Aus dem aktuellen Newsletter von pro-iure-animalis.de

Liebe Freunde der Tiere,

zum Jahreswechsel als besinnliche Lektüre drei Tierfabeln und ein Hinweis auf eine Satiresendung.

P f e r d u n d R e h.

Auf seiner Koppel am nahen Waldrand sprach ein Pferd ein dort zufällig äsendes Reh an. „Guter Freund, ich sehe, dass viele Menschen von dir nur dein Leben wollen. Wenn sie dich sehen, jagen sie dich, um einen Rehbraten in die Röhre zu schieben. Sie haben so wenig Achtung vor dir, weil du ihnen nicht direkt nützlich bist und ihnen bei nichts hilfst. Deshalb wollen sie nur dein Fleisch und töten dich. Wenn es dir besser gehen soll, musst du das künftig völlig anders machen. Schau wie ich es anstelle.

Ich ziehe gelegentlich eine Kutsche, wenn mein Herr angeben will. Ich lasse ihn auch auf meinem Rücken reiten und trage ihn durch die Landschaft, wohin er will. Ich habe meinen Herrn sogar soweit, dass er mich in einem Stall im Winter unterbringt, mich das ganze Jahr über füttert und sogar auf eine andere Koppel fährt, wo es neues, frisches Gras gibt, wenn ich die alte Koppel abgeweidet habe. Er bürstet mich und zu mir kommt sogar der Tierarzt, wenn ich ein Problem habe. Ich habe ihn völlig um den Finger gewickelt. Er will nur mein Bestes und ich weiß, dass er mich liebt, denn ich bin sein Kamerad.

Das musst du genauso machen, wenn es dir so gut wie mir gehen soll. Sieh nur, dort hinten kommt mein Herr mit seinem Anhänger und ich bin gespannt, wo er mich jetzt hinfahren will. Denk an meinen Rat.“

Das Pferd verabschiedete sich vom Reh und galoppierte zum Rande der Koppel, begrüßte freudig seinen Herrn und stieg wie gewohnt in den Anhänger. Die Fahrt dauerte diesmal etwas länger und das Pferd war gespannt, mit was sein Herr es heute überraschen wird. Am Ende der Fahrt rumpelte das Gefährt auf einen Hof. Über der Toreinfahrt stand „Pferdemetzgerei“.

(Gunter Bleibohm, Aphorismen)

S C H W E I N E G E D A N K E N

Ich höre den Motor des Lkw`s, das Türenschlagen des Viehtransporters. Nach meiner Einschätzung müsste es abends sein. Genau kann ich es nicht sagen, die Lebenszeit, die ich hier verbringe, ist bei künstlichem Dämmerlicht, ohne Bewegung, in unerträglichem Gestank, auf Spaltböden und Kunstfutter mit zahllosen Medikamenten; Gras haben meine Füße nie gespürt, nur Kot, nur Dreck. Vielleicht habe ich einmal im Leben das große Glück, auf dem Transport das richtige Licht zu sehen, richtige Luft zu atmen. Es soll ja eine Sonne geben, Sterne, Wind und Regen. Aber das sind Mythen, die durch unsere Gedanken kreisen, bei uns Tausenden, die hier eingeschlossen sind, hier geboren sind, ich weiß es aber nicht.

Ich sitze in einer der vorderen Boxen, ich bin heute auf jeden Fall dabei. Endlich ist der große Tag der Befreiung gekommen, der Tag, den wir alle herbeisehnen, der Tag auf den sich unser ganzes Leiden hin entwickelt hat, der Sinn unserer kurzen, qualvollen Existenz. Der Weg, die Fahrt zum Schlachthof, meine letzte Chance einen Blick auf diese mörderische Welt zu werfen. Ich habe mir vorgenommen, den Weg mit größter Würde anzutreten, mit Demut gegenüber meinem Schicksal. Der Tod wird ein Geschenk für mich sein. Ich kehre in den unendlichen Frieden zurück, aus dem ich einst aufgebrochen bin, aus dem ich in diese fürchterliche Menschenwelt geworfen wurde.

