Patrik Baboumians „Brief an die Tiere“

… während einer Mahnwache von Animal Equality im Herzen Berlins :

Liebe Tiere,

Ihr seid unsere Schwestern und Brüder.
Ihr esst, atmet, fühlt und leidet so wie wir das tun.
Ihr teilt mit uns den selben Planeten.
Die selbe Sonne wärmt euch und uns.

Ihr besteht wie wir aus Zellen und eure Erbanlagen sind wie unsere in diesen Zellen als DNA abgespeichert.
Ihr könnt lieben, so wie wir und ihr fürchtet euch, wie wir.

Ihr empfindet Fürsorge für euren Nachwuchs, wie wir für unsere Kinder und es bricht euch das Herz, wenn ihr von Ihnen getrennt werdet.

Ihr empfindet Freude und Leid, so wie wir.

Und doch maßen wir Menschen uns an, eine künstliche Linie zwischen euch und uns zu ziehen und so zu tun, als wäre Gewalt gegen euch moralisch weniger verwerflich als Gewalt gegen uns. Unsere großen Denker und spirituellen Führer machen sich reihenweise selbst zum Narren, indem sie versuchen diese künstliche Trennung von euch und uns ethisch zu rechtfertigen. Ja, unsere Denker waren schon immer in der Lage zum Himmel schreiendes Unrecht zu ignorieren oder gar zu rechtfertigen.

Descartes hat Tiere im 17. Jahrhundert mit gefühllosen Automaten verglichen und behauptet eure Schmerzschreie seien mit dem Quietschen eines Uhrwerks vergleichbar und nicht Ausdruck von Schmerzen. Heute wissen wir längst wie falsch Descartes lag und doch tun wir moralisch so als hätte er Recht gehabt. Noch heute findet es einer der bekanntesten Wissenschaftler weltweit, Neil deGrasse Tyson lustig Rinder als vom Menschen „erfundene“ biologische Maschinen zu bezeichnen, die nur dazu da sind (wörtlich) „Gras in Steak zu verwandeln“. Und er spiegelt damit unser ignorantes Weltbild wieder, in dem wir uns emotional noch immer für den Mittelpunkt des Universums halten.

Es ist nicht lange her, da haben wir das, was wir euch heute noch antun, uns gegenseitig angetan und nicht selten haben wir diejenigen denen wir Gewalt angetan haben auf eure Seite dieser mörderischen künstlichen Trennlinie geschoben. Wir nennen das „entmenschlicht“. Wer nicht auf der „richtigen“ Seite dieser imaginären Linie ist darf versklavt, ermordet, ausgebeutet, eingesperrt, vergewaltigt und zum Spaß gejagt und getötet werden.

Ich selbst habe erst spät in meinem Leben erkannt, dass auch ich dieses irrsinnige System mit gelebt habe. Ich war einerseits mitfühlend mit Tieren, die ich leiden sah und habe zugleich Tiere gegessen, als ob das Tier, dem man mein Schnitzel aus dem Körper geschnitten hatte, nie gelitten hätte. Ich habe damals nicht verstanden oder besser verdrängt, welchen Schrecken es für euch bedeutet, wenn wir Fleisch essen, Milch trinken oder Eier essen möchten.

Mir wurden von einer Industrie die nichts anderes ist als eine Mord – und Terror-Maschinerie sterile sauber verpackte Produkte serviert, die nicht an die Angst und das Leiden erinnern, das nötig ist, um sie herzustellen. Und ich weiß, dass die Menschen das, was sie euch durch ihren Konsum antun überdenken würden, wenn sie nur eure Schreie hören könnten, wenn sie eure Angst fühlen könnten oder zumindest eure leblosen Körper sehen müssten, jedes Mal, wenn sie Tiere essen.

Deshalb stehen wir heute hier um denen, die noch so verdrängen wie ich es einst getan habe, zu zeigen, dass ihr ein Gesicht habt.
Dass ihr Eltern habt, die euch einst geliebt haben.
Dass ihr Angst hattet, bevor ihr gestorben seid.

Und dass es Menschen gibt, die alles in ihrer Macht tun werden, um euch eine Stimme zu geben. Für eine Welt, in der man sich nicht mehr schämen muss Mensch zu sein.

Es wird eine Generation heranwachsen, die auf unsere heutige Gesellschaft in Abscheu zurückblickt und sich fragt, wie konntet ihr euch und eurer Mitwelt all das antun.

Jeder von uns sollte sich heute die Frage stellen, was wir dieser kommenden Generation antworten werden.

Ich sehe hier Menschen, die die Keimzelle dieser neuen Generation bilden und diese Keimzelle sprießt weltweit.

Wir werden den Weg pflastern für eine Generation, die die Welt aus dem Würgegriff menschlicher Ignoranz befreit.
Denn das sind wir euch schuldig!
Denn das sind wir uns selbst schuldig!

Und bis dahin kann ich euch nur versprechen, mit all meiner Kraft für euch zu kämpfen und zu streiten und euch für jeden Tag, den ihr unter uns leidet, um Vergebung zu bitten!

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4 Kommentare zu “Patrik Baboumians „Brief an die Tiere“

  1. Ein wunderbarer, tief zu Herzen gehender Beitrag! Patrick Baboumian ist nicht nur koerperlich stark, sondern auch ethisch und geistig! Wenn nur alle Menschen so wie er waeren, denn seine Staerke ist das Mitgefuehl und die geschwisterliche Liebe zu allen Lebewesen!

    Was mich sehr stark bewegt, ist der Hinweis darauf, dass der Mensch zwischen sich und den uebrigen Geschoepfen eine kuenstliche Trennlinie zieht, welche fuer die ganze Unmenschlichkeit und alle Verbrechen, welche am Tier geschehen, verantwortlich ist! Haupt- und Mitschuld daran traegt die Kirche – dies ist heute eine absolut erwiesene Tatsache! Auch ist es empoerend feststellen zu muessen, dass der Mensch leider den toerrichten Worten eines Descartes mehr Wert beimisst, als den Worten der wahren Lehrer der Menschlichkeit, welche die wahre Geschichte des Menschen geschrieben haben, wie etwa Leonardo da Vinci, Leo Tolstoi, Richard Wagner, William Shakespeare oder Victor Hugo – um nur einige zu nennen, denn die Liste grosser Geister und Denker, welche sich genauso fuer die Tiere, wie fuer die Natur und die Menschheit einsetzte, geht ins Unendliche! Dass man ausgerechnet einen Toren rausfischt und seine primitiven Aeusserungen auf die Goldwaage legt und dort die Jahrhunderte ueberdauern laesst, ist mir unverstaendlich!

    Ich danke Patrick Baboumian und allen Beteiligten an diesem wundervollen Ereignis, welches beispielhaft und einmalig dasteht! BRAVO!

    Gefällt 3 Personen

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