Wissenswertes über die DJV-Pressemeldung Ende Juli 2017

Von Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

Liebe Freunde der Tiere,

der Deutsche Jagdverband e.V. hat Ende Juli 2017 unter der Überschrift „Artenschutz und Tierrechte sind unvereinbar“ eine Pressemitteilung herausgegeben, welche die bekannten Diffamierungsversuche von Organisationen und Ideen fortschreibt, die eine Verbesserung der Lebenssituation bestimmter Tierspezies anstreben und öffentlich einfordern. Man fürchtet anscheinend zutiefst, dass zunehmende Aufklärung in der Bevölkerung zu einer Einschränkung des blutigen Jagdhobbys führen könnte. Die Mitteilung kommt auch von einem Verband, dessen gedankliche Fundamente zum großen Teil auf der Mär von „Hege und Pflege“, auf der Lüge von der „Waidgerechtigkeit“, beruhen und der sich traditionsbewusst seit Jahrzehnten weitgehend intellektuell statisch verhält.

Gestatten Sie zu der DJV-Pressemeldung einige ausgewählte Feststellungen.

1. „Artenschutz und Tierrechte sind unvereinbar“. Diese Aussage impliziert den Schluss, dass Artenschutz nur o h n e die Verwirklichung von Tierrechten erfolgreich sein kann. Allein Beweise, selbst Indizien für diese Behauptung, fehlen.

2. Tierbefreiung, Tierrechte und Tierschutz werden argumentativ vermischt, die utilitaristische Position von Peter Singer gegen die Theorie moralischer Rechte von Tom Regan ins Feld geführt. Der Verdacht liegt nahe, dass aus diesem Sammelsurium der unbedarfte Leser zu der Meinung geführt werden soll, dass allein den „grünen Abiturienten“ die qualifizierte Deutungshoheit über die betrachtete Thematik zukommt. Außer zahlreichen polemischen Ausführungen ist der Artikel aber in der Sache substanzlos.

3. Wer seriös und redlich argumentieren will, darf nicht den überaus schwammigen und nichtssagenden Überbegriff „Tiere“ verwenden, sondern ist gehalten, klar und eindeutig zu definieren, um welche Spezies oder Gattungen aus der Tierreich es ihm geht. Wir unterstellen, dass der DJV weder die Seegurke noch Bakterien, weder Kartoffelkäfer noch Hornissen meint, sondern im Wesentlichen an jagdbare Säugetiere und Vögel gedacht hat und die sogenannten „Nutztiere“ mit in die Betrachtung einschließt.

4. Durch die gesamte Pressemeldung zieht sich ein starker Tenor von Anthropozentrismus. Diese Weltsicht – zugegebenermaßen in der Öffentlichkeit weit verbreitet – lebt von der irrigen, halbtheologischen Vorstellung, dass der Mensch als vermeintliches Ziel und Höhepunkt der Evolution dazu berufen und berechtigt ist, alle anderen Lebewesen gemäß seiner Betrachtungsweise zu bewerten, zu nutzen, zu töten oder zu erhalten. Diese Betrachtungs- und Denkweise führte bis heute beim DJV zu dem Versuch, die Natur durch massive Eingriffe für menschlichen Gebrauch zurechtzuschießen, führt zu Jagdreisen, bei denen man gegen gute Bezahlung auch artengeschützte Tiere umbringen kann. Im Übrigen gilt diese Aussage analog für das „Paradise Engeneering“, einem völlig untauglichen Versuch, menschliche Wertvorstellungen auf Tierspezies zu übertragen.

5. Moral ist eine Erfindung innerhalb der Menschenwelt, um das Miteinander der Individuen erträglicher zu gestalten. Moraltheoretische Aussagen sind damit ausschließlich innerhalb der Menschenwelt darstellbar und begründbar, da weder Natur noch Tierwelt eine irgendwie geartete Moral kennen. Dies hat zur Folge, dass i m m e r der Mensch Träger einer Moralidee ist. Er kann seine Moralvorstellungen, die über die Jahrhunderte sich drastisch verändert haben, kulturell stark divergieren und keine konstante, unveränderliche Größe darstellen, nur gegen sich selbst, gegenüber anderen Menschen o d e r gegenüber ausgewählten Tierspezies realisieren. Keine Tierspezies kann jedoch gegen eine andere Spezies Moralvorstellungen haben, die menschlicher Moral gleichen. Das angeführte Reh-Wolf Dilemma ist somit nicht existent und eine gedankliche Fiktion, die in unsauberem Denken wurzelt.

