Wort zum Sonntag


Am schnellsten nimmt man einem Volk seine Identität, seine über Jahrhunderte gewachsene Kultur und innere Kraft, indem man es umsiedelt, in fremde Kulturen eingliedert. Das hat schon Karl der Große gewusst, als er auf anderem Weg der Sachsen nicht Herr wurde. Dies ist der effektivste Weg, die politische und ökonomische Herrschaft zu erobern. Ist das Volk aber zu groß, muss man den umgekehrten Weg beschreiten, nämlich in dieses Volk fremde Kulturen der vielseitigsten Art in erheblichem Umfang einmischen.

Dies geschah in Europa auf drei grundsätzlichen Wegen, die teilweise länderspezifisch unterschiedlich waren und es bis heute sind. Zum einen war es die Zuwanderung aus Kolonien, die nach dem zweiten Weltkrieg in die Selbständigkeit entlassen wurden, insbesondere in Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Der andere Weg war die gezielte Anwerbung von Arbeitskräften zum Aufbau der heimischen Wirtschaft mit Deutschland als Vorreiter. Der dritte Weg aber, der nachhaltigste, ist die Völkerwanderung aus südlichen und südöstlichen Ländern, forciert durch die dortige wirtschaftliche Instabilität und durch die Flüchtlingswellen der Menschen, die den Bürger- und Religionskriegen ihrer Heimatländer entfliehen wollen.

Kultur, Identität und volksspezifische Eigenschaften der heimischen Bevölkerung verwischen sich durch den rapide anschwellenden Zustrom unterschiedlichster Kulturen sehr schnell, werden von immer Wenigeren gepflegt, bis sie nur noch rudimentär vorhanden sind. Die neue Mischmasch-Gesellschaft ist nun leicht steuerbar, da ohne Identität, Tradition, kulturelle Verwurzelung.

Cui bono- wem nützt es? Die Antwort ist einfach und dennoch ernüchternd: Ist ein ganzes Land oder gar ein ganzer Kontinent in die Identitätslosigkeit sowie kulturelle Beliebigkeit überführt und sind volksspezifische Besonderheiten irrelevant geworden, kann dieser Menschenbrei mit gleichgearteten Produkten, Ideen und Systemen beherrscht und durch ökonomische Abhängigkeiten gesteuert werden.

Und wer erzwingt die Ausbeutung und ökonomische Abhängigkeit? Zu allen Zeiten der Geschichte die Sieger, nicht primär nur Sieger aus blutigen Schlachten. Heute sind es die Sieger aus dem wirtschaftlichen Vernichtungskrieg, dem totalen Krieg schlechthin. So wie Rom die eroberten Provinzen plünderte, steuern politische und kommerzielle Kartelle in nutzbringender Symbiose – naturgemäß erheblich subtiler als in der Antike – das gleiche Ziel an, nämlich das politisch-ökonomische Diktat des Siegers.

Vae victis – wehe den Besiegten war die Mahnung der Gallier an das besiegte Rom. Vae victis ist die heutige Mahnung an kommende Generationen.


Weniger Lebewesen bedeuten weniger Leiden. Ein einfacher, trivialer Zusammenhang und trotzdem nicht verstanden. Im Gegenteil.

Warum fließen so viele Gedanken in die Mehrung von Leben, menschlichem und tierischem, in die Erweiterung der Leidenssumme? Die Zeit ist nicht reif und wird es wohl nie, zumindest aber so bald nicht werden, dass man diesen sadistischen Lebens-Produktionskreislauf durchbricht und Leiden durch Verhinderung und Verminderung von Leben reduziert. Wer wird vor diesem Hintergrund die ersten Sterberäume einrichten, in denen jeder, der den Wunsch nach Beendigung seines Lebens hat, sein Leben in freier Entscheidung schmerzlos beschließen darf und sich nicht mehr vor den Zug werfen oder von der Brücke springen muss?

Warum gewährt man dem Menschen nicht, was für jedes Haustier eine Selbstverständlichkeit ist?

Wann wird man den freien, selbstbestimmten Tod – würdig eines freien Menschen – loben und feiern, wie einstmals eine Geburt?

Wann werden Sterilisationskliniken für Mensch und Tier ihre Leistung unentgeltlich und gesellschaftlich finanziert erbringen können, damit ungewolltes Leben nicht mehr in die Existenz des Seins gezwungen wird?

Wann wird man bei einer Geburt sich voller Traurigkeit erzählen, welche Elendsstrecke das neue Leben künftig zu durchlaufen hat?

Nur ein kleiner Ausgriff von Fragen, deren rationale Beantwortung freies Denken, Denken abseits von Religion und Gewohnheit, jenseits von Tradition und Trieb voraussetzt, von Faktoren also, die niemals Gedankengut der Masse waren und sein werden.

Das Scheitern ist vorprogrammiert, ist dem Menschen immanent, sein Zwitterwesen aus Vernunft und instinkthaften Trieb treibt ihn selbst und die Welt sehenden Auges ins Chaos. Er könnte es verstehen, er hätte es ändern können, wenn in ihm Vernunft, Klarsicht, rationales Handeln die Oberhand über seine triebhaften Instinkte gewonnen hätte. Aber er hat das Spiel verloren, seine Chancen verspielt, die Tränen über Versäumtes werden vergeblich vergossen werden. Die Lösung bleibt der ewigen Weisheit sowie der gnadenlosen aber unterschiedslosen Gerechtigkeit der Natur vorbehalten – und diese Gerechtigkeit wird schrecklich sein.

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