Zensur einer Meinungsäußerung im Freitagsforum auf ndr.de

In einem am 08.09.2016 von Hilal Sezgin auf ndr.de geposteten Beitrag „Halal oder haram?“  (Erlaubt oder verboten?) äußert sich die Gast-Autorin dahingehend, dass das Schlachten mit gesetzlich vorgeschriebener Betäubung in deutschen Schlachthöfen keineswegs weniger schlimm und grausam wäre als das von Juden und Muslimen meist mit religiöser Argumentation praktizierte betäubungslose Schlachten und Töten der Tiere.

Auch wenn Hilal Sezgin ganz richtig sagt und behauptet, dass ein regulärer Schlachthof kein friedlicher Ort und die vom Tierschutzgesetz geforderte Betäubung kein sanftes In-den-Tod-Streicheln wäre, so ist es dennoch einer ihrer grossen Irrtümer, daran festhalten zu wollen, das das Schächten und somit das betäubungslose Schlachten von Tieren – wobei dem Tier zuvor bei vollem Bewusstsein die Kehle durchschnitten wird und dieses letztlich grausamst und qualvoll in seinem eigenen Blut verröchelt – keineswegs schlimmer und grausamer sein würde als das Schlachten der Tiere mit vorgeschriebener Betäubung.

Als langjähriger Tierschutz-Aktivist gegen das barbarische Schächten von Tieren verfasste angesichts dieser sophistischen Schönrederei von H. Sezgin Herr Ulrich Dittmann am 05. Januar 2018 auf ndr.de einen keineswegs beleidigenden oder gar unsachlichen Gegenkommentar, der allerdings von den „Zensoren“ des NDR als „unangemessen“ bewertet und dementsprechend auch nicht umgehend, sondern erst am 11.Januar 2018 dank des nachfolgenden Email-Verkehrs zwischen Herrn Dittmann und dem NDR freigeschaltet wurde.

Hatte zu Ihrem Beitrag auf https://www.ndr.de/ndrkultur/sendungen/freitagsforum/Halal-oder-haram,freitagsforum312.html gestern einen Kommentar gepostet. Warum wird er nicht freigeschaltet? Was habe ich ggf. verkehrt gemacht? Ich bitte um eine nachvollziehbare Antwort. Nachfolgend nochmals der Wortlaut meines Kommentars:

Es ist sophistischer Unfug, den hier die gewisslich tierliebe Muslima H. Sezgin sehr zielgerichtet abgesondert hat, um das betäubungslose Schächten von Tieren schönzureden. Natürlich wünschen wir eine vegane Ernährungsweise für alle. Aber das ist blankes Wunschdenken – solange die Menschheit von Fleischesgier, gepaart mit archaischem, religiösem Fanatismus, besessen ist. Natürlich werden die Tiere im „normalen“ Schlachthof nicht zärtlich totgestreichelt – aber nicht bewusst und vorsätzlich betäubungslos zu Tode geschunden. Nicht umsonst ist diese Tötungsart lt. regulärem TSchG explizit verboten, bei der die Tiere in ihrem eigenen Blut und Erbrochenem verröcheln.

Wenn denn das betäubungslose Schächten eine so geniale, schnelle und tierfreundliche Tötungsartart darstellen würde, wie von Schächtbefürwortern pharisäerhaft behauptet, warum praktiziert man diese so wunderbare, kostengünstige Schlachtmethode dann nicht überall in der westlichen Welt und verschrottet all die teuren, offenbar „unnützen“ Betäubungsgerätschaften? Analog von Menschenrechtlern, Frauenbeschneidungen etc. nicht geduldet werden, (auch nicht per „Ausnahmegenehmigung“) darf auch niemals vorsätzliche archaische Tierquälerei akzeptiert werden. Betäubungsloses Schächt-Schlachten leistet öffentlicher Verrohung Vorschub, fördert die Etablierung einer abgeschotteten Parallelgesellschaft, desavouiert hier um Integration bemühte Gläubige und Bürger – ist zudem nicht mit der hier geltenden Verfassungsethik zu subsumieren.
Ulrich Dittmann / 06.01.2018

