Tiere werden beim Schlachten nicht richtig betäubt

Die Albert-Schweitzer-Stiftung fordert eine bessere Beachtung des Tierschutzes in Schlachtbetrieben. Anlass ist ein Bericht der ARD-«Tagesthemen». Der Fleischforscher Klaus Tröger vom Kulmbacher Max-Rubner-Institut hatte in der Sendung berichtet, dass jährlich rund 500.000 Schweine und 200.000 Rinder nicht ordnungsgemäß betäubt werden. Die Tiere würden somit bei vollem Bewusstsein gesiedet und zerteilt, zitierte die Stiftung den Fleischforscher.

Laut Tröger haben die sogenannten Stecher in den Schlachthäusern nur etwa zwei Sekunden Zeit, um Schweinen die Schlagadern zu durchtrennen. Bei diesem Tempo verfehlten die Schlachter häufig große Blutgefäße oder übersehen einzelne Tiere. Dadurch werden nach Schätzungen des Experten rund eine halbe Million Schweine pro Jahr qualvoll und bei vollem Bewusstsein im heißen Wasserbad verbrüht. Genauso dramatisch ist nach Angaben Trögers die Lage bei Rindern. Der zur Betäubung vorgesehene Bolzenschuss verfehle häufig das Ziel.

Als Grund nannte die Albert-Schweitzer-Stiftung die Akkordlöhne in den Schlachthäusern. Der daraus resultierende Zeitdruck müsse zwangsläufig zu Fehlern führen, erklärte der Präsident der Stiftung, Wolfgang Schindler, am Dienstag in einer Mitteilung. Diese Form der Entlohnung müsse verboten werden. Sie sei größtenteils verantwortlich für unermessliches Tierleid. Deshalb müsse der Gesetzgeber dringend die entsprechenden Vorschriften ändern.

Genauso schlimm sei die Lage bei der Geflügelschlachtung. Hühner und Puten sollen theoretisch betäubt werden, indem ihre Köpfe durch ein elektrisches Wasserbad gezogen werden. «Doch viele Tiere bewegen sich in ihrer Panik sehr stark, wodurch sie nicht ausreichend betäubt werden und so bei Bewusstsein ihren Kehlschnitt und auch die weitere Zerteilung miterleben müssen», betonte Schindler.

«Die gängigen Methoden sind nicht mit den Grundsätzen der Tierschutz- Schlachtverordnung vereinbar, nach denen Tiere so zu schlachten sind, dass nicht mehr als unvermeidbare Aufregung, Schmerzen, Leiden oder Schäden verursacht werden.» (dpa)

Quelle: proplanta.de

Bei Tierquälerei versagt der Rechtsstaat

Rebloggt von hubwen.wordpress.com

Tierfreund und Tierschützer Hubert:

„Diese nur mittelmäßig intelligente Julia Klöckner quatscht etwas von selbsternannten Stallpolizisten daher. Man weiß aber, zumindest Tierschützer, dass die STAATLICHEN KONTROLLINSTANZEN ihren Aufgaben nur selten nachkommen. Zum Beispiel wird statistisch nur alle 50 Jahre ein Landwirt kontrolliert.“

Von albert-schweitzer-stiftung.de :

Foto: Ariwa

Um Tierschutzverstöße in der Landwirtschaft aufzudecken und zu bestrafen, vertraut Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf die staatlichen Instanzen. »Selbsternannte[n] Stallpolizisten«, also TierschutzaktivistInnen, die Verstöße filmen und bekannt machen, sagt sie den Kampf an.

Ein Problem dabei ist: DIE STAATLICHEN KONTROLLINSTANZEN, ALSO VETERINÄRBEHÖRDEN UND STAATSANWALTSCHAFTEN, KOMMEN IHREN AUFGABEN NUR SELTEN NACH und wenn, dann mit wenig Erfolg.

