet und schwerstleidende Menschen katastrophal im Stich lässt, hat ihn schwer getroffen.

Mit großer Ungeduld wartete Christian deshalb auf die Eröffnung des Verfahrens zu den Verfassungsbeschwerden gegen das „Sterbehilfeverhinderungsgesetz“ §217 StGB. Zur mündlichen Verhandlung am kommenden Dienstag und Mittwoch sollte er eine Stellungnahme vor dem Bundesverfassungsgericht vortragen. Doch die Krebserkrankung, unter der er schon lange litt, setzte ihm mehr und mehr zu. Er kämpfte dagegen an, aber in den letzten zwei Wochen zeichnete sich allmählich ab, dass er kaum mehr in der Lage sein würde, die Fahrt nach Karlsruhe anzutreten.

Deshalb schlug ich ihm vor, die Stellungnahme schriftlich zu formulieren und durch seinen Rechtsanwalt in der Verhandlung vorlesen zu lassen. Über seinen Text für das Bundesverfassungsgericht haben wir noch am Donnerstagabend in unserem allerletzten Telefonat gesprochen. Dabei sagte mir Christian, dass die Schmerzen inzwischen trotz hoher Morphiumdosen so unerträglich geworden seien, dass es keinen Sinn mehr mache, den Tod länger hinauszuzögern. Ich wusste, was das bedeutet. Es war eines der traurigsten Gespräche, die ich je geführt habe.

Christian war für uns, den Vorstand und die Geschäftsführung der Giordano-Bruno-Stiftung, nicht nur ein wichtiger Mitstreiter, sondern ein Teil der Familie. Am Freitagmorgen rief er, wie er es versprochen hatte, noch einmal bei Herbert Steffen, dem Gründer der Giordano-Bruno-Stiftung, an, um sich zu verabschieden. Nach einem letzten „Servus“ drehte Christian die Infusion auf. Wenig später schlief er friedlich ein. Auf die Frage, ob ich noch irgendetwas für ihn tun könne, hat er mir am Donnerstag geantwortet: „Ich brauche keine Trauerfeier und kein Denkmal, aber setzt bitte fort, was ich begonnen habe!“ Das werden wir tun. Versprochen.

Nachruf: Peter H. Arras

Von Dr. Bleibohm und Harald Hoos

Die Tiere haben eine starke fürsprechende Stimme verloren

Von außen sieht der Hof mit den dazugehörigen Gebäuden im pfälzischen Biedesheim unscheinbar aus. Nur das eine oder andere Schild und Informationsblatt am Hoftor weist auf das Thema Tierschutz hin. Doch die Gebäude haben es in sich: Unterteilt in verschiedene Klimazonen gibt es u.a. einen Tropenbereich und einen Wüstenbereich. Liebevoll und fachkundig ist jeder Winkel ausgestaltet und damit individuelle Lebensräume für exotische Tiere, Reptilien, Papageien usw. geschaffen. Über 300 Tiere, vom Flughund bis zum Alligator, leben hier. Jedes Tier könnte seine eigene, meist tragische Geschichte erzählen.

Peter Arras hat bei diesen traurigen Geschichten nicht weggehört und vor allem nicht weggesehen. Jedem Tier hat er geholfen, unabhängig von Rasse oder Art. Sie haben Schutz gebraucht, Peter hat ihnen diesen Schutz gewährt und – wenn es sein musste – ganz individuell einen Lebensraum in seinem Anwesen in Biedesheim gebaut. Die AKT-Tierschutzstation ist sein Lebenswerk.

Angefangen hat die aktive Hilfe für Tiere im größeren Stil vor über 30 Jahren. Doch schon in seiner Kindheit und Jugend hatte er eine besondere Empathie für alle tierischen Lebewesen. So war es nur konsequent, dass Arras den Beruf des Zootierpflegers lernte, danach im aktiven professionellen Tierschutz u.a. als Tierschutzinspektor und Berater arbeitete. Parallel dazu ließ er den Lebewesen immer mehr seine Hilfe zukommen.

