Ein Leben für den Menschenbauch

Von Daniela Böhm anlässlich einer Mahnwache am Schlachthof in Buchloe am 30.06.2017

Rebloggt von hubwen.wordpress.com

Ein vermeidbarer Tod

Ein letztes Mal ist der Wind in spielerischem Tanz über dein Fell gestrichen.

An einem vergessenen Ort, jenseits einer lachenden Welt, die das Leben feiert und deinen Tod verdrängt.

Doch der Wind trägt dein angsterfülltes Rufen über einen Stacheldrahtzaun, der eine willkürlich schmerzvolle Linie zwischen Leben und Tod zieht.

Und später wird er der Bote sein, der dein Ende verkündet – mit dem Geruch der Todesangst und deines zerfallenden Körpers.

Was hast du gefühlt, als du dort gestanden bist, während das Sonnenlicht ein letztes Mal auf dein dürftig gelebtes Leben fiel?

Und als es schwand, während du barsch einer ungewissen Dunkelheit entgegen getrieben wurdest?

Dieses Leben, das dir vom Menschen als Bürde auferlegt wurde, um unter seiner Herrschaft dein Dasein zu fristen.

Was bedeutete dein letzter Ruf?

Oder dein Schweigen, als das wissende Entsetzen von jeder Faser deines Körpers Besitz ergriff?

Ich kann nur ahnend fühlen, was mir unfassbar erscheint.

Dein vermeidbarer Tod, vollstreckt durch Menschenhand – dein Band des Lebens für immer zerrissen in einem Flügelschlag der Zeit.

Später sehe ich dich aus der Ferne ein letztes Mal.

Nicht wollend, nicht wissend und schmerzhaft zufällig.

Kopfüber, hängend, noch ganz, eingehüllt in dein braungeflecktes Fell – doch dein Lebensatem gänzlich entschwunden.

Mit deinen geschlossenen Augen siehst du aus, als würdest du friedlich schlafen.

Doch ich weiß, es ist nur hohler Schein, verzerrt im Kaleidoskop der Distanz.

Das unaussprechliche Grauen deiner letzen Augenblicke bleibt trauervoll verborgen unter deinen Lidern.

Dieser Moment, als du nicht mehr ahntest, sondern wusstest, weil der Bruder vor dir leblos zusammensank.

Ich trage dieses letzte Bild von dir in meinem Herzen.

Deine Schönheit und deine Sanftmut.

Dein Leid und deine Trauer.

Deine Verzweiflung und deine Ergebenheit.

Dein Leben und deinen Tod.

(Daniela Böhm)

Ein Kommentar zu “Ein Leben für den Menschenbauch

  1. Wie unendlich traurig. So einfühlsame Worte für ein leidvolles, kurzes Leben.
    Ich kann es immer nur wieder sagen: Ich bin sehr, sehr froh, vegan zu leben.

    Gefällt 1 Person

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