Wort zum Sonntag

K e i n  U n t e r s c h i e d :

Es ist völlig gleichgültig, ob man das Leben eines sehr seltenen Tieres vernichtet und damit das Tier aussterben lässt oder das Leben eines anderen Tieres. Jedes Leben ist einzigartig und der Unterschied liegt ausschließlich in dem menschlichen Sammeltrieb, in der gewünschten Vollständigkeit des Artenspektrums. Jede fünfte Wirbeltierart ist derzeit vom Aussterben bedroht, geistert es zum wiederholten Male durch die Presse. Es ist eine Nachricht, die fast niemanden interessiert, weder die verantwortungslosen Verantwortlichen noch die Masse der gleichwohl verantwortungslosen Unverantwortlichen. Die Einsamkeit um den Menschen herum nimmt im gleichen Maße zu, wie die Vielfalt der Biosphäre abnimmt, die Menschheit erschafft sich in ihrem Unverstand eine Monotono-Natur.

Für alle Lebensformen, die ausgestorben sind, hatte hingegen mit dem Ende ihrer Existenz sämtliches Leiden ein Ende; was nicht existiert, leidet nicht! Ausgestorbene Arten haben sich in den ewigen Frieden der Nichtexistenz, in den Frieden des absoluten Nichts gerettet. Durch Aussterben könnten Tiger, Eisbären und viele ihrer Artgenossen, denen man den Lebensraum genommen hat, dauerhaft aus ihrem erbärmlichen Gefängnisdasein in Zoos und Tierghettos befreit werden. Ihr unwürdiges  Vegetieren zur Freude einer verkommenen Gesellschaft wäre für immer beendet.

Durch Aussterben könnten Nutztiere von ihren endlosen Leiden und ihrem grauenvollen Tod befreit werden und durch Aussterben einer besonderen Spezies könnte sogar  der gesamte Planet wieder ins biologische Gleichgewicht zurückkehren und würde damit das Aussterben a l l e r anderen Lebensformen verhindern … hoffen wir eine verzweifelte Hoffnung, hoffen wir auf das Aussterben des homo stupidus.

E n d z e i t :

Wir leben in einer Endzeit. Keine Endzeit, wie sie im Laufe der Jahrhunderte zahllos von diversen metaphysischen Hinterweltlern angekündigt, aber nicht eingetroffen ist, sondern in einer Endzeit, in der sich die mit Leben durchzogene Natur dramatisch irreversibel verändert. Die Evolution, die über viele Millionen von Jahren einen Busch an  Lebensformen, Lebenswelten und verschiedensten Lebewesen hervorgebracht hat, ist für die meisten Gattungen beendet, weil ihre Artenvielfalt von einem Wesen vernichtet wurde, das heute allgemein homo sapiens genannt wird, präziser jedoch als homo extinctor, als vernichtender Mensch, als Zerstörer, zu bezeichnen wäre.

Die hominide Spezies überführt den Planeten Terra ungebremst, ungehindert, mit rasanter Geschwindigkeit, in eine menschliche Monotono-Unkultur, wie sie aktuell schon in Megagroßstädten fassungslos bestaunt werden kann. Die belebte Welt wird auf eine nur für diese Vernichtungsspezies ausgerichtete Welt reduziert, in welcher freie, unberührte Natur, also Wälder, Wiesen, Flüsse, Seen etc. verschwindet und künftig nur in künstlichen Parklandschaften existieren wird. Tierisches Leben wird einzig in kommerziellen Reservaten und Zoos sowie in den  Tierfabriken der Massentierhaltungen zu finden sein. Der gesamte potentielle Lebensraum des Planeten wird in einer ausschließlich auf Menschen ausgerichteten Nutzungsbetrachtung klassifiziert, angepasst, ausgebeutet oder vernichtet, so dass künftigen Generationen freie Natur lediglich aus Filmen vergangener Zeiten bekannt sein wird. Tiere kennt man fast ausnahmslos aus den Tiefkühltruhen der Supermärkte.

