Brief einer Tierschützerin an Politiker des Landtages in NRW

Sehr geehrter Damen und Herren Mitglieder des Landtages Nordrhein-Westfalen,

wir sind überrascht zu hören, dass Sie trotz des im Grundgesetz verankerten Tierschutzes in Ihrem Bundesland die Rechte der Jäger großräumig erweitern wollen und darüber hinaus die Möglichkeit von Verbandsklagen abschaffen wollen. Das ist in unseren Augen ein großer Rückschritt, was die Rechte unserer Mitgeschöpfe, der Tiere im allgemeinen angeht. Wie zynisch kann man eigentlich sein, solch eine rückwärtsgewandte Politik auf dem Rücken der Tiere zu betreiben? Wir protestieren mit Nachdruck gegen solche Vorhaben!

Wir fordern Sie auf, eine natur- und tierschutz-zugewandte Politik umzusetzen, denn Tierschutz ist Staatsziel! Wenn man unsere natürlichen Grundlagen ignoriert, gleicht ein solches Verhalten einem Absägen des Astes, auf dem wir alle sitzen. Denn letztlich sind wir selbst nichts anderes als natürliche Wesen! Dass Tiere und die uns umgebende Natur inzwischen mit Füßen getreten werden und der Mensch allein von Interesse zu sein scheint, ist unglaublich kurzsichtig! Solch ein Verhalten kann man gut und gerne als Sünde bezeichnen – das kann Ihnen und Ihrer Partei, die das Attribut „Christlich“ in ihrem Parteinamen führen, doch nicht völlig egal sein, oder?

Oder ist das „Staatsziel Tierschutz“ lediglich eine Luftnummer, die allein nur deshalb ins Grundgesetz aufgenommen wurde, um das Image der regierenden Politiker zu schönen? Ich gehe als Bürgerin dieses Landes davon aus, dass das Grundgesetz die Grundlage unserer Gesetzgebung darstellt und dass es deshalb einer entsprechenden Durchsetzung des Grundgesetzes bedarf. Bitte handeln Sie danach!

Mit freundlichen Grüßen

Sylvia Müller


Sylvia Müller an CDU-Politiker in NRW betreffs des neu eingeführten Jagdgesetzes

Sehr geehrter Herr Lehne, sehr geehrter Herr Dr. Katzidis, sehr geehrte Frau Winkelmann, sehr geehrte Frau Barfod,

wie ich zu meinem Entsetzen gerade erfahren musste, hat NRW bereits letzten Donnerstag das umstrittene und von vielen Tierschützern kritisierte Jagdgesetz durchgesetzt und die Möglichkeit einer Verbandsklage gegen tierschutzwidrige Praktiken ganz abgeschafft! Ab April dürfen Jäger in NRW ihre Hunde wieder in die Baue von Füchsen hetzen, sie an lebenden, flugunfähigen Enten ausbilden und, um ihre Jagderfolge zu verbessern, gezüchtete Tiere (!) aussetzen und diese in völlig fremder Umgebung orientierungsunfähigen Tiere wenig später abschießen.

Das ist zutiefst feige und widert nicht nur mich an! Pfui Teufel zu solchen verbrecherischen und grausamen Praktiken! Obwohl sehr viele Menschen in diesem Land ihren Protest dagegen geäußert haben, interessiert Sie das als Politiker offensichtlich überhaupt nicht. Damit wird für mich und viele andere Mitmenschen sonnenklar, dass der Tierschutz in Deutschland kein Staatsziel sein kann! Alles nur schöne Worte und Beteuerungen, denen keine Taten folgen. Für mich ist es ein Skandal, wie Tierrechte in unserem Land mit Füßen getreten werden und wie man auf Einwände aus der Bürgerschaft reagiert – nämlich gar nicht oder nur mit fadenscheinigen Antworten, die in keiner Weise auf das Vorbringen eingehen. Mich macht so etwas wirklich wütend!

Die angekündigte Antwort von Frau Winkelmann habe ich bis heute nicht erhalten! Auch die Antwort von Ihnen, Herr Olaf Lehne, welche mir erst heute Vormittag zuging, befriedigt mich in keiner Weise! Bezeichnend ist, dass ich diese Antwort erst erhalte, nachdem das sehr umstrittene Gesetz längst durchgesetzt wurde! Das nennt man vor vollendete Tatsachen setzen!

Verbandsklagen werden deshalb so selten eingereicht, weil es den hierzu berechtigten Organisationen oft an finanzieller Rückendeckung für die oft kostspieligen Verfahren gegen wiederum weit finanzkräftigere Unternehmen fehlt. Warum muss also das Verbandsklagerecht überhaupt abgeschafft werden, wenn eh nicht so viele dieser Klagen eingereicht werden? Wem schadet es, dass so ein Recht weiter besteht? In meinen Augen ist die Abschaffung sinnfrei und kommt allein der Jägerschaft und der Agrarindustrie zugute, die die industrielle Massentierhaltung betreiben. Ich finde das sehr bedenklich! Mit Tierschutz hat das rein gar nichts zu tun!

Mit enttäuschten Grüßen – Sylvia Müller