Die „schwimmenden Clowns“ aus dem Meer

In den 1960er Jahren eroberte der fröhlich schnatternde Fernsehheld „Flipper“ die Herzen der Zuschauer. Weltweit, auch in Deutschland, wurden unzählige Delfinarien eröffnet und sogar fragwürdige Therapiemethoden eingeführt, denn Flipper weckte in den Menschen das Bedürfnis, den „Clowns des Meeres“ nahe zu sein. Doch woher kommt der Großteil der vielen Delfine, die bis heute in Shows eingesetzt werden? Aus dem Meer! Ihrer Freiheit und Familienverbänden beraubt, werden die hochsozialen Meeressäuger in karge Betonkästen gesperrt. Mangelnde Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten sowie künstlich zusammengestellte Gruppen führen häufig zu Aggressionen zwischen den Tieren, die sich teils schwere Verletzungen zufügen. Tägliche Trainings und Shows sollen die Delfine angeblich auslasten, doch in Wirklichkeit sind die Kunststücke nur Geldmacherei.

Die glitzernde Welt der Delfinshows in Deutschland

In Deutschland gab es ursprünglich 14 Delfinarien, heute sind glücklicherweise nur noch zwei übrig geblieben: Der Zoo Duisburg und der Tiergarten Nürnberg sind die letzten Einrichtungen Deutschlands, die insgesamt 15 Delfine halten. Täglich besuchen hunderte von Besuchern die Delfinshows, um die schillernde Welt der schwimmenden Meeres-Clowns zu erleben. Doch der Schein trügt. Die Tiere werden in viel zu kleinen kargen Betonbecken gehalten und bekommen regelmäßig Psychopharmaka – angeblich, um den Appetit anzuregen. Vermutlich dienen die Medikamente vielmehr dafür, um die Aggressionen zwischen den Tieren zu dimmen. Sowohl in Duisburg als auch in Nürnberg leben neben den Nachzuchten auch jeweils drei Wildfänge, die zwischen 1971 und 1990 im Atlantik und im Amazonas eingefangen wurden. Diese Delfine wurden als Jungtiere aus ihrem Familienverband gerissen und nach Deutschland transportiert. Seither werden sie in zufällig zusammengewürfelten Gruppen gehalten und müssen drei Mal täglich die Menschen zum Staunen bringen.

Deutsche Delfinarien als Friedhöfe

Der berühmte Delfinschützer Richard O´Barry bezeichnete den Duisburger Zoo als „größten Delfin-Friedhof der Welt“. Seit der Eröffnung des Delfinariums 1965 starben hier 65 Delfine. Im Tiergarten Nürnberg starben seit 1971 insgesamt 33 Tiere, viele davon schon als Jungtiere. Diese Zahlen zeigen, dass Delfine nicht in Gefangenschaft leben sollten. Bereits seit Jahren weisen Wissenschaftler darauf hin, dass diese hochintelligenten Meeressäuger nur äußerst schlecht mit den Bedingungen in Gefangenschaft zurechtkommen. In Freiheit schwimmen Delfine rund 150 Kilometer am Tag und tauchen bis zu 300 Meter tief – Bedingungen, die kein Delfinarium der Welt erfüllen kann. Außerdem sind sie hochsensibel.

Der permanente Lärm von Besuchern und Unterwasserpumpen bedeutet für die Delfine einen enormen Stress – mit fatalen Folgen: In Duisburg und Nürnberg starben fast die Hälfte der wild gefangenen Delfine innerhalb weniger Wochen und Monate. Auch Zuchtprogramme weisen meist nur einen mäßigen Erfolg auf. In Duisburg und Nürnberg sterben zwei Drittel der Nachzuchten vor oder kurz nach der Geburt. Hinzu kommen noch all jene Jungtiere, die zwar die Geburt selbst überstehen, aber nie das Erwachsenenalter erreichen. Seit der Eröffnung der beiden deutschen Delfinarien in den sechziger beziehungsweise Anfang der siebziger Jahre überlebten nur insgesamt 12 Nachzuchten.

Quelle: prowildlife.de

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