Umweltkonferenz 1992 in Rio

Severn Suzuki ist die Tochter des berühmten Umweltschützers David Suzuki. Auf der „Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung“ in Rio de Janeiro richtete die damals 12-jährige einen persönlichen Appell an die Erwachsenen : Wenn die Erwachsenen schon nicht wüssten, wie die Umweltprobleme auf diesem Planeten gelöst werden könnten, so die damals 12-jährige, dann sollten sie zumindest damit aufhören, dem Planeten weiter Schaden zuzufügen.

Unglaublich, mit welcher Klarheit und Weitsicht dieses junge Mädchen, Severn Suzuki, unsere Situation bereits 1992 so treffend beschreibt. Hier nochmals ihre eindringlichen Worte in Textform:

Hallo, ich bin Severn Suzuki, und spreche für ECO, die Environmental Children’s Organization (Umwelt Organisation der Kinder). Wir sind eine Gruppe mit vier zwölf- und dreizehnjährigen Kindern aus Kanada, und wir versuchen etwas zu verändern …

Wir haben das ganze Geld selbst aufgebracht, damit wir die 6000 Meilen hierher kommen konnten, um euch Erwachsenen zu sagen, dass ihr eure Wege ändern müsst. Ich spreche heute frei zu euch, ohne einen Zettel mit Stichworten. Ich kämpfe für meine Zukunft. Meine Zukunft zu verlieren ist nicht vergleichbar mit einer verlorenen Wahl, oder einigen verlorenen Punkten an der Aktienbörse. Ich bin hier, um für alle zukünftigen Generationen zu sprechen, die noch kommen werden. Ich bin hier um stellvertretend für die hungernden Kinder in der ganzen Welt zu sprechen, deren Schreie ungehört verhallen. Ich bin hier, um für die unzähligen Tiere zu sprechen, die überall auf diesem Planeten sterben, weil ihnen der Platz zum Leben genommen wurde.

Ich sorge mich wegen des Ozon Lochs, wenn ich nach draußen in die Sonne gehe. Ich bin besorgt, wenn ich die Luft einatme, weil ich nicht weiß, welche Chemikalien darin sind. Ich bin früher mit meinem Vater zum Fischen gegangen, in Vancouver, meiner Heimatstadt, bis wir vor einigen Jahren einen Fisch voller Krebsgeschwüre fanden. Und jetzt hören wir Tag für Tag von Tieren und Pflanzen die aussterben – verschwunden für immer.

In meinem Leben habe ich davon geträumt, die großen Herden wilder Tiere zu sehen, den Dschungel, und Regenwälder voller Vögel und Schmetterlinge, aber jetzt frage ich mich, ob sie noch lange genug existieren werden, damit auch meine Kinder sie sehen können.

Habt ihr euch über diese Dinge Gedanken machen müssen, als ihr in meinem Alter wart? All dieses passiert vor unseren Augen, aber wir handeln als hätten wir alle Zeit der Welt und für alles eine Lösung. Ich bin nur ein Kind, und ich habe alle diese Lösungen nicht, aber ich gebe euch zu bedenken, dass ihr sie auch nicht habt.

Ihr wisst nicht, wie Ihr die Löcher in der Ozonschicht reparieren könnt. Ihr wisst nicht, wie ihr den Lachs in einen toten Fluss zurückholen könnt. Ihr wisst nicht wie ihr ein ausgestorbenes Tier zurück in einen Wald bringen könnt, der einmal dort wuchs, wo jetzt eine Wüste ist.

Wenn ihr nicht wisst, wie ihr das alles reparieren könnt, dann hört bitte damit auf, es zu zerstören. Hier mögt ihr Delegierte eurer Regierungen sein, Geschäftsleute, Veranstalter, Reporter oder Politiker. Aber in Wirklichkeit seid ihr Mütter und Väter, Schwestern und Brüder, Tanten und Onkel. Und jeder von euch ist das Kind von irgendjemandem.

Ich bin nur ein Kind, aber ich weiß, dass wir alle Teil einer großen Familie mit fünf Milliarden Verwandten sind – genaugenommen sind wir Mitglieder einer Familie aus 30 Millionen Arten. Und Grenzen und Regierungen werden an dieser Tatsache nichts ändern können. Ich bin nur ein Kind, aber ich weiß, wir sind alle zusammen darin vereint und sollten als eine einzige Welt ein gemeinsames Ziel anstreben.

Ich bin nicht blind vor Zorn, und trotz meiner Furcht habe ich keine Angst davor, der Welt zu sagen, wie ich fühle. In meinem Land erzeugen wir so viel Müll. Wir kaufen und werfen weg, kaufen und werfen weg. Die reichen Länder werden jedoch nicht mit den Bedürftigen teilen.

Obwohl wir mehr als genug haben, haben wir Angst, etwas von unseren Vermögen zu verlieren, sind zu ängstlich etwas davon abzugeben.

Wir leben in Kanada mit dem Privileg viel zu Essen, Wasser und eine Unterkunft zu haben. Wir haben Uhren, Fahrräder, Computer und Fernseher. Vor zwei Tagen waren wir geschockt, als wir hier in Brasilien einige Zeit mit einigen Straßenkindern verbrachten. Eines dieser Kinder hat zu uns gesagt: “Ich wünschte ich wäre reich. Und wenn ich es wäre, würde ich allen Straßenkindern Essen, Kleidung, Medizin, Unterkunft, Liebe und Zuneigung geben.”

Wenn dieses Straßenkind, das nichts hat, zu teilen bereit ist, warum sind wir, die alles haben, immer noch so gierig? Ich kann nicht aufhören daran zu denken, dass diese Kinder in meinem Alter sind, dass es einen ungeheuerlichen Unterschied macht, wo man geboren ist.

Ich könnte eines dieser Kinder in den Favelas von Rio sein. Ich könnte ein hungerndes Kind in Somalia sein, ein Kriegsopfer im Mittleren Osten, oder ein Bettler in Indien. Ich bin nur ein Kind, aber ich weiß, wenn alles Geld, das für Kriege ausgegeben wird, für die Beendigung der Armut und die Suche nach Lösungen zur Rettung unserer Umwelt ausgegeben werden würde, was für ein wundervoller Platz diese Erde dann sein würde.

In der Schule, wie auch im Kindergarten lehrt ihr uns, wie die Welt zu bewahren ist. Ihr lehrt uns, nicht mit anderen zu kämpfen, für etwas zu arbeiten, andere zu respektieren, Ordnung zu halten, keine anderen Lebewesen zu verletzen, zu teilen, nicht gierig zu sein. Warum geht ihr dann hinaus, und macht das Gegenteil von dem, was ihr uns gelehrt habt?

Vergesst nicht, warum ihr an diesen Konferenzen teilnehmt, für wen ihr das tut – wir sind eure Kinder. Ihr entscheidet, in was für einer Art Welt wir aufwachsen werden. Eltern sollten die Möglichkeit haben ihre Kinder zu trösten, indem sie ihnen sagen können “Alles wird gut.” “Wir tun alles was wir können.”

Aber ich denke nicht, dass ihr das je wieder zu uns sagen könnt. Sind wir überhaupt auf eurer Prioritätenliste? Mein Vater sagt immer: “Du bist das was du tust, nicht das was du sagst.” Was ihr tut, lässt mich nachts weinen. Ihr Erwachsenen sagt, ihr liebt uns. Ich fordere euch auf, bitte, lasst eure Taten eure Worte widerspiegeln.
Danke für eure Aufmerksamkeit.

Advertisements

Peter H. Arras: Tierschützer mit Leib und Seele

Liebe Freunde der Tiere,

Tierschutz ohne Vorurteile – die Aktion Konsequenter Tierschutz (AKT) macht es seit fast 30 Jahren vor!

Tierschutz wird zumeist mit der Hilfe für Hunde und Katzen in Verbindung gebracht. Auch diverse Kleintiere, wie Hamster und Meerschweinchen, werden noch in den Begriff des Tierschutzes mit einbezogen; also die Tiere, die üblicherweise in Tierheimen zu finden sind. Diese stimulieren das emotional gelagerte Mitgefühl der meisten Menschen am ehesten.

Eine große Zahl von Tieren in unserer Gesellschaft, die nicht minder leidensfähig sind, bleiben zumeist unberücksichtigt, wie Wildtiere und Exoten. Diese sind alle als Vertreter wildlebender Arten nicht an den Menschen angepasst und zumeist nicht so putzig wie die üblichen Haustiere, dennoch stellen gerade sie besonders hohe Anforderungen an die Haltung und den fachgerechten Umgang. Die meisten Tierschutzeinrichtungen sind für die Aufnahme solcher Tiere deshalb nicht eingerichtet und stehen den Exoten oftmals überfordert gegenüber.

