Wer sind wir? Bestien ohne Mitgefühl?!

Eine sehr realistische Antwort auf die Frage, wer und was wir Menschen letztlich sind, finden wir auch im nachfolgenden Tierrechtssong von Harry Harper, nämlich dass die grosse Mehrheit der Menschen Bestien sind, Bestien ohne Mitgefühl, Mörder-Marionetten in einer Horror-Show. Und um dieser Wahrheit willen haben wir auch allen Grund, uns unseres Menschseins in Grund und Boden zu schämen.

Nachfolgend erst einmal der Songtext dieses anklagenden Songs und anschließend der von mir eingebettete Song zum Anhören.

Songtext:  „Die Bestie ist der Mensch“

Sie killen kleine Robben ohne Mitleid schonungslos,
erschlagen die Delphine an den Stränden gnadenlos.
Marder, Fuchs und Nerze sterben nur für Pelz und Geld
und auch den letzten Tiger,
den schießt man von dieser Welt.
Das Nashorn wird für´s Elfenbein ganz einfach massakriert,
die Wale werden trotz Verbot auch weiter harpuniert.
Tausend Tode leiden alle Turtels nach dem Fang,
lebendig aufgeschnitten leiden sie oft tagelang.
Der Mensch ist eine Bestie, das war schon immer so,
die Mörder-Marionette in einer Horror-Show.

Die Bestie ist der Mensch,
die Bestie ist der Mensch allein,
die Bestie ist der Mensch,
und darum schäm´ich mich ein Mensch zu sein.
Die Bestie ist der Mensch …….

Sie töten kleine Vögel nur zum reinen Hochgenuss,
am Ende jedes Tiertransports, da steht der Exitus.
In den Todes-Plazas hat der Stier nie eine Chance,
der Matador als das Symbol von Blut und Arroganz.
Sie knallen in den Wäldern ab,
was vor die Flinten läuft und Katzenkinder tötet man,
indem man sie ersäuft.
Sie setzen ihre Hunde einfach aus zur Urlaubszeit,
sie fahren ins Vergnügen und es kümmert sie kein Leid.
Der Mensch – das ist die Bestie, ein Wesen affektiert,
im Heer der Mörderpuppen wird fleißig abserviert.

Die Bestie ist der Mensch …….

Sie fressen Leichenteile aus dem Supermarkt vor Ort
und fördern Schmerz und Qualen
bei dem Tier-Todestransport.
Vernichten täglich Regenwald allein für´s Kapital,
zerstören unsre Umwelt täglich viele tausendmal.
Dressieren viele Tiere nur zum reinen Gaudium
und wenn sie nicht mehr können,
dann bringt man sie einfach um.
Man richtet manche Hunde ab allein zum Kampfeszweck,
nun schreit man in Europa: „Diese Bestien müssen weg!“
Doch der Mensch, das ist die Bestie,
Geschöpfe ohne Glanz,
ein Tänzer ohne Skrupel in einem Todestanz.

Die Bestie ist der Mensch ………

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Über Hoffnungslosigkeit, Sklaverei und die Hoffnung

Ein Beitrag von Daniela Böhm zum Thema Tierversuche, den sie anlässlich einer Demonstration im vergangenen Jahr in Frankfurt für Ärzte gegen Tierversuche verfasst hat, ist nun auch bei dem Onlinemagazin „Hinter den Schlagzeilen“ erschienen.

Tierversuche sind eine Schande für unsere Kultur. Die sezierende Herzlosigkeit, mit der sie von Wissenschaftlern durchgeführt werden, steht der Grausamkeit der Schlachthöfe in nichts nach. Dabei ist der Aussagewert von Tierversuchen höchst zweifelhaft. Sind Tiere Menschen ähnlich, sollte sich Folter von selbst verbieten; sind sie ihnen unähnlich, haben die Versuche keinerlei Aussagewert.

Der transatlantische Sklavenhandel wurde erst im Jahre 1870 ganz beendet und erstreckte sich über einen Zeitraum von fast vierhundert Jahren. Dieses menschenverachtende und ausbeuterische System einst herrschender Kolonialmächte gehört zum Glück einer längst vergangenen Epoche an. Es waren die sogenannten Weißen, die sich das Recht gaben, Menschen mit einer dunklen Hautfarbe zu versklaven; Menschen, die sie als Wilde und minderwertig ansahen. Sie drangen in ihre Länder ein, trieben Handel mit den dortigen Stammesfürsten und kauften Menschen, um sie auszubeuten.

Doch der Sklavenhandel ist in unserer aufgeklärten Zeit noch nicht verschwunden. Die heutigen Kolonialherren sind Vorstände bei Pharmakonzernen, Wissenschaftler, Politiker und Forscher, die in einem anthropozentrischen System verharren, das sich anmaßt, über andere Wesen auf diesem Planeten zu herrschen.

