Rede der Bundesministerin Julia Klöckner in Peking

Rede der Tierqual-Ministerin Klöckner zum Thema Kooperation bei der Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft und bei einer umweltgerechten nachhaltigen Tierhaltung am 14. Juni 2019 in Peking:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, heute hier zu sein, in der siebtgrößten Stadt der Welt, um mit Ihnen über Landwirtschaft zu sprechen. Warum sage ich das? Weil wir hier, im urbanen Umfeld, das Thema Landwirtschaft noch einmal aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachten können. Weil uns hier, im städtischen Umfeld, bewusst wird, was unsere Landwirtschaft leisten muss – vor welchen großen Aufgaben die ländlichen Räume stehen. Und wie wichtig es ist, dass es uns gelingt, nachhaltig zu wirtschaften.

Deshalb bedanke ich mich für die Einladung. Und grüße Sie alle sehr herzlich im Namen der deutschen Bundesregierung.

Für uns ist China gerade im Bereich der Land- und Ernährungswirtschaft ein wirtschaftlich und politisch wichtiger Partner. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir mit dem Deutsch-Chinesischen Agrarzentrum seit 2015 eine Institution haben, die die bilaterale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China im Agrar- und Ernährungssektor maßgeblich mitgestaltet, fördert und voranbringt. Aufgabe dieses Zentrums ist, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis zusammenzubringen. Dies ist Ihnen heute sehr gut gelungen! Herzlichen Glückwunsch dazu!

Sie haben für diese Konferenz zwei Themen gewählt, die auch mir sehr am Herzen liegen: Die Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft und einer umweltgerechten Tierhaltung. Unser Ziel ist, dass Deutschland Vorreiter wird. Vorreiter bei der Nutztierhaltung, beim Tierwohl. Und Vorreiter bei einem für die Zukunft gut aufgestellten Ackerbau.

Mit der Nutztierstrategie möchten wir unsere Tierhaltung zukunftsfähig machen. Wir wollen, dass sie eine breite Zustimmung in der Gesellschaft findet und ökonomisch gut aufgestellt ist. Deshalb nimmt die Strategie – neben dem Tierwohl – Umwelt- und Klimaschutz genauso in den Blick wie Fragen der Wirtschaftlichkeit.

Im Moment sind wir dabei mitten in einem spannenden Prozess. Wir testen, wie neue Ställe aussehen könnten. Erst vor gut zwei Wochen habe ich in Berlin die Ergebnisse eines von meinem Ministerium geförderten Forschungsvorhaben zum Stall der Zukunft der Öffentlichkeit vorgestellt. In diesem Vorhaben wurden Ideen für eine zukunftsfähige Schweinehaltung von Wissenschaftlern, Stallbauplanern, Landwirten und Verbrauchern erarbeitet.

Teil des Prozesses ist auch das staatliche Tierwohlkennzeichen, das es für unsere Verbraucher einfacher machen soll, bewusst nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen. Einfach, indem wir an der Ladenkasse mit unserem Geldschein entscheiden, wieviel uns das Tierwohl wert ist. Und wir müssen in dieser Strategie Antworten finden auf Zielkonflikte, zum Beispiel dem zwischen Tierwohl und Klimaschutz. Denn wenn wir Tiere mehr im Freien halten, dann muss uns klar sein, dass es schwieriger wird, Emissionen aus der Luft zu filtern.

Wie bei der Nutztierstrategie haben wir es auch beim Ackerbau mit einem Zielkonflikt zu tun: Zwischen intensiver Produktion und dem Schutz der natürlichen Ressourcen und der Biodiversität. Wir entwickeln in Deutschland derzeit eine Strategie, die den Ackerbau gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig und nachhaltig machen soll. Die Strategie orientiert sich an zentralen Leitlinien. Dazu gehört neben der ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln auch der Schutz der natürlichen Ressourcen (Boden, Wasser, Luft), der Erhalt und die Förderung der Biodiversität in der Agrarlandschaft, der Klimaschutz und die Anpassung des Ackerbaus an den Klimawandel, die Sicherung des Einkommens der Landwirte, sowie die gesellschaftliche Akzeptanz. Ich werde die Ackerbaustrategie im Herbst dieses Jahres der deutschen Öffentlichkeit präsentieren. Ich würde mich aber freuen, wenn die Leitlinien, die wir dort definiert haben, auch in anderen Ländern als Grundanforderungen im Ackerbau betrachtet würden.

