Wort zum Sonntag


Philosophie, wie ich sie verstehe, ist das gedankliche Eindampfen komplexer Sachverhalte und Gedanken, bis sie für den Normalverständigen praktisch handhabbar werden und ihm konkrete Leitplanken der Moral, des Handelns und Denkens liefern – verständlich, ungeschminkt, direkt, scharf, punktgenau und anwendbar. Praktische Philosophie nannten unsere antiken Vorfahren dieses Vorgehen.

Sophistische Wortdrechseleien hingegen, hochgezüchtete Gedankensysteme und exzessive Interpretationen aus der Philosophiegeschichte und das alles mit schwer verdaulicher Fachsprache serviert, komponieren das Menue, das die Philosophie den heutigen Menschen unverdaulich gemacht hat.


Die Struktur allen Lebens offenbart: überall ist Krieg, wo es Leben gibt herrscht Krieg! Kein bellum omnium contra omnes, kein Krieg aller gegen alle, aber in einzelnen Lebensformen ein Krieg Weniger gegen Viele. Das Prinzip des Fressens und Gefressen-Werdens dominiert die Kreatur. Aber eine Lebensform führt einen totalen Krieg – die Lebensform Mensch. Diese Spezies bekämpft, unterdrückt und vernichtet alles und jeden, selbst die eigene Art.

Es wird aber der Tag kommen, da steht dieser gnadenlose Vernichter mit gezogenem blutigen Schwert auf dem Schlachtfeld, lässt den Blick schweifen und findet ausser seinen Truppen nur noch rauchende Trümmer in einer Todeswüste. Verwesungsgeruch und Blutgestank liegen über dem Schlachtfeld, alles ist hingemetzelt, zerstört. Er hat sein Ziel erreicht, aber künftig muss er in Ruinen einst wunderschöner Lebenspaläste hausen, die bald über ihm zusammenbrechen und ihn mit seinem Sieg begraben werden. Er hat sich zu Tode gesiegt – seinem Selbstmord-Sieg.


Abfallholz und edelstes Schnitzwerk, Hartholz und weiche Ästchen, egal, alles verbrennt im Ofen zu einer grauen Asche, wird gleichermaßen gewandelt, nicht unterscheidbar, wird aufgelöst, zerstreut. Die ursprüngliche Form und Funktion kehrt nie wieder, ist nicht mehr zu erkennen, war einmalig und ist bedeutungslos geworden, gehört nun der Vergessenheit, der Nichtigkeit, gehört der Metamorphose. Erkenne, akzeptiere, verinnerliche, denn dieses ewige Gesetz der Metamorphose gilt für jegliche Kreatur, für jegliches Leben – ohne Ausnahme, auch für dich.


„Der Irrsinn ist bei einzelnen etwas Seltenes – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“ Wie wahr, wie wahr, großer Friedrich Nietzsche!

Irrsinn aller Orten, keine Revolte gegen Unvernunft, kein Aufbegehren gegen Absurditäten, kein Kampf gegen Leid, Angst, Vernichtung, Versklavung, Ausbeutung, nur dümmliche Hoffnung auf Besserung. Keine Ächtung der ungebremsten, alles vernichtenden Vermehrung der menschlichen Heuschreckenkreaturen, keine Ächtung der vernunftfressenden Religionen, keine Ächtung der uferlosen Naturausbeutung, keine Ächtung …von nichts, von niemand, nicht einmal Ächtung der globalen Verblödung. Die Welt verreckt an der auf positive Veränderung hoffenden Stupidität, am kollektiven Irrsinn der viel zu vielen Mittelmäßigen.


Herr vergib ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun.


Die Menschen ähneln zusehends dem Ghetto-Tier. Sie fressen – in jeder Beziehung – was ihnen an genormter Nahrung hingeworfen wird.


 

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