Aktion Konsequenter Tierschutz – von Peter H. Arras nimmt sich seit 1989 diesen Tieren an (www.akt-mitweltethik.de). Arras ist passionierter Tierschützer von Kindesbeinen an und ausgebildeter Zootierpfleger, er hat eine Tierschutzstation für diese besonders anspruchsvollen Tiere aufgebaut. „Unser Tierbestand, bestehend aus Wasser-, Sumpf-, Erd- und Landschildkröten, zwei Kaimanen, Leguanen, Agamen, Schlangen, aber auch Fischen, Papageien, Kleinsäugern wie Affen, Wickelbär, Kaninchen, Chinchillas, Steinmardern, Füchsen, etliche Tauben, Krähen- und Singvögel, die nicht mehr ausgewildert werden können, einem Pfauenpaar, Hühnern, Katzen, Hunden, Wildschweinen – alle sind Tierschutztiere, also ehemalige Notfälle, zumeist aus schlechten Haltungsbedingungen, wurden aufgefunden oder einfach an uns abgegeben, z.B. weil das Interesse verflogen ist. Insgesamt leben bei uns rund 300 Tiere.“, erzählt Arras. Auch einheimische Wildtiere, die verletzt, krank oder als Jungtiere aufgefunden wurden, gehören dazu.

Arras ist ein Tierschützer mit Leib und Seele. Er hatte damals mit der Gründung seiner Station ein Novum im deutschen Tierschutz geschaffen. Ein enormer Aufwand ist notwendig, um den Schützlingen einen artgemäßen Lebensraum zu bieten. Auf seinem Anwesen in Biedesheim (Pfalz) hat er dazu in den Stockwerken und Räumen verschiedene Klimazonen geschaffen, um eine artgerechte Unterbringung zu gewährleisten. „Die Temperatur der Luft und des Wassers wird elektronisch reguliert. Inzwischen ist dort ein kleiner Urwald gewachsen. Im Erdgeschoß unseres Tierhauses leben bei 15-20 Grad Celsius die nicht so wärmebedürftigen warmblütigen Tiere. In der Tropenhalle darüber, einem ehemaligen Getreidespeicher, bei 25-35 Grad Celsius die tropischen Tiere wie Land- und Wasserschildkröten, Kaimane, Schlangen, Papageien und andere Tiere wie z. B. unsere blinde Wickelbärin Wicky, die ein ausgedientes  Schautier gewesen ist.

Das gesamte Tierhaus verfügt über drei Klimazonen, die durch die Beachtung thermischer Gesetzmäßigkeiten ohne Trennwände möglich wurden. Der geschlossene Innenhof erlaubt es uns, bestimmten Tieren Freigang zu gewähren. Auch im Wohnhaus leben verschiedene Tiere in ihren artspezifischen Anlagen, vor allem die Affen im vorgelagerten Wintergarten, Riesenschlangen und Sumpfschildkröten. Im Dachgeschoss wurde ein Wüstenraum geschaffen für Reptilien, die es besonders warm und trocken brauchen. Dort lebt auch unser Nil-Flughund Mahi. Die Kranken- und Quarantänestation befindet sich im geräumigen Badezimmer. Im Jahre 2014 wurde unweit des Hofes ein Außengelände gekauft, das dem Natur- und Biotopschutz der AKT dient sowie zur Auswilderung einheimischer Tiere. Dort wurde auch eine große Anlage für Wildschweine geschaffen, die als verwaiste Frischlinge bei uns eingeliefert wurden.“ So beschreibt Arras die Begebenheiten seiner Einrichtung.

Hier findest Du Bilder aus der AKT-Tierstation!

Tierschutz erschöpft sich jedoch für ihn nicht durch den Betrieb seiner Tierschutzstation. Von Anbeginn war es das Bestreben des AKT-Gründers, eine Organisation zu schaffen, die so ganzheitlich und integrativ wie möglich den Schutz des tierlichen Lebens betreibt und propagiert. Sein Motiv: „Unsere Handlungsmotivation entspringt hierbei nicht etwa der viel zitierten emotionalen ‚Tierliebe’, sondern es ist der Respekt und die Achtung vor jeder Form von Leben ganz im Sinne des Albert Schweitzer und seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben: ‚Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.’“ Vor diesem Hintergrund kam es bereits 1993 zu der Gründung des Institut für Mitweltethik, das sich auf natur- und geisteswissenschaftlicher Ebene mit den ethischen Grundlagen einer harmonischen Koexistenz der Menschen mit ihrer belebten Mitwelt befasst.

