Soko Tierschutz deckt auf: Ein Praktikum am MPI

Laut Gesetz dürfen Tierversuche nur von Personen durchgeführt werden, die über die erforderlichen Kenntnisse verfügen. Das gilt offenbar nicht für das Max Planck Institut für biologische Kybernetik in Tübingen. Eine Zeugin deckt auf: Auch bei Null Fachkenntnis wurden Tierversuche angeordnet. Der verantwortliche „Forscher“ war auch MPI Tierschutzbeauftragter und Mitglied in der geheimen Tierversuchskommission der Stadt.Die Folge der Fahrlässigkeit: Stundenlange OP´s an Ratten, unsichere Betäubung, eine traumatisierte Praktikantin und der Tod der Tiere bei sinnlosen Versuchen.

SOKO Tierschutz hat Anzeige beim Regierungspräsidium und der Staatsanwaltschaft erstattet.  Im Jahr 2013 wurde die Praktikantin geradezu genötigt trotz offensichtlich fehlender Sachkenntnis nach kurzer Zeit am Institut und wenigen Wochen Erstsemester Tierversuche an Ratten durchzuführen. Die Zeugin: „Ich hatte keine Ahnung von Anatomie oder OP´s, fühlte mich allein gelassen und hatte schreckliche Angst“. Die Betäubung glich dem Verfahren „Trial and error“ mit allen Risiken für die Tiere.Selbst nach mehreren gescheiterten Versuchen wurden weitere Eingriffe befohlen. Die einzige Kritik: Mangelnder Erfolg. Dabei waren diese Versuche laut Aussage der Zeugin auch dem Chef Experimentator noch nicht gelungen.

Am traurigen Höhepunkt wurden bei einem Tier aus Neugier in Initiative eines als Betreuer zugeteilten Studenten Elektroden direkt an den Nerv im Körper der Ratte angeschlossen. Das Tier wurde durch die anliegende Spannung verschmort und starb.

Die Tiere waren laut des Vorgesetzten gebrauchte Tiere und hätten „weg gemusst“. SOKO Tierschutz fordert die Behörden auf, genau zu überprüfen, ob diese Versuche zulässig und gemeldet waren. Die fragwürdige Besetzung der für die Kontrolle der Versuche zuständigen Kommission wirft zudem kein gutes Licht auf die Überwachung von Tierversuchen in Tübingen.

SOKO Tierschutz fordert ein Ende des Stümpertums im Forschergewand am MPI. „In diesem Labor herrscht ein gefährliches Niveau an Verantwortungslosigkeit und Verachtung für Mensch und Tier. Dieses Beispiel zeigt überdeutlich, dass ein Ausstieg nur ein Ende aller Versuche sein kann und nicht die Fortsetzung der Grausamkeiten an anderen Tierarten“, so Kampagnenleiter Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz e.V.

Arme Hennen: „Der wahre Preis der Eier“

Auch Italiens Tierschützer berichten immer häufiger von den schlechten Lebensbedingungen der Nutztiere. Nachdem die Tierschutzorganisation „Essere Animali“ das schreckliche Schicksal der Schweine in einem Zuchtbetrieb, der Tiere für die Parma-Schinkenproduktion produziert, aufgedeckt hatte – Südtirol News berichtete , – legen nun die Tierschützer von „Animal Equality Italia“  die ungeheuerlichen Zustände in einem eierproduzierenden Betrieb in der Provinz Mantua offen :

In langen Gängen steht übereinander ein Käfig neben dem anderen, in denen die Legehennen ihr ganzes Leben verbringen. Obwohl die Europäische Union bereits 2012 ein Verbot der Legebatterien durchgesetzt hatte, wird laut Animal Equality Italia in Italien immer noch rund die Hälfte der Eier von in Käfigen eingesperrten Hennen produziert. Wie im unten eingebetteten Video dokumentiert, müssen die Hühner ihr ganzes Leben in den engen Käfigen, die es ihnen nicht einmal ermöglichen, ganz die Flügel zu öffnen, verbringen.

Da sie gezwungen sind, auf schräg ausgerichteten Gittern zu stehen, erleiden die Tiere Schäden an ihren Füßen, während die Krallen auf unnatürliche Weise immer länger werden. Da die Legehennen versuchen, sich in den engen und überfüllten Käfigen dennoch zu bewegen, fügen sie sich gegenseitig schwere Verletzungen zu, an denen sie nicht selten sterben. Im Fall dieses Betriebes in der Lombardei wurden die toten Hennen nicht einmal aus den Käfigen entfernt, sodass die noch lebenden und legenden Hennen keine andere Wahl hatten, als ihr tristes Dasein auf und neben den verwesenden Überresten ihrer Artgenossen zu verbringen.

Der Mangel an natürlichem Licht, die Überfüllung der Käfige und die schlechte Luft, die durch die nicht entfernten Exkremente und Tierkadaver verursacht wird, löst bei den eingepferchten Tieren sehr starken Stress aus, der zu unnatürlichem Verhalten wie Kannibalismus und zu krankhaften Erscheinungen wie Verlust des Federkleides und Abfallen des Kammes führt.

Laut gängigem EU-Recht müssten den Legehennen in sogenannten „modifizierten Käfigen“ eigentlich 750 Quadratzentimeter pro Tier zur Verfügung stehen. Andernfalls sollten die Hühner im Freien oder auf dem Boden gehalten werden. Zudem müsste jede einzelne Legehenne ein Nest, genügend Streu und eine Einrichtung zum Kürzen der Krallen besitzen. Wie aber verschiedene Tierschutzorganisationen beklagen, müssen in Italien immer noch mindestens 50 Millionen Hühner ihr Dasein in den „klassischen Legebatterien“ fristen.

