Philosoph Bernd Ladwig über Tierethik: Politische Rechte auch für Tiere

Tiere leiden und sterben millionenfach für unsere Zwecke. Moralisch sei das kaum zu rechtfertigen, meint der Philosoph Bernd Ladwig. Er fordert, die Interessen von Tieren zu achten – nach dem Vorbild von Menschenrechten.

Tag für Tag lassen Tiere ihr Leben, damit Menschen ihr Fleisch genießen können. Medizin, Biologie und Industrie setzen Versuchstiere ein, und die verschiedensten Dinge des Alltags, von Kleidung oder Klebestreifen bis zum Tapetenkleister, enthalten tierische Produkte. „Ohne die vielen offenen aber auch verdeckten Beiträge von Tieren“ sei unsere heutige Lebensweise „nicht zu denken“, sagt Bernd Ladwig, Professor für politische Theorie und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Dabei sieht er in der Lebensmittelindustrie besonders eklatante Missstände:

Die gesamte heutige Fleisch-, Milch- und Eier-Produktion, wie sie in großem kommerziellen Maßstab betrieben wird, ist nur um den Preis der Missachtung tierischer Grundbedürfnisse und der vorzeitigen Tötung der Tiere zu haben. Sie würde sich einfach sonst nicht rentieren.“

Misshandlung von Tieren hat System und allein das wäre Grund genug, unseren Umgang mit Tieren radikal zu überdenken, so Ladwig. In seinem Buch „Politische Philosophie der Tierrechte“ stellt er sehr grundsätzliche Überlegungen dazu an, welche Rechte wir Tieren zusprechen sollten, die wir halten und nutzen, und welche Pflichten Menschen daraus erwachsen. „Tierrechte sind schon deshalb ein Thema für die politische Philosophie“, schreibt Ladwig, „weil das Unrecht, das wir Tieren heute antun und für das sich unsere Nachfahren einmal schämen werden, zur Grundordnung unserer Gesellschaften gehört.“

Tatsächlich ist unser Umgang mit Tieren höchst widersprüchlich und oft weit entfernt von klaren ethischen Prinzipen. Mit Hunden und Katzen leben viele Menschen im selben Haushalt und errichten Grabsteine für ihre verstorbenen Gefährten. Schweine, die nicht weniger intelligent und sozial veranlagt sind, werden massenindustriell gehalten, geschlachtet und gegessen. „Wir schwanken offenbar in der Behandlung und Betrachtung von Tieren zwischen sentimentalen Einstellungen und rücksichtsloser Instrumentalisierung“, sagt Bernd Ladwig.

In seinem Buch entwickelt er einen Ansatz zur philosophischen Begründung von Tierrechten. Dabei stehen Haus- und Nutztiere im Mittelpunkt, die unmittelbarer als Wildtiere in „von uns verantwortete Herrschaftsordnungen“ einbezogen seien, so Ladwig. Für sie tragen wir aus seiner Sicht eine besondere Verantwortung und sollten ihnen sogar einige der Rechte zuerkennen, die zu den allgemeinen Menschenrechten gehören.

Bernd Ladwig im Gespräch mit Stephanie Rohde auf Deutschlandfunk Kultur

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