Machtlose Veterinärbehörden

Ob sich tierhaltende Betriebe an das Tierschutzrecht halten, sollen AmtsveterinärInnen kontrollieren. Erst kürzlich belegten jedoch aktuelle Zahlen der Bundesregierung, dass sie dies viel zu selten tun. Gründe hierfür sind nach unserer Erfahrung Personalmangel, wirtschaftliche Interessen oder Abhängigkeiten sowie mangelnder Rückhalt für diejenigen, die ihre Aufgaben ernst nehmen. So berichtete zum Beispiel eine Amtsveterinärin, die Verstöße gemeldet hatte, kürzlich dem TV-Magazin Report Mainz: »Man wird als Störenfried, als Querulant, als Gegner angesehen. […] Mir wurde von der zuständigen Behörde auch nahe gelegt, meine Arbeit nicht ganz so streng durchzuführen, sonst sei auch mein Job als Tierarzt gefährdet. Der Schlachthof ist ein großer Arbeitgeber, ein guter Steuerzahler. Der Tierschutz bleibt auf der Strecke.«

Von den im Jahr 2017 kontrollierten Betrieben waren mehr als 20 % auffällig. Jedoch leiteten die Behörden nur bei rund jedem fünften der beanstandeten Betriebe ein Ordnungswidrigkeits- oder Strafverfahren ein.

Untätige Staatsanwaltschaften

In den seltenen Fällen, in denen es überhaupt zu einer Strafanzeige kommt, stellen sie die Verfahren oft ergebnislos wieder ein. Die Hamburger Anwältin Dr. Davina Bruhn hat für Greenpeace ein Gutachten erstellt, in dem sie acht solche Fälle untersucht. Ihr Fazit: StaatsanwältInnen verletzen häufig ihre Ermittlungs- und Verfolgungspflichten, ihre Entscheidungen sind »methodisch mangelhaft«.

Schlampige Ermittlungen

Ein Hauptkritikpunkt Bruhns an der Arbeit der Staatsanwaltschaften: Selten veranlassen sie eigene Untersuchungen. Hatten TierschützerInnen belastendes Videomaterial vorgelegt, befassten sich die Anklagebehörden oft nur mit den Aufzeichnungen. Weder ließen sie die Verantwortlichen befragen noch die Ställe von Fachpersonal begutachten.

Die Staatsanwaltschaften stellten daher häufig Verfahren mit der Begründung ein, dass sie anhand des Videomaterials keine eindeutigen Aussagen über die Haltungsbedingungen, die Situation oder das Leiden der Tiere treffen könnten.

Irrende und nicht verantwortliche TierhalterInnen

Manche StaatsanwältInnen zeigten auch große Nachsicht gegenüber den verantwortlichen Personen. So etwa im Fall einer Anzeige gegen den Betreiber der Schweinezuchtanlage Gut Thiemendorf in Thüringen. So argumentierte die Staatsanwaltschaft, der Angeklagte habe sich geirrt und geglaubt, dass seine Form der Haltung erlaubt sei. Ähnliche Argumentationen findet man häufig, sie sind jedoch nicht zulässig, da sich TierhalterInnen umfassend informieren müssen.

In einem anderen Fall aus Bruhns Gutachten stellte die Staatsanwaltschaft die Verfolgung der Tierschutzverstöße gänzlich ein, nur weil die Angeklagte die Verantwortung für den Betrieb auf ihren Ehemann übertragen hatte. Von ihrer Verantwortung für eventuelle Straftaten entbindet sie das nicht; das entschied auch der Bundesgerichtshof.

Was ist »erheblich« und was »vernünftig«?

Ein weiteres großes Problem bei der rechtlichen Verfolgung von Tierschutzverstößen besteht in der Auslegung der Begriffe. So ist es laut § 17 des Tierschutzgesetzes strafbar, ein Wirbeltier »ohne vernünftigen Grund« zu töten und ihm »erhebliche« Schmerzen oder Leiden zuzufügen – sofern dies »aus Rohheit« erfolgt oder wenn diese »länger anhaltend« oder »sich wiederholend« sind.

Die von Bruhn untersuchten Fälle zeigen: Immer wieder spielen die Anklagebehörden die Leiden und Schmerzen der Tiere herunter. Häufig argumentieren sie, dass keine »erheblichen« Leiden zu vermuten sind. Auch schätzen sie die Dauer als nicht relevant ein oder sehen zum Beispiel eine Wiederholung erst gegeben, »wenn der Schmerz beim Tier völlig abgeklungen ist und wenigstens einmal erneut auftritt«. In zwei der untersuchten Fälle wollten sich die StaatsanwältInnen nicht festlegen, ob der Grund der Tötung »vernünftig« war oder nicht.