Ich bin überzeugt eines mit Sicherheit sagen zu können: Das Wort „konsequent“ spielte im Leben von Peter Arras eine zentrale Rolle, was er auch mit der AKT – AKT steht für „Aktion Konsequenter Tierschutz“ – zum Ausdruck brachte (www.akt-mitweltethik.de). Geradlinig und kompromisslos setzte er sich für die Tiere ein. Sehr direkt benannte er auch Mängel in Tierschutzkreisen. Er konnte dies überzeugend tun, da er die nötige Fachkompetenz besaß. Seine direkte Art brachte Peter nicht nur Freunde, „Kauzigkeit“ wurde ihm vorgeworfen und er erntete auch Ablehnung. Spurlos ging das nicht an ihm vorrüber, doch sein Focus war stets auf das Wohl der Tiere gerichtet.

Doch alleine der Wille zur Hilfe und die dazu nötige Empathie genügen nicht, um ein solch beeindruckendes Projekt wie die AKT-Tierschutzstation zu stemmen. Organisation und Geschäftssinn sind gleichermaßen Voraussetzung.

Im Jahr 1994 gründete er die AKT, seit 2004 ist diese in dem geräumigen Anwesen in Biedesheim angesiedelt. Er stellte die AKT wirtschaftlich auf solide Beine, indem er eine der ersten gemeinnützigen GmbHs zu diesem Zweck gründete. Zu der Tierstation kamen dann bald ein Institut für Mitweltethik dazu, das Arras mit seiner wohldifferenzierten Auffassung zum Thema Tierethik und Tierschutz „fütterte“.

Ich erinnere mich gerne an den ersten Besuch in der AKT-Tierschutzstation. In einer langen ausführlichen Führung zeigte mir Peter sein für mich sehr beeindruckendes Werk in allen Details und mit allen notwendigen Erläuterungen. Ich war tief beeindruckt und fasziniert! Lange saßen wir nach dieser Führung zusammen in seinem Wohnzimmer – natürlich umgeben von verschiedenen Tieren – und redeten über viele Themen. Sofort hatte ich das Gefühl, dass dies der Beginn einer interessanten und wichtigen Freundschaft war.

Die Gespräche mit Peter drehten sich nicht im Kreis um das unendliche Thema des Tierleids und des Tierschutzes. Er hatte dabei immer das Ganze im Blick, in jedem Gespräch entwickelten sich für beide Seiten neue Aspekte. Enthusiasmus und Energie waren zu spüren. Aber auch Frust. Peter hatte Frust darüber, dass heute der Tierschutz einen so geringen Stellenwert in Politik und Gesellschaft findet und sprach dabei gerne über die „Goldenen 90er-Jahre“, in denen er eine Art Aufbruchstimmung und großes Medieninteresse spürte, was heute leider verpufft ist und nur wenige positive sichtbare Spuren hinterlassen hat. Das Bornierte, Dogmatische und Kleingeistige, welche oftmals heute in der Tierschutzszene vorherrscht, brachte ihn auf die Palme.

Denn all dies war nicht sein Ding, doch er war stets so selbstkritisch, dass es nicht in Größenwahn oder Überheblichkeit ausartete. Das spiegelt sich in seinen Ideen und lesenswerten Texten wieder, in denen unkonventionelle Ideen und der eine oder andere revolutioniäre Gedanke zu finden ist. Eines seiner großen Themen war die Tatsache, dass überall von Menschenrechten gesprochen wird, aber Tierrechte nie umfassend definiert wurden und eben die Rechte der Tiere mit Füßen getreten werden. U.a. die fürchterlichen Tierquälereien im asiatischen Raum brachten ihn dazu, mit dem ihm typischen und beeindruckenden Arras’schen Enthusiasmus 2017 eine UN-Petition für Tierrechte ins Leben zu rufen, die er in den letzten Monaten seines Lebens voranbrachte und mit der gleichen Akribie betreute, wie einen seiner lebendigen Schützlinge.

Am 4. März 2018 wurde Peter Arras im Alter von 51 Jahren durch eine Hirnblutung plötzlich aus dem Leben gerissen. Die Tiere haben damit einen ihrer hervorragendsten Fürsprecher verloren. Peter war aber auch alleinerziehender Vater und hinterlässt eine 6-jährige Tochter.

Es war beeindruckend zu sehen, wie Peter seine Tochter schon ganz früh kindgerecht an das Thema Tierschutz herangeführt hatte und dieses kleine Mädchen einen aufrichtigen Respekt gegenüber jedem Lebewesen – egal welcher Spezies – entwickelt hat. Ich erinnere mich an die Szene, als mir Peter erzählte, wie er seine Tochter fragte, was sie sich wünsche. Ich weiß nicht mehr, ob es zu Weihnachten oder zum Geburtstag war. Sie antwortete, dass sie sich ein Plüschtier, nämlich eine Zecke aus Plüsch, wünsche. Peter gelang es, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Stolz zeigte mir die Kleine ihre Plüschzecke und signalisierte so den Respekt vor der ganzen, auch der nicht unbedingt bei vielen Menschen beliebten,Tierwelt.

