Zusammenfassung einer langen Schande (Teil 2)

Wir haben nicht das Recht, irgendein Lebewesen zu versklaven
(Bild aus dem neuen Film Dominion von Chris Delforce)

Die Versklavung von Mensch, Tier und Natur – und jene Stimmen, welche sich dagegen erhoben

Pythagoras, nach den Orphikern eine der fruehesten vegetarischen Stimmen
(Gemaelde von Pieter Paul Rubens, der ebenfalls Vegetarier war)

Wir wissen, dass sich die Sklaverei in jeglicher Form durch die Jahrtausende zieht! Sie eignet allen Voelkern und allen Nationen! Aber besonders schlimm war sie zur Zeit des Roemischen Reiches und so ist es in dieser Epoche, dass wir den ersten Stimmen gegen die Ausbeutung des Lebens in all seinen Formen begegnen. Interessanterweise waren dies auch die ersten ueberlieferten Vegetarier der Geschichte, von den Indern und Griechen abgesehen, welche aber jeder seinen eigenen Kulturkreis bildet, wobei wir uns nun vor allem um den europaeischen, afrikanischen und dann amerikanischen Kulturkreis kuemmern, denn den ganzen Erdball abdecken kann ich in dieser Reihe nicht!

Sokrates und sein Schueler Plato waren beide Vegetarier und setzten sich fuer die Gerechtigkeit gegenueber allen Lebewesen ein. Auf dem Bild sehen wir den Moment, wo Sokrates gezwungen wird, den Giftbecher zu trinken, eine damals uebliche Todesstrafe, denn er war den Maechtigen seiner Zeit sehr unbequem, da er eben die Wahrheit sagte!

So hat immerhin das Alte Rom einige bemerkenswerte Vegetarier aufzuweisen: Seneca, Cicero, Horaz, Vergil, Tertullian und Plutarch, um nur einige zu nennen! Natuerlich war, wie bekannt, auch Mark Aurel Vegetarier, unterhielt aber blutige Amphit-Theater, dito Kaiser Augustus, was beide als Ethiker in diesem Sinne entwertet! Der spaetere, zum Heidentum zurueckkehrende Kaiser Julianus Apostata war ebenfalls Vegetarier, aber die roemischen Heiden fuehrten blutige Tieropfer durch, wie das Toeten des Stieres beim aus Asien stammenden Mithras-Kult – das Taurobolium! Es waere abzuklaeren, wie er sich dieser Unsitte gegenueber verhielt, jedenfalls ist hier Vorsicht geboten – ich sage mal, doch lieber nicht auf die Veggi-Liste!

Plutarch – dieser vegetarische Poet und Historiker war eine starke Stimme fuer die Tiere!

Es war der grosse arabische Arzt und Gelehrte Ibn Sina (Avicenna), welcher eine Medizin ohne Tierversuche begruendete im Gegensatz zur westlichen Schulmedizin, welche dann fatalerweise die Oberhand gewann!

Nun aber zurueck zur Zeit der Sklaverei im Alten Rom, an welches wir uns nur mit grossem Schaudern erinnern, vor allem an die roemischen Eroberungszuege, welche bis nach Deutschland und England reichten und aufgrund deren noch viele Staedte roemische Namen tragen, wie etwa Augusta Treverorum – Trier, die Heimatstadt des Kaisers Nero und seiner Mutter Agrippina! Und es waren die roemischen Kaiser, welche die grossen Amphit-Theater errichteten, um dort drin Menschen gegen Menschen, Menschen gegen Tiere und Tiere gegen Tiere zu hetzen!

Diese schwerkriminellen und barbarischen Schauspiele, an denen sich der roemische Mob ergoetzte dauerten jahrhundertelang und die Erinnerung an sie ist nur schwer zu ertragen! Viele Kriegsgefangene und Slaven mussten dafuer ihr Leben lassen – und es war Julius Caesar, welcher zum ersten Mal einen Mann mit einem Degen gegen einen Stier antreten liess! Diese barbarische Unsitte hat sich in gewissen lateinischen Laendern bis heute gehalten, nicht aber in Italien selbst, ein Phaenomen, welchem ich selbst ein wenig nachgespuert habe und zu folgender Schlussfolgerung gekommen bin:

Sein geistiger Nachfolger, der juedische Gelehrte Moses ben Maimon (Maimonides)
ein grosser Verfechter fuer Tierrechte und ebenfalls Vegetarier!

Durch die rege kriegerische Taetigkeit der Roemer kam es, wie wir heute ein gleiches erleben, sicher zu vielen Migrationen und Umsiedelungen, bei welchen sie ihre eigenen Landsleute beispielsweise in die Provinz Hispania (Spanien) umsiedelten, oder aber auch nach Rumaenien und Moldavien, denn auch in Osteuropa gab es in frueheren Zeiten solche Tierkaempfe, welche aber die zivilisatorische Kultur der entsprechenden Laender sukzessive abstellte!

Fuer Spanien hat dieser zivilisatorische Umbruch irgendwie bis heute nicht gereicht und hat nicht stattgefunden, denn die Nachfahren der dort angesiedelten Roemer ergoetzen sich immer noch in der praehistorischen Arena beim Zutodequaelen von Tieren und wenn erst ihr einaeugiger Torero Padilla, wie neuerdings geschehen, nun noch von einem Stier skalpiert wird, huscht so mancher freudige Schauer ueber den Nacken des sensationsgeilen Publikums, denn wie mir ein Spanier verriet, mit welchem ich zwei Stunden lang gegen den Stierkampf debattierte, geht es dabei eigentlich nicht um den Stier, der sei nur Mittel zum Zweck, sondern den Thrill, ob es nun den Torero erwische oder nicht! Jedenfalls kann man nur instaendig hoffen, dass mit dieser barbarischen Unsitte aus der Roemerzeit so schnell wie moeglich Schluss sein wird!!!

Eine weitere mittelalterliche Stimme fuer die Tiere finden wir in Dante Alighieri:
„Tierquaelerei – ein Frevel ist’s am Geist der Liebe, der das Tier geschaffen hat“!

Nun ist die Reihe an Leonardo da Vinci, unserem Tierschutz-Vorzeige-Vegetarier,
den ich nicht mehr speziell vorzustellen brauche!

Aber auch nach der Roemerzeit ging in Europa (und Russland) die Sklaverei weiter, welche uns besonders unter dem Terminus ‚Leibeigenschaft‘ bekannt ist! Diese herrschte bis zur Zeit der franzoesischen Revolution! Und auch hier begegnen wir einer grossen vegetarischen Stimme, welche sich fuer die Freiheit, das Leben und die Wuerde aller Lebewesen einsetzte: Jean-Jacques Rousseau.

Jean-Jacques Rousseau war ein Licht der Aufklaerung und das Zuenglein an der Waage, welches das Fass der koeniglich franzoesischen Volksausbeutung zum Ueberlaufen brachte! Aber dieser friedliche Naturfreund und Vegetarier wollte eigentlich das franzoesische Volk ganz woanders hinfuehren, aber irgendwie wurde er nicht verstanden, das zeigt der Verlauf der Geschichte! Die blutige Revolutions-Ikone Robespierre war ein Schueler von ihm und ebenfalls Vegetarier, aber das sollte man eher leise sagen!

Aber nun ist mir vor allem eine Sache sehr wichtig: wir werden erleben, wie sich ein einst versklavtes Volk in unserer Neuzeit einen ganz betraechtlichen und ansehnlichen Platz in der Oekologie und im Tierschutz erobert hat und heute weltweit zu den tonangebenden Stimmen zaehlt, wenn es um das Wohl dieses Planeten und all seiner Lebewesen geht! Ja, man ist fast versucht zu sagen: ‚Wer viel gelitten hat, der gibt diese genetische Botschaft weiter an seine naechste Generation, welche dadurch jene Empathie entwickelt, welche andere, die weniger gelitten haben, so nicht kennen‘.

Jedenfalls ist es dieser speziellen Ethnie, welche wir spaeter noch sehr nahe kennenlernen, daran gelegen, die Botschaft der Freiheit fuer alle Lebewesen umso intensiver weiterzugeben, wie diese selbst gelitten hat! Ich spreche von der afrikanischen Diaspora, welche in Uebersee doch beachtliche tierschutz-oekologische Leistungen vollbringt. Aber darauf kommen wir spaeter zurueck! Vielleicht ist es auch oder zusaetzlich die tropische Moeglichkeit der Ernaehrungsweise (was ja auch bei Indien zum Tragen kommt), denn sie sagen uns heute, dass ihre urspruengliche Nahrung in Afrika vor der Ankunft der Weissen zum groessten Teil vegetarisch war. Dies trifft uebrigens auch auf Japan zu, welches sich (mit Ausnahme des Fisches) vor der Ankunft der Europaer praktisch fleischlos ernaehrte! Dort boomt der Fleischkonsum erst so richtig seit dem Zweiten Weltkrieg!

In der naechsten Folge steigen wir hinab in die schrecklichen Tiefen der menschlichen Sklaverei und begegnen den ersten Stimmen, welche sich gegen diese gewehrt haben – und gleichzeitig ihre Stimme fuer die Tiere erhoben!

Claudia – bis alle Kaefige leer sind

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