Wirtschaftliche Interessen überwiegen

Prof. Dr. Jens Bülte, Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschafts- und Steuerstrafrecht der Universität Mannheim, zeigt in seinem Artikel »Zur faktischen Straflosigkeit institutionalisierter Agrarkriminalität« auf, wie Interessenverbände der Agrarindustrie geltendes Recht beugen und uminterpretieren. Ihnen gelingt es Bülte zufolge immer wieder, mit eigenen Gutachten und lancierten Fachbeiträgen, sowohl die öffentliche Meinung als auch Behörden und Gerichte zu verwirren und zu beeinflussen.

In vielen Fällen gelten wirtschaftliche Interessen laut Bülte zudem als ein gewichtiger Grund, Tierschutzvorgaben nicht einzuhalten. Zum Beispiel, weil dies für die Betriebe ökonomisch nicht zumutbar sei oder einen Wettbewerbsnachteil bedeute.

So gelten zum Beispiel auch bei der standardisierten Tötung von männlichen Küken wirtschaftliche Interessen bislang als »vernünftiger Grund«. Im restlichen Strafrecht führt das Handeln aus Habgier oder Gewinnstreben hingegen regelmäßig zu einer Verschärfung der Strafe, erinnert Bülte.

Tausendfache Quälerei bleibt straffrei

Besonders im Tierschutzrecht sind laut Bülte Behörden und Gerichte bereit, bei Straftaten, die gewohnheitsmäßig und im großen Stil begangen werden, wegzusehen. Er kommt zu dem Schluss: »Wer eine Tierquälerei begeht, wird bestraft, wer sie tausendfach begeht, bleibt straflos und kann sogar mit staatlicher Subventionierung rechnen.«

Viele Praktiken in der Massentierhaltung verstoßen gegen das Tierschutzgesetz. Dafür liefern Sterbequoten, Krankheits- und Verletzungsfälle sowie Verhaltensstörungen klare Anzeichen. In einem früheren Gutachten hat die Anwältin Davina Bruhn zum Beispiel die Rechtswidrigkeit von Kastenständen dargelegt. Auch der Wissenschaftliche Beirat Agrarpolitik (WBA) des Bundeslandwirtschaftsministeriums sieht »erhebliche Defizite vor allem im Bereich Tierschutz« bei den derzeitigen Haltungsbedingungen.

Obwohl wir es also eigentlich besser wissen und es die meisten Menschen nicht gutheißen, ist Tierquälerei Alltag in der Agrarindustrie. Diese »Normalität« ist gefährlich, weil sie Gesetze und Werte unterhöhlt und diejenigen benachteiligt, die sich an die Regeln halten.

Fazit: Die Realität läuft unseren Werten zuwider

Bruhn kommt zu dem Schluss, dass »eine Bekämpfung gravierender und systematischer Verstöße gegen das Tierschutzrecht im Bereich der Massentierhaltung, nicht stattfindet«. Entgegen den allgemeinen gesellschaftlichen Wertvorstellungen tolerieren Verantwortliche gewohnheitsmäßig Straftaten der Massentierhaltung.

Wir sehen hier einen erheblichen Verbesserungsbedarf und fordern von der Regierung, die Nachlässigkeiten beim Aufdecken und Verfolgen von Tierschutzverstößen zu beenden und die konsequente Umsetzung des Tierschutzgesetzes anzumahnen. Laut Artikel 20a des Grundgesetzes gehört der Tierschutz zu den Zielen des Staates. Die Realität sieht leider anders aus.

Schlachthöfe: Verstöße an der Tagesordnung

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Von Albert Schweitzer Stiftung

Kein Tier möchte sterben. Für Fleisch, Eier und Milch töten wir trotzdem jährlich Millionen. Wie es hinter den verschlossenen Türen der Schlachthöfe zugeht, zeigen immer wieder Undercover-Recherchen von Tierschutzorganisationen.

Soko Tierschutz, das Deutsche Tierschutzbüro und Animal Rights Watch (ARIWA) veröffentlichten in den vergangenen Monaten verstörende Videoaufnahmen aus fünf Schlachtbetrieben. Sie zeigen: Ein brutaler und gesetzeswidriger Umgang mit den Tieren gehört in jedem einzelnen von ihnen zum Alltag.

