Kuschel-Wolle vom Merino-Schaf

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Bild: ZDFZoom

Problematische Haltung von Merinoschafen in Australien

Die Falten sind das Hauptproblem. Fliegen legen dort ihre Eier ab. Die geschlüpften Maden bohren sich in das Schaf und fressen es von innen auf. Unbehandelt führt das zu einem grauenvollen, langsamen Tod. Um die Schafe davor zu schützen, werden 90 Prozent der Merinoschafe in Australien einem radikalen Eingriff unterzogen, dem nach seinem „Erfinder“ John W. H. Mules benannten Mulesing. Dabei werden die Hautfalten um den After und am Unterleib großflächig weggeschnitten – auf der Mehrheit der Farmen ohne Betäubung. Für die Schafe ein extrem schmerzhafter Eingriff.

Tierschutzorganisationen schlagen Alarm. Heimlich gefilmtes Material schockiert die Verbraucher. Vor allen aus Europa kommt die Forderung nach Wolle, für die Tiere nicht so leiden mussten. Doch nur zehn Prozent australischer Wolle ist Mulesing-frei. Das hat Gründe: Die einzige Chance auf Mulesing zu verzichten, ist arbeits- und kostenintensiv.

Die Schafe müssen mehrmals im Jahr von den weitläufigen Weiden zur Farm getrieben werden. Ihnen wird die Wolle an besonders gefährdeten Stellen gestutzt. Oft kommen Pestizide zum Einsatz. Auch wenn diese später nicht mehr in der Wolle nachweisbar sind, hat das bereits jetzt Folgen: Die Fliegenmaden werden resistent. Stärkere Pestizide müssen her.

Mit 88 Prozent ist Australien der mit Abstand größte Produzent feiner Merinowolle weltweit. Um die 90 Prozent der 74 Millionen Merinoschafe, die hier leben, werden dem Mulesing unterzogen. Langfristig müssen die Falten weg. Die Mehrheit der australischen Farmer reagiert zurückhaltend, da in ihren Schafherden jahrzehntelange Züchtungserfahrung steckt. Zudem ist die „genetische“ Lösung sehr langwierig.

Die Veterinärmediziner der Universität Sydney etwa züchten seit acht Jahren an einem faltenlosen Schaf, dessen Wolle trotzdem die gewünschten Qualitäten haben soll. Währenddessen wird die Forderung nach Schmerzmitteln bei Eingriffen am Tier immer lauter. Noch gibt es in Australien dazu keine bindende Gesetzgebung. Die Mehrzahl der Farmen operiert bis heute ohne Betäubung.

Hanna Zedlacher von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten sagt: „Die Chance, dass sie einen Mulesing-freien Pullover in einem normalen Laden finden, ist derzeit noch sehr gering.“ Für Kunden in Deutschland ist es eine besondere Herausforderung herauszufinden, welche Produkte aus Mulesing-freier Wolle hergestellt wurden.

ZDFzoom und DER SPIEGEL haben den Test gemacht und sich bei 34 bekannten Kaufhäusern und Marken als Verbraucher ausgegeben. Auf die Frage, ob sie Produkte aus Mulesing-freier Wolle anbieten, antworten nur acht Unternehmen, dass sie entweder keine Produkte mit Wolle aus Australien führen oder in Zukunft sicherstellen wollen, dass ihre Wolle Mulesing-frei ist. Zehn vertrauen auf die Aussagen ihrer Lieferanten, dass kein Mulesing stattgefunden hat. Niemand kann jedoch auf eine einsehbare Lieferkette verweisen. Das zeigt, wie schwer es Verbraucher haben, Auskunft über diese Produkte zu bekommen.

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