Das Evangelium – die allein seligmachende Wahrheit?


Christliche Religionen verkünden das sogenannte Evangelium. Und alle an dieses Evangelium glaubenden Christenmenschen sind unerschütterlich davon überzeugt, dass Gott existiert und in der Bibel, der „Heiligen Schrift“, im „Buch der Bücher“ zu uns Menschen gesprochen hat. Diesem „Wort Gottes“ vertrauend, verkünden und predigen uns die christlichen Kirchen, wie Gott angeblich wirkt und was er angeblich tut, wo und wie er sich angeblich finden lässt und wo er uns begegnet. Mit ihren Aussagen jedoch erheben die christlichen Kirchen einen Wahrheitsanspruch, der sich letztlich und eigentlich jedem gesunden Menschenverstand entzieht.

Dieser Wahrheitsanspruch äußert sich in der Überzeugung: „Nur wir sind im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit! Nur unser Glaube ist der einzig wahre Glaube!“

Und aller menschlichen Vernunft zum Trotz behaupten das natürlich auch alle anderen Religionen: „Die Wahrheit ist allein auf unserer Seite und alles andere ist Lug und Trug!“ Wie seltsam und merkwürdig jedoch, dass jede Religion mit gleichem Anspruch etwas anderes behauptet. Und wie kompliziert doch alles ist, denn wie soll man an einen Gott glauben, wenn jede Religion über ihn anders denkt und ihn anders beschreibt?

Je mehr man darüber nachdenkt, um so mehr gelangt man zu dem Schluß: der Wahrheitsanspruch einer Religion ist und bleibt stets sehr, sehr fragwürdig, denn weil es ja nur eine Wahrheit geben kann, dürfte es nie und nimmer verschiedene und mehrere geben. Ganz zu schweigen von den vielen existierenden Sekten, die sich auf die Lehren und Argumente der großen Kirchen grundsätzlich nicht einlassen. Somit ist das Wahrheitsmonopol der christlichen Religionen und Kirchen doch sehr anmaßend und arrogant: „Wir haben recht. Egal, was ihr Ungläubigen auch immer sagt, denkt und glaubt: Die Wahrheit ist nicht in Euch, sondern allein in uns!“

Tatsächlich? Ich kann unmöglich vieles glauben, was uns einerseits die Bibel und andererseits die christlichen Kirchen erzählen und als vermeintliche Wahrheit predigen und verkündigen. Ich kann nicht glauben, dass z.Bsp. Jesus von einer „unbefleckten“ Jungfrau namens Maria geboren wurde und diesbezüglich weder ein Josef noch irgendein anderer Sexualpartner benötigt wurde. Ich kann ebenso wenig glauben, dass z.B. Jona drei Tage lang im Bauch eines Fisches zu überleben vermochte.

Nun gibt es Christen, die mir angesichts dieser und vieler anderer Zweifel entgegnen, dass für Gott nichts unmöglich wäre und die Wahrheit somit nicht in mir, sondern in denen zu finden sei, die sich Gott geöffnet haben und fest an ihn glauben würden. Tatsächlich? Wie können Menschen nur glauben und fest davon überzeugt sein, dass ein persönlicher Gott diese Welt, das Universum, unsere Erde und alles auf ihr existierende Leben nur deswegen erschaffen hat, um sie letztlich uns Menschen zu übereignen und vertrauensvoll in unsere Hände zu legen?

Vermutlich vermögen Menschen dies alles nur zu glauben, weil es doch letztlich ein gutes Gefühl ist, ein religiöses Weltbild mit sich herumzuschleppen, welches uns Menschen in den Mittelpunkt göttlicher Aufmerksamkeit stellt. Und wie können Christen eigentlich daran festhalten, dass dieser Gott, an den sie glauben, angesichts milliardenfach gequälter und ermordeter Tiere für die Gaumenfreuden der angeblichen „Krone der Schöpfung“, angesichts millionenfach ermordeter Juden in den Konzentrationslagern oder auch angesichts vieler Naturkatastrophen, die stets unendlich viel Leid und Elend über viele betroffene Menschen bringen, ein gütiger und liebender Gott ist?

Am 26. Dezember 2004 erschütterte ein Seebeben den Meeresboden vor der indonesischen Insel Sumatra. Dabei ausgelöste Tsunamis haben ganze Küstenstreifen auf Sumatra, in Sri Lanka, Indien sowie zahlreichen weiteren Staaten Südasiens und Ostafrikas verwüstet und weit mehr als 230.000 Tote gefordert. Nach einem dieser verheerenden Tsunamis wurde an Thailands Küste ein lebendes Kleinkind auf einer Luftmatratze angespült. Unfaßbar: In diesem angespülten und noch lebenden Kind sahen viele Christen einen Beweis für das gütige Handeln eines liebevollen Gottes. Welch ein „gütiger Gott“, der ein Kind vor dem sicheren Tod bewahrte und andererseits mehr als 230.000 Menschen in den Fluten des wütenden Tsunamis sterben und umkommen ließ.

Wie „wahr“ es doch ist, wenn Christen meinen und glauben, dass dieser biblische Gott ein allmächtiger, gütiger und uns Menschen liebender Gott sei! Und wie „wahr“ doch auch letztlich alle kirchliche Lehre und Verkündigung ist. Wahrhaftig: sucht man nach der Wahrheit, dann finden wir sie in einer Kirche, die jahrhundertelang Frauen unterdrückte, Minderheiten verfolgte und vielerlei Verbrechen zu verantworten hat. Aber nun, nachdem ihnen die Felle davonzuschwimmen drohen, sind unsere christlichen Kirchen fieberhaft damit beschäftigt, viele ihrer sogenannten „Wahrheiten“ zu verbiegen und zu manipulieren, denn nach wie vor ist es des Bodenpersonals Gottes größte Priorität: Unsere Religion ist die allein Seligmachende und wer die Wahrheit sucht, der findet sie nur in unserer Kirche und in der „Heiligen Schrift“.

Richard Dawkins über Religion und Gott :


 

Advertisements

3 Kommentare zu “Das Evangelium – die allein seligmachende Wahrheit?

  1. Lieber Wolfgang,
    ich möchte hier Georg Büchner bemühen, der auf eine kurze Formel gebracht gesagt hatte: Das Leiden ist der Fels des Atheismus.

    Hier ein Auszug aus diesseits.de dazu.

    Büchners Dramenfigur Thomas Payne ergänzt in „Dantons Tod“, was er von einem gütigen und allmächtigen Gott hält:

    Man kann das Böse leugnen, aber nicht den Schmerz; nur der Verstand kann Gott beweisen, das Gefühl empört sich dagegen. Merke dir es, Anaxagoras, WARUM LEIDE ICH? DAS IST DER FELS DES ATHEISMUS.

    (Hervorhebung vom Autor)

    Die Erlösung aller Gläubigen durch den Kreuzestod Christi erscheint Georg Büchner offenbar als ungeheuerliche Vorstellung, die er nicht glauben mag. Er lässt Robespierre in Dantons Tod argumentieren: „Was sehen wir immer nur nach dem Einen? Wahrlich des Menschensohn wird in uns Allen gekreuzigt, wir ringen Alle im Gethsemanegarten im blutigen Schweiß, aber es erlöst Keiner den Anderen mit seinen Wunden.“ In provokanter Weise relativiert Georg Büchner das im Christentum verherrlichte Leiden Christi durch das millionenfache schreckliche Leid der menschlichen Kreaturen überall auf der Erde.

    Die Theodizee, die ungelöste Frage nach der Rechtfertigung eines von einem angeblich allmächtigen und allgütigen Gott tolerierten Leides auf der Welt, das ist offenbar der große Stein des Anstoßes für Georg Büchner, der ihm zum „Fels des Atheismus“ wird. Damit stellt er sich an die Seite der zeitgenössischen Religionskritik von Feuerbach, Heine, Marx, Engels und anderen Linkshegelianern. Aber auch Epikur hat er offenbar gut gelesen und in sein Jahrhundert übersetzt.

    http://www.diesseits.de/panorama/1383260400/leiden-fels-atheismus-georg-ludwig-buechner

    Liebe Grüße – Hubert

    Gefällt mir

  2. Fortsetzung:
    Das Christentum hat auf dem wichtigsten Gebiet versagt, welches eigentlich seine Hauptmission ist oder sein sollte: dem Erbarmen und der Ethik gegenueber dem Leben! Somit ist diese Religion, allen anderen voran, ein Totalversager – und deren Adepten sollten sich in Bescheidenheit ueben, statt ihre Doktrin ueber alle anderen zu stellen!

    Die herzlosesten Menschen traf ich im Felde christlicher Umtriebe, ob es sich nun um Priester, Pastoren oder deren Adepten handelt! Das Christentum ist die grosse Enttaeuschung meines Lebens, welche alle anderen Enttaeuschungen, auch die zwischenmenschlichen, bei weitem uebertrifft! Deshalb habe ich mit dieser Gilde irgendwie noch nicht abgeschlossen, aber eines habe ich inzwischen gemerkt: wenn man fuer die Gerechtigkeit allen Lebewesen gegenueber eintreten will, kann man nicht mit ihr, sondern muss gegen sie sein!

    Gefällt 2 Personen

  3. Was fuer mich ein grosser Stein des Anstosses ist, betrifft nicht die Frage, ob es Gott gibt oder nicht, sondern die Art und Weise, wie es ihn geben soll! Waehrend bei oberflaechlicher Betrachtung aller Religions-Systeme suesse gezuckerte Bilder das Auge des Betrachters funkeln lassen, sieht es, wenn man in die Tiefe schuerft, ganz anders aus! Da findet sich eine ungeheuerliche Brutalitaet – und zwar in saemtlichen Religions-Systemen, angefangen bei den Azteken, ueber den Candomble der Karibik, das Christentum, den Islam, den Buddhismus (ja: der Kampfsport ist deren Spezialitaet, welche sich in den taoistischen Formen ins Unermessliche steigert und ein Waffenarsenal zutage foerdert, bei welchem einem fuer immer das Lachen vergeht) und schliesslich eben und gerade auch die indischen Religionen, wo es blutruenstiger nicht mehr gehen kann! Ich habe diesen Punkt bis heute ein wenig vernachlaessigt und bin eben dabei, dort der Sache etwas genauer nachzuspueren, denn bis jetzt gab ich mich mit den schoenen Kuh-Hirtenbildern und sanften Singsang-Texten zufrieden, welche mich einst in Zuerich in den Schlaf lullten!

    Zur Zeit studiere ich das Mahabharata, begleitet von der neuen entsprechenden Serie und da ich doch eine ganze Menge Sanskrit verstehe, kann ich in Hindi der Geschichte folgen – und bin total versteinert ob der ungeheuerlichen Brutalitaet, welche ich erst jetzt richtig erfasse! Und es stimmt absolut: ein Moslem kann sein Dorf, seine Familie, seine Geschwister und seine Eltern toeten – dann hoert er auf! Aber der Adept der indischen Religions-Systeme macht dort weiter! Es gibt darauf nur eine Antwort: entweder entspringt die ganze Blutrunst kranken menschlichen Koepfen, oder aber die Religionen sind ein daemonisches Phaenomen, welchem wir bis heute nicht auf den Grund gekommen sind und dessen Ursprung sich unserer Kenntnis entzieht! Wir taeten aber gut daran, diese Frage zu stellen, denn so wie die Welt heute aussieht, ist sie die Konstruktion, Verwirklichung und das getreue Spiegelbild jenes Szenarios, welches genau bis ins hinterste Detail in seiner ganzen abscheulichen Logistik dereinst geplant, konstruiert und fertiggestellt wurde – eine gnadenlose Blutorgie, weitergereicht von Religion zu Religion – fragt sich nur eines: wer steht hinter dem Spiegel, welcher uns dieses Entsetzen nicht nur vorgaukelt, sondern taeglich und stuendlich verwirklichen laesst, sodass wir ihm nur noch im Schlafe entkommen – und dessen Bruder, dem Tod!

    Deshalb ist meine heutige Option fuer beschauliche Stunden die Kunst oder die Natur (die letztere aber ohne Brille, denn wenn man die aufsetzt, muss man nur auf den Waldboden schauen, wo das Toeten bereits in vollem Gange ist, und zwar eben nicht nur im Grossen, sondern auch im Kleinen, was uns Menschen in unserer Kurzsichtigkeit oft entgeht). Die Vergoettlichung der Natur ist keine Option, sondern nur eine Ausflucht besonders romantischer Natur- und Tierfreunde, denn die Realitaet sieht auch dort anders aus! Meine Devise: sich fuer alles interessieren, aber keinem nachfolgen… dann hat man eine echte Ueberlebenschance!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.