Als Resultat hat diese Zeitenwende den homo stupidus selbst zum entmündigten Wesen degradiert, hat er doch alle kulturellen und geschichtlichen Wurzeln verloren, wohnt sklaven-ähnlich in Superstädten als vielstellige Nummer, geht seiner Arbeit in anonymen Industriekomplexen nach, isst genormte und industriell gefertigte Nahrung, atmet verpestete Luft, hört, liest und  sieht gefilterte und selektierte  Informationen und wird allerorten elektronisch kontrolliert und überwacht. Zeitgleich hat er seine körperliche und geistige Freiheit verloren, hat alles verloren, was Natur und Geistesentwicklung viele Jahrhunderte für ihn bereitgehalten haben, was ihn geformt hat und was ihm Größe hätte geben können, was ihm aber jetzt unwiederbringlich entglitten ist nach seinem Eintauchen in die Massendummheit.

Er hat die Erde durch seine unkontrollierte Vermehrung wie mit einem eiternden Schorf überzogen, hat sich mit seiner Massenhaltung, seiner Herdenexistenz in Unfreiheit indessen abgefunden – er hat Unfreiheit als Normalität akzeptiert. Die Lage für freie Lebewesen, für freie Natur, für die Freiheit schlechthin, ist ausweglos, ist fürchterlich und wird täglich schrecklicher. Die Verhältnisse sind vergleichbar mit dem Luxusdampfer TITANIC, dessen Bug nach der Kollision mit dem Eisberg schon unter Wasser war, während auf dem Heck die Kapelle noch einen Walzer spielte,  den die Passagiere beschwingt tanzten; nur sehr wenige überlebten aber den Untergang.

Die Weltpassagiere sehen die kommenden Veränderungen nicht, hören nicht das steigende, gurgelnde Eiswasser, fühlen nicht die zunehmende Neigung des sinkenden  Schiffes, sie wollen nichts sehen, vielleicht können sie es aber auch nicht sehen und vor allem…. sie sollen es nicht sehen. Das Finale ist eingeläutet, der Ablauf kommender Ereignisse wird unvorstellbar schnell chaotisch werden. Die Jungen werden ihre Vorfahren verfluchen, werden sie hassen für die ihnen aufgezwungene Existenz im Chaos des Untergangs. Sie werden die Eltern, die Großeltern dafür verdammen, dass man sie in diese sterbende Welt hineingezwungen, hineingezerrt,  geradezu hineingeopfert hat.  Sie spüren und wissen es, dass es für sie keinerlei Hoffnung geben kann auf etwas, das den Absturz verhindert. Es werden ihnen keine Flügel wachsen, die ihren Fall hemmen. Die Menschheit verliert endgültig ihren Krieg gegen Natur und Tierwelt – auf der Leiche des letzten Menschen werden die Bakterien im Freudentaumel tanzen!

Fr i e d e n :

In der Abenddämmerung zogen sich die Wolken zusammen. Von überall, dunkel, drohend, gewaltig und schwer. Den ersten Tropfen folgte ein Regen, andauernd, ein langer Landregen. Aber die Regentropfen waren diesmal anders, völlig verändert, sie waren schwarz, tiefschwarz und funkelten in den letzten Sonnenstrahlen wie fallende Diamanten, ein diamantener Regen, voller Schönheit, Klarheit, ein Regen des Absoluten.

Jeder Tropfen, der auf irgendeine Form von Leben traf, auf Pflanzen, auf Tiere und Menschen, verwandelte dieses Leben sofort in eine mineralische Struktur, entzog aller Kreatur das Leben und schuf stattdessen eine reine kristalline Welt. Als der Regen aufgehört hatte und die Sonne wieder am Horizont erschien, war die Welt verändert, erneuert, war frei, war wieder so wie einstmals, wie alles im Universum. Leben war vollständig unbelebter Materie gewichen, absoluter Friede war auf den Planeten zurückgekehrt, die Natur hatte ihren Irrtum vom Leben endgültig korrigiert.


