Das Wort zum Sonntag: Illusion Menschenwürde (2)

Nun schreibt Artikel 1 der Menschenrechtskonvention:

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“ ….

und bereits Cicero hat die Vernunft des Menschen als entscheidendes Charakteristikum zur Differenzierung der Kreaturen und zur Definition von Würde herangezogen: Frage: Marcus, wodurch oder weshalb erhält ein Mensch seine Würde? Cicero: Weil wir alle an der Vernunft teilnehmen, an dieser Vorzüglichkeit, mit der wir die Tiere übertreffen. (Cic.off. I,106)

Das Auswahlkriterium Vernunft ist jedoch mit zwei grundsätzlichen Mängeln behaftet. Zum einen ist ein gewisser Teil der Menschheit von dieser Fähigkeit – wie zuvor beschrieben – ganz oder teilweise ausgeschlossen und zum anderen ist die Auswahl des Kriteriums Vernunft eine willkürlich getroffene menschliche Wertung. Würde man stattdessen den gleichfalls nebulösen Begriff der Demut als Unterscheidungsmerkmal wählen, wäre die Tierwelt, was Akzeptanz des Schicksals und der gegebenen Lebensumstände betrifft, der Menschheit um Längen überlegen.

Friedrich Nietzsche entlarvt die Lust und Freude des Menschen an seinem vermeintlich unübertrefflichem, eigenen Wert wie folgt:

Die vier Irrtümer. – Der Mensch ist durch seine Irrtümer erzogen worden: er sah sich erstens immer nur unvollständig, zweitens legte er sich erdichtete Eigenschaften bei, drittens fühlte er sich in einer falschen Rangordnung zu Tier und Natur, viertens erfand er immer neue Gütertafeln und nahm sie eine Zeitlang als ewig und unbedingt, so dass bald dieser bald jener menschliche Trieb und Zustand an der ersten Stelle stand und infolge dieser Schätzung veredelt wurde. Rechnet man die Wirkung dieser vier Irrtümer weg, so hat man auch Humanität, Menschlichkeit und „Menschenwürde“ hinweg-gerechnet.“ (Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft, 115)

Unbestritten ist hingegen, dass Vernunft, Wissen und logische Denk- und Analysefähigkeit in der menschlichen Spezies in summa stärker, intensiver und häufiger anzutreffen sind als in der übrigen Tierwelt. Dieser Umstand hatte trotzdem zur Folge, dass in allen Zeiten und in allen Kulturen – bis auf den heutigen Tag – die Menschheit diese Fähigkeiten missbraucht hat, um sowohl die eigene Spezies als auch die tierlichen Mitlebewesen zu unterjochen, zu bekriegen, zu versklaven und zu töten.

Vernunft ist und war Basis und Auslöser ultimativer Macht- und Beherrschungsinstrumente der Menschheit und ist deshalb unter dem Gesichtspunkt des permanenten Missbrauchs völlig ungeeignet, eine wie auch immer geartete Würde zu begründen.

Johann Gottfried Herder (Briefe zur Beförderung der Humanität. Zwei Bände, Berlin und Weimar: Aufbau, 1971, Band 1, S. 139f) formuliert es folgendermaßen:

So auch Menschenwürde und Menschenliebe. Das Menschengeschlecht, wie es jetzt ist und wahrscheinlich lange noch sein wird, hat seinem größesten Teil nach keine Würde; man darf es eher bemitleiden als verehren.“

Wird Artikel 1 vor dem Hintergrund vorstehender Überlegungen betrachtet, wird offensichtlich, dass Artikel 1 lediglich die potentielle Vernunftfähigkeit und das potentiell vorhandene Gewissen, also eine grundsätzliche Möglichkeit für diese Fähigkeiten, nicht aber deren flächendeckende Realität und Existenz, beschreibt. Die reale Verteilung beider Faktoren in der Menschenwelt rechtfertigt, wie die Geschichte und das tägliche Leben lehren, nicht die apodiktische Behauptung, dass eine Existenz dieser Merkmale in jedem menschlichen Individuum anzutreffen ist, geschweige denn, dass sie ein besonderes menschliches Alleinstellungsmerkmal sind.

