Die Sprache der Tiere und die Ueberheblichkeit des Menschen


Die erste Sache, welche ich im katholischen Schulunterricht eingetrichtert bekam, war die hartnaeckig sich wiederholende Litanei des heillosen Schwarzrockes, die Tiere haetten keine Sprache, was dann anschliessend die ganze Klasse nachgackerte! Dieser von allen guten Geistern verlassene Pfaffe gehoerte offenbar zu jenen drei unheiligen Affen, welche nichts sehen, nichts kluges reden und nichts hoeren. Schon als kleines Kind war mir diese Geisteshaltung in einem voellig stummen und sterilen, nur dem menschlichen Worte das Ohr leihende Universum ein Greuel. Wie kommt es, dass die Spezies Mensch sich fuer die alleinige sprachbegabte Gattung haelt, ohne darueber je vernuenftig nachgedacht zu haben? Alleine diese Tatsache beweist die begrenzte Intelligenz und den limitierten intellektuellen Horizont jener Vertreter der Gattung Mensch, welche fuer Erziehung und Weiterentwicklung stehen sollten, allen voran der Lehrer und Priester, welche jedoch ganz offensichtlich die Hauptschuldigen sind im fortdauernden Prozess der Veruntreuung von Mutter Erde.

Bereits als Kind, wenn ich morgens wach im Bette lag, hoerte ich dem Amsel-Gesang aufmerksam zu und begriff sofort, dass es sich dabei um sehr nuancierte Nachrichten-Uebermittlungen handelt, mit stets neuen Tonleitern, vorgetragen in stets unterschiedlichen Abstaenden in unterschiedlich langen Zeitraeumen – z.B. du du duuuu duiii – du du duuuuuu duiiiiiiii – du du du ui – dann folgt Schweigen und dann die Antwort!

In diesem Sinne verhaelt es sich bei jeder Spezies, jede hat eine sehr anspruchsvolle, nuancierte Sprache, nehmen wir als Beispiel die Katzen, welche einen sehr umfangreichen Wortschatz haben, den ich inzwischen groesstenteils entziffert und mir angeeignet habe:

rrrrrt und um die Beine streichen – hier bin ich

mauuuuu – ich bin hinten im Garten, aber das Gras ist nass, komm mich holen, damit ich auf deiner Schulter Platz nehmen kann und du mich nach Hause traegst

ein kurzes me‘ – au, du stehst auf meinem Fuss

rrrrrau, rrrrrau – kommt her, Gefahr ist in der Luft

rrrrrauuu – Ruf nach einem Kater

miaau – ich will dieses gute Essen sofort

e-e-e-e – gib, gib, gib

mi? – was machen wir nun – bringst du uns rein? (usw.)

Ich meine, im Laufe eines Lebens sollte es doch zum gesunden Menschenverstand gehoeren, dass man sich die Muehe nimmt, die Sprache der Tiere, die uns umgeben, zu lernen, genau wie die Tiere dies mit unserer Sprache tun.

Jeder Mensch, welcher sich diese Muehe nicht nimmt, aber anschliessend behauptet, die Tiere haetten keine Sprache, ist ein verantwortungsloser Idiot – und wenn es sich bei solchen Individuen um Lehrpersonal, welcher Art auch immer handelt, so sind sie obendrein noch ehrlose Lumpen und Falschmuenzer der Sprachwissenschaften, weil sie Behauptungen aufstellen, welche ganz einfach nicht stimmen!

Fakt ist: der Mensch ist vor lauter Groessenwahn dermassen aufgeblasen, dass er sich diese Frage gar nicht stellt, weil er sich in seiner Einfalt fuer einmalig haelt! Welch fataler Irrtum, dem er da laufend aufsitzt, bis ihm vor lauter Megalomanie der Kragen platzt! Und so faehrt er weiterhin ohne wahres Wissen um die Schoenheiten und die Reichtuemer der Kreaturen in die Grube – und dies geschieht ihm recht!

Mit lieben Gruessen an alle Leser – Eure Claudia

 

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