Unheilige Allianz von Kirche und Jagd

(Karikatur von Bruno Haberzettel)

Ergänzungen zum Beitrag vom 11.11.2017: „Kirche verteidigt Hubertusmesse vor Tierschützern“

Alljährlich finden im Oktober und November die so genannten Hubertusjagden statt. Und bis heute halten sowohl katholische, als auch evangelische Kirchen alljährlich Hubertusmessen ab und segnen die Waidmänner, ihre Waffen und die »Strecke« der getöteten Tiere. Anstatt den heiligen Hubertus zum Schutzpatron der Tiere zu machen, ernannte die Kirche ihn zum Patron der Jäger. Und dies, obwohl der heilige Hubertus der Legende nach der Jagd entsagte, als er im Geweih eines Hirsches ein strahlendes Kreuz erblickte!

Die Legende Hubertus und dem kreuztragenden Hirsch ist aus der Dichtung und der bildenden Kunst bekannt. Gemäß der überlieferten Legende wurde Hubertus um 655 als Sohn eines Edelmannes geboren und starb im Jahre 728. Anfangs führte er ein vergnügungssüchtiges Leben und war ein leidenschaftlicher Jäger. Als er eines Tages bei der Jagd einen Hirsch aufgespürt hatte und ihn verfolgte, um ihn zu töten, stellte sich dieser ihm plötzlich entgegen. Zwischen seinem Geweih erstrahlte ein Kreuz, und in der Gestalt des Hirsches sprach Christus zu ihm: »Hubertus, warum jagst du mich?«

Hubertus stieg vom Pferd und kniete vor dem Hirsch nieder. Von diesem Moment an beendete Hubertus das Jagen und führte fortan ein einfaches Leben.

Soweit die Legende. Nach seinem Erlebnis mit dem Hirsch hörte Hubertus also mit der Jagd auf und wurde ein ernster Christ. Denn wahres Christentum und Jagd passen einfach nicht zusammen. Bei seiner Begegnung mit dem Hirsch wurde er nämlich vor die Wahl gestellt, entweder tötet er das Tier – dann tötet er auch Christus – oder er tut dieses nicht und bekennt sich zu Christus. Oder mit den Worten aus Matthäus 25,40 gesprochen:
»Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, dass habt ihr mir getan«.

Es steht auch nirgends geschrieben, dass Jesus Christus, den beide Konfessionen als Sohn Gottes verehren, jemals Tiere gejagt hat. Das wäre auch sehr widersinnig, denn Gottes 5. Gebot lautet »Du sollst nicht töten«. Jede Jagd ist aber mit dem Töten verbunden.

(Foto: karrenbrock.eu)

Trotz alledem finden aber alljährlich am 3. November, dem Hubertustag, die so genannten Hubertusjagden sowie Hubertusmessen in Kirchen statt. Anstatt den heiligen Hubertus zum Schutzpatron der Tiere zu machen, ernannte die Kirche ihn zum Patron der Jäger. Alle Jäger sollten sich aber den heiligen Hubertus zum Vorbild nehmen und aomit aufhören zu jagen.

Der Sinn der Hubertuslegende ist doch wohl dieser, dass der Mensch in Einklang und Frieden mit der Natur und den Tieren leben soll. Er soll nicht der Jäger, sondern der Beschützer und der Freund der Tiere sein. Wie heißt es doch so schön bei Markus 16,15: »Gehet hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.« Hiermit ist sicherlich nicht das Jagen gemeint.

Kirche und Jagd – das war schon immer eine unheilige Allianz. Bis heute halten sowohl katholische, als auch evangelische Kirchen alljährlich Hubertusmessen ab und segnen die Waidmänner, ihre Waffen und die »Strecke« der getöteten Tiere. Und dies, obwohl der heilige Hubertus der Legende nach der Jagd entsagte, als er im Geweih eines Hirsches ein strahlendes Kreuz erblickte und die Stimme von Christus hörte: »Hubertus, warum jagst du mich?« Wann folgen Jäger und Pfarrer Hubertus nach?

