Die Zustände in der deutschen Fleischindustrie: Leid für Tier und Mensch!

Friedrich Mülln im Gespräch mit Dieter Kassel

In deutschen Schlachthöfen häufen sich zunehmende Coronafälle, weshalb die Zustände in der Fleischindustrie nun erneut diskutiert werden. Höchste Zeit, sagt Friedrich Mülln von der SOKO Tierschutz – denn dort liege seit langem so gut wie alles im Argen.

Nach einer Häufung von Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben stehen die Arbeitsbedingungen und die Unterbringung von Arbeitern in Sammelunterkünften in der Kritik. Die Bundesregierung will nun verschärfte Regeln beschließen, um diese Zustände in der deutschen Fleischindustrie zu verbessern. Und wieder einmal sehr typisch für unsere Politiker: Der Fokus ist hierbei weniger auf das Leid und Elend der Schlachttiere, sondern einzig und allein auf die Arbeitsbedingungen der in diesen Schlachtbetrieben beschäftigten Arbeiter ausgerichtet.

Dass sich die Coronafälle in der Fleischindustrie jetzt häufen, ist für Friedrich Mülln, Vorstandsmitglied des Vereins SOKO Tierschutz, keine Überraschung. Die Einhaltung von Abstandsregeln sei dort genauso wenig möglich wie bei „fünf Leuten in einer Telefonzelle“, sagt Mülln. Die Arbeiter stünden an den Schlachtbändern eng an eng, müssten Tiere teils mit Gewalt gemeinsam voranzwingen. „Das geht nicht mit Abstand.“

Hinzu komme, dass die Arbeitskräfte „in Minibussen zusammengestopft“ zu ihren billigen Unterkünften gebracht würden. Dort herrschten ebenfalls Bedingungen „unter aller Würde“. Von daher brauche man sich nicht wundern, wenn sich Viren verbreiteten.

Das Leid der Menschen bekämen auch die Tiere zu spüren, so Mülln weiter. In den Schlachthöfen herrsche ein Klima von Stress und Gewalt:

Das ist völlig klar, die Leute stehen unter Stress, sie werden schlecht bezahlt – sie werden schlecht ‚gehalten‘, kann man schon fast sagen – und ausgebeutet. Es herrscht ein extremer Konkurrenzdrang, der wird von den Vorarbeitern geschürt, die Tiere müssen noch schneller in den Tod gebracht werden – und das führt natürlich dazu, dass die Leute ihre Wut und ihren Frust an den Tieren auslassen.“

Hier bitte das mit ihm geführte Interview auf Deutschlandfunk Kultur anhören …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.