Religionskritische Zitate:

Die Wissenschaft hat in einhundert Jahren mehr für ein zivilisiertes Leben getan als das Christentum in achtzehnhundert Jahren.
(John Burroughs, am. Dichter, 1837-1921)

Religionen sind eine Ausgeburt der Angst. Sie sind die Antwort auf eine unverständliche und grausame Welt.
(Arthur C. Clarke, brit. Schriftsteller)

Des großen Alexander Reich zerfiel; das der alten Römer und das Napoleons ging in Trümmer; sie waren gebaut auf die Gewalt der Waffen. Aber das Reich von Neu-Rom besteht schon fast anderthalbtausend Jahre und wird wer weiß wie lange bestehen, denn es ruht auf dem solidesten Fundament – auf der Dummheit der Menschen.
(Otto von Corvin, dt. Schriftsteller, 1812-1886)

Wort zum Sonntag

A r t e n s t e r b e n :

Tierarten sterben mit rasender Geschwindigkeit aus, Pflanzenarten sterben mit rasender Geschwindigkeit aus. Die Menschheit wächst mit rasender Geschwindigkeit und frisst sich in den Raum der ausgestorbenen Arten. Aber wer vermisst überhaupt ausgestorbene, vernichtete Arten?

Arten, von denen uns unsere philosophische Überzeugung doch lehrt, dass all das, was nicht existiert, auch nicht leiden kann. Nur das Erinnerungsvermögen des Menschen, das sich beim Blättern in den Büchern der Historie auf vergangene Vielfalt besinnt, denkt an vernichtete Arten zurück – aber emotionslos, sowenig wie das Fehlen der Saurier heute bedauert wird. Man ist soweit im Denken, im Fühlen und Empfinden verkommen, dass die eigene Art als ausreichende Vielfalt genommen wird.

Was wird in Zukunft sein? Die Menschheit wird in kurzer Zeit sich selber allein auf einer zementierten Erde gegenüberstehen und alle Gnadenlosigkeit und Brutalität am eigenen Leib erleben, nämlich die gleiche Brutalität, mit der die Vielfalt des Lebens der Hybris der menschlichen Dummheit geopfert wurde. Die Natur hat sich aber in Wartestellung zurückgezogen und beobachtet mit kosmischem Gelächter den Untergang einer Mörderspezies, die eigene Versklavung der Krone der Idiotie. Der Mensch als Witz der Evolution, als schlechte Komödie auf der Bühne des Universums – so wird es im Feuilleton der Götter zu lesen sein.
Dr. Gunter Bleibohm

M e d u s a :

Waldbrände von der Größe Deutschlands toben wochenlang in Russland, katastrophale Überschwemmung und Erdrutsche suchen China, Pakistan und Indien heim, im Golf von Mexiko ereignete sich die größte Ölpest aller Zeiten, in deren Folge vielfältiges Leben noch in den nächsten Jahren an Sauerstoffmangel zugrunde gehen wird, die Zeitungen sprechen von einigen Tausend menschlichen Todesopfern, die Millionen getöteter Tiere sind keinen Nebensatz in Zeitungen und Nachrichten wert. Kann die Vernichtungsmoral und Gleichgültigkeit des homo extinctor, des globalen Lebenszerstörers, treffender charakterisiert werden?

Der Mensch irrt gewaltig, wenn er sich in falscher Sicherheit wähnt, er hat nur noch nicht gemerkt, dass die Notwehr des Planeten begonnen hat, dass Auge um Auge, Zahn um Zahn nicht mehr vor ihm halt machen werden, dass der Krake der Vernichtung begonnen hat, seine Tentakeln in Richtung Menschheit auszustrecken. Medusa  wendet ihm bereits ihr Haupt zu, ihr Blick versteinert alles, was sie sieht. Die Rückkehr in den ewigen Frieden des Mineralischen hat begonnen.
Dr. Gunter Bleibohm

S u p e r m a r k t :

In der Kleinstadt wird noch ein vierter Supermarkt gebaut, genauso überflüssig wie schon der Dritte. Gemeinderat und ökologische Vernunft sind unvereinbare Begriffe in diesem Städtchen, hingegen harmoniert Gemeinderat mit kleinbürgerlichem Geltungswahn perfekt. Für den Supermarkt wird ein Baugelände erschlossen, das seit Anbeginn der Zeit der Natur gehörte. Brombeerhecken boten Kaninchen und Vögeln Schutz, wilde Blumen erfreuten den Spaziergänger und dienten Bienen und Schmetterlingen als Nahrung.