Wendet man sich letztendlich dem religiös-metaphysischen Sektor zu – im Folgenden wird das Christentum als Prüfkriterium herangezogen – trifft man zunächst auf nachstehende Grundaxiome:

Die Hierarchie aller Existenz beginnt mit Gott, besitzt als Mittelbau den Mensch und dieser ist wiederum dem Leben der gesamten Natur übergeordnet, das dem Menschen zu seinem Nutzen zur Verfügung gestellt wurde. Der angebliche Gottesbefehl hierzu lautet:

1 Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt die Erde. 2 Furcht und Schrecken vor euch sei über alle Tiere auf Erden und über alle Vögel unter dem Himmel, über alles, was auf dem Erdboden kriecht, und über alle Fische im Meer; in eure Hände seien sie gegeben. 3 Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich‘s euch alles gegeben.“ (Gen 9, 1-3)

  • Der Mensch ist das Ebenbild Gottes.
  • Nur der Mensch besitzt eine unsterbliche Seele und kann ewiges Leben erhoffen.
  • Nur dem Menschen ist tiefgreifende Begabung zur Vernunft gegeben.
  • Der Mensch ist die Krone der Schöpfung, ihr letztendliches Ziel und ihm ist eine Würde immanent, die vorrangig vor jeder anderen Lebensform steht.

Zu konstatieren sind in diesen Axiomen zwei grundlegende Besonderheiten.

Zum einen werden die Begriffe unsterbliche Seele, Ebenbild Gottes sowie die Phrase Würde qua Behauptung beweislos nur dem Menschen zugesprochen, so dass alle anderen Lebewesen im Wert niedriger anzusetzen sind. (Dieses Faktum hat im Übrigen unseren Planeten zu einem Schlachthaus mutieren lassen!).

Zum zweiten trifft man die zuvor erörterte und widerlegte Behauptung an, dass nur der Mensch eine tiefgreifende Begabung zur Vernunft besitzt. Die Summe der Axiome definiert einen Anthropozentrismus, eine Selbstkrönung und Hervorhebung des Menschen, der weder durch Argumente, noch viel weniger aber durch Beweise unterlegt wird. Dieser Anthropozentrismus ist aber originär in die Menschenrechtskonvention und damit in die Vorstellung der Menschenwürde eingeflossen.

Menschenwürde ist somit ein halbtheologisches Konstrukt, das sowohl dem ungläubigen Teil der Menschheit als auch der gesamten Natur übergestülpt wurde und inzwischen durch erneute Nicht-Hinterfragung in seiner vernichtend-separierenden Wirkung zwischen Mensch und Natur, insbesondere zwischen Mensch und Tierwelt, völlig unterschätzt wird. Menschenwürde ist das Gebilde einer Fiktion, das ohne religiöse Basis seine Existenzberechtigung und Wirkung einbüßt und jenseits der metaphysischen Gedankenwelt unbrauchbar wird.

Die christlich-klerikale Sichtweise, welche das fragile Gefüge der Menschenwürde wie in einen religiösen Seidenkokon einspinnt, bedarf der Verifizierung. Die gesuchte Bestätigung liefert in bestechender Eindeutigkeit der Jesuit Peter Köster, der 1970 in seiner Dissertation „Größe des Menschen und Ehre Gottes – Kritische Überlegungen zur Anthropologie Friedrich Nietzsches“, die von keinem Geringeren als Prof. Dr. Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI, gefördert wurde, die entscheidenden Aussagen.

