Meine persönliche Meinung zur Sendung „Hart aber Fair“ am 15.April 2019

Glaubt man den Umfragen, so wollen immer weniger Menschen entsetzliches Tierleid für ihre alltäglichen und fleischlichen Gaumenfreuden in Kauf nehmen. An den Supermarktkassen ist dann allerdings von einem schlechten Gewissen nicht mehr viel übrig. Und an dieser Tatsache werden meiner Meinung nach auch sogenannte „Tierwohl-Labels“, die ja in besagter Talkshow heftig diskutiert wurden, weder viel bewirken noch verändern können.

Auch betrachte ich diese „Tierwohl“ – Labels als pure Menschenverdummung, als eine Art Beruhigungspille für das schlechte Gewissen all derjenigen Konsumenten, die trotz aller damit verbundenen Tierquälerei nach wie vor Fleisch (fr)essen wollen und sich ein Leben ohne Fleisch auf ihren Teller unmöglich vorstellen können. So übrigens auch die Köchin Sarah Wiener, die zwar die völlig fehlgeleitete Agrarpolitik und Tierquälerei in der Massentierhaltung kritisierte, jedoch andererseits zugleich am Anfang der Sendung offen bekundete (Minute 11:50), für alternative Produkte aus der Retorte nichts übrig zu haben und dementsprechend als Köchin auch weiterhin Fleisch von echten Tieren zu bevorzugen.

Doch zurück zur puren Menschenverdummung hinsichtlich dieser angeblichen „Tierwohl“-Labels, die den Konsumenten letztlich mit 4 Haltungsformen um die Ohren gehauen werden: Stufe 1 findet unverändert als „Standard“ ihren Weg in die Supermarktregale und informiert den Verbraucher darüber, dass z. Bsp. ein ausgewachsenes, 100 Kilogramm schweres Schwein im Stall auf knappen 0,75 Quadratmetern gehalten wurde – gerade so, wie es der Gesetzgeber als Minimallösung vorschreibt.

Bei Haltungsform Numero 2 – man höre und staune – werden dem Tier lediglich 10% und bei Haltungsform Numero 3 lediglich 20% mehr Platz zugebilligt. Mit anderen Worten: Das Schwein in der Haltungsform 2 hatte lediglich 7,5 cm mehr Platz als das Schwein in der Haltungsform „Standard“ und das Tier in der Haltungsform 3 nur 15 cm mehr Platz als in der gesetzlich regulierten Standard-Variante. Wie können Menschen nur auf die Idee kommen, solch einen Schwachsinn als „Verbesserung des Tierwohls“ anzupreisen?

Gleiches gilt ebenso für die Haltungsform Numero 4, für die sogenannte „Premium-Haltung“, welche angeblich die gleichen Standards erfüllt, die für das Bio-Siegel gelten. In dieser Stufe werden den Tieren neben einigen Zentimeterchen mehr Platz zusätzlich noch etwas mehr Spielzeug und etwas mehr Licht und Luft zugestanden. Da bleibt mir doch glatt die Spucke weg und mir dreht sich förmlich der Magen um bei all diesen „enormen Verbesserungen“ in den Ställen der Massentierhaltungsfabriken.

Und der dämliche Verbraucher braucht nun wahrhaftig auch kein schlechtes Gewissen mehr mit sich herumzuschleppen, sobald er sich beim Einkauf seiner fleischlichen Gaumenfreuden weniger als bisher für die Haltungsform Numero 1 entscheidet, sondern stattdessen für die angeblich besseren Haltungsformen Numero 2 bis 4. Welch ein gigantischer Fortschritt! Nun endlich kann sich jeder Fleischkonsument unbesorgt zurücklehnen und sich darüber sicher sein, dass all die armen Tiere hinsichtlich der Haltungsformen 2 bis 4 vor ihrer grausamen Schlachtung und Ermordung offenbar ein wahrhaft glückliches und artgerechtes Leben führten. Wer aber auch immer so etwas glaubt, der glaubt vermutlich auch noch an den lieben Weihnachtsmann und hat nicht mehr alle Tassen in seinem Schrank!