Zuvor, bereits 1990, kam es zur Gründung der AKT-Fachberatungsstelle für Tierschutz und Tierhaltung, die damals die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland war. Die Beratung zu allen Fragen rund um Tiere, wie artgemäße Tierhaltung, Lösungen in Mensch-Tier- Konflikten, Verhütung ungewollten Tierleids in Haus und Garten, stehen dabei im Vordergrund.

Das besondere Anliegen von AKT bestand von jeher darin, dass alle Tiere ohne Ansehen ihrer Art, ihres Aussehens, ihres Verhaltens und der Vorurteile, die Menschen ihnen gegenüber hegen, gleiche Rechte auf Leben, Schutz und artgemäßen Lebensraum zuerkannt werden sollen. Arras wollte hierbei vorangehen und beispielgebend sein, was er auch mit seinen zahlreichen Publikationen und politischen Aktionen, so z. B. für Fische und andere Kiemenatmer, zum Thema Zoohandel/Heimtierhaltung, Haltung von Tieren wildlebender Arten etc. vor allem in den 90er Jahren leistete. Die  Website der AKT ist ein wahrer Kosmos, was Themen, politische Positionen und Bioethik (Mitweltethik) betrifft.

Pro-iure-animalis hat die Station inzwischen mehrere Male besucht und ist beeindruckt von der Leistung des Peter Arras und seinem Mitarbeiters Felix Denig. Mit seiner Wortgewandtheit war es Arras immer wichtig, trotzdem mehr Tat als Rede zu leisten in der Hoffnung, dass seinem Beispiel gefolgt werde. Nicht nur bei seiner tagfüllenden Arbeit in der Station, zieht sich durch sein Denken und Handeln ein roter Faden der Konsequenz zu Tierschutzthemen.

Mit der Station hat AKT als gemeinnützig anerkannte Gesellschaft mbH täglich hohe Kosten. Neben Futtermittel und Materialien zur Ausgestaltung der Lebensräume sowie Tierarztkosten, schlagen vor allem Energiekosten heftig zu Buche. Diese Kosten werden seit Anbeginn aus privaten Mitteln und primär durch Spenden gedeckt. Öffentliche Zuschüsse erhält die AKT ebenso wenig wie Unterstützung von vermögenden Organisationen. AKT leistet mit bescheidensten Mitteln ein Maximum an Tierschutz durch Innovation, persönlichem Engagement und eiserner Sparsamkeit. Durch die öffentliche – leider immer noch präsente Ignoranz – gegenüber jenen Tieren, die AKT überwiegend beherbergt und schützt, steht AKT im Schatten des Spendenmarktes. Das schmale Budget ist der hohe Preis, den Arras und seine Station für ihre konsequente Absage an unterschiedliche Wertzumessungen der Tierwelt gegenüber bezahlt.

Wir von pro-iure-animalis teilen die Überzeugung einer Gleichbehandlung der Tierwelt und starten deshalb diesen Spendenaufruf für die AKT-Tierschutzstation. Wir bitten um Unterstützung für die hervorragende Arbeit von Peter H. Arras. Wichtigstes Ziel ist es, dass Förderer Patenschaften für einzelne Tiere, Tiergruppen oder ganze Tieranlagen übernehmen, um die reibungslose Fortführung des Konzepts zu gewährleisten.

Und eines ist sicher: Jeder Cent kommt den Tieren zugute!

Bitte unterstützen Sie diese Arbeit!

Kontakt: http://www.akt-mitweltethik.de
Email: info@akt-mitweltethik.de   |
Spendenkonto: Hier!

Herzliche Grüße
für pro iure animalis

Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

Nachruf zum Tode von Edgar Guhde

Ce´la vie. Das Leben ist endlich.

Nach Befund Morbus Waldenström begann vor zwei Jahren ein Martyrium aus Krankenhauseinweisungen, Chemotherapie und Phasen der Bezwingungserfolge durch Rehabilitation.  Vor zwei Wochen meldete er die erneute Einweisung aufgrund Metastasenbildung. Eine Woche überlebte er die zweite Chemotherapie. Letztlich wird er mit der Beendigung eines ihm unerträglichem Zustandes der gewachsenen absoluten und unausweichlichen Abhängigkeit von Personen und Methoden, die er lebenslang bekämpfte, den Ärzten und Einrichtungen in der Nähe von Tierversuchen, seinen Frieden gefunden haben. Nach den übermittelten Daten, ist er bis zum letztem Atemzug seiner persönlichen Berufung treu verblieben und hat als letzte Meldung dem Bedauern stattgegeben, dass das Krankenhaus nicht die Voraussetzungen eines Internetanschlusses bieten würde.

