100 Gramm Schweinefleischspieß = 79 Cent?

Eine Kolumne von Mely Kiyak

Die Idee und der Name Fleischsteuer kommt vom Deutschen Tierschutzbund, klingt null bombastisch und ist es auch nicht. Die agrarpolitischen Sprecher von SPD und Grünen sind trotzdem spontan begeistert. Selbst die CDU will mit sich reden lassen. Bei so einer Einigung wird man natürlich sofort misstrauisch.

Das Konzept ist schnell zusammengefasst. Die ermäßigte Mehrwertsteuer auf Fleisch soll erhöht werden. Die zusätzlichen Einnahmen sollen für „mehr Tierwohl“ ausgegeben werden. Demnach könnte billiges Hackfleisch, billige Suppenknochen und billiges Allesandere vom Tier künftig nicht mehr mit sieben, sondern 19 Prozent besteuert werden. Rasch im Kopf überschlagen bedeutet das, dass der Kilopreis für Fleisch von dingsbums Cent auf dingsbumseinhalb Cent steigt, so ungefähr muss man sich die „Verteuerung“ vorstellen. Fleisch ist in Deutschland nämlich so billig, dass man den Preis verdoppeln und verdreifachen könnte und wäre immer noch erst bei soundsovielbrokkoli Cent angekommen. Bei Aldi Nord kosten 100 Gramm Schweinefleischspieße gerade 79 Cent und 100 Gramm Nackensteak 49 Cent. Für die gleiche Menge Blattsalat muss man mehr als einen Euro bezahlen.

Wieso die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch eigentlich Fleischsteuer heißt, versteht man nicht. Denn es gibt bereits eine „Fleischsteuer“, sie nennt sich Agrarsubvention. Die Allgemeinheit, beziehungsweise die deutschen Steuerzahler haben das Tier, seine Haltungskosten, seinen Stall, sein Futter, seine Medikamente, den Boden, das Wasser, undsoweiter bereits hundertmal bezuschusst, weshalb es so wenig kostet.

Die Fleischherstellung ist derart lukrativ und billig, dass man problemlos mehr davon produziert als ein normalhungriger Europäer essen kann. Deshalb wird auch noch halb Afrika mit agrarsubventioniertem, europäischem Billigfleisch geflutet und die dortigen lokalen Agrarstrukturen nachhaltig zerstört. Der Schalke-Manager und Fleischfabrikant Clemens Tönnies beispielsweise, über den in den letzten Tagen so viel geredet wurde, exportiert 52 Prozent seiner Fleischprodukte nach Afrika.

Nochmals kurz zusammengefasst. Der deutsche Steuerzahler subventioniert die Fleischindustrie, die Umweltschäden, die Beseitigung der Umweltschäden und das Elend in Afrika. Jetzt also noch weitere zwölf Prozent mehr Umsatzsteuer. Geschenkt, oder?

Das wirklich Verstörende aber ist, dass der Deutsche Tierschutzbund von diesen zwölf Prozent mehr Umsatzsteuer die Stallbedingungen der Tiere verbessern will. Was sind denn bessere Stallbedingungen? Mehr Stehfläche, mehr Luft, mehr Licht, weniger Medikamente, weniger Tierschmerzen, weniger Skrupel, weniger Geldgier? Wenn das Tierwohl einer Regierung, einer Partei oder einer Tierschutzorganisation wirklich am Herzen liegt, dann gibt es keinen anderen Weg, als die Massentierhaltung komplett und konsequent zu verbieten. Nur das ist nachhaltig und nichts anderes. Die Konzerne, die natürlich keine Landwirte sind, sondern Industrieanlagenbesitzer für „Fleischproduktion“, das Wort sagt es ja selbst, würden dann nach Lösungen suchen, Tiere besser zu halten. Das erzeugt automatisch höhere Kosten und würde sich auf den Preis auswirken. Die Konsumenten würden dann nicht mehr den subventionierten Preis ihrer Nackensteaks bezahlen, sondern den tatsächlichen Wert.

Diese Art der Landwirtschaft würde etliche Maßnahmen nach sich ziehen. Weniger Tierhaltung bedeutet weniger benötigte Ackerflächen, die länger ruhen und sich erholen können. Bedeutet weniger Wasserverbrauch, weniger Pestizidbelastung der Acker- und Weideflächen, weniger Monobewirtschaftung. Mehr Grund und Boden kann für den Wohnungsbau, für Erholung oder anderes genutzt werden. Von den Krankheiten der Menschen, die in diesen Betrieben arbeiten, einmal ganz abgesehen. Die ganze Tierindustrie, man kann es drehen und wenden, wie man will, ist mit all ihren ökologischen, wirtschaftlichen und ethischen Aspekten an dem denkbar niedrigsten Punkt angekommen, an dem man ankommen kann.

Diese Industrie hat sich mit großzügigsten finanziellen Mitteln der Steuerzahler eigenständig dort hinmanövriert, wo sie jetzt ist. Jetzt soll der Steuerzahler mit einem erhöhten Mehrwertsteuersatz den Betrieben schon wieder helfen. Dieses Mal geht es darum, dass sie sich ethisch verhalten und ihre desaströse Moral gegenüber den Tieren monetär weich gepolstert in homöopathischen Dosen verändern sollen. Ist das hier Montessori oder was? Diese Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten derart viel Geld verdient, sie sollte ihre Betriebe nicht nur auf eigene Kosten umbauen, sondern auch für entstandene Umweltschäden zahlen. Fleisch ist so obszön billig. Statt 35 Kilo Schwein und 10 Kilo Geflügel und noch mal soviel Rindfleisch pro Jahr zu verbrauchen, müsste der deutsche Durchschnittsesser halt hier und da seinen Konsum um ein paar Kilo reduzieren.

Quelle: zeit.de

Wieviele Tiere müssten weniger sterben, wenn …..

Fazit: Jeder kann alleine durch sein Ess-Verhalten Tiere retten, Tierquälerei vermeiden und die Umwelt schützen…