Im Hause Arras herrschte bei allen meinen Besuchen immer eine angenehme Atmosphäre. Peter im Umgang mit seiner Tochter zu sehen und vor allem auch mit Felix, seinem jungen Mitstreiter, der seit Januar 2012 bei ihm wohnt und ihn mit dem gleichen Enthusiasmus unterstützte, den Peter an den Tag legte. Auf Felix lastet nun die Verantwortung, in der jetzigen schweren Phase Peters Lebenswerk am Laufen zu halten, für Peters Tochter da zu sein und langfristig Peters Lebenswerk in eine Bahn zu leiten und zukünftig auf solide Beine zu stellen, die diesem würdig ist. Keinen Moment hat Felix gezögert, diese Verantwortung anzunehmen – dafür meinen vollen Respekt!

Ich selbst habe einen Freund verloren, mit dem mich eine gemeinsame Weltsicht verbunden hat. Oft denke ich in diesen Tagen an die inspirierenden und tiefgehenden Gepräche mit Peter. Wir haben über Ideen gesprochen – das eine oder andere wollten wir gemeinsam realisieren. Das wird nun so nicht mehr stattfinden.

Peter, ich werde Dich, unsere Gespräche und Begegnungen vermissen. Ich hatte mich auf gemeinsame Projekte gefreut. Andere werden Dich in Deiner individuellen Art vermissen. Aber vor allen wirst Du den Tieren fehlen!

Dein Freund Harald

In Abstimmung mit der AKT haben wir ein Kondolenzbuch eingerichtet.
Dieses finden Sie hier!

Herzliche Grüße
für pro iure animalis

Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

Wer die AKT in dieser Notlage unterstützen will, findet alle Notwendigen Daten hier:  http://www.akt-mitweltethik.de/helfen/spenden


Mit Peter Arras haben wir einen wirklichen Freund der Tiere und einen eindringlichen Kämpfer für die Rechte nichtmenschlicher Geschöpfe verloren.
Halten wir ihn, mußte er doch bereits in jungen Jahren den Kampf für die von ihm in jeglicher Form stets geliebten Tiere aufgeben, für immer und ständig in sehr guter Erinnerung und als leuchtendes Beispiel, wie man als wahrer Freund der Tiere, sich ständig für diese einsetzen sollte!

In treuem Gedenken,
im Namen und Auftrag der
Unabhängige Tierschutz-Union Deutschlands
Harald von Fehr


Lieber Peter,

Dein vorbildliches Engagement des Lebens ist zu Ende,
vorbei ist aller Erdenschmerz,
nun ruhen still die fleißigen Hände,
still steht Dein treues Tierschutz-Herz.

Du hast den irdischen Lebensgarten verlassen,
doch die Saat deiner Blumen ( z.B. in Deiner kleinen Tochter) blühen weiter.

In herzlicherlicher Verbundenheit, Heike-Ingeborg Karwatzki

Nachruf zum Tode von Edgar Guhde

Ce´la vie. Das Leben ist endlich.

Nach Befund Morbus Waldenström begann vor zwei Jahren ein Martyrium aus Krankenhauseinweisungen, Chemotherapie und Phasen der Bezwingungserfolge durch Rehabilitation.  Vor zwei Wochen meldete er die erneute Einweisung aufgrund Metastasenbildung. Eine Woche überlebte er die zweite Chemotherapie. Letztlich wird er mit der Beendigung eines ihm unerträglichem Zustandes der gewachsenen absoluten und unausweichlichen Abhängigkeit von Personen und Methoden, die er lebenslang bekämpfte, den Ärzten und Einrichtungen in der Nähe von Tierversuchen, seinen Frieden gefunden haben. Nach den übermittelten Daten, ist er bis zum letztem Atemzug seiner persönlichen Berufung treu verblieben und hat als letzte Meldung dem Bedauern stattgegeben, dass das Krankenhaus nicht die Voraussetzungen eines Internetanschlusses bieten würde.

