Dr. Gunter Bleibohm: Klarstellungen aus der Gegensicht

D e r  N a c h b a r

Wie kann man seinen Nachbarn noch freundlich grüßen, mit ihm plaudern und lachen, wenn man andererseits weiß, dass er ein gewohnheitsmäßiger Fleischesser ist und für diese vermeintliche Lust ohne geringste Empathie und Nachdenken die Tiere von der benachbarten Weide ermorden lässt, die Tiere, die wir täglich sehen, deren Blicken wir täglich begegnen?

Verstellung wird zur Notwendigkeit, Heuchelei zur Regel, Lüge zur Gewohnheit. Für ein Quäntchen eigenen Friedens im Ozean der Erkenntnis, dass es nahezu aussichtslos ist, menschliches Verhalten durch Vernunft zu ändern, gießt man Schande über Redlichkeit und Aufrichtigkeit. „Niemand pfeift gegen den Ozean an“ formuliert es Kurt Tucholsky. Der Ozean übertönt mit seinem Brüllen immer das Lied der Vernunft und die Melodie des Geistes.

A n m e r k u n g

Eine Wertung historischer Personen muss immer aus Gründen der Redlichkeit und aus dem Streben nach unverbogener Erkenntnis aus der jeweiligen Zeit heraus erfolgen und darf niemals mit Wissen belastet werden, dass der damalige Verfasser nicht hatte, nicht haben konnte, will man sich nicht der Geschichtsfälschung schuldig machen. Quellen aus der Geschichte sind das Fundament, auf dem unser Denken beruht und aus denen es sich entwickelt hat. Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass diese Quellen uns heute nichts mehr zu sagen haben. Wir müssen, wenn wir einen Weg gehen, wissen, woher wir kommen, wie wir zu unserem heutigen Erkenntnisstand gelangt sind und wohin wir wollen. Je besser die Information, je präziser die Wegbeschreibung. Nur dem unmündigen Menschen muss ein Weg vorgegeben werden, der Mündige bildet sich seine Weltsicht selbst.

Für den Historiker und erst recht für den Philosophen kann es bei der Betrachtung historischer Personen nur den wissenschaftlichen Blickwinkel geben, nämlich das Bemühen, historische Zusammenhänge, geschichtliche Quellen und Funde nach bestem Wissen und Gewissen wertfrei darzustellen. Wertungen im Nachhinein sind immer Ausfluss einer persönlichen Meinung und haben beim Quellenstudium keinen Platz.

Es ist ein brandgefährlicher Weg, wenn man Aussagen geschichtlicher Personen nach Belieben und eigenem Gusto filtert. Denn wer definiert den Maßstab? Jeder selbst, der Zeitgeist? Der Weg zur politischen Zensur ist dann nicht fern, genormtes Denken die Folge.

Gefährlicher aber ist das Filtern von Fakten für das Individuum persönlich. Durch Denkbeschränkungen beraubt man sich selbst der Möglichkeit, zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen, seine Meinung zu prüfen, zu hinterfragen und zu erweitern. Denkbeschränkungen sind eine geistige Fessel, welche die eigene Freiheit beschränkt. Freiheit im Denken, Freiheit in der Erkenntnis ist aber das höchste Gut, das ein philosophisch-wissenschaftlicher Mensch anstreben kann.

B i s s i g

Die vielgepriesene Altersmilde hat sich bei mir nicht eingestellt; sie hat bisher einen großen Bogen um mich herum gemacht. Dafür hat sich aber eine rasierklingenscharfe Altersbissigkeit eingenistet. Dieser Wesenszug gefällt mir weitaus besser, entspricht er doch meinem Charakter.

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