Eines Morgens ist alles vorbei. Bagger planieren das Gelände, statt Gräser wächst der Supermarkt jetzt in den trüben Himmel. Kaninchen, Vögel, Bienen und Schmetterlinge sind vertrieben, Blumen und Büsche sind vernichtet – der Tod hat sich ausgebreitet, zahlreiche Lebenswelten sind spurlos verschwunden und für immer vertrieben.

Könnte man noch über ökologische Dummheit und ökonomische Unkenntnis kopfschüttelnd hinwegsehen, treibt den Denker ein anderer Umstand in die Revolte. Der Umstand nämlich, dass für einen vermeintlich momentanen Vorteil nur begrenzt vorhandene Natur unwiederbringlich zerstört wird, der Umstand, dass derartige Gimpel nicht nur heutiges Leben vernichten, sondern selbst ihren Kindern Lebensraum vorenthalten und der Umstand, dass diesen Denkzwergen sogar das geringste Gespür für ihr schändliches Tun fehlt. Sie fühlen sich in ihrer Beschränktheit großartig, sind voller Stolz auf das Vollbrachte und merken nicht, dass sie Totengräber künftigen Lebens sind; aus der Selbstzufriedenheit und Froschperspektive der Biedermänner dieser Welt wachsen die Metastasen des Untergangkarzinoms.
Dr. Gunter Bleibohm

F u r c h t :

Die Furcht vor meinen eigenen Zukunftsprognosen, vor meinen Visionen zur Veränderung der Welt, lähmt mich immer mehr. Alles was ich beobachte, was ich lese, alles was an Ereignissen eintritt, bestätigt die Voraussagen, ereignet sich täglich, immer schneller, immer brutaler. Es ist das Erschrecken über mich selbst, den großen Ablauf so konkret erkannt zu haben, das Erschrecken über mein Rechthaben.

Dabei hätte ich mir sehnlichst gewünscht, unrecht gehabt zu haben. Nicht für die Menschheit, aber für die Natur.
Dr. Gunter Bleibohm

Religionskritische Zitate :

Gott ist das einzige Wesen, das, um zu herrschen, noch nicht einmal existieren muss.
(Charles Baudelaire, frz. Schriftsteller, 1821-1867)

Messgewänder sind das Kostüm der Narren am Himmlischen Hof.
(Ambrose Bierce, am. Schriftsteller, 1842-1914)

Ein Blutstrom fließt durch achtzehn Jahrhunderte, und an seinen Ufern wohnt das Christentum.
(Ludwig Börne, dt. Schriftsteller, 1786-1837)

Die Bibel – und zwar nicht nur das Alte, sondern auch das Neue Testament – ist in zentralen Teilen ein gewalttätig-inhumanes Buch, als Grundlage einer heute verantwortbaren Ethik ungeeignet.
(Franz Buggle, dt. Psychologe, 1933-2011)

Welch primitive Mythologie, dass ein menschgewordenes Gotteswesen durch sein Blut die Sünden der Menschheit sühnt!
(Rudolf Bultmann, dt. Theologe, 1884-1976)

Wort zum Sonntag



Religion ist unfehlbar und frei von der Vorstellung von Irrtümern, denn sie kennt keine Überprüfung der Wahrheit. Sie ist damit gefährlich für die Gesellschaft, da sie das Rationale untergräbt. Religion verschließt den Geist, Naturwissenschaft öffnet ihn. Wie jede gedankenlose Aktivität ist Religion leicht. Sie kann nichts leisten, überhaupt nichts, mit Ausnahme der Vernichtung wahrer Erkenntnis.
Peter Atkins, Über das Sein

Moscheen, Kirchen und Synagogen sind keine Häuser Gottes, sondern Denkmäler seiner Abwesenheit. Sie sind ein Schrei des Bedauerns, dass Er mit der Menschheit nicht kommuniziert und eine Hoffnung, dass er irgendwann wiederkehren könnte. Wie eine Frau, die ihre Katze verloren hatte und trotzdem jeden Tag für sie Essen und Wasser an der gleichen Ecke im Hause stellt, auch Jahre nach ihrem Verschwinden. (Hamed Abdel-Samad, deutsch-ägyptischer Politologe)

„Theologie“ ist der professionalisierte und institutionalisierte Missbrauch der Vernunft im Dienste des Glaubens. (Hans Albert, dt. Philosoph und Soziologe)