Ich hab mir vorgenommen, aufrecht zu gehen, auch wenn die Beine unter meinem Körper einknicken, die Last des Körpers kaum tragen können, weil ich sie Zeit meines Lebens nicht benutzen konnte. Ich werde mit zusammengebissenen Zähnen die Elektroschocks der Treiber ertragen, zum letzten mal, es gilt die Freiheit des Todes zu erringen. Es ist dies kein Anflug von Verzweiflung, ich kenne die Kette meiner Tage, kenne die Kette der Qual, des Martyriums aus meinen wenigen Lebenstagen, wie verlangt mich nach der Zeit, wenn Leben aufhört, Folter und Qual zu sein.

Jetzt bin ich an der Reihe, die Boxentür geht auf, ich erhalte einen brutalen Stockschlag an den Kopf. Es scheint tatsächlich abends zu sein, wenn man das so nennt- ich hab es noch nie gesehen. Abends bedeutet eine letzte lange Qual, die Letzte allerdings. Es bedeutet eine lange Fahrt, vielleicht zum Schlachthof nach Rom, die Nacht hindurch, durstig, hungrig, voller Ungewissheit. Rom sehen und sterben!

Der Weg in die Freiheit ist bitter und qualvoll erkauft, manche von uns sterben leichter, manche fürchterlicher, aber der Lohn ist immer der unendlich tiefe Frieden, die Flucht vor der Menschheit. Die Menschheit, die uns ein Leben in Freiheit, in Sicherheit verweigert. Die Natur wird mich aber wieder in die Masse der Wesen einkneten und macht vielleicht eine Wolke, einen Tautropfen, hoffentlich aber nicht wieder ein Schwein oder gar einen Menschen aus mir. Egal, morgen früh komme ich in die Todesbox, mit etwas Glück ist der Akkordschlächter nüchtern, trifft mich gut mit dem Bolzenschuss. Ich werde stillhalten, nicht ausweichen, damit es schnell geht. Wir sterben an diesem Tag zu Tausenden, so wie jeden Tag. Tausend Lebewesen jede Sekunde auf der besten aller Welten, auf einer Welt, welche die Menschheit zum großen Schlachthaus gemacht hat.

Das Quieken der Anderen ist das verzweifelte Auslachen der Menschheit durch uns Todgeweihte, das Lachen darüber, dass wir mit dem Tod ihrer Macht endgültig entfliehen, das Lachen der Verachtung ob ihrer Überheblichkeit, ob ihres Wahnsinns. Einen Tag später werden meine zerlegten Körperteile verkauft und gegessen, hoffentlich aber von einem Hund oder einer Katze. Der Gedanke, im Körper eines Menschen begraben zu werden, ist mir zutiefst zuwider, im Körper derjenigen, die sich für das Ebenbild eines Gottes halten, eines bluttriefenden, erbarmungslosen Gottes.

(Gunter Bleibohm, Aphorismen)

Auf freiem Felde

Der Schnee lag kalt und weiß auf freiem Felde. Ein Hase und seine Frau suchten Futter darauf. Die Pfoten froren. Es war ein mühsamer Weg und der Wind pfiff über die Fläche. Die Ausbeute war kümmerlich. Man mußte erst den Schnee fortkratzen, um etwas Essen zu finden. Die Pfoten wurden so leicht wund dabei. Man mußte sie dazwischen immer wieder ablecken. Auch war die Frau des Hasen leidend. Ein Bein war ihr zerschossen worden. Sie humpelte hilflos und gebrechlich über den Schnee.