Ich finde das Motto Ihrer Paneldiskussion heute Mittag sehr passend: „Wer lernt was von wem?“ Diese Frage zeigt, worum es hier heute geht und worum es gehen sollte: darum, aus den Erfahrungen anderer Länder zu lernen und die eigenen Erfahrungen zu teilen, und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten! Denn wir können dem Klimawandel nicht alleine entgegenwirken und seinen Folgen nicht allein begegnen, sondern nur gemeinsam, in einer internationalen Allianz.

Diese Konferenz sehe ich als Teil einer solchen Allianz, in der Erfahrungen ausgetauscht und Wissen für die Entscheidungen von morgen generiert wird. Daher wünsche ich Ihnen nun viel Erfolg! Vielen Dank!

Klarstellungen aus der Gegensicht

Marc Aurel schreibt in seinem neunten Buch der „Selbstbetrachtungen“ folgenden fundamentalen Satz. „Eindringlich ist auch jene Regel, die man gibt, um jemand zur Zufriedenheit mit dem Lose der Sterblichkeit zu stimmen: einmal, sieh dir die Dinge genau an, von denen du dich trennen musst, und dann in ethischer Beziehung, welch ein Elend, womit du einst nicht mehr verflochten sein wirst.“

Das Elendsgeflecht des Seins, seine Unerträglichkeit – sobald die generelle Absurdität und Sinnlosigkeit des Lebens als Erkenntnis im Bewusstsein verankert ist – die Bösartigkeit des täglichen Weltgeschehens, all das kondensiert im Kopf zu einem stetigen Gifttropfen, der die Lebenskräfte lähmt und zum Leben fast unfähig macht.

Der vernichtende Biss der Lebensschlange paralysiert sein Menschenopfer und lässt es trotzdem in sadistischster Art und Weise die Unausweichlichkeit kommender Vernichtung in allen Facetten erleben. Es sind diese vier diabolische Säulen, zwischen denen das Schicksal sein Menschenfänger-Netz über der ontologischen Fallgrube gespannt hat.

Ungebremstes Bevölkerungswachstum weltweit, begleitet von einer zunehmenden Verblödung und geistigen Leere der Massen.

Irreversible Zerstörung der Natur, progredientes Artensterben und hemmungslose Ausbeutung des Planeten, begleitet von einem exorbitanten Tierelend.

Zersetzung und Beschädigung des eigenen Körpers, begleitet von einem Geist, der die eigene Auflösung täglich bis zum endgültigen Untergang konstatieren muss.

Ausweglosigkeit und Sinnlosigkeit jeglichen Lebens, begleitet von der Erkenntnis seiner Entbehrlichkeit, von der Nichtigkeit des Seins schlechthin.

Fast alle Menschen sind unfähig, gedanklich über ihre Artengrenze zu springen und sie weigern sich deshalb, den Versuch zu wagen, der Tierwelt mit ihren unterschiedlichsten Lebensformen eigenständige Empfindungs- und Gedankenwelten zuzubilligen. Hieraus, aus dieser inneren Blockade, resultiert ihre fehlende Empathie gegenüber der Tierwelt. Diese mentale Blockade ist der Urquell des globalen Gemetzels unter den Tieren, der Ursprung von Tierausbeutung und Vernichtung.

Die Einschränkung der bürgerlichen Freiheitsrechte scheint umgekehrt proportional zum Anwachsen der Massen zu verlaufen. Eine Verdoppelung der Bevölkerung würde mit einer Halbierung ihrer individuellen Freiheitsgrade einher gehen. Mir erscheint diese Hypothese sehr realistisch.

Mit Waffen und vorsätzlich

Von Daniela Böhm

Schreie.Wie die von Kindern, wenn sie vollkommen außer sich sind. Am Himmel tobt ein Unwetter. Es donnert und Blitze schießen durch die hereinbrechende Nacht. Sie fürchten sich zu Tode. Nicht vor dem Gewitter. Sie fürchten sich vor dem Tod.Vor dem Grauen und dem Geruch voller Qual derer, die den Weg vorangingen.