Edgar Guhde lebte Tierschutz, der schon früh zu seinem Lebensinhalt wurde. Im Besonderen war er in Tierrechten engagiert und legte als 1. Vorsitzender von PAKTeV die Schwerpunkte auf Schlachten, die religiöse Opferbringung durch Schächtritus, die Haltung der zu Nutztieren deklassierten Opfer der Gesellschaft und die Entwicklung der Alternativen zum Tierversuch, in dessen Rahmen er enge Kontakte zu ZEBET seit dessen Anbeginn unterhielt.

Er delegierte mich zur Zehnjahresfeier ZEBETS und der Teilnahme am Alternativkongresses in der Universität Linz.  Als Politologen war ihm die pragmatische Vorgehensweise bewusst, die das Fundament seiner Beharrlichkeit als unverzagter Vertreter der Sache der Tiere ausmachte. Er setzte einen Schritt vor den anderen und begab sich nicht der Schwäche so vieler Anderer, die mit Ausbleiben konkreter Ergebnisse, aus Resignation die Flucht in die tierschutzrechtliche Bedeutungslosigkeit antraten.

Edgar Guhde war ein Radprofi, der im Jahr sechstausend Kilometer im Sattel und in den Auszeiten der Sommer ganze Bundesländer auf zwei Rädern erkundete. In Berlin Frohnau geboren, verbrachte er ein Jahr wegen Dissertation in DDR Haft und zog beruflich nach Düsseldorf, von wo er fürderhin wirkte.

Bereits in jungen Jahren zum Veganer avanciert, trat er in die ÖDP ein und formulierte zusammen mit der Frau Brunner das Tierschutzprogramm der Partei. Kreuz und quer durchmaß er die Bundesrepublik und hielt unzählige Vorträge über Tierschutz und technische Tierschutzmaßnahmen, in denen er auch nicht versagte, mal vor nur dreien oder vier Interessierten zu referieren.

Nach Eintritt in PAKTeV und Wahl zum 1. Vorsitzendem, richtete er den Verein zum Ansprechpartner für relevante Ministerien auf Landesebenen und Bundesebene aus, erarbeitete zusammen mit Mitgliedern die Agrarpolitischen Leitlinien, führte die Tradition der Arbeitszusammenkunft auf der Grünen Woche ein und erschloß ein ständiges Büro im Umweltzentrum Düsseldorf, das er beständig besetzte und als Arbeitsstätte, als Wirkungsstätte, mit finanzieller Hilfe des Rechtsanwaltes Wolfgang Schindler aus München, der später die Albert Schweizer Stiftung gründete und frühzeitig verstarb.

Unter seiner Regie entwickelte PAKTeV sich zu einem kleinem, aber sehr kompetentem, technischem Ansprechpartner für mit Novellen zu Haltungsverordnungen beschäftigten Ministerien und erwarb sich und damit PAKTeV Professionalität in diesen Belangen. Gleichwohl bereits vor der Bekanntschaft mit Edgar Guhde tierschützerisch tätig, muß ich konzedieren, dass ich Guhde  zu verdanken habe, Tierschutz nicht als temporär empathische Beschäftigung zu verfolgen, sondern als Verpflichtung, gleich bilanzierbarer Erfolge wahrzunehmen begann. So wird es auch anderen ergangen sein.

Neben ministeriellen Anfragen, Bitten um Stellungnahmen und Expertisen, Gutachten, unterhielt er wöchentlich einen Informationsstand in der Düsseldorfer Innenstadt, betrieb mehrere Großverteiler, ersann Kampagnen, schmiedete Bündnisse mit anderen Tierschutzvereinen, betrieb Nachwuchsbildung und pflegte weitreichende Kontakte.

Herausragend war und ist die Erarbeitung des Kleinen Guides, der sich mit dem religiös verbrämtem Schächtritual in Konflikt mit den religiösen Geboten befasst und an alle Tierärzte, wie auch an weitere Adressen verschickt wurde. Nebenbei saß Edgar Guhde in mehreren Kuratorien von Tierschutzstiftungen und verfügte eine Auszeichnung der Arbeit  Helmut Kaplans.

Sein Vermächtnis als Praktiker des Tierrechts ist die Beharrlichkeit, gepaart mit Professionalität und unverwüstlichem Optimismus.
Wir streichen seinen Namen aus unseren Verteilern, nicht aber aus unseren Gedächtnissen.  Und wertschätzen ihn als Verpflichtung.

BWM