Frau Schneider ist sauer…

Von Bettina Marie Schneider

In der Vergangenheit habe ich bereits schon einmal die Arbeit in einem Tierschutz Verein mit einer Baustelle verglichen. Alles reine Nervensache

Mittlerweile ist diese Baustelle zu einer Großbaustelle mutiert, es sind neben mir noch ein paar wenige Baumeister konstant, zuverlässig und genauso leidensfähig jeden Morgen erneut am Bauen, nachdem wir uns spät abends verabschiedet haben und müde ins Bett gewankt sind, oder zornig oder erleichtert, je nach Tageslage.

Insgesamt fühlt es sich jedoch zunehmend an, als ob ich den gesamten Dachstuhl als Dauerlast auf den Schultern trage. Nicht dass dieses Bauwerk keinen Nutzen bringt…es rettet jeden Tag Leben…und es findet viele Bewunderer und Helfer, die im Vorbeigehen einen Stein beisteuern, ein paar Risse flicken, Mut zusprechen oder mit viel Glück sogar in unser Haus kommen , sich ein Werkzeug schnappen und mitarbeiten.

Aber die einzige verlässliche Konstante bleibt die Not. Alles andere ist Glücksache. Teilweise von meinem Geschick und Verhalten abhängig und teilweise von Dingen, die ich nicht beeinflussen kann, oder vielleicht auch nicht mehr will. Auch mein Tag hat nur 24h, irgendwie findet neben der ehrenamtlichen Arbeit und der anderen Arbeit (für Geld) kein Leben mehr statt. Mein Leben, ungezwungen und ohne Angst vor der nächsten Hiobsbotschaft hat sich irgendwo still und leise verabschiedet, genauso wie mein Vertrauen. Verantwortung, Versprechen und auch der Wunsch, dass jeder sich wohl fühlt und bleibt, bestimmt meinen Tages- und Nachtplan.

Ein Chef, der seine Mitarbeiter nicht entlohnen kann, dessen Mitarbeiter alle weit verstreut im Land leben, die er nie gesehen hat und auf Verdacht eingestellt, ein Chef der aber dringend auf sie angewiesen ist, der beständig Entscheidungen über Leben und Tod treffen muss, langfristige Budgetplanungen treffen und für deren Einhaltung haften, der ist ein armer Tropf und es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ihn diese Aufgabe aufreibt.

Der eine geht, weil er keine Lust mehr hat, der andere erscheint nicht, weil er sich mit jemand gestritten hat, der dritte fühlt sich nicht genügend gewürdigt, der vierte hat private Probleme, die vor gehen, der fünfte ist krank, der sechste …ach was weiss ich…

Ich weiss gerade nicht, ob ich mir das weiterhin antun soll, denn es wird sich nie ändern. Der Bedarf und die Verantwortung wird beständig größer. Die dazu nötige Sicherheit und das Fundament jedoch leider nicht stärker.

Ich weiss nur, dass all die wunderbaren Unterstützer, enttäuscht wären, wenn ich hier das Gleiche mache, was so viele im Team oder auch Spender für sich in Anspruch nehmen. (Und was ich absolut verstehe, nur ich kann das leider nie!)

Dass es keine gute Vorbildfunktion im Team wäre, für alle, die zähneknirschend mit mir durchhalten…

…und vor allem, dass es ein super Gau für alle Helfer an der Front wäre, deren Schützlinge im wahrsten Sinn des Wortes auf Gedeih und Verderb meiner Entschlossenheit ausgeliefert sind, all das irgendwie immer zu kompensieren.

Heute bin ich einfach einmal nur sauer. Über mich, weil ich mir auch in Hundert Jahren nicht das dicke Fell zulegen und die Empathie ablegen kann, die zum Durchhalten notwendig wären. Weil ich aus Gewissensgründen, wegen inniger Freundschaften, die mir am Herzen liegen und aus Prinzip keinen Rückzieher machen kann. Nicht einmal eine Pause. Ich halte meine Versprechen. Immer. Und weil alle Bemühungen um Stabilität und auch die sorgsamste Arbeit nicht verhindern können, das nichts im Tierschutz von Bestand ist. Außer der Not.

Quelle: guteskarmatogoblog.wordpress.com

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Ein Kommentar zu “Frau Schneider ist sauer…

  1. Ich wünsche den Menschen, die so engagiert im Tierschutz tätig sind, ganz viel Unterstützung.
    Sie haben es verdient, wie kaum ein anderer.

    Falls ich als Rentnerin noch rüstig und finanziell in der Lage sein sollte (also nicht noch einen Job machen muss), kann ich mir eine Unterstützung in diesem Bereich sehr gut vorstellen.

    Gefällt 1 Person

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