Intelligent und leidensfähig: Die Ratte – Versuchstier des Jahres 2017

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte hat die Ratte zum Versuchstier des Jahres 2017 ernannt. Der Kleinsäuger wird nach der Maus am zweithäufigsten in Tierversuchen eingesetzt. Gemeinsam mit dem diesjährigen Schirmherrn Prof. Dr. Franz Gruber macht der Verband auf das versteckte Leid der Tiere im Labor aufmerksam. Zudem informieren Menschen für Tierrechte über existierende und fehlende tierversuchsfreie Methoden und fordern Politik und Wissenschaftsgemeinschaft auf, endlich effektive Maßnahmen für den Ausstieg aus dem Tierversuch zu ergreifen.

Ausführliche Informationen zum Versuchstier des Jahres 2017 unter: www.tierrechte.de

Prof. Dr. Franz Paul Gruber: „Die Ratte verdient es, im Mittelpunkt unserer Gefühle zu stehen!“

Der Tierarzt und Zoologe Prof. Dr. Franz Paul Gruber ist der diesjährige Schirmherr des Versuchstiers des Jahres 2017 und findet, dass die Ratte es verdient, dass wir unserem Umgang mit ihr überdenken –  aus ethischen und aus wissenschaftlichen Gründen.

Von Prof. Dr. Franz Paul Gruber

Die „Karriere“ der Ratte als „Versuchstier“ begann in den 1860er Jahren in London mit grausamen Wettbewerben: Ein auf das Töten von Ratten dressierter Terrier, brauchte etwa fünfeinhalb Minuten, um 100 Ratten in einer kleinen Arena tot zu beißen. Darauf wurden hoheWetten abgeschlossen. Das Englische Tierschutzgesetz von 1825 erlaubte diese Art der „Schädlingsbekämpfung“. Da die Rattenfänger bald mit ihren Lieferungen nicht mehr nachkamen, entstanden daraus die ersten professionellen Rattenzuchten, aus denen schon bald die ersten Albinoratten entstanden. Für diese besonderen Tiere interessierten sich bald die „Wissenschaftler“ unter den wettlustigen Zuschauern. So kam die Ratte ins Labor.

Die Punks und die Ratten

In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Ratten auch als Haustiere „entdeckt“. In meiner Berliner Zeit am Institut für Versuchstierkunde verging kaum eine Woche, in der nicht irgendein liebenswerter „Punk“ um Ratten nachsuchte. Natürlich war das auch als Provokation gedacht: ein Tier, das (fast) alle Menschen verabscheuten, auf der Schulter sitzen zu haben oder aus dem Ärmel kriechen zu lassen. Doch Ratten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Deswegen wird auch immer häufiger hinterfragt, was für einen wissenschaftlichen Nutzen es denn wirklich hat, diese neuen Freunde in Labors zu Tode zu quälen.

Menschen sind keine 70 kg Ratten

Sprach man früher noch von einer „grausamen Notwendigkeit“, die uns im Geiste des medizinischen Fortschritts zu Tierversuchen geradezu verpflichte, wird an diese „Notwendigkeit“ heute auch in Forscherkreisen nicht mehr so unerschütterlich geglaubt. „Menschen sind keine 70 Kilo-Ratten“ klärte uns Thomas Hartung 2009 in Nature auf. Es lohnt sich, dazu seinen Artikel des „Look back in anger – what clinical studies tell us about preclinical work“  zu lesen.

Übertragbarkeit fragwürdig

Doch damit nicht genug: 95 Prozent aller Medikamente, die sich im Tierversuch als Erfolg versprechend darstellten, erweisen sich als untauglich für den Menschen. Hierzu ein kleines Beispiel: Die meisten heutigen Lebertransplantationen müssen durchgeführt werden, weil sich Medikamente beim Menschen toxisch auf die Leber auswirken. Im Tierversuch war dies zuvor nicht feststellbar. Tierexperimentell tätige Wissenschaftler haben jedoch ihre Überzeugungen. Es bringt nichts, sie dafür zu verteufeln. Wir sollten sie stattdessen dazu bringen, diese Überzeugungen in Frage zu stellen und nach neuen Wegen zu suchen.

Leid im Labor

Welche Tiere uns näherstehen und welche nicht, entscheiden die meisten Menschen unterschiedlich. Die Ratte kommt bei dieser Abwägung meist nicht gut weg. Deswegen habe ich diese Schirmherrschaft gerne übernommen. Denn solch liebenswerte und schlaue Geschöpfe wie Ratten verdienen es, im Mittelpunkt unserer Gefühle für die Kreatur zu stehen.Die Ratte war als die „Alkoholratte“ 2007 schon einmal das Versuchstier des Jahres. Die Berliner Tierversuchsgegnerin Brigitte Jenner schrieb damals „Die den Ratten bei dieser Forschung zugefügten Leiden durch Isolierung, Immobilisierung und anderen Stress, durch belastende Verhaltenstests und durch Entzug sind gravierend. Ich habe sie gesehen, die süchtigen, isoliert in kleinsten kahlen Käfigen gehaltenen, vor sich hinstarrenden Ratten – ein Anblick, den ich nicht vergessen kann.“ Wollen wir hoffen, dass wir es doch einmal vergessen können, was wir den Tieren angetan haben –  wenn Tierversuche endlich Vergangenheit sind.

Quelle: tierrechte.de