Es ist recht schwer, wenn man so behindert ist,“ klagte sie. „Wie wird es erst im Frühling werden! Ich kann mit dem kranken Bein doch keine Kinder warten.“ Der Hase tröstete sie. „Es wird schon gehen,“ sagte er und leckte ihr beruhigend die Ohren. „Du brauchst erst eine Kur an der Quelle. Sie ist kalkhaltig und hat schon vielen geholfen.“ „Ach diese schrecklichen Jagden!“ seufzte die Häsin. „Wenn sie einen wenigstens gleich töten wollten! Aber jagen darf jeder und so schießen sie einen krank. Die Menschen sind offenbar immer hungrig, daß sie einen so verfolgen.“

Das war früher. Früher war es auch ein Kampf gegen wilde Tiere,“ sagte der Hase. „Jetzt ist es gefahrlos und darum ist es ein Vergnügen. Es ist sogar ein vornehmes Vergnügen. So haben es wenigstens die getauft, die sich selbst vornehm nennen. Vermutlich, weil andre sie nicht vornehm nennen würden. Da tun sie es lieber gleich selbst.“

Die Häsin war empört. „Töten ist doch kein Vergnügen! Sogar Wölfe reißen aus Hunger, nicht aus Lust am Töten.“ „Es sind eben keine Wölfe, sondern Menschen – die von sich selbst so getauften vornehmen,“ sagte der Hase. „Sie genießen die Natur nur, wenn sie ihr ins brechende Auge sehen. Das ist ihre Freude an der Schöpfung. Aber du wirst durch die Kur wieder ganz gesund. Die Quelle ist ein ganz berühmtes Bad.“

Es ist unfaßlich,“ sagte die Häsin und verspeiste nachdenklich etwas vertrocknetes Moos. „Es gibt bei den vornehmen Herren noch viel angenehmere Dinge,“ fuhr der Hase fort. „Sie zähmen sich die Tiere erst, um sie dann zu Tode zu hetzen. Das ist das Allervornehmste!“ „Aber das ist ja Mittelalter! Wir leben doch in der Neuzeit?“ rief die Häsin entrüstet. Sie war historisch sehr gebildet. Die Hasen haben eine lange und traurige Geschichte, die sorgsam überliefert wird.

Wir sind noch sehr tief im Mittelalter drin,“ sagte der Hase bedrückt und kummervoll. „Aber die neue Zeit wird bald kommen. Es stehen starke Geister auf, die das Mittelalter nicht fürchten. Es sind keine arme Hasen, denn sie führen scharfe Waffen. Der Gott der Schöpfung hat sie ihnen gegeben, damit sie den Wehrlosen helfen. Man spricht davon im Wald und auf freiem Felde.“ – “Es ist gewiß an der Zeit,“ sagte die Häsin seufzend, „aber erst muß ich meine Kur brauchen.“

Oben in der Luft kreisten zwei Raubvögel. Du,“ sagte der Habicht zu seiner Frau, „da unten ist ein kranker Hase. Den wollen wir fressen. Ich habe Hunger. Der andre ist gesund. Der würde uns entwischen.“ Er stieß pfeilschnell auf die Häsin nieder. Der Hase sprang entsetzt hinter ein Gebüsch. Aber der Habicht konnte seine Beute nicht entführen . Ein Schuß traf ihn. Er breitete die Schwingen auseinander. Sein Blut färbte den Schnee. „Jetzt ist meine Frau gerettet!“ jubelte der Hase. „Das ist gewiß einer von den starken Geistern, die helfen kommen.“ Es war kein starker Geist. Die Häsin richtete sich auf, um fortzueilen. Da traf sie ein Kolbenschlag auf den Kopf. Sie reckte den verstümmelten Körper. Die Augen überzogen sich mit einem matten Schein und erloschen. Der vornehme Mann hatte seine Freude an der Natur.

Im verschneiten Gebüsch saß frierend und jammernd ein kleines Geschöpf mit struppigem Fell. Hoch in der Luft kreiste ein einsamer Vogel. Die Blutspuren auf dem Schnee bildeten seltsame Zeichen. Die Zeit ist sehr nah, wo man sie lesen lernen wird. Und erlöse uns von dem Übel.

(Aus: Manfred Kyber, Unter Tieren. Berlin 1912 (Erstausgabe). Verlag Vita. S. 131 bis 135. Auch diese Tiergeschichte findet sich wie fast alle Veröffentlichungen des Dichters in neuen Nachdrucken im Buchhandel (z. B. bei Rowohlt Das Manfred Kyber Buch). Auch antiquarisch sind die meisten Erst- oder frühen Ausgaben gut erhältlich.)

