Aus der Schatztruhe meiner Erfahrungen


Im heutigen Beitrag einmal ein paar wertvolle Tipps an Tierschuetzer, welche eine groessere Gruppe von Katzen gerettet haben – und diese behalten wollen:

Seit meinem Umzug in ein geeignetes Haus mit entsprechendem gruenen Innenhof im Jahre 2009 war es mir bestimmt, Jahr um Jahr einer oder zwei Strassenkatzen ein Heim zu geben! Ich folgte meiner inneren Stimme, welche man auch Gewissen nennen koennte, denn es ist der Mensch, welcher diverse Spezies wie etwa Hunde und Katzen durch sein Verhalten an sich gezogen und gebunden hat in einer Weise, dass diese heute von ihm abhaengig sind und aus ihrem urspruenglichen Milieu verbannt wurden – vor allem hinein in die Doerfer, Staedte und Grossstaedte, wo sie ein miserables Dasein fristen, und wo sie den Grausamkeiten der Bestie Mensch in jeder Form ohne Gnade ausgeliefert sind!

Wie meine Katzen und ich uns fanden, berichtete ich bereits bei frueherer Gelegenheit und ich ermuntere den lieben Leser, fleissig im Archiv des Wolodja-Blogs zu recherchieren, dann wird er oder selbstverstaendlich sie, eventuell auch unter meinem frueheren Pseudo Siraganda, den entsprechenden Artikel finden!

Somit steht die Anzahl der geretteten Katzen bis zum heutigen Tage bei 8. Leider musste ich die Erfahrung machen, dass es bei dieser Zahl aus verschiedenen Gruenden bleiben muss!

1. Das Revierverhalten der Katzen hat ein absolutes Maximum erreicht, damit die Tiere sich wohl fuehlen und einander friedlich akzeptieren

2. Das Heranschaffen der Nahrung (62 Buechsen Bohnen, 6 Saecke Kroketten, zwei Flaschen Sonnenblumenoel und jeden Tag frisches Spitzgras). Aufgemischt ergibt dies eine Leckerei, welche die Katzen ganz offensichtlich sehr viel mehr geniessen als Fleisch, denn als es noch Fleisch gab, setzten sie sich nebeneinander und jede wartete, bis sie an die Reihe kam! Da waren es aber noch nicht so viele! Aber mit 8 Katzen kann ich eine rein fleischliche Ernaehrung aus ethischen Gruenden nicht mehr verantworten. Aber seit dem Bohnensegen ist der wilde Tiger voll entfacht und mit frenetischen Spruengen und Schreien haschen sie in wildem Durcheinander nach dieser ueberaus willkommenen Koestlichkeit, wobei ich ganz speziell auf meine Haende und Finger acht gebe, denn sonst….. Diese beinahe vegane Lebensweise, d.h. 65 % Bohnen und 35 % Kroketten (die Kroketten enthalten 20 % Fisch) vermeidet den Befall von Laeusen, Floehen und Wuermern.

3. Der finanzielle Aspekt (zum Glueck sind die Tiere aber aufgrund der obigen Ernaehrungsweise gesund und munter)

4. Der Arbeitsaufwand (bei 8 Katzen ist taegliches Reinemachen ihrer Unterkunft erforderlich), auch bei eventueller Grippe oder Unwohlfuehlen im Allgemeinen (an diese Situation erinnere ich mich noch lebhaft aus meiner Pferdezeit, wo ich sogar trotz Erbrechen Pferde putzte) Zum Glueck fuehle ich mich heute gesuender als frueher!

Nun aber zu den versprochenen Tipps fuer Katzenretter: wie haelt man unter ganz verschiedenen Katzen, welche nicht durch familiaere Bande verbunden sind, Frieden und vor allem: wie haelt man eine groessere Gruppe von Katzen in einer Notsituation oder Gefahr beisammen, wie einen Bienenschwarm, ohne dass eine verlorengeht? Diese Frage stellte ich mir im Fruehling dieses Jahres und stehe nun im Herbst dieses Jahres mit der Antwort bereit, denn waehrend der Sommerzeit verbrachte ich sehr viele Stunden bei meinen Katzen, um dies rauszufinden!

Die Triebfeder zu diesem Erfahrungswunsch war der Totalbrand des angebauten Nachbarhauses, von welchem ich durch den ueberaus starken Rauch (nicht durch die Flammen, welche nicht uebergriffen) betroffen war. Die Feuerwehr oeffnete bei mir alle Tueren und Fenster und verbot mir die Rueckkehr ins Haus fuer 24 Stunden, wobei ich mit einer Nachtwache um Mitternacht reindurfte, um anschliessend wieder zur Nachbarin zu gehen! Ich war total traumatisiert, denn ich wusste nicht, was aus meinen Katzen geworden war, da ja alles offen stand (den Hund hatte ich bei mir). Der Hund des Nachbarn erstickte im Rauch, denn der Brand wurde erst entdeckt, als das Haus bereits in Flammen stand. Ich sah die Asche des toten Hundes – mein Nachbar (der ja meinen Garten besorgt und mich mit Gemuese und Fruechten betreut) weinte – und ich auch.