Sehr geehrter Herr Dittmann,

unsere Hörerredaktion hat mir Ihre Frage bezüglich Ihres Kommentars zum Freitagsforum weitergeleitet. Die Kommentare zu Beiträgen auf NDR.de werden im NDR von einem Moderatorenteam aus unserer Onlineredaktion freigeschaltet oder abgelehnt. Ich habe mit dem zuständigen Kollegen wegen Ihres Kommentars gesprochen und schicke Ihnen anbei seine Antwort:

Lieber Jan Ehlert,

wir haben den Post des Hörers nicht freigeschaltet, da er gegen Punkt 1 und auch Punkt 2 der Kommentarregeln verstößt:

1.Behandeln Sie andere Nutzer rücksichtsvoll. Bitte wählen Sie einen höflichen Umgangston – so wie bei einem Gespräch unter guten Bekannten. Provozieren Sie nicht und lassen Sie sich nicht provozieren. Bleiben Sie tolerant, auch wenn es zur Sache geht. Verzichten Sie auf persönliche Angriffe und auf den Versuch, anderen Ihre Meinung aufzuzwingen. Unterlassen Sie abfällige Äußerungen bezüglich Rechtschreibung und Grammatik bei Kommentaren anderer Nutzer.

2.Keine Beleidigungen, keine rassistischen oder sexistischen Äußerungen. Drohungen, Aufrufe zu Gewalt, Hasspropaganda, ehrverletzende Äußerungen, Falschbehauptungen und Entwürdigungen von Personen oder Personengruppen in jeglicher Form sind hier unerwünscht. Diskriminierungen und Diffamierungen aufgrund des Geschlechts, der Religion, der Herkunft, der Nationalität, der Sexualität oder des Alters werden von uns ebenso gelöscht wie pornografische, strafbare oder anderweitig inakzeptable Inhalte.

Der User greift die Vor-Kommentatorin in wenig rücksichtsvoller Manier an und unterstellt ihr, dass sie „sophistischen Unfug absondert“.
Das ist der Grund, warum wir den Kommentar nicht veröffentlicht haben.

Ich hoffe, diese Begründung ist für Sie nachvollziehbar. Ansonsten melden Sie sich gern.
Mit freundlichem Gruß
Jan Ehlert

Sehr geehrter Herr Ehlert,

Danke für die Mühewaltung nunmehr einer Anwortgebung – nachdem ich explizit nachgefragt habe. Heiko Maas hat das Staatsfernsehen offenbar gut dressiert. Mittlerweile glaube ich, wirklich in einem nach Stasi-Manier agierenden Zensurstaat zu leben, indem jegliche kritische, vom öffentlichen vorgegebenen Mainstream abweichende Meinungsäußerung unterdrückt wird. Was KONKRET, welcher Passus meines Kommentars verstößt um Himmels willen KONKRET gegen Ihre Kommentarregeln Punkt 1. und 2. ? Ist es denn nicht “sophistischer Unfug”, übelstes, vorsätzliches(!) betäubungsloses zu Tode metzeln von Tieren schönreden zu wollen? Ist denn diesbezüglich jegliches Empathieempfinden auch mit Hornhaut überwuchert?

Vermutlich verstößt diese meine vorstehende Meinungsäußerung zu ihrer Zensierung auch schon wieder gegen Ihre Regeln? Doch wie , mit welcher Wortwahl, wie verständnisvoll und zärtlich sollte ich die nach hier importierte Tierquälerei des betäubungslosen Schächtens denn artikulieren? Wie bitte, mit welchen Worten?Wie?

Bitte machen Sie KONKRET einen Vorschlag. In diesem Zusammenhang darf ich zur Wissenserweiterung noch auf http://www.pro-iure-animalis.de/index.php/dokumente/articles/betaeubungsloses-schaechten.html – und dort weiterführende Links hinweisen.