Moderner Sklavenhandel wird mit Wesen betrieben, die uns in ihrer Art und ihrem Aussehen überhaupt nicht fremd sind. Die meisten Wissenschaftler, Forscher und Ärzte sind mit Sicherheit Befürworter von Darwins Lehre. Und eigentlich reicht ein Blick, um unsere Verwandtschaft mit den Affen zu erkennen. Es ist schwer vorstellbar, wie diese Forscher, die ihnen Gifte spritzen, den Bauch oder das Gehirn aufschneiden, nach einem Arbeitstag ruhig schlafen können, wenn sie in die hilflosen und entsetzten Augen jener Wesen geblickt haben, die uns Menschen so offensichtlich widerspiegeln und mit denen wir verbunden sind – ganz gleich, um welche Art von Primaten es sich nun handelt.

Der Mensch hat im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte viele Irrwege eingeschlagen. Die Vivisektion ist einer der finstersten und die tierexperimentelle Forschung auch gleichzeitig einer der absurdesten: So wurden beispielsweise Skorpione über zwanzig Jahre von einem deutschen Wissenschaftler in den Weltraum geschickt, um den Einfluss der Schwerkraft auf die Entwicklung der Tiere zu erforschen. Sie wurden auf einer Platte festgetackert und zusätzlich wurden ihnen Elektroden in die Augen, Beine und ins Gehirn gestochen.

Manfred Kyber, ein Schriftsteller der zwanziger Jahre, setzte sich mit einer Vehemenz für die Tiere ein, welche für die damalige Zeit bemerkenswert und außergewöhnlich war. Kyber nannte Tierversuche eine abendländische Kulturschande. Fast hundert Jahre sind seitdem vergangen, doch dieser Schandfleck ist größer und größer geworden, seine Ausmaße ins Ungeheuerliche gewachsen.

Wie können wir als Menschen erwarten, dass uns etwas wirklich heilt, wenn es mit dem Leid anderer Lebewesen verbunden ist? Dass Tierversuche nicht auf den Menschen übertragbar sind, wurde schon unzählige Male bewiesen. Der menschliche Organismus in seiner Gesamtheit ist ganz anders als der eines Tieres. So viele verschiedene Faktoren spielen eine Rolle, warum eine Krankheit entsteht und ebenso viele, damit ein Gesundungsprozess in Gang gesetzt wird. Genetische Voraussetzungen, Umwelteinflüsse, Ernährungsgewohnheiten, das seelische Befinden etc. Doch die Pharmaindustrie macht weiter mit Heilsversprechen und grausamen Tests. Sie hält beharrlich an dem Irrglauben der Tierexperimente fest, eines der größten Unrechte des Menschen gegenüber Lebewesen, die sich nicht wehren können. Aus diesem Irrglauben ist ein Mythos entstanden, mit dem sich Pharmakonzerne jedoch absichern (mit der Vorgabe und dem Segen des Gesetzgebers) und dem Konsumenten vorgaukeln, dass ein Arzneimittel sicher sei, weil es ja an Tieren getestet wurde. Aber wie könnte es das jemals sein?

Eine Wissenschaft, die wissentlich Leiden schafft, ist unethisch, verwerflich und untragbar. Sie ist einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig, einer Gesellschaft, in der sich die meisten Menschen hierzulande gegen Folter und Todesstrafe einsetzen.

Die Verbrechen der europäischen Einwanderer an den Ureinwohnern des amerikanischen Kontinents wurden in dem Zeitraum, in dem sie begangen wurden, nicht als Verbrechen geahndet. Auch sie wurden vom Herrschaftsanspruch des „weißen“ Menschen gegenüber den sogenannten „Wilden“ gerechtfertigt. Erst später wurden sie offiziell zu den Gräueltaten der Geschichte gezählt und die Opfer als solche anerkannt. Nur, weil etwas zu einer gegebenen Zeit noch nicht von der Allgemeinheit oder einer Jurisdiktion als Verbrechen bezeichnet wird, bedeutet dies bei Weitem nicht, dass es sich nicht um ein solches handelt.

Das deutsche Tierschutzgesetz „garantiert“ Tieren einen weitgehenden Schutz – laut Gesetzestext sind sie Mitgeschöpfe. Lässt man Mitgeschöpfe unter dem Deckmantel fragwürdiger Wissenschaft sinnlos foltern und töten? Als im Jahre 2004 die Folter gleichkommenden Methoden in dem amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo bekannt wurden, ging ein Aufschrei durch die Welt und durch die Medien. Wieso bleibt dieser weitgehend aus, wenn doch bekannt ist, dass Abermillionen von Tieren auf dem Altar der Wissenschaft gefoltert und geopfert werden?

Und mit welcher Berechtigung? Zum Wohle der Menschheit, der „Rasse“ Mensch? Wieso sollten Tiere für den Menschen leiden und sterben? Weil sie die „Wilden“ der heutigen Zeit sind, niedrige Kreaturen? Weil der Mensch „höher“ steht als das Tier, weil er die Krone der Schöpfung ist oder ein vernunftbegabtes Wesen? Mit Vernunft haben Tierversuche wenig zu tun und die Unterschiede zu dem Wesen Tier, deren sich das Wesen Mensch so gerne rühmt, haben im Verlauf der Menschheitsgeschichte nicht nur Gutes hervorgebracht. Tiere haben keine Atomwaffen erfunden, sie foltern andere Tiere nicht oder züchten sie und halten sie in Gefängnissen.