Ich bestand auf der Rueckkehr ins Haus, wobei mich zwei Feuerwehrleute begleiteten und ich miaute, ja ich miaute! Der eine fragte den anderen: ‚was tut sie denn da?‘ ‚Sie ruft ihre Katzen‘, antwortete der andere – und liess mich gewaehren! Aber welch gute Ueberraschung erlebte ich da: alle acht Katzen waren auf ihrem Platz geblieben, mein erst adoptierter Liebling Dolce erwartete mich sogar in der offenen Garage sitzend! Das war einer der schoensten Momente meines Lebens – und ich schloss ueberall zu, wo ich konnte (den Rauch spuerte ich noch mindestens 10 Tage lang), denn man soll solch eine Chance nicht auf die Spitze treiben und sie ausnutzen! Sie waren da! Von diesem Tage an ueberlegte ich, was ich in Zukunft fuer solche und andere Notfaelle planen koenne, damit die Sicherheit meiner Schuetzlinge 100 % gesichert blieb! Die kleine Rosaria (die zuletzt adoptierte) hatte sich hinter dem Haus im Garten versteckt und wartete nur darauf gerufen zu werden – und schon war sie bei der Gruppe! Und genau hier nun komme ich zu einem eventuell schwachen Punkt, denn Rosaria wurde von der Schildpatt-Tigerin Mimosa nicht in der Gruppe akzeptiert und dauernd gequaelt, ja sie liess ihr nicht mal einen Sonnenstrahl, verpinkelte ihr Lager und jagte sie dauernd in einen Waeschekorb, wo Rosaria grollend die Tage verbrachte! Mir war bewusst: die achte Katze war zuviel! Aber wie dieser Situation wehren?

Ein Teil meiner Lieblinge an der Sonne

Ich wollte Rosaria helfen, ohne Mimosa zu vergraulen oder scheu zu machen, also griff ich nach einer List: ich bewaffnete mich mit einer Wasserspritze und verbrachte meine Tage bei den Katzen. Jedesmal, wenn Mimosa das schwarze Nesthaekchen plagte, sandte ich ihr einen Wasserstrahl, aber auch, wenn andere Katzen sich gegenseitig stritten (Katzen streiten viel), so begriffen sie sehr bald, dass sie sich benehmen muessen! Nun griff wiederum Mimosa zu einer List und wartete ab, bis ich unaufmerksam war oder einnickte, aber es reichte immer noch dazu, ihr einen warnenden Wasserstrahl zu senden! Nach ca. zwei Monaten, als der ueberaus warme Sommer ins Land zog, kam dieser kuehle Spritzer den Katzen gerade recht! Zwar suchten sie noch ab und zu das weite, aber die Strecke verkuerzte sich merklich! Die Plagerei ging weiter und ich ueberlegte ernsthaft, mich von der Mimosa trennen zu muessen! Der Wasserstrahl war inzwischen eine willkommene Abkuehlung und hatte mehr oder weniger seinen Schrecken verloren! Mit der Verspieltheit hielt aber nun eine interessante Wende Einzug: Rosaria und Mimosa begannen, einander nachzurennen – und zwar diesmal rannte Rosaria hinter Mimosa her und das Eis war gebrochen! Die beiden spielten zusammen! Den ersten Erfolg hatte ich erreicht, ohne zu ahnen, dass ich damit gleich eine zweite wichtige Sache in Angriff nahm! Sobald ich in mir drinnen entschied – und dies mit grosser Freude, dass Mimosa bleiben koenne, sprang sie auf meine Knie, was sie vorher tunlichst vermieden hatte!

Nun ist der Herbst da und mit ihm eine interessante Wendung: jedesmal, wenn ich einer Katze einen Wasserstrahl sende, kommt sie auf mich zu, statt wegzulaufen, ja sie haben sogar die Angewohnheit entwickelt, sich um mich herum zu versammeln und mich zu beobachten und bereits wenn ich die Wasserpistole nur in Anschlag setze, stuerzen alle auf mich zu, denn dann geht’s ab ins Schlafstuebchen, wo ich leckeres Sonnenblumenoel serviere, dann ist Ruhe im Schlafgemach – auch fuer die kleine Rosaria, welche in der Mitte der Schar nun aufgenommen wurde!

Rosaria

Denn wenn man eine Gruppe Katzen hat und Gefahr droht, kann man nicht die eine auf den Arm nehmen und losrennen, sondern alle muessen im Schwarm folgen, und diese ‚Gruppenhaft‘ hab ich nun geschafft einesteils mit dieser Wasserspritze und natuerlich mit dem Sonnenblumenoel, welches sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. Was mich aber am allermeisten freut ist die Tatsache, dass waehrend der Brandkatastrophe keine verlorenging, aber das moechte ich nicht noch einmal erleben, deshalb habe ich nun diesmal vorgesorgt!

Mimosa und Zerbino, der Chef der Gruppe, der souveraen ueber allem steht – und als erster dem Wasserstrahl trotzte (heute laesst er sich begiessen) Katzen lieben uebrigens Wasser – dies erlebte ich einmal anlaesslich einer Ueberschwemmung, als die Garage 15 cm unter Wasser stand; da kamen alle Katzen daher und wateten durchs Wasser! Als Folge davon leerten sie spaeter stets ihr Wassergeschirr aus, bis ich ein schwereres reinstellte – fuer naechsten Sommer ist bereits eine kleine Badewanne geplant….

Eure Claudia im Tierschutz

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