So schreibt er die grundlegende Frage „Wenn nicht im Denken, so bleibt jetzt zu fragen, worin besteht dann nach Nietzsches Gedanken die spezifische Würde des Menschen? Gibt es eine solche Würde überhaupt?“ und gibt folgende Antwort: „Es liegt im Wesen der Sache begründet, dass die Abgrenzung des Menschen vom Tier nur in unlösbarer Verbindung mit seinem Verhältnis zu Gott adäquat zu denken ist“.

Peter Köster fährt etwas später mit den Worten fort: „Denn – so wäre hier doch wohl zu fragen – was bleibt vom Menschen noch, wenn man ihn jener sogenannten Ketten, das heißt: der Moral, Religion und Metaphysik im weitesten Sinne, entledigt? Kann mehr übrig bleiben als die nackte Tierheit?“

Was bleibt zum Schluss, was ist die konkrete Folge jenseits jeder tieferen religiös-philosophischen Erörterung? Wie ist die Realität des täglichen Zusammentreffens zwischen der Menschenwelt auf der einen Seite sowie Natur und Tierwelt auf der anderen Seite? Wie haben sich die Hybrisvokabeln Ebenbild Gottes, Menschenwürde und unsterbliche Seele, die Falschbehauptungen von Vernunftbegabung und Gewissen in den Menschenköpfen, in den Denk- und Lebensgewohnheiten der Spezies homo sapiens im Weltgeschehen ausgewirkt? Die Antwort lautet plakativ, dafür unmissverständlich ernüchternd:

Ich bin ein Mensch und somit – selbst nach Auschwitz, Hiroshima und täglichem millionenfachem Tiermord – das Ebenbild Gottes und nur ich als Mensch besitze eine unsterbliche Seele und kann ewiges Leben erhoffen, denn alle anderen Lebewesen verfallen dem Nichts.

Nur mir als Mensch ist tiefgreifende Begabung zur Vernunft gegeben und eine Würde immanent, die weit über jeder anderen Lebensform steht. Weil mir tiefe Vernunft innewohnt, kann und darf ich all meine Fähigkeiten ausleben.

Ich bin die Krone der Schöpfung und ihr letztendliches Ziel und weil das so ist und eine unabänderliche Tatsache darstellt, stehen mir grundlegende Rechte vor allen anderen Lebensformen zu. Insbesondere darf ich andere Lebensformen nutzen, versklaven und töten, wenn es meinem Nutzen und Wohlbefinden dient.

Alle Rechte, die ich mir selbst zugestanden habe wie Recht auf Leben, Freiheit, Verbot der Sklaverei, der Folter und Verbot grausamer, erniedrigender Behandlung gelten uneingeschränkt nur für mich. Mit göttlicher und staatlicher Gewissensabsolution verweigere ich diese Rechte der übrigen lebenden Kreatur.

Ich darf mich beliebig vervielfältigen, die Erde mit meiner Spezies überschwemmen und deshalb allen anderen Lebewesen ihre Lebensräume nehmen und zerstören.

Und was bleibt sonst noch?

Das ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde“ hallt es gelegentlich bei unterlegenen und unterliegenden Argumentationen als Notfalldialektik, als ultimative Rechtfertigungswaffe, aus den Mündern und Pamphleten der totalitären Gutmensch-Humanisten. Sie merken es nicht, erkennen es nicht, wollen es nicht und können es nicht erkennen und schämen sich noch weniger, ihre anthropozentrische Festung mit inhaltsleeren Begriffen, mit einer religionsgeprägten Leerformel, zu verteidigen. Sie argumentieren mit Nichtexistentem, sie argumentieren mit … nichts!

