Wort zum Sonntag

A u f e r s t e h u n g :

Fast zweitausend Jahre lehrte die Kirche die Auferstehung des Fleisches, eine Lehre, die dem Gläubigen verhieß, zu einem unbestimmten Zeitpunkt nach seinem Tod wieder auferweckt zu werden, das Grab zu verlassen, um dann körperlich weiterexistieren zu können. Ein Glaube übrigens, der auch schon in vergangenen Jahrhunderten eine konsequente Verleugnung der Vernunft bedeutete.

Im 5. Jahrhundert hatte Kirchenlehrer Augustinus eine konkrete Vorstellung von der Auferstehung des Fleisches und den Leibern im Jenseits entwickelt. „Wir dürfen keineswegs glauben, es seien bloße Geister, vielmehr sind es Leiber mit stofflichem Fleisch“. (Civ. Dei XIII. 22-23)

Die Vorstellung des Augustinus von der materiellen Auferstehung des Fleisches hat sich durch das ganze Mittelalter gezogen. Die Kirchenversammlung von Toledo (675 n. Chr.) erklärte: „Dieser Leib, in dem wir leben, wird auferstehen“.

Papst Leo IX (1053) spricht später von einer wahren Auferstehung „desselben Fleisches, welches ich jetzt trage“ und das Lateran-konzil (1215) von „denselben Leibern, die wir jetzt haben“.

Seit dem Vaticanum II (1962-1965) war dann aber das genaue Gegenteil von dem zu lesen, was Kirchenväter, Päpste und Konzilien bisher behauptet hatten. So heißt es in ‚Herders theologisches Taschenlexikon’: „So oft das Neue Testament von der Auferstehung spricht, redet es von der ‚Auferstehung der Toten‘, nie der des Fleisches …“

Auslöser dieser radikalen Kehrtwendung waren bohrend-süffisante Fragen der nicht vom Glauben infizierten kritischen Denker, welche die „Auferstehung des Fleisches“ einer genaueren Prüfung und Analyse unterzogen. Hinzu kam selbst für die Kirche die Unmöglichkeit, dauerhaft Absurditäten in der Neuzeit aufrecht halten zu können.

Die erste Frage lautete, in welchem Alter steht der gestorbene Mensch auf? Im Alter seines Todes, seiner Geburt, in einem Alter dazwischen?

Im Mittelalter war man der Ansicht, dass ein Lebensalter von rund 30 Jahren ideal wäre. Steht der Mensch allerdings im Alter seines Todes wieder auf, so war in dieser neuen Welt überwiegend nur mit Gebrechlichen zu rechnen, ergänzt allerdings durch die jung Verstorbenen wie Verkehrs- und Kriegsopfer, verhungerte Kinder, Ermordete, Verbrannte, Verschüttete, Ertrunkene.

Die zweite Frage war dann sofort die, wie die Körper aussehen werden, wenn sie auferstehen. Werden die Verkrüppelten, die von Krankheit entstellten, in ihren zerstörten Körpern weiterexistieren oder einen makellosen Leib erhalten?

Die dritte Frage aber, wie die Körper am Auferstehungstag wieder zusammengesetzt werden, ergab ein nicht ganz unerhebliches Problem bei der Rekonstruktion des Menschen. Wie hat man sich das wohl vorzustellen bei einem Körper, der beispielsweise im Atomsturm von Nagasaki verglüht ist?

Unberührt von diesen Fragestellungen blieb, wo die „Seelen“ bis zur Auferstehung zwischengelagert werden, wo und wie nach vielen tausend Jahren und milliardenfachem Menschentod das Mengenproblem der „Auferstandenen“ gelöst wird. Der katholische Katechismus liefert zumindest für den ersten Teil der Frage spekulative Erklärungsversuche, schweigt allerdings zu dem tiefergehenden Problem des Auferstehungsortes.

So weiß der katholische Katechismus von Papst Benedikt XII., der in einem Lehrentscheid von 1336 feierlich erklärt, dass die Seelen der Heiligen sofort nach ihrem Tod, jedoch die Seelen derjenigen, die noch der Reinigung bedürfen, erst nach ihrer Reinigung in den Himmel eingehen.

Es ist für Außenstehende schon beeindruckend, was ein Papst für tiefe Erkenntnisse hat, aber „Jesus sagte: Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen sie beide hinunter in eine Grube“ (Thomasevangelium, 34)!

Aber warum überhaupt Auferstehung, warum überhaupt ewiges Leben? Wozu? Wofür? Nur um den Priestern Arbeit und Brot zu sichern? Um die metaphysischen Bedürfnisse des Pöbels zu befriedigen? Um Bedeutungslosigkeit des Menschen auf ewig zu manifestieren? Und wenn Auferstehung, warum nur der Mensch und das Tier nicht, obwohl ebenfalls angeblich ein Geschöpf Gottes?

Schopenhauer sprach von der unendlichen Variation der immer gleichen Belanglosigkeit. Da der Alltagsmensch beim kritischen Denker schnell nervöse Ermattung hervorruft, ist es eine bösartige Drohung des Christentums für Klarsichtige, die „Ewigkeit“ in solcher Gesellschaft verbringen zu müssen.

Lieber im Nichts nicht mehr sein, als im Jenseits mit der Masse. Dieser Wunsch hat keine Alternative.

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