Und – last but not least – der Hinweis auf „Die Anstalt“ vom 18. Dezember 2018 im ZDF. Die Satiriker haben sich den Themenkomplex Fleischkonsum, Tierhaltung, Landwirtschaft znd alles was dazu gehört in bemerkenswerter Weise vorgenommen. Sehenswert – schauen Sie selbst:

https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-18-dezember-2018-100.html

Herzliche Grüße für pro iure animalis

Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

Zum bevorstehenden Jahreswechsel

Aus dem aktuellen Newsletter von pro-iure-animalis.de

Liebe Freunde der Tiere,

Weihnachten, die „besinnliche Zeit“, ist vorbei, der Jahreswechsel, an dem Viele gute Vorsätze fassen, steht vor der Tür. Vor der gleichen Tür standen und stehen die beiden großen Ansprachen an die Nation, der Bundespräsident an Weihnachten, die Kanzlerin zu Silvester. Steinmeier haben wir schon überstanden und es darf angenommen werden, dass Merkel in ein paar Tagen keine Worte in den Äther schickt, die sich von der professionellen Logorrhoe des Präsidenten unterscheidet – inhaltslose Worthülsen, Schönrederei und leere Versprechungen, die sich wenig an Fakten und Logik orientieren. Fünf Minuten wasted time …

Unseres Erachtens hätte Einer diese fünf Minuten Sendeplatz verdient: Alexander Gerst, „Astro-Alex“, wie er liebevoll und anerkennend genannt wird, der dieser Tage aus dem Orbit zurückgekehrt ist und dort einen wahren Platz mit Weitsicht verlassen hat. Urteilen Sie selbst:

Alexander Gerst: Nachricht an meine Enkelkinder

Daran anknüpfend geben wir Ihnen noch einen Leserbrief von Lutz Reißland mit auf den Weg ins Neue Jahr, den er zum Thema Silvesterböllerei an zahlreiche Zeitungsredaktionen geschickt hat.

Und alle Jahre wieder

Und alle Jahre wieder … kommt die Silvesternacht, in der es blitzt und kracht… und das im wahrsten Sinne des Wortes!

Ja bald ist es wieder soweit, in wenigen Tagen macht ein Industriezweig seinen Jahresreibach mit Böllern und Raketen, und das mit Pauken und Trompeten.

Der Brauch geht auf den Todestag des Papstes Silvester 1.(† 31. Dezember 335) zurück. „Zum Jahreswechsel um Mitternacht wird meist mit Feuerwerk, Böllern und Glockengeläut gefeiert. Das Feuerwerk sollte im vorchristlich-animistischen Glauben früher „böse Geister“ vertreiben und drückt heute auch Vorfreude auf das neue Jahr aus.“ (Wikipedia).

Da fragt sich der aufgeklärte Mensch des 21. Jahrhunderts, hallo, leben wir noch im frühen Mittelalter, wo man an Hexen, Geister und Dämonen glaubte und meint, diese zum Jahreswechsel mit Lärm und Gestank vertreiben zu müssen? Wie weit sind wir in diesem Land der Dichter und Denker gekommen, einerseits träumen wir vom digitalen Zeitalter, andererseits befindet sich ein Teil unserer Bevölkerung noch auf Steinzeitniveau, was man auch an vielen anderen Stellen merkt – leider.

Nein, was hier passiert, ist nicht nur die Freude auf das neue Jahr, wobei man angesichts der dramatischen Veränderungen auf unserem Planeten wie Überbevölkerung, Klimawandel, Artensterben etc. sich ehrlich die Frage stellen muss, auf welche Verbesserungen sich man hier noch freuen kann? Vor hundert Jahren nach dem 1. Weltkrieg wäre ein solche Vorfreude noch begründet gewesen aber in der heutigen Zeit werden sich begründet nur Einige auf noch bessere Umsätze und Anhäufungen von Reichtum freuen können, die meisten werden aber diesbezüglich enttäuscht werden.