Kirche und Tiere – ein ebenso unseliges Kapitel. Dass die Tiere in unserer Gesellschaft millionenfach so unsagbar leiden müssen, ist nicht zuletzt auf die gefühllose Haltung der beiden großen Kirchen gegenüber den Tieren zurückzuführen. Jahrhundertelang und bis heute sprechen beide Kirchen den Tieren die Seele ab – und auch die Gefühle. Selbst Tierschützer innerhalb der Kirchen »werden von Kirchenkreisen häufig als überspannte, neurotische Spinner abgetan«, schreibt der Theologe und Tierschützer Guido Knörzer (Guido Knörzer: Töten und Fressen? Kösel-Verlag, 2001, S. 32).

Wann gab es jemals ein offizielles kirchliches Wort gegen Massentierhaltung und Tiertransporte? Wann haben sich die großen Kirchen jemals gegen Tierversuche ausgesprochen? Die Kirche ist seit Jahrhunderten gegen die Tiere – und dies, obwohl Jesus und die ersten Christen Vegetarier waren. Dies wusste übrigens auch noch Kirchenvater Hieronymus, welcher bekanntlich die Bibel zusammenstellte: »Der Genuss des Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt… Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, so dass es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen.« (Adversus Jovianianum I, 30)

Prof. Dr. theol. Dr. h.c. Erich Grässer, em. Ordinarius für Neues Testament an der Universiät Bonn: »Was ist mit Kirche und Tierschutz? Ich muss an dieser Stelle deutlich werden: Wenn einst die Geschichte unserer Kirche geschrieben wird, dann wird das Thema „Kirche und Tierschutz“ im 20. Jahrhundert dann ein ebenso schwarzes Kapitel darstellen wie das Thema „Kirche und Hexenverbrennung“ im Mittelalter.«

Die evangelische Theologin Christa Blanke, ehemals aktiv bei AKUT, zum Thema Hubertusmessen (in: DER SPIEGEL 44/2001): »Die Geschichte einer Umkehr wird von beiden Konfessionen verfälscht und missbraucht«, beklagt Christa Blanke, langjährige Pfarrerin in Glauberg bei Offenbach. Hubertus sei eher zum Patron des Wildes als der Jäger berufen. Obwohl tief als Protestantin verwurzelt, ist die 53jährige Theologin – ein bisher einmaliger Fall – im vergangenen Jahr aus der Kirche ausgetreten: »Die segnet diejenigen, die Tiere töten. Diejenigen, hingegen, die Tiere schützen, werden beargwöhnt.«

Kein Wunder, dass immer mehr Tierschützer (und nicht nur diese) aus der Kirche austreten.

(Foto: wz.de)

Quellen: abschaffung-der-jagd.de sowie auch Blog von Tierfreund Hubert

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4 Kommentare zu “Unheilige Allianz von Kirche und Jagd

  1. Auf diese abscheuliche Allianz gibt es nur eine Antwort: Austritt diesen lebensverachtenden Kirchen und das sofort!!

  2. Dies ist ein hervorragender Beitrag, vor allem auch die Bilder! Und genauso ist es auch in Frankreich. Der Dorfpfarrer, wo wir vorher wohnten, wusste gar nichts von der Umkehr des Hubertus, sondern glaubte ernsthaft, dieser sei so quasi das Reklame-Maennchen fuer die Jaeger. Als ich ihn aufklaerte, zuckte er nur hilflos mit den Achseln. Das internationale Verhalten der Landeskirchen und auch vieler Freikirchen (nicht allen) ist einfach nur miserabel und schaendlich. Mit welchem Recht stellen sich diese verantwortungslosen und unfaehigen Mieslinge vor das Volk und schwingen sich zu dessen seelisch-geistiger Erziehung auf, wo sie selbst doch nicht mal das Einmaleins der allumfassenden Liebe und Ethik kennen, ja gar keine Antenne dafuer besitzen. Dies entspricht in etwa einem Kleinkind im Sandkasten, welches den Eiffelturm erbauen will.