Ihre Schreie sind markerschütternd. Diese Stadt beginnt zu schlafen, tief senkt sich die Nacht herab. Und mit der Dunkelheit beginnt das Morden – mitten in der Stadt. Die Menschen nennen es Töten, denn morden tun sie nur ihresgleichen. Mit Waffen und vorsätzlich – das ist Mord.

Doch wo ist der Unterschied zwischen dem, was hier geschieht oder anderswo? Beides geschieht vorsätzlich und mit Waffen, die für den Tod erschaffen wurden.

Bis in die frühen Morgenstunden passieren schaukelnde Gefängnisse die Einfahrt des Münchner Schlachthofes. Bis in die späten Morgenstunden dauert das Morden. Hinter einer Mauer, dort, wo das Grauen geschieht, hört man ihre Schreie noch bei Sonnenaufgang.

Sie wechseln sich ab mit dem Geräusch der Kreissäge, das der Wind ganz deutlich über diese Mauern aus braunen Ziegelsteinen trägt. Als Bündel voller Angst sind sie in den Schlachthof gekommen, als bleiche, schlaffe Bündel, schaukelnd und in zwei Hälften zerteilt, an einem Haken hängend, verlassen sie diesen Ort des Grauens.

Das Unfassbare, das Schreckliche, für immer eingefangen in ihren leblosen Augen, für immer eingebrannt in ihr Fleisch. Manche Schweine mussten ihren Tod bei vollem Bewusstsein erleben. Ihre kindlichen Schreie haben das Herz ihrer Henker nicht erbarmt.

Der heranbrechende Morgen wird von einem heißen Sommertag verdrängt. Die ersten Transporter mit den Rindern sind schon eingefahren. Gestank der Angst, dunkler Kot, der über silbernes Metall rinnt und sich festklebt.

Schräg gegenüber sind die großen Waschanlagen, dort werden die Spuren der Angst beseitigt. Noch lange bevor der Kopfschlächter zum Stich ansetzt.

In den Treibgassen stehen sie. Und später dann, ab Mittag, in der sengenden Hitze, wartend auf ihren Tod in den fahrbaren Gefängnissen, bevor sie entladen werden. Hilflos – ihre Blicke sind so unendlich hilflos.

Doch selbst jetzt spiegelt sich auch die Sanftmut in ihren Augen. Sie stehen in scheinbar endlosen Reihen, eines nach dem anderen. Oft müssen sie lange warten. Es muss schrecklich sein, auf den Tod zu warten. Dafür gibt es keine Worte.

Auch sie spüren das Grauen. Sie rufen so verzweifelt, immer und immer wieder. Auch ihre Hilfeschreie trägt der Wind über die Mauern aus braunen Ziegelsteinen, weit in die Stadt hinein, bis sie nur noch ein Flüstern sind.

Die Menschen hören beides nicht – nicht das Flüstern und nicht die Rufe voller Angst. Ihre Ohren sind taub und ihre Herzen blind. Ich sehe ein Rind, das in der Treibgasse ganz vorne steht, genau vor dem Eingang des Todes.

Es bewegt seinen Kopf ganz leicht nach links, in einer Geste vollkommener Hilflosigkeit. Als würde es ein letztes Mal auf das Leben schauen, das es jetzt für immer hinter sich lässt. Es gibt keinen Ausweg.

Hinter ihm stehen seine Artgenossen und irgendwo hinter ihnen ist eine Eisenstange, die jegliche Flucht unmöglich macht.

Jeder kann dieses Grauen, das Tag für Tag, Stunde um Stunde, Minute für Minute und in jeder einzelnen Sekunde auf dieser Erde geschieht, verhindern.

Jeder, der weiter Tiere isst, trägt Verantwortung für diese Tragödie. Es ist eine der größten Tragödien in der Weltgeschichte. Doch kein Schulbuch berichtet davon und keine Armee rückt zur Befreiung der Tiere an.

Es sind ja nur Tiere … Tiere tötet man … Ermordet wird nur der Mensch …