Und diese, man wundert sich, machen in den Warteschlangen beim Böllerverkauf den größten Teil aus, hier steht nicht die soziale Mittel- oder Oberschicht oder gar die Intelligenz an, es sind oftmals die, die von Hartz 4 leben müssen und einen Teil ihres Geldes im wahrsten Sinne des Wortes dann noch verballern.

Was hier in der Silvesternacht jedes Jahr stattfindet, ist eine Art Stellvertreterkrieg, jeder kann sich und seinem Herzen mit lauten Geböllere Luft machen, oftmals gepaart mit reichlich Alkohol die Sau rauslassen, seinen archaischen Ur-Instinkten freien Lauf lassen…

Aber die Sache hat noch andere Haken.

Jedes Jahr werden allein in Deutschland rund 10.000 Tonnen Feuerwerkskörper im Wert von mehr als 100 Millionen Euro in die Luft gejagt – Tendenz steigend! Durch die Böller und Raketen rieselt ein Chemiecocktail bestehend aus Schwarzpulver, Nitraten, Chloraten und Perchloraten – sauerstoffreiche Metallsalze der Elemente Natrium (gelbe Flammenfärbung), Kalium (blass-violett), Strontium (rot) oder Barium (grün) sowie Blei, Arsen, Aluminium, PVC, Schwefel und in kleineren Mengen Eisen-, Kupfer-, Titan-, Antimon- und Zinkverbindungen und viele weiteren Verbindungen leise vom Himmel und belastet Mensch, Tier und Umwelt.

Die gesundheitlichen Risiken für die Menschen alle aufzählen, würde den Rahmen dieses Leserbriefes weit sprengen.

Raucher dürfen in Gaststätten nicht mehr rauchen, seit Jahren macht ein Abgasskandal nach dem anderen die Runde, Dieselfahrzeuge werden als die Hauptschuldigen benannt, überall werden die Feinstaubwerte überschritten, Fahrverbote ausgerufen etc. Dabei zeigen Messungen, dass in Innenstädten in der Stunde nach Mitternacht Extremwerte von weit mehr als 1000 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft erreicht werden, über 20 mal mehr als erlaubt! Die Feinstaubbelastung durch die Silvesterknallerei trägt nach Angaben des Umweltbundesamtes zu 15% an der Gesamtfeinstaubbelastung durch Verkehr u.a. in Deutschland bei!

Na prima, wo bleiben da die Behörden, die Gleichen, die zuvor die Fahrverbote mit Hinweis auf den Schutz der Bevölkerung vor Feinstaub ausgerufen haben? Hier ist noch dringender Handlungsbedarf durch die zuständigen Behörden und Kommunen notwendig!

Am schlimmsten trifft es die Tiere. Jeder Tierhalter, egal ob Hund, Katze, Vogel oder Pferd weiß, dass Tiere sehr lärmempfindlich sind und der Lärm und Gestank ist für die Tiere unerträglicher Stress und Folter! Zehntausende in den Städten lebende und dort schlafende Wildvögel, vor allem Haussperlinge werden durch dieses Silvesterinferno von ihren Schlafplätzen aufgescheucht, fliegen verängstigt in die Dunkelheit und verunglücken zu Tausenden!

Jedem wahren Tierfreund zerreißt es angesichts dieser Situation das Herz und es ist auch ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz §39 und gegen das Tierschutzgesetz §1!

Aber auch Menschen, die diese Knallerei nicht wollen, werden durch diese belästigt.

Der Straftatbestand der Nötigung wird durch diese Knallerei voll erfüllt. Eine Ökobilanz für die Herstellung der Knaller und die Knallerei selbst fällt verheerend aus, zurück bleiben Dreck, Umweltbelastungen und Sondermüll.

Für mich steht fest, die, die meinen, durch Luft- Licht- Lärm- und Umweltverschmutzung, denn nichts anderes ist diese Silvesterknallerei, das neue Jahr begrüßen zu müssen, haben sich selbst einer ganz spezifischen Bevölkerungsgruppe zugeordnet und können mit Sicherheit keine Tierfreunde sein!