Der Schlußsatz in diesem Verdikt gebührt einem der größten Philosophen der Geschichte, dem genialen Friedrich Nietzsche:

Ich unterdrücke an dieser Stelle einen Seufzer nicht. Es gibt Tage, wo mich ein Gefühl heimsucht, schwärzer als die schwärzeste Melancholie – die Menschen – Verachtung. Und damit ich keinen Zweifel darüber lasse, was ich verachte, wen ich verachte: der Mensch von Heute ist es, der Mensch, mit dem ich verhängnisvoll gleichzeitig bin. Der Mensch von Heute – ich ersticke an seinem unreinen Atem …“ (Der Antichrist, 38)

Zum bevorstehenden Jahreswechsel

Aus dem aktuellen Newsletter von pro-iure-animalis.de

Liebe Freunde der Tiere,

Weihnachten, die „besinnliche Zeit“, ist vorbei, der Jahreswechsel, an dem Viele gute Vorsätze fassen, steht vor der Tür. Vor der gleichen Tür standen und stehen die beiden großen Ansprachen an die Nation, der Bundespräsident an Weihnachten, die Kanzlerin zu Silvester. Steinmeier haben wir schon überstanden und es darf angenommen werden, dass Merkel in ein paar Tagen keine Worte in den Äther schickt, die sich von der professionellen Logorrhoe des Präsidenten unterscheidet – inhaltslose Worthülsen, Schönrederei und leere Versprechungen, die sich wenig an Fakten und Logik orientieren. Fünf Minuten wasted time …

Unseres Erachtens hätte Einer diese fünf Minuten Sendeplatz verdient: Alexander Gerst, „Astro-Alex“, wie er liebevoll und anerkennend genannt wird, der dieser Tage aus dem Orbit zurückgekehrt ist und dort einen wahren Platz mit Weitsicht verlassen hat. Urteilen Sie selbst:

Alexander Gerst: Nachricht an meine Enkelkinder

Daran anknüpfend geben wir Ihnen noch einen Leserbrief von Lutz Reißland mit auf den Weg ins Neue Jahr, den er zum Thema Silvesterböllerei an zahlreiche Zeitungsredaktionen geschickt hat.

Und alle Jahre wieder

Und alle Jahre wieder … kommt die Silvesternacht, in der es blitzt und kracht… und das im wahrsten Sinne des Wortes!

Ja bald ist es wieder soweit, in wenigen Tagen macht ein Industriezweig seinen Jahresreibach mit Böllern und Raketen, und das mit Pauken und Trompeten.

Der Brauch geht auf den Todestag des Papstes Silvester 1.(† 31. Dezember 335) zurück. „Zum Jahreswechsel um Mitternacht wird meist mit Feuerwerk, Böllern und Glockengeläut gefeiert. Das Feuerwerk sollte im vorchristlich-animistischen Glauben früher „böse Geister“ vertreiben und drückt heute auch Vorfreude auf das neue Jahr aus.“ (Wikipedia).

Da fragt sich der aufgeklärte Mensch des 21. Jahrhunderts, hallo, leben wir noch im frühen Mittelalter, wo man an Hexen, Geister und Dämonen glaubte und meint, diese zum Jahreswechsel mit Lärm und Gestank vertreiben zu müssen? Wie weit sind wir in diesem Land der Dichter und Denker gekommen, einerseits träumen wir vom digitalen Zeitalter, andererseits befindet sich ein Teil unserer Bevölkerung noch auf Steinzeitniveau, was man auch an vielen anderen Stellen merkt – leider.

Nein, was hier passiert, ist nicht nur die Freude auf das neue Jahr, wobei man angesichts der dramatischen Veränderungen auf unserem Planeten wie Überbevölkerung, Klimawandel, Artensterben etc. sich ehrlich die Frage stellen muss, auf welche Verbesserungen sich man hier noch freuen kann? Vor hundert Jahren nach dem 1. Weltkrieg wäre ein solche Vorfreude noch begründet gewesen aber in der heutigen Zeit werden sich begründet nur Einige auf noch bessere Umsätze und Anhäufungen von Reichtum freuen können, die meisten werden aber diesbezüglich enttäuscht werden.

Und diese, man wundert sich, machen in den Warteschlangen beim Böllerverkauf den größten Teil aus, hier steht nicht die soziale Mittel- oder Oberschicht oder gar die Intelligenz an, es sind oftmals die, die von Hartz 4 leben müssen und einen Teil ihres Geldes im wahrsten Sinne des Wortes dann noch verballern.