    Dass sich diese Sandkasten-Spieler in hoechstem Masse laecherlich machen steht schon mal fest und waere weiter nicht so tragisch, sondern hoechstens amusant, dass sie aber vor allem ungeheuerlich schaden, ist die andere Seite der Falschmuenze – und umso bedenklicher, denn mittlerweile steht das Wohl oder Wehe der ganzen Natur mit all ihren Lebewesen auf dem Spiel. Wenn ein unfaehiger Trottel nicht versteht, dass er abtreten muss, wird er gefaehrlich und seine Unfaehigkeit entwickelt sich schliesslich zur Boshaftigkeit – und in diesem ganz speziellen Fall geht eben diese Boesartigkeit dem Wohlergehen der ganzen Schoepfung ans Leben. Heute ist dieser ungeheuerliche materielle und geistige Schaden irreversibel, d.h. es gibt keine Heilung mehr dafuer, zu viele Lebewesen sind bereits eines furchtbaren Todes gestorben. Aber da die Kirche die Natur als toten, nichtfuehlenden Organismus betrachtet, behandelt sie diese auch so, und fuegt an den materiell-geistigen Schaden noch den seelischen, denn unzaehlige Menschen, welche sich aufs grobste hintergangen fuehlen durch diese frevlerische Thron-Usurpierung der Pfaffengilde, gleiten ab in tiefes seelisches Leiden.

    Seit ca. 1800 Jahren hat die Kirche nur noch zerstoererische Funktion, siehe Heidenverfolgung und Hinrichtung von sogenannten Heiden (deswegen kam es ja dann zu den Christenverfolgungen, welche genauso wenig gutzuheissen sind), Kreuzzuege, Hexenverfolgung (wobei weltweit Millionen von sogenannten Hexen und Zauberern zu Tode gefoltert und verbrannt wurden), Inquisition (auch in Suedamerika) Massenhinrichtungen (Autodafés) von sogenannten Abtruennigen, welche wieder zu ihren alten Religionen zurueckkehrten, Zerstoerung des indianischen Volkes waehrend der spanischen Conquista, Kriminelle Papst-Exzesse waehrend der Borgia Dynastie und anderen Paepsten, Folterungen und Toetungen von Nonnen, welche schwanger wurden, Toetung von deren Kindern, Massenmorde in der sogenannten Bartholomaeus-Nacht in Frankreich durch den katholischen Medici-Clan, wobei tausende von Reformierten abgeschlachtet wurden, Totale Ausrottung der vegetarischen Bogomilen und Katharer in Suedfrankreich, landesweite Ermordung der Jakobiner in Italien mit Hilfe der Kirche (im Gegensatz zu Frankreich, wo waehrend der franzoesischen Revolution die Priester massakriert und in den Taufbecken ertraenkt wurden). Fuer all diese Vergehen hat sich die Kirche bis heute nicht entschuldigt. Dazu kommen noch viele andere Dinge, aber das allerschlimmste Vergehen dieser scheinheiligen Institution ist der Verrat an der Schoepfung. Das ist wahrlich unverzeihlich, denn wenn diese Leute behaupten, an einen Schoepfergott zu glauben, so veruntreuen sie ja laufend eben das, was er ihnen anvertraut: das Leben!

    Rundum: Homo Bestia Bestiorum est! Der Mensch ist die Bestie aller Bestien, darin ist er wohl im ganzen Universum einmalig.

  3. Noch eine Bemerkung zu zwei anderen sehr wichtigen Punkten, in welchen in einem Fall die Landeskirchen und im anderen Falle die charismatischen Freikirchen einen grossen Verrat begingen und begehen:

    Zum Verrat der Kirchen an der Natur und den Tieren gesellen sich ein sehr duesteres historisches und ein aktuelles Versagen, von welchem ich bis heute eigentlich noch nie habe sprechen hoeren:

    1. Das offizielle Verhalten der amerikanischen Kirchen waehrend der Zeit der Sklaverei, vor allem in den amerikanischen Suedstaaten, wo mit dem vollen Gutheissen der Kirchen an den von Afrika eingeschleppten Menschen die ungeheuerlichsten Verbrechen veruebt wurden, die man sich vorstellen oder nicht vorstellen kann, ohne dass jemals von der Kanzel an die weissen Kirchgaenger irgendein Appell ergangen waere, ganz im Gegenteil, der Klerus der Suedstaaten ermunterte sogar die Versklavung der Afrikaner, da diese doch Nachkommen Hams seien, welcher die Bloesse seines Vaters Noah offenlegte, und dieser ihn anschliessend verflucht habe, den anderen beiden zu dienen, also den Eurasiern Sem und Japhet. Auch bei der Ausrottung der Indianer Nordamerikas, als viele ihrer Doerfer dem Erdboden gleichgemacht wurden, obwohl sie die amerikanische Fahne ueber den Haeuptlings-Zelten hiessten, wie ihnen von Staates wegen geheissen wurde, schwieg die Kirche beharrlich. Den indianischen Muettern wurden die Kinder weggenommen und zwangs-evangelisiert, ebenso in Australien, wo dasselbe mit den Aboriginals geschah. Heute ist die Identitaet dieser Voelker zerstoert und die meisten sind dem Alkohol verfallen, da sie sich in einem Niemandsland bewegen, von dem sie nicht mehr wissen, ob es nach links oder nach rechts geht, da sie ihre eigene Identitaet gar nicht mehr kennen.

    2. und das ist der Hammer. In den charismatischen Freikirchen herrscht eine gefaehrliche Gehirnwaesche dahingehend, dass die Frau, da sie aus der Rippe Adams stamme, gar keine eigene Existenz habe – nach dem Tod verschwinde sie wieder in der Rippe Adams, siehe ihres Gatten und ihre Existenz hoere auf. Als ich fragte, was denn mit denjenigen geschehe, die nicht verheiratet seien, herrschte betretenes Schweigen. Dazu kann ich nur sagen: solches Gift braucht die Welt NICHT, WIRKLICH NICHT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  4. Der in diesem Beitrag – und anderen bei Wolodja veröffentlichten Artikeln – erwähnte Prof. Dr. theol. Dr. h.c. Erich Grässer, ist am 2. Juni 2017 im Alter von 90 Jahren verstorben.

    Er war einer der wenigen Kirchenvertreter, der mit Vehemenz das Versagen der Amtskirche im Tierschutz anklagte.
    In unzähligen Veröffentlichungen verurteilte er mit scharfen Worten das Verhalten der Kirche: „Wenn einst die Geschichte unserer Kirche geschrieben wird, dann wird das Thema „Kirche und Tierschutz“ im 20. Jahrhundert darin ein ebenso schwarzes Kapitel darstellen, wie einst das Thema „Kirche und Hexenverbrennung“ im Mittelalter.“
    Siehe https://bildung-und-mensch.de/tierrechte/kirche-und-tierschutz.html

    Das Thema „Kirche und Tierschutz“ wurde immer wieder einmal auch vom Fernsehen aufgegriffen.
    Prof. Grässer referierte in einer Dokumentationssendung des Hessischen Fernsehens 1983 hierzu. Ich war Ende der 1970er Jahre aus der Kirche ausgetreten und wurde als „unzufriedener Christ aus dem Volke“ vorgestellt. So konnte ich mit (leider nur wenigen!) deutlichen Worten auch zu den die Schöpfung Gottes verhöhnenden Handlungsweisen der Pfaffen in schwarzem Talar und bunten Gewand, Stellung nehmen.-

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