Ich hasse meine „Katzenfirma“ aber ich liebe meine 1000 Katzen

Veröffentlicht von Tierschützerin Bettina Schneider am 29. September 2017

Es gibt viele Bereiche, in denen sich Menschen beherzt für Tiere engagieren, einer davon ist die Arbeit für die Straßentiere, die zu Millionen erbärmlich auf den Straßen von Europa vegetieren. Verletzt, misshandelt, verstümmelt, blind und immer hungrig und durstig. Die Straßen Europas sind ein einziges Sterbehaus für die Tiere, die das Pech haben, dort geboren zu werden. Ich denke, niemand der in Sachen Auslandstierschutz tätig ist, konnte sich in seinen kühnsten Albträumen vorstellen, mit welcher gewaltigen Aufgabe er konfrontiert wird.

Am besten lässt sich diese Aufgabe wohl mit dem Begriff Sisyphos Arbeit verdeutlichen. Besagter Sisyphos hatte den Gott Zeus verärgert und wurde dafür bestraft, indem er ihn einen riesigen Stein den Berg hoch rollen ließ. Naturgemäß keine leichte Aufgabe. Immer, wenn er die harte Arbeit erledigt hatte, den Gipfel samt Stein erreichte, rutsche ihm der Felsbrocken aus den Händen, rollte wieder bergab und Sisyphos musste von vorn beginnen. So fühle ich mich die meiste Zeit.

Es gibt keinerlei staatliche Hilfe, wir leisten privat und allein die Gründung eines Vereins in Deutschland, der benötigt wird, um Spendenquittungen ausstellen zu dürfen, wird mit so vielen Hürden versehen, dass man eigentlich nur jedem davon abraten kann. Jeder Verein ist in erster Linie mit steuerlichen und gesetzlichen Vorgaben ein kleiner Betrieb und wer nicht als Chef taugt, der sollte besser die Finger davon lassen. Denn in diesem Betrieb kann nicht vergütet werden, es wird einzig Leistung von den Mitarbeitern erwartet.

Nachdem ich das Elend und die Anstrengungen der Helfer vor Ort gesehen hatte, nahm ich mir also vor, diesen verdammten Felsbrocken am Berg fest zu tackern, ein Projekt so auf die Beine zu stellen, dass die ewigen Zitterpartien um Futter, Platz und Kastration irgendwann zumindest an einem Ort der Vergangenheit angehören, weil genügend Menschen den Stein jeden Tag aufs neue hochrollen. Die vor Ort, die leisten und die Unterstützer hier, die beitragen. Diese Menschen wollte ich finden. Das konnte ja nicht so schwer sein, für eine so tolle Sache…dachte ich. Und ich fand sie tatsächlich, finde jeden Tag neue, die beitragen möchten und wohne seither auf Facebook und die „Katzenfirma“ bestimmt mein Leben.

Wie so manch anderer in dieser Position verbringe im Schnitt täglich 6 bis 8 Stunden, meist deutlich mehr damit, diese Firma zu führen, alle zusammen zu halten, zu informieren, zu koordinieren, immer und immer wieder aufs neue zu werben und zu erklären und gleichzeitig mit den Aktiven vor Ort Infos auszutauschen, über jedes Tier, jede Aktion, was wir haben, was wir brauchen, Todesfälle unter den Tieren, Adoptionen, Lieferungen und tausend Dinge mehr.

Es interessiert die hungrigen Tiere nicht, ob es in den Gruppen und zwischenmenschlich knirscht, ob jemand von uns krank ist, ausfällt, andere Prioritäten hat oder schlicht die Schnauze voll… ob es wieder exorbitante gesetzliche Auflagen gibt, …nur wenn die „Firma“ wie ein Uhrwerk funktioniert, gibt es am Monatsende genügend Werbung, Futter, Geld und Unterstützung um alle am Leben zu erhalten, manche ins Glück zu schicken und durch Kastration neues Leid zu verhindern.

Die Liste der Dinge, die zu beachten sind , die ich nicht darf und die, die ich muss, ist mittlerweile unendlich lang. Jeder, der neu bei uns in den engeren Kreis eintritt, ist erstaunt, was hinter den Kulissen an Arbeit nötig ist und welches Mass an Koordination und Zusammenarbeit.

Jeder, der beiträgt, ganz gleich an welcher Stelle der Helferkette hat seine ganz eigenen Vorstellungen. Aber wenn auch nur einer aus unserem Vorstands Team loslässt, ist der Stein wieder im Abgrund, denn wir brauchen für diese Aufgabe jede Hand. Sie tun es nicht und allein das ist der Grund, warum unser kleiner Verein bisher so unglaublich viel auf die Beine stellen konnte.

Gäbe es gesetzliche Vorgaben in Europa, würde die Lage komplett anders aussehen. Aber ganz gleich welche Partei, sie lässt die Tiere und alle Helfer im Stich, führt vollmundig Tierschutz im Wahlprogramm aber verlässt sich darauf, dass das Heer der Sisyphos Helfer diese Aufgabe allein übernimmt, denn was sind schon ein paar Millionen elend verendete Tiere jährlich und ihr unsagbares Leid, gegen all die anderen wichtigen Dinge, wie Gurkenkrümmung oder Genderneutrale Toiletten in Großstädten. Unsere Gesellschaft hat die Prioritäten klar definiert und Tiere sind es offensichtlich nicht.

Daher an dieser Stelle ein dickes Danke an alle, die sich trotzdem dieser undankbaren, unerfüllbaren aber sehr erfüllenden Aufgabe widmen, die aktiv beitragen, die spenden und mitwirken. Jedes Leben zählt und irgendwann in ferner Zukunft, wird man sich an diese Zeit erinnern und sich fragen: „Wie konnten sie das zulassen und warum hat niemand etwas unternommen.“

Dann kann meine Enkelin oder Urenkelin einmal stolz sagen…“Meine Oma hat das damals schon gewusst und etwas dagegen unternommen, nicht alle Menschen waren gleichgültig!“

Bis dahin rollen wir den Stein…jeden Tag aufs neue und freuen uns über jede Hand, die uns bei dieser Aufgabe unterstützt.

Als einzelner sind wir nur ein kleiner Tropfen…gemeinsam ein ganzer Ozean!

Quelle: guteskarmatogoblog.wordpress.com

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