Unangenehme Wahrheiten von Dr. G. Bleibohm

R a s s i s t:

Von Diskriminierung kann man korrekterweise immer nur dann sprechen, wenn das Wesen unschuldig an dem Faktum ist und es nicht ändern kann, wie beispielsweise Rasse, Körperbehinderung oder Geschlecht. Die größte Diskriminierung, die unbeachtet und permanent weltweit in einer nicht zu erfassenden Vielzahl stattfindet, ist die institutionalisierte Diskriminierung tierischer Rassen durch die Menschheit.

Folgerichtig ist der Fleischesser immer ein Rassist und diskriminiert in übelster Weise tierische Lebensformen, der Fleischesser ist der Prototyp des mordenden Rassisten.


E m p ö r u n g:

In A modest proposal macht Jonathan Swift vor rund 200 Jahren den Vorschlag, Kinder, die in Irland nicht ernährt werden können, als Speise für reiche Engländer zu verkaufen. Er führt genauer aus, in welchem Alter und mit welcher Zubereitungsart die Kinder köstlich munden würden. Um das Empörende des Vorschlags in Grenzen zu halten, sprach man von Satire.

Hat man eigentlich das Schizophrene dieser Satirenzuordnung nicht bemerkt, hat man nicht tiefer nachgedacht und gesehen, mit welch eisiger Gefühllosigkeit und Selbstverständlichkeit man nicht-menschlichem Leben abfordert, was für menschliches Leben nur als Satire gedacht werden darf? War der Gedanke der Gleichwertigkeit allen Lebens noch nicht geboren, war man der Meinung dass die Kuhmütter ihre Kinder gern als Speise zubereitet sehen oder meinte man wirklich, speziell im katholischen Irland, dem Irr-Land, als Mensch die Krone des Lebens zu sein? Aber die anthropozentrischen und animalischen Unterschiede beginnen bereits zu verschwimmen.

Wohlhabende lassen sich in Entwicklungsländern von Leihmüttern eigene Kinder produzieren und Reiche kaufen von Armen fürs eigene Überleben Organe – der Tag, an dem aus der Satire von Swift Realität wird, dämmert bereits herauf.


V e r s c h o l l e n:

Vernunft und Wissen werden niemals, nie, nie, nie, sage ich, die dominierenden Merkmale menschlichen Handelns werden und damit bleibt Einfalt, Wunschdenken und Ahnungslosigkeit der fruchtbare Nährboden flächendeckender Dummheit. Auf diesem Humus aber wuchern üppig Gottesphantasien, ist er doch die ideale Grundlage für Gotteskulte.

Menschliche Ignoranz wird somit dauerhaft als treue Begleiterin eine von abertausenden hohler Glaubenslehren haben, mit der Folge, dass solange progrediente Massendummheit mit einer Glaubensphantasie Hand in Hand über den Globus wandert, genau solange sich der Absturz noch bestehender Lebensformen in ein apokalyptisches Chaos fortsetzen wird. Weil aber das Paradies der Einfältigkeit, der Garten Eden der heutigen plebejischen Welt, für die Vernunft seit Menschengedenken verschlossen war und verschlossen bleiben wird, besteht schon deswegen keinerlei Hoffnung für die Zukunft.

Es kann und es wird niemand kommen, niemals, von nirgendwo, um mit dem Flammenschwert die Dummheit aus ihrem Paradies weisen. Im Gegenteil. Die zunehmende öffentlichkollektive Gehirnerweichung bildet eine Gefängnismauer, hinter der sich das Chaos der Beschränktheit, nein, die Apokalypse menschlicher Borniertheit als massen-demokratische Diktatur immer weiter manifestiert.

Liebe Freunde, hofft nicht länger vergeblich auf Änderung im menschlichen Handeln und Denken, nehmt euer einsames Leben als erkenntnisreiche Zeit, beobachtet den unwürdigen Untergang der Biosphäre und akzeptiert, dass am Horizont das rettende Land der Vernunft versinkt … aber bringt euch rechtzeitig selbst in Sicherheit, ihr einsamen Denker, auf eure kleine Rettungsinsel namens Erkenntnis. Verschollen auf dem endlosen Meer menschlichen Schwachsinns wird man dereinst zu eurem Nachruf vermerken.