Und dann stellt sich mir auch noch die Frage, wer die Einhaltung dieser schwachsinnigen „Tierwohl“-Labels eigentlich kontrolliert: Etwa die Supermarktketten selbst, die diese Labels ins Leben gerufen haben? Die Politik? Amtsveterinäre? Und wie verlässlich können derartige Kontrollen letztlich sein, wenn auf diesen mit den 4 Siegeln gekennzeichneten Fleischverpackungen nicht auch angegeben ist, aus welcher Massentierhaltung das angepriesene Tierqual-Fleischpodukt eigentlich stammt? Hat der gewissenhafte Verbraucher etwa die Möglichkeit, sich selbst davon überzeugen zu können, das sein gekauftes und mit Haltungsform 4 gekennzeichnetes Fleischprodukt auch wirklich von einem Tier stammt, welches während seiner Mast ausreichend Bewegungsfreiheit hatte und ebenso ausreichend viel Sonne und frische Luft zu tanken vermochte?

Ich bezweifle dies sehr und wiederhole mich deshalb auch nochmals gerne, dass derartige „Tierwohl“-Labels nichts anderes als pure Menschenverblödung sind.

Sie sind auch noch aus einem anderen Grund pure Menschenverblödung, nämlich deshalb, weil die allermeisten Menschen nach wie vor das Fleisch aus der Kühltheke herausangeln und in ihren Einkaufswagen befördern, welches am billigsten ist. (Siehe hierzu den entlarvenden Versuch der Hochschule in Osnabrück im unten eingebetteten Video ab Minute 36:50) Die ausgewählten Versuchspersonen erhielten reichlich die Gelegenheit, zu zeigen, was ihnen das Tier und dessen Wohlergehen zu Lebzeiten letztlich wirklich wert war: Nur 11% der Teilnehmer entschieden sich betreffs der vorhandenen Auswahl für das fleischliche Angebot aus Biohaltung, nur 16% für das mit einem Tierwohl-Label gekennzeichnete Fleisch und 73% für das Fleisch, welches am billigsten war.

Neben dieser Mehrheit von Menschen, die nicht dazu bereit ist, für ihre tierischen Gaumenfreuden mehr Geld auszugeben, gibt es dann natürlich auch noch jene fragwürdige Sorte von Fleisch(fr)essern, die gerne wissen wollen, wie das geschlachtete und ermordete Tier zuvor gelebt hat, als ob dies an der moralischen Frage des Fleischessens etwas ändern würde. Nein, diese Frage ist gänzlich ohne Belang, denn selbst wenn ein Tier vor seiner Ermordung artgerecht gelebt hat, so haben wir Menschen niemals das Recht, einem Tier wegen menschlicher Lust und Gier auf dessen Fleisch das Leben zu nehmen. Es bleibt also immer ein Unrecht und ein gegenüber dem Mitgeschöpf Tier begangenes Verbrechen des Menschen, tierische Leichenteile in sich hineinzustopfen – ganz gleich, wie das Tier vor seiner Ermordung auch immer gelebt hat.

Ausserdem – und dies sei an die Adresse all derer gerichtet, die glauben und meinen, die Welt sei völlig in Ordnung und ihr Fleischkonsum ohne moralischen Zeigefinger absolut vertretbar, sobald sie lediglich nur jenes Fleisch von Tieren konsumieren würden, die während ihrer Mast ein angeblich „glückliches“ und artgerechtes Leben geführt hätten – alle diese hirnrissigen Schwachköpfe kehren offenbar ohne den Ansatz eines schlechten Gewissens auch gerne jene Tatsache unter den Teppich ihrer Fleischeslust, das es altersmäßig vorwiegend „noch Kinder“ sind, die trotz ihres vermeintlich „glücklichen“ Lebens in den Schlachfabriken dieser Welt grausamst abgemurkst und geschlachtet werden.

Wie kann man nur glauben, dass z. Bsp. ein Huhn aus der Hühnermast, oder ein männliches Kälbchen aus der Milchwirtschaft, welches kaum geboren und nur einige Monate später auf den Weg in den Schlachthof erstmals und auch ein letztes mal das Licht der Sonne erblickt, ein „glückliches“ Leben gehabt hätte?