Der Umgang mit »ausrangierten Milchkühen«

Besonders hart trifft es kranke und verletzte Kühe, die die Milchindustrie aussortiert hat. Größere Schlachthöfe lehnen diese Tiere meist ab, da sie eigentlich nicht mehr transportfähig sind. Kleine Schlachthöfe, die die Tiere trotzdem annehmen, machen durch den geringen Einkaufspreis Gewinn.

Zwei solcher Betriebe beobachtete die Soko Tierschutz im Oktober: die Landmetzgerei Matthias Blohm in Schönhausen (Sachsen-Anhalt) und den Betrieb der Vieh und Fleisch Karl Temme GmbH in Bad Iburg (Niedersachsen). Schonend ging man dort nicht mit den Tieren um. Aus Schönhausen liegen 16 Tage und aus Bad Iburg rund 30 Tage Filmmaterial vor – darauf ist erschreckend oft zu sehen, wie schwache und verletzte Tiere mit Seilwinden aus den Transportanhängern gezogen werden.

Außerdem wurden viele Kühe mit Elektrotreibern an empfindlichen Körperstellen, z. B. im Gesicht, am Euter oder am After, traktiert. Auch dann, wenn ihnen der Weg versperrt war. Kälber wurden vom Anhänger geworfen. Ein Tier stand über Nacht unversorgt mit Beinfesseln in einem Gatter. Dies alles verbietet die EU-Schlachtverordnung. Viele Kühe, die in den Betrieben angeliefert wurden, waren abgemagert und durch den groben Umgang deutlich verängstigt, teils panisch.

Bio-Sterben und der »Metzger nebenan«

Auch wenn die zwei vorab genannten Betriebe zu den kleineren gehören: Die Größe eines Schlachthofs, eine Bio-Zertifizierung oder regionale Produktionsketten lassen keine Rückschlüsse darauf zu, wie die Tiere behandelt werden. Das zeigen die Aufnahmen des Deutschen Tierschutzbüros aus einem großen Oldenburger Rinderschlachthof und einem Schweineschlachthof in Laatzen (Niedersachsen) sowie die von ARIWA aus einem kleinen Schlachthof in Hakenberg (Brandenburg).

In allen drei bio-zertifizierten Betrieben konnten die TierschützerInnen beobachten, wie Tiere misshandelt wurden. Die EU-Ökoverordnung schreibt, so wie das Tierschutzgesetz und die EU-Schlachtverordnung eigentlich vor, dass Leiden bei der Schlachtung vermieden werden sollen. Vorgaben, nach denen die Schlachtung von Tieren aus biologischer Haltung anders abläuft, als bei konventionell gehaltenen Tieren, gibt es nicht.

Der Oldenburger Schlachthof der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG ist einer der größten Rinderschlachthöfe Deutschlands. 90.000 Tiere sterben dort nach eigenen Angaben jährlich. Rund 600 Stunden Videomaterial liegen aus diesem Betrieb vor. In den Videos sind immer wieder Rinder zu sehen, die nach dem Bolzenschuss noch bei Bewusstsein sind und denen trotzdem die Kehle aufgeschnitten wird. Unfassbar sind Szenen, in denen der Kopf einer Kuh im Tor der Tötungsbox eingeklemmt wird, um einen erneuten Bolzenschuss zu setzen, oder an den Beinen aufgehängte Rinder um Luft ringen, da sie, während sie entbluten, wieder zu Bewusstsein kommen.

In dem Betrieb der Hakenberger Fleisch GmbH gab es nur zwei Schlachttage pro Woche, an denen je etwa ein Dutzend Rinder oder Schafe getötet wurden. Doch auch die sehr geringe Anzahl von Schlachtungen garantiert keinen reibungslosen Ablauf: Die Betäubung wurde an den Beobachtungstagen nie vorschriftsmäßig durchgeführt. Die Arbeiter setzten das Bolzenschussgerät stets mehrmals an und führten häufig auch den Kehlschnitt falsch durch. Viele Tiere verendeten qualvoll.

Verbesserungswürdiges Kontrollsystem

Die Aufnahmen legen nahe, dass Tierqual in deutschen Schlachthöfen an der Tagesordnung ist. Möglich scheint das auch, weil einige Veterinärämter wegsehen: Gegen den großen Oldenburger Rinderschlachthof gab es bereits anonyme Anzeigen, ohne dass etwas passierte. Auf den Aufnahmen des Tierschutzbüros ist ein behördlicher Kontrolleur anwesend, der sogar selbst zum Schlachtermesser greift.

Gegen Jens Winter, den Geschäftsführer der kleinen Hakenberger Fleisch GmbH, war bereits im März wegen Korruption ermittelt worden. Er hatte den zuständigen Amtsveterinär regelmäßig zum Essen eingeladen. Das Veterinäramt in Stendal, das für den Schönhauser Schlachthof für ausgediente Milchkühe verantwortlich ist, stand bereits wegen seiner Untätigkeit in anderen Fällen in der Kritik. Der Amtsleiter trat einige Zeit später zurück.

Drei Schlachthöfe stillgelegt, einer davon endgültig

Die vorläufigen Konsequenzen der Enthüllungen fallen sehr unterschiedlich aus: Der Schlachtbetrieb für kranke Milchkühe in Bad Iburg wird aufgelöst. Dort ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen den Betreiber und zwei Tierärzte.

Unklar ist, wie es mit den Betrieben in Schönhausen und Hakenberg weitergeht. Ersteren legten die Behörden vorerst still. Laut Kreisverwaltung könnte das Schlachten unter zusätzlichen Tierschutz- und Hygieneauflagen jedoch weitergehen. Auch Jens Winter hat die Schlachtungen wohl nur vorübergehend ausgelagert. Sein Hakenberger Betrieb verarbeitet weiterhin Fleisch. Er und das zuständige Veterinäramt sehen die Schuld vor allem bei den Angestellten.

Weiter geht es im Oldenburger Schlachthof, für den sich ein neuer Betreiber gefunden hat. Dieser will auf freiwillige Videoüberwachung setzen. Die Leine-Fleisch GmbH, die für den Laatzener Schweineschlachthof verantwortlich ist, will ihren Schlachtablauf weiter optimieren. Lediglich das Bio-Siegel wurde dem Betrieb entzogen.

Unser Fazit

Die Erkenntnisse aus den Recherchen der Tierschutzorganisationen sind so erschreckend wie offensichtlich: Es scheint kaum einen Unterschied zu machen, in welchem Schlachthof Tiere getötet werden oder wie sie zuvor gelebt haben. Fehler und bewusste Tierschutzverstöße scheinen die Regel, nicht die Ausnahme zu sein. Viele Tiere leiden dabei unermesslich. Es gibt keine Garantie dafür, dass das Tier, von dem das Fleisch auf dem Teller oder die Milch im Kaffee stammt, schnell und schmerzlos gestorben ist.

Den SchlachthofarbeiterInnen die alleinige Schuld zu geben, ist allerdings zu kurz gedacht. Sie erledigen die Arbeit, die sonst niemand tun möchte, und werden oft selbst miserabel behandelt. Viele sehen jedoch keine bessere Möglichkeit, Geld zu verdienen. Das Töten von Tieren hinterfragen sie nicht, denn es ist gesellschaftlich legitimiert und wird zur Routine. ArbeiterInnen, die sowohl ihr Einkommen als auch ihr psychisches Wohlergehen behalten wollen, können sich Empathie mit den Tieren dabei kaum leisten, so PsychologInnen.

Die Veterinärbehörden stärker in die Pflicht zu nehmen und die Kontrollmaßnahmen in den Schlachthöfen zu verschärfen, zum Beispiel durch Videoüberwachung, kann nur ein erster Schritt sein, um das schlimmste Tierleid zu verhindern. Zusätzlich muss die Branche aufhören, Produktions- und Lohnkosten zu drücken – das bedeutet, dass Fleisch teurer werden muss.

Die einzige konsequente Möglichkeit jedoch, Tiere nicht für die menschliche Ernährung sterben zu lassen, ist es, Tierprodukte zu meiden. Jeder einzelne Mensch kann dabei seinen Teil zu einem gesellschaftlichen Wandel des Mensch-Tier-Verhältnisses beitragen.

Quelle: Albert Schweitzer Stiftung