6. Nimmt man menschliche Moralvorstellungen wider besseres Wissen als Basisbetrachtung gegenüber anderen Lebensformen, stößt man umgehend auf die goldene Regel der Ethik, die ausdrückt „was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu“. Diese Regel bedeutet, dass es aus Menschensicht unethisch ist, jemandem zu schaden, ihn zu verletzen oder gar zu töten, da jedes Individuum für sich selbst derartige Behandlungen ablehnt und diese zu verhindern sucht. Der Mensch möchte in Freiheit, Selbstbestimmung und körperlicher Unversehrtheit leben. Dieser Wunsch ist, da beispielsweise Rehe und Kühe leidensfähige Tiere sind, auch mit hoher Wahrscheinlichkeit diesen Lebewesen zu unterstellen. Somit ist jegliches Ausbeuten, Versklaven, Verletzen und Töten eines leidensfähigen Tieres nach der ureigensten menschlichen Ethik und Moral eine Missachtung der selbstauferlegten Norm. Gegen diese Norm verstoßen permanent nicht nur Jäger, Angler und Schlachter, sondern auch alle Gruppen von Menschen, deren Profit aus Ausbeutung und Gefangenschaft diverser Tierspezies besteht. Insbesondere sei der Wissenschaftler in Tierversuchsinstituten und der Dompteur von Zirkustieren erwähnt

7. Es ist völlig gleichgültig, ob man das Leben eines sehr seltenen Tieres vernichtet und damit das Tier aussterben lässt oder das Leben eines anderen Tieres. Jedes Leben ist einzigartig und der Unterschied liegt ausschließlich im menschlichen Sammeltrieb, in der gewünschten Vollständigkeit des Artenspektrums. Für alle Lebensformen, die ausgestorben sind, hatte hingegen mit dem Ende ihrer Existenz sämtliches Leiden ein Ende; was nicht existiert, leidet nicht! Ausgestorbene Arten haben sich in den ewigen Frieden der Nichtexistenz, in den Frieden des absoluten Nichts gerettet.

Durch Aussterben könnten Tiger, Eisbären und viele ihrer Artgenossen, denen man den Lebensraum genommen hat, dauerhaft aus ihrem erbärmlichen Gefängnisdasein in Zoos und Tierghettos befreit werden. Ihr unwürdiges Vegetieren in einem Tier-Guantanamo zur Freude einer verkommenen Gesellschaft wäre für immer beendet. Dieser Gedanke ist für den DJV undenkbar und wenn Klaus Petrus die Sklavenhaltung von „Nutztieren“ anprangert, gilt auch hier insbesondere, dass durch Aussterben Nutztiere von ihren endlosen Leiden und ihrem grauenvollen Tod dauerhaft erlöst werden könnten. Für den DJV bleibt von diesen Gedanken nur das Menetekel einer veganen Ernährung, eine Vorstellung, der man – wie der Artikel beweist – moralisch und ethisch nicht gewachsen ist.

8. Wenn von Tierrechten gesprochen wird, ist immer das Recht gemeint, das der Mensch der Tierspezies einräumt. „Recht“, wie es hier interpretiert wird, ist wie „Moral“ gleichfalls ein Begriff aus der Menschenwelt und generell in der Tierwelt nicht existent. Tierrechte sind somit Rechte, die nach menschlichen Vorstellungen bestimmten Tierspezies und damit seinen Einzelindividuen de jure eingeräumt werden sollen. Der Träger und Umsetzer dieser Rechte ist aber de facto immer der Mensch, auch wenn die Theorie der Jurisprudenz eine andere Position vertritt. Der Träger von beispielsweise Menschenrechten für bestimmte Primaten ist der Menschenaffe. De facto ist es aber ein Mensch, der sicherstellt, dass der Urwald des Menschenaffen nicht abgeholzt wird und er nicht ein erbärmliches Dasein in einem Tiergefängnis, Zoo genannt, fristen muss. Argumente wie „ein Heringsschwarm kann kein Rechtsträger sein, weil er kein Subjekt eines Lebens ist“ sind böswillige Fehlinterpretationen, weil auch dem denkfaulsten Kritiker von Tierrechten klar sein sollte, dass ein Schwarm aus Einzelindividuen besteht und damit sein Argument obsolet ist.

Nach diesen punktuellen Anmerkungen bleibt von dem zweiteiligen Artikel für den Tierfreund als Erkenntnis lediglich der schale Nachgeschmack, dass es sich beim DJV um einer Gilde ewig Gestriger handelt, die verzweifelt um gesellschaftlich eingespielte Wertillusionen kämpfen, denen die Welt der Vernunft, der Aufklärung und Philosophie schon lange „lebe wohl“ gesagt hat.

Herzliche Grüße
für pro iure animalis
Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

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Wir alle müssen essen – aber mit welchem Recht auf Kosten der Tiere ?