Wir hoffen, Sie nehmen einige dieser Aspekte mit ins Neue Jahr und hoffen auch, dass unsere vergangenen Rundbriefe zum Nachdenken angeregt haben. Wir lesen uns wieder in 2019 – einen guten Start wünscht Ihnen

für pro iure animalis

Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

Und jährlich grüßt die UN-Weltklimakonferenz!

Aus dem aktuellen Newsletter von Dr.Bleibohm u. Harald Hoos

(pro-iure-animalis.de)

Was hat sich seit der letzten Konferenz in Bonn geändert? Nichts! Doch: der Austragungsort und das Datum.

So erlauben wir uns heute, Ihnen unseren Text aus 2017 – mit geänderten Datum und Ortsdaten – erneut zu lesen zu geben:

In Katowice findet zurzeit die UN-Weltklimakonferenz statt. Es ist seit 1995 die 24. Auflage dieses Illusionstheaters, das Aktivität und Handlungswillen der aktuell verantwortlichen Politiker in den Staaten der Welt demonstrieren und verkünden soll.

Schaut man etwas genauer hin, bekommt das Ganze – wie der Schwabe so schön sagt – ein „Gschmäckle“, scheint doch ein wunderbarer, staatlich steuerfinanzierter weltweiter Konferenztourismus dieses Machwerk anzutreiben oder ist tatsächlich irgendjemand der Auffassung, dass bei ca. 25.000 Teilnehmern, wie dieser Tage in Katowice, was der Bevölkerungszahl einer mittleren Kleinstadt entspricht, von Effizienz und Zielstringenz gesprochen werden kann?

Es ist lediglich eine Fortsetzung vorausgegangener Schauveranstaltungen, um das Weltgewissen bis zur nächsten Inszenierung zu sedieren. Der nächste Kongress wird dann wieder mit den markigen Worten eingeläutet werden, dass “man jetzt etwas tun müsse, denn es sei bereits fünf vor zwölf“. Diesen Satz ergänzt dann der nächststehende kluge Kopf, dass „es bereits fünf nach zwölf sei“. Unsinn, Wortblasen und Floskeln ad infinitum!

Tatsache ist vielmehr, dass sich seit Anlaufen dieser Konferenzmaschinerie nichts, aber auch gar nichts geändert hat. Die Gletscher schmelzen weiter, der Ozean versauert weiter, die Wälder verschwinden weiter usw., usw. Eine endlose Kette von Versäumnissen, von ökologischen Notfällen, die sich immer schneller zu einer Metakrise auswachsen und die Lebensbedingungen auf unserm Planeten drastisch verschlechtern.

Und warum ändert sich, von lokalen Minierfolgen abgesehen, nichts, zumindest nichts Entscheidendes, nichts Nachhaltiges, nichts global Wirksames?

Die Lösung liegt auf der Hand. Wir haben mehr als 190 Staaten auf dieser Erde. Glaubt irgendjemand allen Ernstes, dass sich diese Staaten, auch wenn es gelingt, ein gemeinsames Ziel zu definieren, an dieses Ziel halten werden? Selbst wenn man den heute handelnden Politikern guten Willen unterstellt, wie sieht es mit der nächsten Regierung aus, wie sieht es mit geänderten ökonomischen Rahmenbedingungen aus, wie sieht es in Krisen- und Kriegsfällen aus? Das Klimaziel wird dann derart unwichtig, uninteressant und Nebensache, dass mal wieder jede Zielvorgabe verfehlt wird; gewöhnlich tritt sogar eine weitere Verschlechterung ein. An Begründungen und Entschuldigungen zur fehlenden Zielerreichung herrscht kein Mangel, Ausreden sind das einzige, was im Überfluss vorhanden ist.

Die Organisationstheorie, die Psychologie menschlichen Verhaltens und jegliche Gesetzgebung lehren uns, dass Zielvorgaben, die freiwillig getroffen werden und – was das Wichtigste ist – deren Einhaltung nicht durchgesetzt oder gar sanktioniert werden kann, das Papier nicht wert ist, auf welche man die Vorgaben schreibt. Aber solche Papiere täuschen Aktivität vor, helfen über die nächste Wahl, helfen Spenden zu akquirieren, helfen die Gutgläubigen bei Laune und Zuversicht zu halten und helfen am meisten, den Stab der Unfähigkeit, der Ignoranz und der Vergeblichkeit dieser Komödie an den Nachfolger unbeschadet zu übergeben.

