Die Krone der Schöpfung

Rebloggt von Tierfreund und Religionskritiker Hubert Wenzl

Wir alle wissen es. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung! Wir wussten es nicht immer, aber spätestens mit dem Auftauchen der Religion haben wir diese Vorstellung gelernt und sie beflügelt uns.

Wenn ich dabei so an die gekrönten Häupter im Laufe der Geschichte denke, hat die Vorstellung, der Mensch sei die Krone der Schöpfung, durchaus seine Berechtigung, denn deren Blutspur zieht sich durch die gesamte bekannte Geschichte, eine Blutspur, aufgebaut auf teilweise sogar unbewusst genutzten Mitteln wie Terror, Gier, Machtmissbrauch und Unterdrückung.

Unbewusst, weil die gekrönten Häupter zumeist aufgrund der erblichen Thronfolge im Bewusstsein absoluter Macht aufwuchsen und stets von einer Horde selbstsüchtiger und sich anbiedernder Schranzen umgeben waren, die dafür sorgten, dass die Befehlskette nach unten stufenweise als Kastensystem, als Adel bezeichnet, funktionierte und jede dieser Stufen streng darauf bedacht war, sich nach unten abzugrenzen und nach oben anzubiedern. Was Volk war, bekamen die Oberen allenfalls mal bei Paraden zu sehen, stets von den Bodyguards der Feudalzeit, den Garden komplett abgeschirmt. Und die Krone war seit jeher das Symbol ihrer Macht und Selbstherrlichkeit.

Doch das spielt im Grunde keine Rolle. Der Mensch ist unzweifelhaft intelligent und ebenso unzweifelhaft bodenlos dumm. Ein Widerspruch? Sicher nicht, denn es ist mehr als eine bloße These, wir bekommen täglich Beweise mannigfaltiger Art dazu geliefert. Ich versuche es mit simplen Beispielen zu verdeutlichen. Der Mensch hat die Intelligenz, Dinge zu planen, zu entwickeln und zu bauen und praktiziert das auf unterschiedlichste Art jeden Tag. Es ist ein Zeichen großer Intelligenz, Häuser, Wolkenkratzer, Straßen, Autos, und vieles mehr zu planen, zu entwerfen und zu verwirklichen.

Er rodet die Wälder, um Platz für Plantagen und Monokulturen zu schaffen und zerstört damit allerdings aus wirtschaftlichen Gründen nicht nur seinen Lebensraum, sondern vor allem den der Mitgeschöpfe, die diesen Planeten bevölkern mit der Folge, dass immer mehr Arten aussterben und die grüne Lunge des Planeten immer stärker reduziert wird. Das sind alles Merkmale von Planungen, die Intelligenz erfordern. Aber ist es auch klug? Ist es klug, alleine dem wirtschaftlichen Nutzen folgend die Natur zuzubetonieren?

Ist es klug, etwas zu entwickeln, obwohl man erkannt hat, dass es schädlich sein wird? Ist es klug, sich viel zu stark zu vermehren, obwohl man längst erkannt hat, dass auch die Ressourcen der Erde endlich sind? Ist es klug, zu wissen, dass diese Erde eigentlich ein geschlossener Organismus ist, in dem jede Art der Flora und Fauna nicht nur einen Platz hat, sondern auch einer oft erst viel zu spät erkannten Aufgabe dient?

Hier noch ein Songtext von Udo Jürgens, der uns sehr deutlich macht, das der Mensch alles andere als die vermeintliche „Krone der Schöpfung“ ist:

Der Mensch hat sich die Erde längst untertan gemacht.

Mit Feuer, Schwert und Bombe hat er sie überwacht.

Was kümmert uns die Zukunft, wir beichten im Gebet:

Verzeih‘ mir meine Habgier, denn mein ist der Planet!“

Wir predigen die Liebe und führen täglich Krieg.

Wir kämpfen nicht für Ziele, nur für den eig’nen Sieg.

Wir sagen nicht mehr „Bitte!“, wir schreien nur „Ich will!“

Die halbe Welt verhungert, die halbe Welt hält still!

Atomexplosion – was heißt das schon?

Feuer einbetonier’n!

Wir haben den Dreck in Meeren versteckt!

Denn was soll schon passier’n?

Wir fragen nicht, wir nehmen, wir leben uns’re Gier!

Denn nach uns kommt die Sintflut, doch erstmal kommen wir!

Wir nennen uns Krone der Schöpfung,

die Helden der Evolution.

Das Meisterwerk im Universum

benimmt sich wie die Inquisition.

Wir tragen die Krone der Schöpfung

eher so wie einen Karnevalshut.

Besoffen vom Größenwahn

fühlt sich die Menschheit – edel und gut und absolut.

Wir haben das Gewissen im Überfluß verlor’n.

Und wenn man uns erinnert, verschließen wir die Ohr’n.

Wir leben ohne Gnade und stoßen uns gesund:

Giganten der Verschwendung mit nimmersattem Schlund.

Wir stehlen unser’n Kindern die Zukunft ihrer Welt.

Warum in Demut leben, die bringt zuwenig Geld!

Wir opfern uns’re Wälder dem Gott aus Stahlbeton

Und jeder baut sein eig’nes privates Babylon!

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