Gedanken, Überlegungen, Feststellungen:

Massentierhaltung ist nicht nur furchtbar für die Tiere, sondern auch schlimm für unsere Umwelt, schlimm für unser Klima und nicht weniger schlimm für die Gerechtigkeit auf dieser Welt. Es gibt viele gute Gründe, nie mehr Fleisch zu essen. Aber eigentlich reicht schon einer…!

Darüber nachzudenken, dass viele Menschen gerne und leidenschaftlich das Fleisch sogenannter „Nutztiere“ verzehren,  ist schon allein deshalb sehr interessant, weil dieses Nachdenken zeigt und offen legt, wie sehr sich Menschen doch immer wieder anstrengen, möglichst nicht ihre Vernunft zu bemühen, sondern stattdessen dem erforderlichen Nachdenken auszuweichen und gar nicht erst damit zu beginnen, die grauen Gehirnzellen auch nur einmal ansatzweise anzustrengen. Welch ein Fleischesser vermag mir wohl einen einzigen vernünftigen Grund zu nennen, wodurch es moralisch vertretbar wäre, Tiere zu essen?
Gründe wie „Es war schon immer so“ oder „Gott hat das so vorgesehen“, sind weder plausible noch moralisch vertretbare Gründe, denn unser heutiges Wissen darüber, dass Tiere ebenso wie wir Menschen zu Gefühlen und Empfindungen fähig sind,  verpflichtet uns ihnen gegenüber zu verantwortungsbewussten Denken und Handeln.

Als vor einigen Jahren das Essen von Fleisch für mich noch als etwas ganz „Normales“ galt, habe auch ich nicht darüber nachdenken wollen, worüber ich eines Tages – dank eines mich sehr aufrüttelnden Artikels von Gert Haucke – dann schliesslich doch ernsthaft und gründlich nachzudenken begonnen habe.  Und heute vertrete ich eine Überzeugung, welche mir zuvor in meinem denkfaulen und verantwortungslos dahinvegetierenden Dasein noch fremd war: Fleisch ist und bleibt nichts anderes als der Leichnam eines leidfähigen Lebewesens und ist daher nie und nimmer einfach nur ein Konsumprodukt wie jedes andere auch!

Jeder Mensch muss essen. Darüber gibt es nicht den geringsten Zweifel. Aber müssen wir Menschen uns tatsächlich auf Kosten unserer Mitlebewesen ernähren? Was sind eigentlich unsere Kriterien für gutes und schlechtes Handeln? Wie bewerten wir eigentlich unsere Motive und deren Folgen? Sind wir als Menschen, als vermeintliche „Krone der Schöpfung“, nicht auch unablässig einem ethisches Denken und Handeln verpflichtet? Aber ethisches Denken und Handeln beginnt nicht dort, wo wir uns anderen Menschen anpassen und das, was unser Leben auszeichnen sollte, in der grossen Masse suchen und zu finden meinen. Nein, wenn uns ethische und moralische Werte weder gleichgültig noch unbedeutend sind, dann gilt es, einmal ganz still zu werden und in dieser Lautlosigkeit des Alltags einmal ganz tief in uns selbst hineinzuhorchen. Aber unsere eingefrosteten ethischen Werte beginnen auch dort wieder aufzutauen, wo wir es am allerwenigsten vermuten, nämlich dort, wo wir unser bisheriges Konsumverhalten und unsere bisherige Ernährungsweise in Frage stellen und dementsprechend ändern, wo wir uns  dank unserer Vernunft dazu durchringen und entschliessen, auf die von uns begehrten „Gaumenfreuden“ zukünftig um vieler Gründe willen zu verzichten.  Wir alle tragen Verantwortung. Die Frage ist jedoch, ob wir auch bereit und willig sind, diese Verantwortung auch im eigenen Lebensalltag gegenüber anderen ernst zu nehmen – auch und ganz besonders gegenüber millionenfach leidenden und gequälten Tieren.

Was wäre wohl, wenn jeder Mensch, der gerne und gedankenlos Fleisch konsumiert, alle hierzu erforderliche Drecksarbeit selber erledigen müsste?

Tierfreunde, denen die Unversehrtheit und Würde aller uns anvertrauten Mitlebewesen am Herzen liegt, können nur darauf hoffen und darauf vertrauen, dass sich zukünftig mehr und mehr Menschen besinnen und das eines Tages das Verzehren von Fleisch keine „Selbstverständlichkeit“ mehr ist, sondern nur noch ein beschämendes Relikt aus einer von unmenschlicher Barbarei geprägten Epoche unserer Geschichte.  Vor Tausend Jahren hat man vielerlei Dinge als selbstverständlich akzeptiert, die heute niemanden mehr als etwas Selbstverständliches auch nur in den Sinn kämen. Hoffen wir, dass möglichst bald schon auch das Essen von Tieren zu jenen Dingen gehört, die einmal als Selbstverständlichkeit galten, jedoch schon längst keine Selbstverständlichkeiten mehr sind.

Traurige Grüsse – Wolodja

Homo sapiens quo vadis?

Angesichts Dutzender Fleischskandale, angefangen bei BSE, Schweinepest, Hühnergrippe, Gammelfleisch und Dioxin in Futtermitteln, scheinen viele Verbraucher meist nur kurzfristig verunsichert zu sein und sich sehr bald schon wieder ihren bisherigen Gewohnheiten und vermeintlichen Bedürfnissen zuzuwenden. Schön und gut, wenn so mancher Verbraucher umdenkt und zukünftig verantwortungsbewusster zu handeln entschlossen ist. Aber immer noch gibt es viel zu viele Menschen, die weiterhin gedankenlos in den Tag hineinträumen, nur selten nachdenken, an ihren Gewohnheiten festhalten und denen das Leid und Elend vieler betroffenen „Nutztiere“ kaum oder nur wenig mitfühlend und anteilnehmend unter die Haut geht. Für viele Menschen sind Tiere fälschlicherweise eben „nur Tiere“, denen somit aufgrund dieser urzeitlichen und auch kirchlichen Denkweise das Recht auf Leben, auf Würde und Unversehrtheit abgesprochen und immens weniger zugestanden wird als jener Gattung, die sich vehement und arrogant einbildet, die  „Krone der Schöpfung“ zu sein und daher glaubt und meint, sich alles auf diesem Planeten Erde erlauben zu dürfen.

  • Dahinvegetierende Schweine in Gitterkäfigen: „Es sind ja nur Tiere!“
  • Zehntausend Hühner in einem stinkenden Stall dicht zusammengedrängt: „Es sind ja nur Tiere!“
  • Kühe, die lebenslang an einer rostigen Eisenkette angekettet sind: „Es sind ja nur Tiere!“
  • Betäubungslose Kastrationen oder noch lebende Tiere in den Schlachthöfen, denen trotz ihrer Schmerzensschreie die Eingeweide herausgerissen werden: „Es sind ja nur Tiere!“

Wie ist es nur möglich, dass derartige Grausamkeiten und Fakten bei vielen unbelehrbaren Fleischessern ihre schockierende Wirkung verfehlen? Wie ist es nur möglich, dass Befürworter und Liebhaber des Fleischkonsums angesichts unermesslichen Tierleids immer noch dieses haarsträubende Argument betreffs einer sehr fragwürdigen Rechtfertigung ihrer Lust und Gewohnheit gebrauchen, welches besagt: „Der Mensch hat letztlich schon immer Fleisch gegessen und es gibt daher keinen Grund, sich darüber plötzlich und ernsthaft irgendwelche Gedanken zu machen oder deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben!“ ?
Wie ist es nur möglich, sich mit derartigen Argumenten trotz unzähliger und alltäglich leidender „Nutztiere“ sein eigenes Gewissen zu beruhigen? Wo bleibt die Intelligenz und das Verantwortungsbewusstsein des Menschen, der fühlende Lebewesen einfach damit abstempelt, dass er sie als „Nutztiere“ zu einer bloßen Ware degradiert?  Für mich öffnen sich hier schreckliche Abgründe der Finsternis, wenn bestialische Grausamkeiten gegenüber Tieren als „Selbstverständlichkeiten“ hingenommen werden und auch noch im 21. Jahrhundert ein Schwall aus menschlichem Gift und Verderben unsere Mitgeschöpfe tyrannisiert und zu Tode quält. Warum sind wir Menschen nicht die Bewahrer und Behüter dieser Erde und allen Lebens, welches auf ihr kreucht und fleucht und existiert? Nein, stattdessen sind wir Menschen zu einem der schrecklichsten Alpträume für viele unsere Mitgeschöpfe mutiert und unermüdlich damit beschäftigt, nicht nur Tiere zu quälen und millionenfach um unserer Freßsucht willen zu ermorden, sondern auch diesen Planeten zu zerstören und uns somit selbst den Ast abzusägen, der uns trägt und  für jegliches Leben auf dieser Erde unverzichtbar ist.
Aber wie auch immer: die Tatsache, dass der Mensch irgendwann einmal zum Kannibalen wurde und es bis in unsere Gegenwart hinein geblieben ist, diese Tatsache des Verzehrens von Leichenteilen hat unserer Menschlichkeit keinen besonders guten Dienst geleistet und uns zu dem gemacht, was wir letztlich sind: Bestien und Barbaren, denn ich sage es immer wieder, weil es die Wahrheit ist: Für viele Tiere hat der Teufel keine Hörner, sondern ein menschliches Gesicht.