Edgar Guhde lebte Tierschutz, der schon früh zu seinem Lebensinhalt wurde. Im Besonderen war er in Tierrechten engagiert und legte als 1. Vorsitzender von PAKTeV die Schwerpunkte auf Schlachten, die religiöse Opferbringung durch Schächtritus, die Haltung der zu Nutztieren deklassierten Opfer der Gesellschaft und die Entwicklung der Alternativen zum Tierversuch, in dessen Rahmen er enge Kontakte zu ZEBET seit dessen Anbeginn unterhielt.

Er delegierte mich zur Zehnjahresfeier ZEBETS und der Teilnahme am Alternativkongresses in der Universität Linz.  Als Politologen war ihm die pragmatische Vorgehensweise bewusst, die das Fundament seiner Beharrlichkeit als unverzagter Vertreter der Sache der Tiere ausmachte. Er setzte einen Schritt vor den anderen und begab sich nicht der Schwäche so vieler Anderer, die mit Ausbleiben konkreter Ergebnisse, aus Resignation die Flucht in die tierschutzrechtliche Bedeutungslosigkeit antraten.

Edgar Guhde war ein Radprofi, der im Jahr sechstausend Kilometer im Sattel und in den Auszeiten der Sommer ganze Bundesländer auf zwei Rädern erkundete. In Berlin Frohnau geboren, verbrachte er ein Jahr wegen Dissertation in DDR Haft und zog beruflich nach Düsseldorf, von wo er fürderhin wirkte.

Bereits in jungen Jahren zum Veganer avanciert, trat er in die ÖDP ein und formulierte zusammen mit der Frau Brunner das Tierschutzprogramm der Partei. Kreuz und quer durchmaß er die Bundesrepublik und hielt unzählige Vorträge über Tierschutz und technische Tierschutzmaßnahmen, in denen er auch nicht versagte, mal vor nur dreien oder vier Interessierten zu referieren.

Nach Eintritt in PAKTeV und Wahl zum 1. Vorsitzendem, richtete er den Verein zum Ansprechpartner für relevante Ministerien auf Landesebenen und Bundesebene aus, erarbeitete zusammen mit Mitgliedern die Agrarpolitischen Leitlinien, führte die Tradition der Arbeitszusammenkunft auf der Grünen Woche ein und erschloß ein ständiges Büro im Umweltzentrum Düsseldorf, das er beständig besetzte und als Arbeitsstätte, als Wirkungsstätte, mit finanzieller Hilfe des Rechtsanwaltes Wolfgang Schindler aus München, der später die Albert Schweizer Stiftung gründete und frühzeitig verstarb.

Unter seiner Regie entwickelte PAKTeV sich zu einem kleinem, aber sehr kompetentem, technischem Ansprechpartner für mit Novellen zu Haltungsverordnungen beschäftigten Ministerien und erwarb sich und damit PAKTeV Professionalität in diesen Belangen. Gleichwohl bereits vor der Bekanntschaft mit Edgar Guhde tierschützerisch tätig, muß ich konzedieren, dass ich Guhde  zu verdanken habe, Tierschutz nicht als temporär empathische Beschäftigung zu verfolgen, sondern als Verpflichtung, gleich bilanzierbarer Erfolge wahrzunehmen begann. So wird es auch anderen ergangen sein.

Neben ministeriellen Anfragen, Bitten um Stellungnahmen und Expertisen, Gutachten, unterhielt er wöchentlich einen Informationsstand in der Düsseldorfer Innenstadt, betrieb mehrere Großverteiler, ersann Kampagnen, schmiedete Bündnisse mit anderen Tierschutzvereinen, betrieb Nachwuchsbildung und pflegte weitreichende Kontakte.

Herausragend war und ist die Erarbeitung des Kleinen Guides, der sich mit dem religiös verbrämtem Schächtritual in Konflikt mit den religiösen Geboten befasst und an alle Tierärzte, wie auch an weitere Adressen verschickt wurde. Nebenbei saß Edgar Guhde in mehreren Kuratorien von Tierschutzstiftungen und verfügte eine Auszeichnung der Arbeit  Helmut Kaplans.

Sein Vermächtnis als Praktiker des Tierrechts ist die Beharrlichkeit, gepaart mit Professionalität und unverwüstlichem Optimismus.
Wir streichen seinen Namen aus unseren Verteilern, nicht aber aus unseren Gedächtnissen.  Und wertschätzen ihn als Verpflichtung.

BWM