F i n a l e:

Die Welt versinkt. Nicht nur unter den steigenden Meeren, mehr noch unter der steigenden Menschenflut. Das exponentielle Wachstum der hominiden Spezies hat jegliche Beherrschbarkeit hinter sich gelassen; das Boot ist am Sinken, das Schöpfen ist eine Vergeblichkeit geworden, das Zweckloseste überhaupt.

Ein täglicher Zuwachs von netto ca. 200.000 Essern weltweit ist der Vernichtungswirkung einfallender Heuschreckenschwärme weit überlegen. Sucht man eine, nein, d i e apokalyptische Zahl, dann ist es die neue Konstante des Untergangs – 200.000 menschliche Individuen zusätzlich, täglich, bis zum bitteren Ende, bis zum tödlichen Ende.


L e i e r s t ü c k:

Jedes Mal, dass ein Mensch gezeugt und geboren worden, ist die Uhr des Menschenlebens aufs Neue aufgezogen, um jetzt ihr schon zahllose Male abgespieltes Leierstück abermals zu wiederholen, Satz vor Satz und Takt vor Takt, mit unbedeutenden Variationen“ (Arthur Schopenhauer, Senilia, 102,3)

Aus jeder Geburt resultiert Lebens-Zwang und damit Leben-Müssen. Die Schaffung einer neuen Kreatur geht immer einher mit einer Willensvergewaltigung, weil der Erzeuger dem Erzeugten unbedenklich Leben aufoktroyiert. Man nimmt als Hauptfolge die langfristig unkalkulierbare Produktion einer individuellen Lebenssituation in Kauf, die künftig intensiv mit Leid verstrickt sein könnte – es meist auch ist – das der Erzeugte, nicht aber der Erzeuger, tragen muss. Oder juristisch formuliert: Die Lebensstrafe in Form von Leid, Angst und Tod erduldet immer das Opfer, nicht der Täter. Wer ein Leben schafft, produziert durchweg in letzter Konsequenz Leid, Angst und Verzweiflung, immer aber Untergang und Tod.

Die Hervorbringung eines neuen Lebens, die Schaffung von Sein, resultiert desweiteren gewöhnlich nicht aus einer bewusst bedachten moralischen Wahlmöglichkeit und aus einer rationalen Entscheidung, sondern ist oftmalig das Zufallsprodukt aus Gelegenheit und Trieb. Der „Lebensschenker“ ist nahezu immer – und man muss es ungeschminkt aussprechen – Egoist, er beschenkt sich selbst, er verwirklicht sich und handelt nicht zuletzt aus Gleichgültigkeit, Dummheit und niederen Beweggründen, nicht selten ohne Hinterfragung und in Aufgabe eines eigenen Standpunktes.

Es wird – ohne dass die Folgen über die Dauer des gesamten neuen Lebens nachhaltig bedacht werden – zwischen den jeweiligen Partnern in jedem Fall eine risikoreiche Genlotterie, wie Karim Akerma es nennt, gespielt, deren Ergebnis naturgemäß und zufallsbedingt beispielsweise in die Bandbreite vom Flachkopf bis zum Genie, vom Todkranken bis zum Kerngesunden, fällt.

Aber die Normalverteilung des Lebens weist diesen Extrema geringe Wahrscheinlichkeiten zu, so dass Schopenhauers Diktum präzise den heutigen Massenmenschen, das anonyme, bedeutungslose Individuum in der Masse von bald acht Milliarden Ähnlichen, beschreibt: „ein zahllose Male abgespieltes Leierstück … mit unbedeutenden Variationen“. In saecula saeculorum et usque ad finem – bis in alle Ewigkeit und bis zum bitteren Ende!

(Aphorismen und Essays von Gunter Bleibohm: http://www.gegensicht.de)

Herzliche Grüße

für pro iure animalis

Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos