Abschuss von Wölfen – Schreiben von Harald von Fehr an BMU-Ministerin Schulze am 05.03.2019

Wölfe sind in Deutschland streng geschützt – doch auch bisher durften einzelne Tiere getötet werden, wenn von ihnen eine Gefahr für den Menschen ausgeht oder großer wirtschaftlicher Schaden entstanden war. 2016 wurde in Niedersachsen etwa Problemwolf Kurti geschossen. Immer wieder kommt es aber auch zu illegalen Tötungen der Tiere.

Nun hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) in die Debatte eingegriffen. Sie möchte den Abschuß von Wölfen, die großen Schaden anrichten, erleichtern. Deshalb strebt sie die Veränderung des Naturschutzgesetzes an – was nicht geschehen darf! „Wenn Wölfe mehrfach Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen, muß man sie auch abschießen dürfen“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Und genau das wäre ein Verbrechen, was in Deutschland keine Zustimmung finden darf!

Werte Frau Umweltministerin Schulze werden Sie wach und erinnern Sie sich, daß unter der Nr.: 218/18/Artenschutz am 08.11.2018 das Bundesumweltministerium folgende Pressemeldung veröffentlicht hat:

100 Prozent staatliche Unterstützung für Vorsorge und Entschädigung bei Wolfsrissen möglich. Landwirte können ihre Investitionen in Vorsorgemaßnahmen gegen Wolfsrisse künftig zu 100 Prozent erstattet bekommen. Das entschied die Europäische Kommission heute und verbesserte die Entschädigungsquote damit um 20 Prozentpunkte.

Die Europäische Kommission hat heute entschieden, daß Investitionen in Vorsorgemaßnah-men gegen Risse von Weidetieren durch Wölfe zu 100 Prozent durch die Länder finanziert werden können, ohne daß dies als unzulässige Beihilfe gilt. Bislang konnten Schafhaltern und Landwirten nur 80 Prozent der Vorsorgekosten, etwa für die Anschaffung von wolfssicheren Zäunen oder von Herdenschutzhunden erstattet werden.

Auch solche Schäden, die infolge eines Wolfsrisses auftreten, dürfen fortan vollständig erstattet werden. Neu ist, daß dies auch für indirekte Schäden gilt, wie zum Beispiel für die Behandlungskosten gerissener Tiere beim Veterinär oder für die Arbeitskosten bei der Suche versprengter Tiere nach einem Angriff. Auch hier waren vorher nur 80 Prozent staatliche Erstattung zulässig.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze begrüßt die Entscheidung der Kommission: „Mir ist es sehr wichtig, daß Weidetierhalter in Deutschland auf ganzer Linie entlastet werden – von der Vorsorge bis zur Schadensregulierung. Deshalb habe ich mich in Brüssel dafür eingesetzt, daß die dabei entstehenden Kosten den Schäfern und Weidetierhaltern vollständig erstattet werden. Das hilft Schäfern, Landwirten, dem Grünland in Deutschland – und letztlich auch den Wölfen.“

Die Entscheidung der EU-Kommission ist nach intensiven Bemühungen Deutschlands gefallen. Unter Leitung von Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth fanden in den letzten Monaten mehrere Besprechungen von Delegationen von Bundesregierung und Ländern mit der EU-Kommission in Brüssel statt, um eindringlich dafür zu werben, daß Weidetierhalter zusätzliche Kosten infolge der Rückkehr des Wolfes in Deutschland vollständig erstattet bekommen dürfen.

Von der jetzigen Entscheidung der Kommission noch nicht erfaßt sind weitere indirekte Vorsorgekosten der Landwirte – etwa für den zusätzlichen Arbeitsaufwand, der mit dem Aufstellen von Zäunen verbunden ist. Hier wird der Bund weiter darauf drängen, auch für diese Aufwendungen die vollständigen Kosten erstatten zu können.

Soweit die Pressemeldung vom 08.11.2018 .

Ist das nicht Entschädigung für die Weidetierhalter genug, daß sie jetzt die endlich auch nach Deutschland eingewanderten Wolfe – wie bereits vor 150 Jahren – ein erneutes Mal ausrotten wollen? Denn das geschieht, wenn Sie, Frau Ministerin, das durchsetzen, was die weiter untenstehende TLZ-Zeitungsmeldung vom 04.03.2019 suggeriert , was jedoch die Mehrheit der deutschen Bevölkerung keineswegs mitmacht! Dazu sollten Sie wissen, daß es nicht die Wölfe sind, die weg müßten, sondern die abscheulichen Jäger, die in ganz Deutschland sämtliches Wild beunruhigen und töten!

Genau daran sollten Sie denken, wenn es gilt etwas abzuschaffen! „Wenn Wölfe mehrfach Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen, muß man sie auch abschießen dürfen“, sagten Sie der „Bild am Sonntag“. Das wollen Sie mit einer „Lex Wolf“ klarstellen – doch das können keinesfalls Tötungsargumente gegen den Wolf sein!

Nach der geplanten Gesetzesänderung solle ein Wolf künftig bereits geschossen werden dürfen, wenn er „ernste landwirtschaftliche Schäden“ verursache. Wir haben uns den Wolf einst in unser Haus geholt, um ihn zu domestizieren – wollen wir ihn jetzt partout zum Satan machen? Bislang war von „erheblichem Schaden“ die Rede – der werde laut dem Bericht von den Gerichten erst bei einer Bedrohung der Existenz von Nutztierhaltern gesehen. Die gibt es aufgrund nach der Presseveröffentlichung vom 08.11.2018 jedoch nicht mehr!

Harald von Fehr – Tierschutzunion Deutschland

Ein Kommentar zu “Abschuss von Wölfen – Schreiben von Harald von Fehr an BMU-Ministerin Schulze am 05.03.2019

  1. Wölfe haben Anstand und Verantwortung und nehmen tatsächlich wichtige Aufgaben im Ökosystem wahr. (Gilt auch für andere Wildtiere.) All dies vermisse ich bei den mandatierten und amtierenden Politikern der etablierten Parteien vollständig. Bei Jägern sowieso, denn man wird Jäger, um zu töten, wegen nichts anderem. Eine Daseinsberechtigung gibt es für diese nicht!
    Wie hieß es von politischer Seite anfangs: Wir freuen uns über die Rückkehr der Wölfe. Wir sind gut vorbereitet auf ihre Rückkehr. Wölfe nehmen wichtige Aufgaben im Ökosystem wahr … Was interessiert die Politiker ihr Geschwätz von gestern? Einen Dreck! Niemals dürfte ein Tier-Vernichter, Tierausbeuter oder Begünstiger solcher je ein politisches Mandat oder Amt inne haben. Politik sollte heißen, Verantwortung zu tragen. Wirkliche Verantwortung aber ist nicht-speziesistisch, schließt Lebensachtung und Schutzpflicht auch anderen Lebewesen gegenüber vollständig ein. Daran mangelt es so ziemlich allen Politikern mit Mandat und Amt in Deutschland. Armselig!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.