Das kostbare Vermächtnis des Rolf Peter Sieferle

Jede Bewegung, die Aussicht auf langfristigen politischen Erfolg und die Durchsetzung einschneidender gesellschaftlicher Veränderungen haben will, braucht neben mutigen Aktivisten und schlagkräftigen Organisationen auch Denker, die zur tiefschürfenden Analyse der historischen Situation und der diese bestimmenden Tendenzen fähig sind. Die wachsende patriotisch-freiheitliche Bewegung in Deutschland kann sich glücklich schätzen, in dem nachgelassenen, nun wieder bzw. erstmals gelesenen Werk von Rolf Peter Sieferle den bedeutendsten deutschen Denker der letzten Jahrzehnte auf ihrer Seite zu haben.

Von Wolfgang Hübner

Zwei Bücher waren es 2017, die einen Autor in den Mittelpunkt des Interesses und erbitterter Kontroversen rückten, der im September 2016 seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hatte: „Finis Germania“, der intellektuell anspruchsvolle Sensationserfolg von Götz Kubitscheks Verlag Antaios, sowie „Das Migrationsproblem“, das die „Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung“ behandelt. Der 1949 in Stuttgart geborene Sieferle hatte 1977 mit einer Arbeit über den Revolutionsbegriff bei Marx promoviert und war zuletzt Professor für Geschichte an der Universität St. Gallen.

Schon 1982 hatte sein Buch „Der unterirdische Wald“, das immer noch als Standardwerk der Umweltliteratur gilt, einiges Aufsehen erregt. Sieferle war allerdings auch mit etlichen nachfolgenden Publikationen nie über einen beschränkten Leserkreis bekannt oder gar berühmt geworden. Wie viele aus seiner Generation, der Generation der „68er“, hatte Sieferle eine lange Entwicklung vom Heidelberger SDS-Linksradikalen zu dem Mann durchgemacht, der mit immenser Bildung und der stets ungeheuren Anstrengung selbständigen Denkens unsere Zeit und ihre Triebkräfte analysiert hat.

Die wahre Qualität eines Analytikers zeigt sich daran, wie gut und wie tief er schon lange vor den realen Entwicklungen, mit denen wir nun konfrontiert sind, deren Ursachen erkannt hat. Sieferle hat bereits 1994 ein damals wenig gelesenes und noch weniger verstandenes Buch mit dem Titel „Epochenwechsel. Die Deutschen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert“ publiziert. Die Zeit damals war noch nicht reif für das Verständnis eines aus heutiger Sicht visionären, aber nie spekulierenden, sondern argumentierenden Buches. Das fast 500-seitige Werk ist nun im Landtverlag erneut erschienen.

Geradezu überreich an historischen und philosophischen Überlegungen, Reflexionen über Technik und Umwelt, vor allem aber der umfassenden Herausarbeitung des Gegensatzes von Universalismus (Globalismus) und Partikularismus (Verteidigung der Eigenständigkeit) ist „Epochenwechsel“ ein Buch, nach dessen Lektüre viel besser verstanden werden kann, welche historischen Kräfte und Interessen gegenwärtig wie auch in Zukunft miteinander ringen.

Zu diesen Kräften zählt Deutschland seit 1945 nicht mehr. In „Finis Germania“ heißt es bei Sieferle: „Seine Zeit als welthistorisches Volk liegt hinter ihm.“ Solche zuvor im Text wohlbegründeten Sätze wie auch seine erhellend-unerbittlichen Betrachtungen zum deutsch-jüdischen Verhältnis, seine politisch unkorrekten Gedanken zu Reizthemen wie „Migration“, „Antifaschismus“ oder „Vergangenheitsbewältigung“ haben Sieferle postum den geradezu blindwütigen Hass derjenigen eingebracht, die ihm weder intellektuell noch wissenschaftlich das Wasser reichen können.

Keiner der Sieferle-Verächter kann es deshalb wagen, sich wirklich auf sein Werk einzulassen, sich also ernsthaft damit zu beschäftigen. Viel zu groß wäre die „Gefahr“, an bisher gepflegten Dogmen und zeitgeistigen Verirrungen Zweifeln zu bekommen. Für alle, die schon längst diese Zweifel haben oder diese nicht scheuen, ist das Werk von Rolf Peter Sieferle, das im Laufe der nächsten Jahre vom Landt-Verlag in einer zehnbändigen Gesamtausgabe erscheinen wird, eine Kostbarkeit, die den aktuellen und künftigen Kämpfen um die Zukunft Deutschlands eine unverzichtbare geistige Grundlage schenkt.

Quelle: journalistenwatch.com

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