In Erwartung Ihrer KONKRETEN Rückäußerung
verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Ulrich Dittmann / 10.01.2018

Sehr geehrter Herr Dittmann,

konkret bezog sich die Kritik an Ihrem Kommentar auf den ersten Satz, in dem Sie sich zu Hilal Sezgin äußern. Dieser widerspricht Punkt 1 und 2 unserer Kommentarregeln. Wenn Sie diesen Satz weglassen oder anders formulieren, dann können wir Ihren Beitrag veröffentlichen.
Mit freundlichem Gruß
Jan Ehlert

Sehr geehrter Herr Ehlert,

wie gewünscht hier untenstehend Änderung des ersten Satzes meines Kommentars – kursiv hervorgehoben. So immer noch nicht genehm, bitte um Ihre Rückäußerung – entsprechender konkreter Gegenvorschlag wie dieser Passus artikuliert werden soll. Ich ändere dann diesen gehorsamst nochmals wie von Ihnen vorgegeben.

Es ist sophistisches Schönreden übelster Tierschinderei – was hier die gewisslich tierliebe Muslima H. Sezgin in dieser Sache sehr zielgerichtet von sich gegeben hat.  Natürlich wünschen wir eine vegane Ernährungsweise für ALLE. Aber das ist blankes Wunschdenken – solange die Menschheit von Fleischesgier, gepaart mit archaischem, religiösem Fanatismus, besessen ist. Natürlich werden die Tiere im „normalen“ Schlachthof nicht zärtlich totgestreichelt – aber nicht bewusst und vorsätzlich betäubungslos zu Tode geschunden. Nicht umsonst ist diese Tötungsart lt. regulärem TSchG explizit verboten, bei der die Tiere in ihrem eigenen Blut und Erbrochenem verröcheln. Wenn denn das betäubungslose Schächten eine so geniale, schnelle und tierfreundliche Tötungsartart darstellen würde, wie von Schächtbefürwortern pharisäerhaft behauptet, warum praktiziert man diese so wunderbare, kostengünstige Schlachtmethode dann nicht überall in der westlichen Welt und verschrottet all die teuren, offenbar „unnützen“ Betäubungsgerätschaften? Analog von Menschenrechtlern, Frauenbeschneidungen etc. nicht geduldet werden, (auch nicht per „Ausnahmegenehmigung“!) darf auch niemals vorsätzliche archaische Tierquälerei akzeptiert werden. Betäubungsloses Schächt-Schlachten leistet öffentlicher Verrohung Vorschub, fördert die Etablierung einer abgeschotteten Parallelgesellschaft, desavouiert hier um Integration bemühte Gläubige und Bürger – ist zudem nicht mit der hier geltenden Verfassungsethik zu subsumieren.

MfG
Ulrich Dittmann / 11.01.2018

Sehr geehrter Herr Dittmann,

Ihr Kommentar ist nun online. Sie finden ihn hier:

https://www.ndr.de/ndrkultur/sendungen/freitagsforum/Halal-oder-haram,freitagsforum312.html
Mit freundlichem Gruß
Jan Ehlert

Fazit: So viel Wind seitens des NDR um eines einzigen Satzes wegen, der sich hinsichtlich der vom NDR erwünschten Korrektur doch eigentlich kaum oder gar nicht von seinem ursprünglichen Wortlaut unterscheidet. Oder vielleicht doch?

Ursprünglicher Wortlaut: „Es ist sophistischer Unfug, den hier die gewisslich tierliebe Muslima H. Sezgin sehr zielgerichtet abgesondert hat, um das betäubungslose Schächten von Tieren schönzureden.“

Und dieser Satz in der zweiten und korrigierten Version: „Es ist sophistisches Schönreden übelster Tierschinderei – was hier die gewisslich tierliebe Muslima H. Sezgin in dieser Sache sehr zielgerichtet von sich gegeben hat.“

Letztlich kann man da nur noch mit einem Kopfschütteln reagieren, wie sehr man sich doch heutzutage seinen Kopf zerbrechen und seine grauen Gehirnzellen strapazieren muss, sobald es gilt, möglichst politisch „korrekt“ und immer schön brav und folgsam wie ein Hund an der Leine in den Staatsmedien einen Kommentar posten zu wollen und hierbei mit der bekundeten Meinungsäußerung auf gar keinen Fall irgendeinem Andersdenkenden allzusehr unzart und lieblos auf die Füße zu treten ……….

 

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