So bleibt mir nur noch eines zu sagen übrig:

In mehreren Einspielern zeigte die Sendung klar und deutlich, wie hinsichtlich dieser menschenverdummenden „Tierwohl“-Labels die Realität in der Massentierhaltung wirklich aussieht, nämlich quälende Tiertransporte, betäubungsloses Kastrieren, Küken schreddern oder die Menge an Platz, die ein Schwein in der Massentierhaltung tatsächlich zur Verfügung hat.

Aus dem Herzen gesprochen haben mir von den Diskussions-Teilnehmern besonders Manfred Karremann und Patrick Baboumian und jenen CDU-Landwirt Stegemann nebst dieser Geschäftsführerin eines Wurstwarenunternehmens hätte ich am liebsten auf den Mond schiessen können, denn für beide sind und bleiben Tiere laut ihrer eigenen Worte nur eines: Profit, Geschäft, Produkte, Marken und Lebensmittel.

Auch wenn in der Sendung Ansichtswelten aufeinanderprallten, so steht bei all dem gelieferten Schlagabtausch doch eines unverrückbar fest: Wirkliches Tierwohl wird es erst dann geben, wenn Tiere frei leben und ein selbstbestimmtes Leben führen können, wie es Baboumian zum Ausdruck brachte. Letztlich glaube ich auch nicht, dass solch eine Talkrunde mit vielerlei unterschiedlichen Positionen und Ansichten auch nur annähernd dazu beitragen könnte, bei den allermeisten der Zuschauer an der Supermarktkasse ein Umdenken bewegen zu können.

Aber eines hat diese Sendung doch deutlich aufgezeigt, nämlich das derartige „Tierwohl“-Labels ein Widerspruch in sich sind und dies auch immer bleiben werden, was abermals Baboumian gut auf den Punkt brachte, als er sagte: „Egal, wie toll sie das auch machen: Sie sperren immer noch ein Tier ein, das am Ende getötet wird.“

Sendung am 15.April:

Mitgefühl für alle Lebewesen

Von Malte Hartwieg

Lasst uns heute und für immer Mitgefühl für alle Lebewesen entfalten. Nicht mehr und nicht weniger. Und dann werden wir sehen, was wir gemeinsam bewirken können.

Wir haben immer die Wahl, entscheiden müssen wir selber:

  • Wollen wir Nerzen das Fell abziehen, oder einen Fuchs aus einer Falle befreien?
  • Wollen wir Lämmchen schlachten, oder eine Petition gegen die Quälerei von Schafen unterschreiben?
  • Wollen wir das Kälbchen der Mutter wegnehmen, oder uns im Tierschutz engagieren?

Die meisten werden empört über solche Fragen sein, liegt doch die Antwort auf der Hand werden sie sagen. Indes: auf den schicken Fellkragen, den Lammbraten und das Glas Milch, auf das wollen sie dann doch nicht verzichten.

Unter dem Deckmantel sogenannter Ostertraditionen werden Kaninchen geköpft, Lämmer aufgeschlitzt, Küken zerhackt, während die Familie glücklich beim Sonntagsbraten sitzt und die Kinder fröhlich Eier bemalen.

Dabei ist es ganz einfach, ein Ostern des Mitgefühls zu feiern und dieses Mitgefühl in den Alltag zu integrieren.

Ein tierleidfreies Ostern wünscht

Malte Hartwieg

PS: Ein schönes Ostergeschenk für Kinder ist das von Malte Hartwieg geschriebene Buch „Ein Hund Namens Chili“. Die Erlöse aus dem Verkauf gehen zu 100% in den Tierschutz. Dieses Buch lehrt Kindern und auch uns Erwachsenen einfühlsam den respektvollen Umgang mit Tieren. Es regt zum Nachdenken an und für Kinder ganz wichtig, dass sie von klein auf lernen, das Tiere nicht auf der Welt sind, um die Gelüste der Menschen zu befriedigen, und dass unsere Mitgeschöpfe ebenso Freude, Schmerz und Trauer empfinden wie wir.