Die Wahrheit über Osterhasen

Von Animal Equality

Im Gegensatz zur Erzählung vom Osterhasen ähnelt die Realität für viele Tiere aus der Familie der Hasen eher einer Horror-Geschichte. Täglich leiden z. B. Millionen Kaninchen in der Massentierhaltung unter den grausamsten Bedingungen. Doch was macht Kaninchen eigentlich aus?

Bauprojekte für ganze Generationen

Kaninchen leben in komplexen Sozialstrukturen und sind äußerst gesellige Tiere. In der freien Wildbahn legen sie – genauer gesagt die Weibchen – für ihre Kolonie unterirdische Baue an. Diese können bis zu 150 Röhren und 110 Kammern umfassen und werden oft über Generationen hinweg gestaltet. Diese besondere Fähigkeit zur Lebensraumgestaltung wird in der Tierindustrie komplett unterdrückt. Dort leben die Tiere eingeengt ohne jegliche Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten.

Zähneknirschen aus Zufriedenheit

Das Schnurren von Katzen deutet auf Zufriedenheit hin. Kaninchen haben eine ganz ähnliche Angewohnheit: Knirschen Kaninchen mit den Zähnen, kann es z. B. bedeutet, dass sie zufrieden sind. Auch Luftsprünge und Hakenschlagen sind Zeichen des Wohlbefindens bei Kaninchen. Sie sind allgemein sehr bewegungsfreudig. Trotzdem werden Kaninchen in der Tierindustrie eng zusammengepfercht, ohne die Chance ihre natürlichen Bedürfnisse auszuleben. Sie haben keine Möglichkeit ihrer Bewegungslust nachzugehen oder Distanz zu ihren Artgenossen zu wahren. Dies führt oft zu hohem Stress für die Tiere und aggressivem Verhalten. Viele Kaninchen leiden daher unter offenen Bisswunden, die selten behandelt werden.

Kaninchen können bis zu 11 Jahre alt werden

Die Lebenserwartung eines Kaninchens liegt bei bis zu 11 Jahren. In der Tierindustrie sind sie oft nur wenige Monate alt, wenn ihr Leben im Schlachthaus endet. Doch selbst das schaffen viele Tiere nicht. 20 bis 30 % der Kaninchen in der deutschen Massentierhaltung sterben, noch bevor sie geschlachtet werden. Grund dafür sind die desaströsen Haltungsbedingungen: Fehlende Stallhygiene und nicht behandelte, offene Wunden führen zur rasanten Verbreitung von Infektionskrankheiten, die bei den Kaninchen oft tödlich verlaufen. In der Tierindustrie werden Kaninchen zum Leiden geboren.


Immer weniger Feldhasen

Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat Hasen gezählt und macht der Öffentlichkeit – größtenteils erfolgreich – weis, dass sich die Bestände der Feldhasen bundesweit erholt hätten. Der Lobbyverband beruft sich darauf, dass pro Quadratkilometer durchschnittlich 12 Mümmelmänner gezählt wurden, einer mehr als im Vorjahr.

Wie absurd diese Behauptungen des DJV sind, zeigen die Zahlen für Rheinland-Pfalz. Hier wird mit 15 Hasen pro Quadratkilometer eine weit über dem Bundesdurchschnitt liegender Wert angegeben. Der hohe Wert kommt u.a. dadurch zustande, dass Zählungen vorwiegend in „guten“ Hasenrevieren vorgenommen werden und die Ergebnisse relativ kleiner Bereiche ohne die Berücksichtigung von landschaftlichen Gegebenheiten auf ganze Landstriche hochgerechnet werden.

Die Jagdstatistik, die von Jägern immer wieder als wichtiges Indiz für die Bestände herangezogen wird, spricht eine andere Sprache: Das Jagdjahr 2007/08 endete mit einer Hasenstrecke von 14.000 Tieren, 2017/18 waren es nur noch 4.272 – das sind über 70 Prozent weniger Feldhasen. In Rheinland-Pfalz gibt es nach Hessen die wenigsten Feldhasen in einem westlichen Flächenland!

Der Feldhase steht – gegen die Widerstände der Jägerschaft – seit 2009 bundesweit auf der Roten Liste der im Bestand gefährdeten Tiere – und wird wohl noch so lange im Rahmen von Treibjagden getötet werden, bis man ihm ganz den Garaus gemacht hat. Die intensive Landwirtschaft, der Wegfall der EU-Förderung von Brachflächen und der Verlust der für Meister Lampe so wichtigen Vielfalt an Wildgräsern und -kräutern sind die Hauptursachen seines Verschwindens.

Quelle: Wildtierschutz Deutschland e.V.