Was hier in der Silvesternacht jedes Jahr stattfindet, ist eine Art Stellvertreterkrieg, jeder kann sich und seinem Herzen mit lauten Geböllere Luft machen, oftmals gepaart mit reichlich Alkohol die Sau rauslassen, seinen archaischen Ur-Instinkten freien Lauf lassen…

Aber die Sache hat noch andere Haken.

Jedes Jahr werden allein in Deutschland rund 10.000 Tonnen Feuerwerkskörper im Wert von mehr als 100 Millionen Euro in die Luft gejagt – Tendenz steigend! Durch die Böller und Raketen rieselt ein Chemiecocktail bestehend aus Schwarzpulver, Nitraten, Chloraten und Perchloraten – sauerstoffreiche Metallsalze der Elemente Natrium (gelbe Flammenfärbung), Kalium (blass-violett), Strontium (rot) oder Barium (grün) sowie Blei, Arsen, Aluminium, PVC, Schwefel und in kleineren Mengen Eisen-, Kupfer-, Titan-, Antimon- und Zinkverbindungen und viele weiteren Verbindungen leise vom Himmel und belastet Mensch, Tier und Umwelt.

Die gesundheitlichen Risiken für die Menschen alle aufzählen, würde den Rahmen dieses Leserbriefes weit sprengen.

Raucher dürfen in Gaststätten nicht mehr rauchen, seit Jahren macht ein Abgasskandal nach dem anderen die Runde, Dieselfahrzeuge werden als die Hauptschuldigen benannt, überall werden die Feinstaubwerte überschritten, Fahrverbote ausgerufen etc. Dabei zeigen Messungen, dass in Innenstädten in der Stunde nach Mitternacht Extremwerte von weit mehr als 1000 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft erreicht werden, über 20 mal mehr als erlaubt! Die Feinstaubbelastung durch die Silvesterknallerei trägt nach Angaben des Umweltbundesamtes zu 15% an der Gesamtfeinstaubbelastung durch Verkehr u.a. in Deutschland bei!

Na prima, wo bleiben da die Behörden, die Gleichen, die zuvor die Fahrverbote mit Hinweis auf den Schutz der Bevölkerung vor Feinstaub ausgerufen haben? Hier ist noch dringender Handlungsbedarf durch die zuständigen Behörden und Kommunen notwendig!

Am schlimmsten trifft es die Tiere. Jeder Tierhalter, egal ob Hund, Katze, Vogel oder Pferd weiß, dass Tiere sehr lärmempfindlich sind und der Lärm und Gestank ist für die Tiere unerträglicher Stress und Folter! Zehntausende in den Städten lebende und dort schlafende Wildvögel, vor allem Haussperlinge werden durch dieses Silvesterinferno von ihren Schlafplätzen aufgescheucht, fliegen verängstigt in die Dunkelheit und verunglücken zu Tausenden!

Jedem wahren Tierfreund zerreißt es angesichts dieser Situation das Herz und es ist auch ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz §39 und gegen das Tierschutzgesetz §1!

Aber auch Menschen, die diese Knallerei nicht wollen, werden durch diese belästigt.

Der Straftatbestand der Nötigung wird durch diese Knallerei voll erfüllt. Eine Ökobilanz für die Herstellung der Knaller und die Knallerei selbst fällt verheerend aus, zurück bleiben Dreck, Umweltbelastungen und Sondermüll.

Für mich steht fest, die, die meinen, durch Luft- Licht- Lärm- und Umweltverschmutzung, denn nichts anderes ist diese Silvesterknallerei, das neue Jahr begrüßen zu müssen, haben sich selbst einer ganz spezifischen Bevölkerungsgruppe zugeordnet und können mit Sicherheit keine Tierfreunde sein!


Wir hoffen, Sie nehmen einige dieser Aspekte mit ins Neue Jahr und hoffen auch, dass unsere vergangenen Rundbriefe zum Nachdenken angeregt haben. Wir lesen uns wieder in 2019 – einen guten Start wünscht Ihnen

für pro iure animalis

Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

Fünf Wahrheiten über Menschen – und Tierrechte

Aus dem aktuellen Newsletter von pro-iure-animalis :

Fünf nachdenkenswerte Wahrheiten über Menschen – und Tierrechte !

Der Anspruch des Menschen ist absurd. Nicht nur die Menschheit, auch die Tierheit hat ein Recht auf Lebensmöglichkeit. Es ist einfach nicht wahr, dass die Menschheit sich ungezügelt noch weiter vermehren dürfte. Ihre Zahl ist bereits zu groß. … Die Zahl vermehrt die Not, die seelische Qual, die physischen Schmerzen.

(Hans Henny Jahnn, Weihnachtsappell 1956)


Dagegen sehe man die himmelschreiende Ruchlosigkeit, mit welcher unser Pöbel gegen die Tiere verfährt, sie völlig zwecklos und lachend tötet oder verstümmelt oder martert und selbst die von ihnen, welche unmittelbar seine Ernährer sind, seine Pferde, im Alter auf das Äußerste anstrengt, um das letzte Mark aus ihren armen Knochen zu arbeiten, bis sie unter seinen Streichen erliegen. Das sind die Folgen jener Installations-Scene im Garten des Paradieses. Denn dem Pöbel ist nur durch Gewalt oder durch Religion beizukommen: hier aber lässt das Christentum uns schmählich im Stich.

(Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena II, Über Religion)


Wer sich heute Philanthrop, Menschenfreund, nennt, zeigt damit, dass seine Wahrnehmung erhebliche Defizite aufweist, deren er sich entweder nicht bewusst ist oder die er selbstschützend ignoriert. Es ist schlechterdings unmöglich, die Überschwemmung des Erdballs mit der ätzenden Säure der Menschenflut zu negieren, eine Flut, die täglich um 200.000 Wesen anschwillt.

Es ist schlechterdings unmöglich, den ästhetischen Alptraum, den diese Flut in den Großstädten als menschliches Strandgut auf die Straßen spült, zu übersehen. Es ist schlechterdings unmöglich, das Ansteigen der allgemeinen Imbezillität und das Absinken des kulturellen Niveaus in der Masse zu ignorieren. Wer darüberhinaus noch alle Religionskriege samt religiöser Wahnideen, Tiermassakern, Umweltvermüllung, Artensterben, Grausamkeiten, Manipulationen und staatliche Defizite bis hin zu Verbrechen sowie die Zementierung der Welt und die menschliche Vermassung ausblenden kann, darf sich gerne weiterhin Menschenfreund nennen und in seiner ignoranten Welt verharren. Der Rest aber muss sich mit dem Status des Beobachters eines endgültigen Untergangs zufrieden geben und auf das baldige Fallen des Vorhangs hoffen, denn comedia finita est!

(aus: Dr. Gunter Bleibohm: WIDERREDE II)


Für Menschen ist der grundlegende Schutz der individuellen Existenz nahezu weltweit in den Menschenrechten und Gesetzen verankert, für Tiere hingegen nirgends, ausser in mehr oder weniger schwachen Tierschutzgesetzen, die sich grundsätzlich immer der ökonomischen Notwendigkeit, nicht aber der Ethik unterordnen. Der Tierwelt, den Mitlebewesen, gesteht die Spezies „Mensch“ genau das nicht zu, was die kulturelle Entwicklung für die Menschheit als höchstes Gut hervorgebracht hat.