Aber all die angeführten Punkte, die beliebig noch ergänzt und erweitert werden können, sind lediglich ein Herumdoktern an Symptomen. Die Ursache der Symptome, die eigentliche tödliche Krankheit des Weltkörpers –Auslöser fast aller umweltschädigenden Faktoren! – wird ausgeblendet, ignoriert, tabuisiert und verschwiegen. Die Kausalität von Ursache und Wirkung fällt der Ignoranz staatlich kastrierten Denkens anheim.

Religiöse Vorstellungen und Gebräuche frühantiker Wüstenvölker, konzentriert in den monotheistischen Vorstellungen, vollenden die Lähmung der Vernunft. Es ist das exponentielle Wachstum der Weltbevölkerung, das für alle Komponenten von Umweltzerstörung – von der Verkarstung der Landschaften, der Vermüllung und Vergiftung der Böden und Meere, von der Versiegelung der Landschaften, vom Rückgang der Artenvielfalt und, und, und … – verantwortlich ist.

Man mache es sich klar, dass die Erdbevölkerung jährlich um ca. 80 Millionen Menschen netto anwächst, also täglich um ca. 200.000 Köpfe, die Größenordnung einer aufstrebenden Großstadt! Jeden Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr!

Man will es nicht hören, will es nicht wissen, dass dies die Ursache nahezu aller Umweltprobleme ist. Und dann treten verantwortungslose Politiker – um nicht zu sagen bösartig-dumme Politiker – auf, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit und fordern höhere Geburtenzahlen.

Hat man sich denn schon mal gefragt, was hinter einer derartig abstrusen Forderung steckt?

Die Lösung heißt unter anderem: Die einen (z.B. in Deutschland) wollen ihre falsch konstruierten und ineffektiven Sozialsysteme, die anderen (z.B. USA) ihr Wirtschaftssystem, das nur bei Wachstum funktioniert und die dritten (z.B. Türkei) wollen ihre Macht, ihre politische Macht und nicht zuletzt auch ihren religiösen Einfluss (z.B. Vatikan) erhalten. Motive zu Hauf, Motive in jedem Land der Erde, Motive der unredlichsten, kurzsichtigsten, der egoistischsten Art!

Dabei ist der Zusammenhang so einfach. Unsere Erde ist ein begrenztes System, ein System von dem jedes Lebewesen seine Lebensressourcen bezieht, ein System, auf dessen Funktionieren das Leben in seiner Gesamtheit basiert. Ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass man – um in einem Bilde zu bleiben – in eine Badewanne nicht beliebig viel Wasser einfüllen kann, dass die Aufnahmefähigkeit, die Tragfähigkeit der Erde begrenzt ist und es einen Überlaufpunkt gibt? Oder kann jemand mit einem Gemüseanbau im kleinen Vorgarten seines Einfamilienhauses den Gemüsebedarf aller Bewohner eines Hochhauses stillen?

Dies ist die Ursache fast aller Probleme, von denen ein, und wirklich nur ein einziges der Klimawandel ist. Nahezu alle Probleme wären bei einer Erdbevölkerung von 800 Millionen beherrschbar, zumindest aber beherrschbarer, als bei einer Erdbevölkerung von demnächst 8 Milliarden Menschen. Und selbst dann ist ein Ende des Irrsinns noch lange nicht in Sicht!

Aber es ist die Tragik des Menschen – und an dieser Tragik gehen die meisten anderen Lebewesen unschuldig durch Menschenschuld mit zu Grunde – dass er nur das macht und machen will, was ihm heute für seine unmittelbare Existenz richtig und wichtig zu sein scheint. Vorausschauendes Denken, antizipatives Denken für Natur, Tierwelt und Menschheit ist ein seltenes Gut und somit den wenigsten der Spezies homo sapiens gegeben.

Herzliche Grüße für pro iure animalis

Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos