Keine Seele, keine Gnade – der Verrat der Kirchen an den Tieren

Von Ingolf Bossenz

»… von Kopf bis Fuß mit Blut besudelt, im Gürtel kleine und lange Messer. Die Schlachter ziehen von Haus zu Haus, um die Tiere fachgerecht zu zerlegen. Normalerweise tötet der Hausherr oder Familienvater das Schaf. Eine Aufgabe, die später auf den Erstgeborenen übergeht. Den Opfertieren wird die Kehle durchgeschnitten und dabei ein Gebet gesprochen – langsam bluten die Tiere aus. Für Muslime die vorgeschriebene rituelle Form des Schlachtens.«

Das Zitat entstammt einer im ND veröffentlichten Reportage aus Tanger (Marokko) über das islamische Opferfest, das darin als »ein Fest der religiösen Besinnung« beschrieben wird. Besinnung per Massaker an Millionen »Opfertieren« – dass dies in den Medien des Okzidents kaum auf Kritik stößt, hat zweifellos mit einem Phänomen zu tun, das der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins in seinem Buch »Der Gotteswahn« beschreibt: Es ist die »Tendenz, wunderliche religiöse Gewohnheiten einzelner ethnischer Gruppen zu glorifizieren und die in ihrem Namen begangenen Grausamkeiten zu rechtfertigen«. Diese Tendenz, so kann man ergänzen, ist dann besonders ausgeprägt, wenn es »nur um Tiere« geht.

Aber auch Weihnachten, das Fest, das in christlicher Tradition an die Geburt Jesu erinnert, ist ein ebensolches Schlachtfest. Ohne den Tod von Millionen »Mitgeschöpfen« (wie sie im deutschen Tierschutzgesetz genannt werden), die gut durchgebraten die Festtagstafel krönen, ist hierzulande weder Weihnachten noch das bevorstehende Ostern denkbar. Von zynischer Symbolkraft ist die Tatsache, dass ausgerechnet an einem 25. Dezember (1865) das Zeitalter der industriellen Massentötung von Tieren begann – mit der Eröffnung der Union Stock Yards, der Schlachthöfe von Chicago.

Zu Weihnachten 2005, dem 140. Jahrestag Chicagos als Schlachtkapitale, ließ sich Joseph Ratzinger, der im selben Jahr zum Papst gewählt worden war, einen ganz besonderen Braten schmecken: einen Kapaun. Der Religionswissenschaftler Hubertus Mynarek erinnert an dieses Festmahl: »Ein Kapaun ist ein junger, kastrierter Masthahn, dem im Alter von 6 Wochen der Bauchraum aufgeschnitten wurde, und das in der Regel bei vollem Bewusstsein, also ohne Betäubung. Die im Bauchraum liegenden Hoden werden mit einer Zange gepackt und mit 5 bis 20 Umdrehungen abgedreht. Man muss schon ein Gefühlsrohling sein, um dann noch Geschmack und Genuss am Kapaunschen Festtagsbraten zu haben.« Aber, meint Mynarek, »diese Rohheit muss Papst Ratzinger gar nicht so empfinden. Er ist schließlich das treu-brave Kind einer Kirche, die jahrhundertelang predigte, Tiere hätten keine Seele. Haben sie keine Seele, dann haben sie auch kein Gefühl, auch kein Schmerzempfinden, und dann darf man ihnen getrost jede Qual zumuten.«

Was Mynarek schreibt, ist leider keine sarkastische Überhöhung bizarrer religiöser Ansichten, sondern entspricht strikt der theologischen Tradition, die maßgeblich vom später heiliggesprochenen Augustinus (354-430) geprägt wurde – dem Lieblingskirchenlehrer von Benedikt XVI. In seiner Schrift »Vom Gottesstaat« erklärte Augustinus: »Wenn wir lesen: ›Du sollst nicht töten‹, nehmen wir nicht an, dass sich dies auf Sträucher bezieht, und zwar weil sie keine Empfindung besitzen, und ebenso wenig auf vernunftlose Lebewesen, ob sie nun fliegen, schwimmen, laufen oder kriechen, weil sie uns durch den Mangel an Vernunft, die ihnen nicht mit uns gemeinsam gegeben ist, nicht zugesellt sind. Darum hat auch die gerechteste Anordnung des Schöpfers ihr Leben und ihr Sterben unserm Nutzen angepasst.«

Der heilige Thomas von Aquin (um 1225-1274), dessen Lehren sich gleichfalls an den katholisch-theologischen Fakultäten ungebrochener Popularität erfreuen, zog in seiner »Summa theologica« den definitiven Schluss: »Unter den verschiedenartigen Verwendungsmöglichkeiten nun scheint jener Gebrauch am meisten notwendig zu sein, bei dem die Tiere sich der Pflanzen, die Menschen sich der Tiere zur Nahrung bedienen, was nicht ohne Tötung jener geschehen kann. So ist es denn erlaubt, sowohl die Pflanzen zu töten zur Nahrung für die Tiere als auch die Tiere zur Nahrung des Menschen, und zwar aufgrund der göttlichen Ordnung.«

Die Papstkirche wird auch in dieser Frage ihrer Rolle als selbst ernannte Verwalterin und Vollstreckerin der »göttlichen Ordnung« bestens gerecht. 1992 veröffentlichte sie nach sechsjähriger Arbeit unter Federführung des damaligen Glaubenspräfekten Ratzinger die Neufassung des »Katechismus der Katholischen Kirche«.

In diesem »Grundgesetz« für über eine Milliarde Katholiken wird nicht nur wie eh und je Andersgläubigen und Abtrünnigen mit der Hölle gedroht, sondern auch jegliche Ausbeutung von Tieren gutgeheißen. Man dürfe »sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen«, heißt es darin. Auch Tierversuche seien »in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig«.

Ausgerechnet bei den schlimmsten Grausamkeiten des Menschen an den Tieren beruft sich die Romkirche auf die Vernunft. Da die Vernunft laut Ratzinger-Papst des Glaubens als unentbehrlicher Stütze bedarf, zeigt sich auch hier die ganze Verlogenheit der Behauptung, ohne kirchlich-religiöse Basis würden die sittlichen Werte der Gesellschaft zerfallen.

Im Gegenteil, die selektive Moral – von Tierrechtlern als Speziesismus bezeichnet – wird maßgeblich durch die Ausgrenzungsethik der Kirchen begünstigt. Der Religionskritiker Mynarek dazu: »Ein weiterer Grundwert, die Rechte der Tiere, die eine humane Gesellschaft zu installieren und zu schützen hat und ohne die sie das Attribut ›human‹ nicht verdient – in der katholischen Kirche, auch in den lutherischen und reformierten Amtskirchen, Fehlanzeige!«

Immerhin gab und gibt es Theologen und Geistliche, die entgegen der offiziellen Doktrinen eine für alle leidensfähigen Wesen unteilbare Ethik vertreten. Im Katholizismus muss man allerdings weit zurückgehen, um auf den heiligen Franz von Assisi (1181/82-1226) zu stoßen, den Gründer des Franziskanerordens. Berichte und Legenden belegen nicht nur sein Mitgefühl mit nichtmenschlichen Kreaturen, sondern auch deren Einbeziehung in eine universelle Moral. 1980 wurde Franz von Assisi durch Papst Johannes Paul II. zum Patron des Umweltschutzes erklärt. An der offiziellen Sicht der katholischen Kirche auf die Rechte der Tiere änderte das allerdings gar nichts, wie der zwölf Jahre später veröffentlichte Katechismus zeigt.

Ansonsten waren und sind es vor allem Vertreter des Protestantismus, die dem christlich-anthropozentrischen Weltbild ihr Veto entgegensetzen. Der bekannteste ist Albert Schweitzer (1875-1965). Der radikalste indes dürfte der in Hamburg geborene Theologe Carl Anders Skriver (1903-1983) sein, der mit seinem 1967 erschienenen Buch »Der Verrat der Kirchen an den Tieren« ein bis heute unübertroffenes Manifest schuf gegen den »furchtbaren Kriegszustand zwischen Mensch und Tier, wie er sich austobt in Tieropfer, Jagd, Schlachtung, Vivisektion, Ausbeutung und Ausrottung der Arten« und die dazu von den Amtskirchen geleistete Beihilfe. Skriver ernährte sich seit seinem 17. Lebensjahr aus ethischen Gründen vegetarisch, später ausschließlich vegan, also unter Verzicht auf jegliche tierische Substanz. Während der NS-Herrschaft wurde er als Mitglied der Bekennenden Kirche verfolgt und zeitweise inhaftiert. Nach dem Krieg wandte sich der Theologe gegen die Remilitarisierung der Bundesrepublik und war in der Ostermarschbewegung aktiv.

In seinen Büchern begründete er Tierschutz, Tierrechte und die vegetarische Lebensweise aus dem christlichen Glauben sowie aus dem Leben Jesu und der ersten Christen heraus. In »Der Verrat der Kirchen an den Tieren« heißt es: »Wenn die vornehmste Pflicht eines Christen der Schutz der Schwachen ist, der Kinder, der Kranken, der Irren, der Alten, der Erdrückten, der Verfolgten, der Flüchtlinge, der Verwundeten, der Sterbenden und Leidtragenden, dann gehört dazu auch der Schutz der Tiere.« Und: »Der Versuch, das Tier wirklich vor dem Menschen zu schützen und zu retten, führt zum Zusammenstoß mit allen Jägern, Fischern, Tierzüchtern, Schlachtern, Pelz- und Lederhändlern, Ärzten, Klein- und Großhändlern und den Milliarden süchtigen Fleischkonsumenten, sodass die Kirche von vornherein kapituliert vor der Riesenmacht des Heidentums. Das ist natürlich kein Maßstab und keine Abhilfe, sondern der Verrat, die Preisgabe der Tierbrüder an die Hölle.«

Dass die Tierausbeutungsindustrie heute trotz Tierschutz-Verfassungsziel im Grundgesetz ungebrochen agiert, zeigt die Aktualität dieser Aussage – auch wenn Skrivers Abgrenzung des »wahren« Christentums vom »Heidentum« seine Argumentation für Andersgläubige oder Atheisten problematisch gestaltet. Doch der folgenden Aussage ist wohl, welcher Weltanschauung man auch anhängt, kaum zu widersprechen: »Seit und solange es Jagd und Schlachtung gibt, gab es und wird es auch unvermeidlich immer größte Grausamkeit gegen die Tiere geben. Schließlich ist ja das Überrumpelt- und Erschlagenwerden wohl die größte Gemeinheit, die einem widerfahren kann. Merkwürdigerweise sprechen wir ja von Gemetzel und Schlächterei, wenn wir eine sehr schlimme Form von Menschentötung im Auge haben.«

Plädoyers von Theologen wie Skriver, Schweitzer und anderen ändern nichts daran, dass letztlich »alle strikten Verknüpfungen von Tier- oder Menschenrechten einerseits mit bestimmten religiösen Vorstellungen andererseits unsinnig sind«, wie der österreichische Philosoph Helmut F. Kaplan urteilt. Tiere lebenslang in enge Käfige zu sperren, sie zu Hackfleisch zu verarbeiten oder mit ihnen grausame Versuche zu machen, kann ebenso wenig mit einer fehlenden Seele begründet werden wie das betäubungslose Abschlachten von »Opfertieren« mit der Berufung auf eine jahrtausendealte fromme Legende. »Tieren aus Glaubensgründen Rechte vorzuenthalten«, so Kaplan, »ist nicht minder abstrus, als Frauen Rechte vorzuenthalten unter Hinweis darauf, dass der Papst oder ein Islamführer die Höherwertigkeit der Männer verkündet habe.«

Allerdings, und hier ist Kaplan ebenso zuzustimmen, folgt aus der sinnvollen Trennung von Politik und Religion, von allgemein verbindlichen Forderungen und privaten Überzeugungen nicht, »dass Religionen keine zusätzlichen guten Gründe für die Verwirklichung und Einhaltung von Menschen- und Tierrechten liefern könnten. Etwa, indem man sagt: Dieses oder jenes religiöse Gebot setzt genau genommen die Akzeptierung universeller Menschenrechte oder die Respektierung allgemeiner Tierrechte voraus.« Zwar sind drei der vier Evangelisten des Neuen Testaments Tiere als Symbole zugeordnet: Matthäus – Mensch, Markus – Löwe, Lukas – Stier, Johannes – Adler. Doch mit »zusätzlichen guten Gründen« im Hinblick auf Tierrechte sieht es im christlichen Abendland traurig aus.

So beklagt der aus der katholischen Kirche ausgetretene Theologe Eugen Drewermann, die Bibel selbst enthalte »außer einer einzigen kümmerlichen Stelle, dass der Gerechte sich seines Viehs erbarmt, und dem Gebot, dem dreschenden Ochsen nicht das Maul zu verbinden, nicht einen einzigen Satz, wo von einem Recht der Tiere auf Schutz vor der Rohheit und Gier des Menschen oder gar auf Mitleid und Schonung die Rede wäre«. Welch ein Armutszeugnis für das „Buch der Bücher“!

Foto: Michael Mannheimer-Blog

 

Statt den Menschen in ein harmonisches Verhältnis zur Natur zu setzen, gab man sich vielmehr die größte Mühe, Mensch und Tier so radikal wie möglich mit metaphysischen Argumenten voneinander zu unterscheiden …
Eugen Drewermann, Theologe und Psychotherapeut

Eine künftige Christenheit, die ihr Verhältnis zu den Tieren grundsätzlich bereinigen will, wird der Menschheit eine Ethik der Ernährung zu entwerfen und zu verkünden haben! Die Nahrung des Menschen muss nicht nur diätetisch, sie muss auch ethisch einwandfrei sein!
Carl Anders Skriver, Theologe

 

 

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„Im Namen der Tiere“

Der Dokumentarfilm „IM NAMEN DER TIERE“ (104 Minuten)  schildert eindrücklich und überzeugend die Auswirkungen unserer ambivalenten Beziehung gegenüber unseren Mitgeschöpfen, den Tieren. Auf der einen Seite entwickeln wir zu bestimmten Tieren ein sehr inniges Verhältnis; wir lieben Katzen, Hunde und Pferde. Dass die sogenannten „Nutztiere“ dagegen gequält und ausgebeutet werden, verdrängen wir erfolgreich. Der Film konfrontiert uns mit unserer Gleichgültigkeit und zeigt die grausame Realität, die wir durch dieses Verhalten verursachen.

Trailer:

Dieser wichtige und sehenswerte Dokumentarfilm wird bei den 49. Internationalen Hofer Filmfestspielen vom 20. – 25. Oktober 2015 zu sehen sein.
Vorführzeiten/Screenings:
Mittwoch, 21.10. – 17:45 Regina,
Freitag, 23.10 – 14:30 Casino,
Sonntag, 25.10. – 20:15 Uhr Club

Konzept und Regie: Sabine Kückelmann, die in Ihrem Dokumentarfilm „Im Namen der Tiere“ u.a. auch nachfolgende Persönlichkeiten zu Wort kommen lässt:

  • Dr. Melanie Joy
    Harvard­Absolventin und Sozialpsychologin. Sie lehrte Psychologie und  Soziologie an der Universität Massachusetts Boston, ist gefragte Rednerin und Autorin des preisgekrönten Buches „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen.“
  • Dr. Steven Best
    Preisgekrönter Autor, Tierschützer, anerkannter Redner, Intellektueller und langjähriger Aktivist mit 30 Jahren Erfahrung in verschiedenen sozialen Bewegungen. Er ist außerordentlicher Professor für Geisteswissenschaften und Philosophie an der University of Texas in El Paso und hat 13 Bücher sowie über 200 Artikel und Rezensionen veröffentlicht, die in zahlreiche Sprachen übersetzt worden sind. Ein Journalist des „The Chronicle of Higher Education“ bezeichnete Best 2005 als „eine der führenden akademischen Stimmen für Tierrechte“. Wegen seiner kompromisslosen Verfechtung des Konzepts der totalen Befreiung geriet Steven Best unter Beschuss. Großbritannien erteilte ihm 2005 ein lebenslanges Einreiseverbot aufgrund seiner ausdrucksstarken Schriften und Vorträge.
  • Dr. Eugen Drewermann
    Deutscher katholischer Theologe, suspendierter Priester, Psychoanalytiker und Schriftsteller. Er ist ein wichtiger Vertreter der tiefenpsychologischen Exegese und als kirchenkritischer Publizist regelmäßig in den Medien präsent. Seine Kritik an der Kirche greift inzwischen auf die Bibel aus, er bekennt sich zur vegetarischen Ernährung und hat in einem Gespräch mit der „taz“ dem Vatikan auch vorgehalten, dass aus Rom noch „keine ernsthaften Appelle zum Tierschutz“ vernehmbar seien. Nach der Traditionellen christlichen Lehre hat der Mensch Vorrang vor dem Tier. Sind also Tiere nur vergängliche Nutzwesen, die dem Menschen zu dienen haben ? Er revidiert dies in seinem Buch „Über die Unsterblichkeit der Tiere“ und hält ein brillantes Plädoyer gegen den Missbrauch von Tieren, Tierzuchtquälerei und Tierexperimente.
  • Captain Paul Watson
    Mitbegründer der Umweltorganisation Greenpeace. 1977 gründete Watson die Sea Shepherd Conservation Society, welche gegen die Ausbeutung vorn Meereslebewesen kämpft. Sie wurde bekannt für provokante Aktionen, die über den sonstigen Protest hinausgingen. Im Gegensatz zu moderaten Umweltschützern greift Watson zu aggressiven Mitteln, jedoch stets unter Beachtung des Gebots, keine Menschen zu verletzen. Unter anderem rammte er Walfänger  und Schiffe illegal fischender Fangflotten. Watson sieht sein Handeln durch internationales Recht abgesichert und beruft sich auf das Seerechtsübereinkommen von 1982 und das Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs, nach dem kommerzieller Walfang verboten ist.
  • Dr. med. Ruediger Dahlke
    Arbeitet seit 38 Jahren als Arzt, Seminarleiter und Autor. Begründete mit Büchern wie „Krankheit als Weg“ und „Krankheit als Sprache der Seele“ eine ganzheitliche Psychosomatik., die bis in mythische und spirituelle Dimensionen reicht. Sein Ziel, ein Feld „ansteckender Gesundheit“ aufzubauen, spiegelt sich auch in seinen Büchern der „Peace-Food“ – Reihe, die die vegane Bewegung mitbegründet haben.
  • Dr. Edmund Haferbeck
    Seit 2004 wissenschaftlicher Berater der Tierschutzorganisation PETA und kümmert sich vor allem um rechtliche Angelegenheiten. Er studierte Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Tierproduktion in Göttingen. Von 1990 bis 1994 war Haferbeck vier Jahre lang Umweltdezernent von Schwerin. Haferbeck ist Autor und Mitautor einiger Bücher, die sich u.a. gegen Tierversuche und Pelztierzucht richten, unter anderem des Buchs „Operation Tierbefreiung -ein Plädoyer für radikale Tierbefreiungsaktionen“. Die meisten davon sind im Echo Verlag aus Göttingen erschienen, einem Kleinverlag, der sich auf die Themen Tierrechte, Vegetarismus und Veganismus spezialisiert hat und an dem Haferbeck beteiligt ist.
  • Friedrich Mülln
    Undercover-Journalist, der Tierausbeutung und Tierquälerei aufdeckt und diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Musste einige seiner Recherchen unter Einsatz seiner Gesundheit und seines Lebens durchführen. Seine Organisation „SOKO Tierschutz“ macht sich für die Rechte der Tiere stark. Undercoverrecherchen gehören zu der Hauptaktivität seiner Arbeit. Sein Team ist Tag und Nacht unterwegs, um anonym gemeldeten Missständen nachzugehen, sie auszukundschaften und zu dokumentieren.  Dokumentiert werden Tierquälerei und Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, welche dann zur Anzeige gebracht werden. Oft werden tierquälerische Machenschaften großer Konzerne an die Öffentlichkeit gebracht.

Rettet die italienischen Hunde vor Hunger und Leid!

Save the Italian dogs from starvation and sufferance!
Diese Petition braucht 100.000 Unterschriften!!!

Endlich gibt es eine Petition, die die unhaltbaren Zustände in den italienischen Hundelagern anprangert. Dort werden Zigtausende von Hunden unter tierquälerischen Bedingungen in Canili gehalten mit der Absicht, sie nie wieder frei zu lassen. Grund, die Hunde einzukerkern ist, die täglichen Subventionen zu kassieren, die zwischen 1 und  5 Euro am Tag variieren. Die Tiere kriegen keine medizinische Versorgung, gerade so viel Futter dass sie nicht verhungern, natürlich auch keinen Auslauf, keine Liebe, keinen Kontakt zu Menschen. Sie sind meist lebenslang Gefangene in diesen Lagern.
Viele der Hunde sind deprimiert, am Durchdrehen, einige bellen den ganzen Tag, andere haben sich aufgegeben. Tierschützer und Tierschützerinnen laufen Sturm gegen die Hundemafia, für die das Einsperren der Hunde ein Industriezweig ist, den zu unterbinden niemand ein Interesse hat. Weil alle daran verdienen, sogar Amtstierärzte, Bürgermeister und sog. „Tierschutzvereine“, die selbst Canili bauen und damit verdienen, arbeitet und agiert dieses am Leid der Tiere verdienende Lumpenpack gegen Tierschützer, die als Einzelkämpfer versuchen, aus eigenen Mitteln Straßenhunde zu kastrieren, sie zu füttern, sie aus den Canili´s rauszuholen und zu vermitteln. Doch das ist, als ob man mit einem Becherchen die Weizenkörner auffangen wollte, die aus einem Loch im Jutesack strömen. Es muss der Jutesack geflickt werden und das bedeutet, die Behörden dazu anzuhalten, die vielen Millionen, die jährlich den Canilebesitzern in den Rachen geworfen werden, für Kastrationen einzusetzen. Es fehlt den Behörden nicht an Geld. Doch sie zahlen es den Hundequälern.

Bitte helft mit, diese Zustände zu verändern. Kastration verhindert Tierleid. Bitte unterschreibt und leitet weiter an Freunde und Bekannte. Es ist sehr wichtig und dringend. Danke !!!

Petition E

 


Eugen Drewermann fordert „neue Ethik im Umgang mit Tieren“ :

Schon der Auftakt des 16. Philosophicum in Lech am Arlberg bot eine ganze Reihe hochkarätiger Referate und Diskussionen zum diesjährigen Generalthema „Tiere. Der Mensch und seine Natur.“
Besagtes Philosophicum ist ein interdisziplinäres Symposium, bei dem sich alljährlich führende Denker zu einem Meinungsaustausch treffen. Der unumstrittene Höhepunkt des diesjährigen Philosophicums war die berührende Rede des Theologen und Psychotherapeuten Eugen Drewermann. Sein eindringlicher Appell zu einer neuen Ethik im Umgang mit Tieren hinterließ ein tief betroffenes Auditorium.