Nur auf Grund einer willkürlich herausgegriffenen Wesenskomponente, nämlich der partiellen Denk- und Vernunftfähigkeit menschlicher Wesen, der daraus erlangten absoluten Macht über die Tierwelt und ihrer Wehrlosigkeit, gelangen alle nicht-menschlichen Mitlebewesen in den Strudel ökonomischer Nutzenbetrachtung und beliebiger Verfügbarkeit durch die Menschheit. Das absolut höchste Gut der Einzigartigkeit und der Unwiederbringlichkeit der individuellen Existenz wird, wenn überhaupt, mit philosophisch-politisch-religiösen Argumenten auf Grund einer je nach Lebensform anders strukturierten Denkfähigkeit der Tierwelt verwehrt.

Es kommt aber am Wenigsten bei der Betrachtung der Fähigkeiten eines Lebewesens darauf an, ob Tiere die gleiche Intelligenz des Menschen haben, sondern einzig, ob sie die gleiche Leidensfähigkeit haben. Dieser Kernsatz der Tierrechtstheorie, der das Tierindividuum aus menschlicher Denkweise, aus einem humanen Wertegefüge und darauf aufbauenden ethischen Vorstellungen beschreibt, ist somit nur eine Teilmenge der übergeordneten Einmaligkeits- und Unwiederbringlichkeitspostulate.

Erst wenn ethisch-moralische Grundsätze diese Postulate in verbindliche Handlungsmaxime für jegliche Lebensform wandeln, gelangen wir zu einer absoluten Unverletzlichkeit, zu einer wirklichen Heiligkeit bestehenden Lebens. Frühestens dann hätte die Menschheit den ersten Schritt zur ethisch-moralschen Höherentwicklung gemacht, einen Schritt, auf den die gesamte Tierwelt und eine verschwindende Minderheit von Menschen bis zum endgültigen Weltenende vergeblich warten werden.

(aus: Gunter Bleibohm: WIDERREDE II, S. 34)


Menschenrecht und Menschenwürde sind nebulöse, spukhafte Gebilde, die ihren Ursprung nicht verleugnen können. Sie sind ein Höllenextrakt aus der Alchimistenküche des Humanismus, ein magisches Elixier, das in Maßen genossen heilsam wirken kann, übermäßig dosiert hingegen tödlich wirkt. Es ist eine Ideologie, welche die Überheblichkeit religiöser Weltbilder, nämlich die der menschlichen Sonderstellung in der Welt, in das profane Tagesgeschehen transformiert. Zu den tragenden Säulen heutiger Weltsicht wurde Speziesismus und Anthropozentrismus auserkoren, beides Denkmuster, welche die höchste Lebensverachtung der nicht-menschlichen Welt gegenüber durchgesetzt und manifestiert haben.

Allein durch die Wortwahl Menschenrecht, Menschenwürde wird die Kluft zu anderen Lebensformen unüberbrückbar aufgerissen, Recht und Würde stillschweigend exklusiv für den Menschen reserviert und nicht-menschlichen Lebensformen kaum zugestanden oder gar völlig abgesprochen. Alle Träger menschlicher Gene – unabhängig von ihren Denk- und Verhaltensweisen – genießen demgegenüber den Schutzstatus von Menschenrecht und Menschenwürde, durch welchen sie in der Wertescala aller Lebewesen nachweislich immer im Rang höher stehen als alle Leiden, welche die Menschheit andersartigen Wesen und der Biosphäre insgesamt zufügt.

Tierversuche sind nur eins der üblen Resultate aus dieser künstlich erzeugten Kluft der Rechte, sind das Ergebnis aus dem gezielten Missbrauch des Begriffes Würde. Menschenrecht und Menschenwürde sind zu Markenzeichen eines international streng geschützten Gutes mutiert, welches für das reibungslose Funktionieren der humanoiden Naturvernichtungsmaschinerie unverzichtbar ist. Die Maschinerie bezieht ihre Energie aus den Großkraftwerken von Wirtschaft, Presse, Religion und Politik, die Energie selbst wird jedoch gefördert in den tiefen, dunklen Stollen der Gedankenbergwerke menschlicher Dummheit.

(aus: Gunter Bleibohm: WIDERREDE I, S. 135)