Das Wesen Tier leidet genauso wie das Wesen Mensch, den vermeintlich gerechtfertigten Unterschied und die Begründung, warum sie leiden müssen, erhebt in diesem Fall allein der Mensch: Was und zu welchem Zeitpunkt ein Verbrechen ist, wird vom Menschen definiert.

Während zufriedene Urlauber mit Air France zurück in ihre Heimat fliegen, müssen unschuldige Wesen zwangsweise ihre Heimat verlassen und einem grausamen, menschgemachten Schicksal entgegenfliegen. Welches Entsetzen muss ein kleines Äffchen überfallen, wenn sich seine Transportkiste wieder öffnet und es in einen Käfig gesteckt wird, aus dem es nicht entkommen kann. Wenn es in ein Labor gebracht wird, in dem es das Leid seiner Artgenossen mit jeder Faser seines Körpers wahrnimmt. Welches Grauen und wie viel Angst muss es spüren, sobald die ersten Testversuche oder Operationen beginnen. Und irgendwann: Die Hoffnungslosigkeit und das Wissen, dass es kein Entrinnen aus diesen Qualen geben wird und die einzige Freiheit, die es sich noch wünschen kann, der Tod ist.

Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht, Diesen Satz, der Berthold Brecht zugeschrieben ist, kennen die meisten Menschen hierzulande. Der friedliche Widerstand gegen das Unrecht an den Tieren, dem sich immer mehr Menschen anschließen – das ist Hoffnung. All die vielen Menschen, die mittlerweile gegen diese moderne Art der Sklaverei und todbringende Ausbeutung protestieren. Hoffnung, das sind die Menschen mit fühlenden und sehenden Herzen, denen die Qualen der Tiere nicht gleichgültig sind und die mit ihnen leiden und für sie auf die Straße gehen. Hoffnung macht auch eine neue Form der Wissenschaft, die sich für Tierversuchsfreie Methoden einsetzt; eine Forschung, deren Grundlage nicht mehr der Milliardenfache Tod anderer Lebewesen ist.

Dass all die unzähligen, noch nicht geahndeten Verbrechen des Menschen an den Tieren eines Tages als ein Verbrechen im juristischen Sinne definiert werden, ist auch eine persönliche Hoffnung. Der Weg dorthin ist sehr weit, aber es werden immer mehr Menschen, denen die Leiden unserer jüngeren Brüder und Schwestern, wie Manfred Kyber die Tiere liebevoll genannt hat, nicht gleichgültig sind. Und hoffentlich werden es auch immer mehr Ärzte, Forscher und Wissenschaftler die sich für die Tiere einsetzen, damit dieses finstere Kapitel der Menschheitsgeschichte bald zu einem Ende kommt.

Daniela Böhm

Begegnung zwischen Traurigkeit und Hoffnung

Eine nachdenkenswerte Geschichte für alle Tierfreunde,
die oftmals kraftlos, entmutigt und verzweifelt sind und deren Hoffnung auf eine bessere und menschlichere Welt – und somit für ein besseres Leben aller Tiere – mehr und mehr zu zerbrechen droht :


Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei einer zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub auf dem Wege saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.

Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: “Wer bist du?“ Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. “Ich? Ich bin die Traurigkeit“, flüsterte die Stimme stockend und leise, dass sie kaum zu hören war. “Ach, die Traurigkeit!“ rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte grüßen.
„Du kennst mich?“ fragte die Traurigkeit misstrauisch. „Natürlich kenne ich dich! Immer wieder hast du mich ein Stück des Weges begleitet.“ „Ja, aber…“, argwöhnte die Traurigkeit, „warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?“ –  „Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtling einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?“ „Ich bin sehr traurig“, antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme. Die kleine alte Frau setzte sich zu ihr. „Traurig bist du also“, sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. „Erzähl mir doch, was dich so bedrückt.“

Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. „Ach, weißt du“, begann sie zögernd und äußerst verwundert, „es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück, sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest“. Die Traurigkeit schluckte schwer.
„Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: sich nur zusammenreißen. Und spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fasst ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen.“

„Oh ja“, bestätigte die alte Frau, “solche Menschen sind mir auch schon oft begegnet.“ Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen und sagte: Dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu.“ Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt.

Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlte, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. “Weine nur, Traurigkeit“, flüsterte sie liebevoll, “ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt.“ Die Traurigkeit hörte auf zu weinen, richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: „Aber …. aber,  wer bist Du denn eigentlich?“ „Ich?“ sagte die kleine alte Frau  schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen: “Ich bin die Hoffnung.“

verfasst von Inge Wuthe

Liebe Grüsse an alle Leser – Wolodja