In einem Forum unter dem Titel „Der Gebrauch der Tiere“, prallten zweierlei Welten aufeinander. So diskutierten z.Bsp. der bekannte Tierschützer Martin Balluch und die Vegetarismus-Autorin Karen Duve auf der einen Seite mit dem Vorstandsvorsitzenden der fleischverarbeitenden Tönnies Unternehmensgruppe, Clemens Tönnies, sowie dem Vorarlberger Wildökologen Hubert Schatz auf der anderen Seite. Wie zu erwarten trafen mit den beiden Lagern unvereinbare Ideologien, was den Umgang mit Tieren betrifft, aufeinander. Während Balluch und Duve von einem neuen Ethikverständnis sprachen, das den Standpunkt der Tiere als gleichwertig miteinbezieht, versuchten Tönnies und Schatz den Gebrauch von Nutztieren in der Wirtschaft zu befürworten und mit fragwürdigen Argumenten zu begründen.

Unumstrittener Höhepunkt des 16. Philosophicums in Lech war jedoch die emotionale wie außerordentlich fundierte Rede des Psychotherapeuten und Theologen Eugen Drewermann. Unter dem Titel „Der tödliche Fortschritt oder Wir brauchen eine neue Ethik“ ging Drewermann der Frage nach, warum der Mensch jegliche Fähigkeit zur Empathie gegenüber Tieren verloren zu haben scheint und wie er diese zurückgewinnen könnte. Letzteres sei für ihn klar: „Wir brauchen eine neue Ethik, weil unsere bisherige zu sehr auf den Menschen ausgerichtet war.“

Die Menschheit habe die Natur auf fatale Weise säkularisiert, sie zum reinen Kostenfaktor degradiert, der nur nach den Parametern Gewinn und Verlust gemessen und bewertet wird. Das Göttliche, das der Natur und den Tieren innewohne, sei in der Wahrnehmung des Menschen längst verloren gegangen, weshalb ihm auch jegliche Empathie fehle: „Unsere Logik ist falsch, weil sie nur dem Kapital verpflichtet ist.“
Drewermann ging auch mit dem Christentum hart ins Gericht, dem er ob seines Anthropozentrismus eine Mitschuld am verheerenden Verhältnis zwischen Mensch und Tier gibt: „Die Bibel hat nur dieses anthropozentrische Weltbild. Eine Ethik, die Rücksicht auf die Tiere nehmen würde, findet man in der Bibel nicht.“ Er bemühte in diesem Zusammenhang ein Zitat von Schopenhauer, der sagte: „Die Erde ist für Tiere die Hölle und die Menschen sind ihre Teufel.“

Drewermann illustrierte seine Ausführungen zum Ungleichgewicht im Verhältnis zwischen Mensch und Tier mit zahlreichen aktuellen Beispielen, was die Zuhörer sehr betroffen hinterließ. Letztlich sei die rücksichtlose Ausbeutung der Natur und damit auch der Tiere eine unvermeidbare Folge der kompromisslosen Verwertungslogik des Kapitalismus: „Die Tiere haben keine Chance mehr. Wer heute die Natur schützen will, muss sie kaufen und besitzen. Manche meinen zu Recht: Wir brauchen keine neue Ethik; sondern überhaupt eine Ethik. Der Kapitalismus hat keine Messfühler für Gewissen und Verantwortung.“ Den einzigen Weg aus der Misere sieht Drewermann in einem radikalen Umdenken. Für seine mitreißende und berührende Rede erhielt Drewermann minutenlangen Applaus und Standing Ovations, manche Zuhörer hatten sogar mit den Tränen zu kämpfen.

Video-Interview mit Eugen Drewermann über die Notwendigkeit einer neuen Ethik: