Ich bin geldgeil geworden…und das ist gut so!

Von Tierschützerin Bettina Marie Schneider am 18. April 2018

Mit dem Geld ist es ja so, wie mit vielen Dingen…was genug ist, liegt immer im Auge des Betrachters und es ist nie von Vorteil, wenn man beständig mehr von einer Sache haben möchte. So hielt ich das eigentlich auch mein gesamtes Leben mit Geld. Ich kam immer prima damit zurecht oder ließ mir etwas einfallen, um mehr davon zu erhalten, wenn ich der Meinung war, ich müsste dies oder jenes unbedingt haben. Aber wirklich einen Kopf machte ich mir nie darum. Das hat sich dramatisch geändert, seit geraumer Zeit rechne und raffe ich jeden Cent, grübele beständig über neue Geldquellen nach und verfolge jede Ausgabe mit Argusaugen, ob sie tatsächlich notwendig ist oder anderweitig zielbringender angelegt. Ihr ahnt es sicher bereits…diese Veränderung hat mit meiner Arbeit im Tierschutz zu tun.

Seit ich begriffen habe, wie groß die Armut, wie bitter die Not und wie immens der Bedarf ist, hat sich alles verändert. Geld macht satt, Geld rettet Leben, Geld lindert Schmerzen und Geld schenkt Chancen. Es hängt größtenteils von meinem Talent und meinen Ideen ab, ob wir unseren Partnern auch morgen noch das gewährleisten können, was sie für das Überleben ihrer Tiere benötigen. Es hängt von meiner Geduld und meiner Freundlichkeit ab, ob die Spender und Unterstützer bei uns bleiben, ob ich es schaffe, ihr Interesse zu wecken, sie zu begeistern und zu ermutigen, sich einzubringen. Und weil nicht nur ich helfen möchte sondern unzählige kleine Vereine im Wettbewerb um Spender und Unterstützer stehen, herrscht teilweise ein ziemlich ungutes Klima des Wettbewerbs, wo eigentlich einzig Zusammenhalt wichtig wäre.

Heute haben wir wieder einmal an einem Wettbewerb teilgenommen. Wie so oft gibt es Geldspenden zu gewinnen, wenn man es schafft, die Veranstalter der Ausschreibung von seinem Verein zu überzeugen. Manchmal macht man das durch Likes, manchmal gibt es Abstimmungen, in seltenen (mir am liebsten!) Fällen, darf man sich und seine Arbeit vorstellen. Ich ging also auf die besagte Seite und mein Blick wanderte über die Kommentare der Teilnehmer. Es ist bedrückend zu lesen, wie viele Vereine Hilfe brauchen, wie sehr sie sich eine kleine Unterstützung für ihre Tiere in Deutschland wie im Ausland wünschen. Es ist herzzreißend zu lesen, was sie alles leisten und wie bescheiden die Wünsche oft sind. Und dann werde ich wütend!

Warum müssen wir alle jedem Cent hinterher jagen? Die Aufgabe, den Tieren zu helfen ist sogar im Grundgesetz verankert. Warum hat unser Staat, der wirklich für jeden Schwachsinn Geld aufbringt, für jeden Unfug Stellen schafft, nicht die Mittel, um flächendeckend zu unterstützen? Warum erhalten wir Ehrenamtlichen keine Hilfe dafür aber regelmäßig neue Auflagen, die uns das Leben schwer machen und effektives Arbeiten fast unmöglich?

Ich habe begonnen, die Politik und die Politiker förmlich zu hassen, wenn ich Abstimmungsergebnisse, Aussagen und Vorgehen in Sachen Tierschutz verfolge. Was sind wir für ein armseliges, gefühlskaltes Land, was sind wir für ein geiziges und hartherziges Volk! Es gibt nur wenige, die geben und sich um Schwächere kümmern, die Mehrheit hat andere Ziele…irgendjemand wird sich schon kümmern…Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller verlassen sich da ganz auf die zuständigen Stellen. „Die zuständigen Stellen“ verlassen sich ganz auf die Interesselosigkeit und Dummheit von Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher, und es funktioniert.

Also werde ich heute abend wieder schreiben und argumentieren, bitten und ermutigen, damit wir in diesem Wettbewerb vielleicht einen Anteil der Prämie erhalten. Denn wenn morgen wieder drei neue Tiere auf einen Pflegeplatz warten, die gerade elend auf der Straße verrecken, dann kann ich keinen Antrag stellen, kein Formular ausfüllen, keine zuständige Behörde informieren… dann bleibt als einzige Option Kassensturz. Können wir einen Tierarzt, eine OP bezahlen? Ja? Das Tier wird leben, holt es bitte von der Straße. Oder Nein, lasst es sterben, wir haben leider keine Mittel.

Ich musste bisher noch nie Nein sagen. Niemand aus unserem Verein und von unseren Partnern musste das, seit wir uns alle so ins Zeug legen. Ja, ich bin geldgeil geworden…und schäme mich nicht dafür. Schämen sollten sich andere!

Wenn ihr gerne unterstützen möchtet… wir freuen uns immer über jede noch so kleine Spende …

Quelle : guteskarmatogoblog.wordpress.com