„Satanische “ Klarstellungen eines Tierrechtlers

Foto: Udo Böhlefeld / pixelio.de

Persönliche Anmerkung zum nachstehenden Artikel:

Auch wenn Stefan Bernhard Eck, ehemaliger Bundesvorsitzender der Tierschutzpartei und als einzigster Abgeordneter dieser Partei 2014 von uns Wählern ins Europaparlament gewählt, als danach hochbezahlter Europaabgeordneter seiner Partei und seinen Wählern charakterlos den Rücken zukehrte, so ändert dies aus meiner Sichtweise nichts an der Tatsache, dass nachfolgender Artikel von Stefan B. Eck – verfasst bereits im Jahre 2004 – für uns Tierfreunde und Tierschützer dennoch sehr lesenswert ist und Eck´s damalige „Reflexionen“ es daher auch keineswegs verdienen, unsererseits achtlos und ignorierend unter den Teppich gekehrt zu werden.


Von Stefan Bernhard Eck

Reflexionen über das Verhältnis Mensch und Tier

Die Morgenröte des „Dritten Jahrtausends“ blinzelt in eine Welt, in der sich nichts, aber auch gar nichts zum Besseren verändert hat, am wenigsten für unsere Mitlebewesen, die Tiere. Es ist nach wie vor nicht ratsam, als Tier, und vor allem nicht als so genanntes Nutztier, in diese Welt hineingeboren zu werden. Die weltweite Millennium-Euphorie, die nur durch eine bloße Zahl mit drei Nullen hervorgerufen wurde, dieser epochale Event, hätte ja auch den Menschen einmal zum Nachdenken anregen können, was er in den vergangenen zwei Jahrtausenden – wohlgemerkt christlichen Jahrtausenden – an „Menschereien“ so alles angestellt hat. (Was hat das Schwein schon verbrochen im Gegensatz zu dem, was der Mensch dieser Erde und seinen Bewohnern angetan hat?)

Welch riesiges Feld zur Reflexion – zweitausend Jahre abendländische Geschichte und Philosophie auf der Grundlage christlicher Ethik. Was hat die christliche Dominanz dieser vergangenen zweitausend Jahre uns und unserem Planeten eingebracht – in Beziehung auf unsere Weltanschauung und Welterkenntnis, auf unsere Moralphilosophie und unser Selbstverständnis und in Beziehung auf den Umgang mit unseren Mitwesen und der Erde als schutzbedürftiges Öko-System?

Haben wir wahrlich Grund zur Euphorie, zum Selbstlob und Stolz oder gar zum Jubeln?

Ziehen wir selbstkritisch einmal Bilanz, dann gelangen wir schnell zu der deprimierenden Einsicht, dass eher Scham und Betroffenheit angebracht wären. Es steht schlecht um Mutter Erde und ihre Kinder!

Moralischer Niedergang, Sinnkrise und Dekadenz gehen einher mit einer anthropogenen, ökologischen Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes: radioaktive Verseuchung – siehe Tschernobyl oder langsam auf Raten durch die „Plutonium-Entsorger“ der profithungrigen Energie-Mafia, durch den strahlenden Müll nuklearer Waffenarsenale unserer psychopathischen Polit-Elite und ihrer overkill-besessenen Militärs – als ob es keine Halbwert-Zeiten gäbe – Ozonloch, Klimakollaps, Säure-Regen, Waldsterben, Vergiftung der Atmosphäre, der Böden und des Grundwassers, der Flüsse, der Seen und der Meere. Der Faunen- und Florenschnitt, das globale Massenaussterben von Tier- und Pflanzenarten vollzieht sich seit Beginn der industriellen Revolution mit atemberaubender Geschwindigkeit, in einer Dimension, die, einmal abgesehen von dem plötzlichen Massensterben durch den Einschlag eines Meteoriten vor rund 65 Millionen Jahren, alles in den Schatten stellt, was sich auf diesem Planeten jemals zuvor ereignet hat.

Mit der gleichen Vehemenz schreitet die Verödung des menschlichen Geistes voran.

Unsere Kultur ist zur Unkultur entartet. Ihr Verfall ist allgegenwärtig: Grausamkeit und Gewaltverherrlichung mittels PC und via Internet, wo neben elektronischen Moorhühnern und Monstern vor allem Menschen dem Monster Mensch zum Opfer fallen – per Joystick versteht sich; alltägliche Brutalität bis hin zum Sadismus auf den Mattscheiben und Kinoleinwänden, morbide und genitale Pseudo-Literatur in den Bestsellerlisten und für die Kleinen als Lektüre den Comic-Strip der permanent prügelnden und Wildschweine fressenden Vor-Resistance-Kämpfer Galliens. Dumpf dröhnt der Techno-Sound für eine Generation, die eigentlich schon dumpf genug ist – und Ecstasy und Koks für all diejenigen, die ihre eigene Dumpfheit nicht mehr ertragen können.

Die jungfräuliche Vagina wird dekoriert mit den noch zuckenden Eingeweiden und warmen Kadavern speziell dafür gemeuchelter Schweine und dann als Aktionskunst à la Professor Hermann Nitsch von einem ehrfurchtsvollen Publikum bestaunt, das diese Geschmacklosigkeit und lebensverachtende Obszönität auch noch mit Beifall belohnt. Der geistige Niveau-Unterschied der Applaudierenden und der alternden Damen- und Herrschaften, die mit ihrer Vergänglichkeits-Phobie nicht zu Rande kommen und verzweifelt gegen die welken Lippen und Brüste, Falten und Fältchen mit Rinder-Kollagen, Lämmer-Thymus, Cremes und Wässerchen ankämpfen, für deren Entwicklung und Produktion millionenfaches Leben – Tierleben natürlich – geopfert wurde, ist nur gradueller, nicht essentieller Natur.

Es sind die gleichen armseligen Geister zwecks derer Eitelkeit, diesem Relikt ihrer vormenschlichen Phase, das sich bei näherer Betrachtung als inkret- und genitalgesteuertes Balzverhalten entpuppt, zuhauf Angora-Kaninchen gerupft und Robbenbabys skalpiert werden. Dass die Haute Couture ein Mordsgeschäft ist – eben in zweifacher Hinsicht – dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Das große Geld mit Tieren machen nicht nur die, die sie gewerbsmäßig verwirtschaften, sondern auch die, die sie gewerbsmäßig heilen oder nur all zu bereitwillig mit einem freundlichen Tode beglücken. Da sich der hippokratische Eid nur auf Menschen bezieht – wie soll es auch anders sein – verkommen auch immer mehr Tierärzte zu Tierspritzern, zu Handlangern der profitgierigen Agrar-Mafiosos und den verkommensten Vertretern unserer Wegwerfgesellschaft, die sich nichts – aber auch gar nichts dabei denken – sich ihrer lebenden „Spielzeugtiere“ zu entledigen, wenn die Urlaubszeit naht oder das Kaninchenkind ein Pfützchen auf dem allerheiligsten Perser hinterließ.

Dass es sich dabei um ein Wesen aus Fleisch und Blut handelt, das Angst und Freude, Schmerz und Wohlsein empfindet, wird tunlichst übersehen.

Aber im weitesten Sinne bleiben die Tierdoktoren doch ihrer Standes-Ethik treu; man darf nicht so kleinlich sein. Das kurze, erbärmliche Leben der chemikalisierten Sau wird vielleicht etwas erträglicher, und die zugestandene kümmerliche Frist ihres kümmerlichen Daseins verkürzt sich nicht noch durch haltungsbedingte Infektionskrankheiten. Sie bleibt, den miserablen Umständen zum Trotz, gerade so fit und glücklich, dass sie den Tag in der Regel erlebt, an dem man sie zur Schlachtbank zerrt.

Man heilt ja immerhin – und verschafft den humanmedizinischen Kollegen auch noch eine wachsende Patientenschar. Jede Herde hat ihre schwarzen Schafe. Das trifft auch für die Berufsgruppe der Tierärzte zu. Und dass ein Wolf im Schafspelz für größeren Medienrummel allemal gut ist, weiß jeder.

Dass für die Politik ökonomischer Nutzen höher im Kurs steht als Ethik, lässt sich seit BSE und Antibiotika-Skandal absolut nicht mehr kaschieren. Mit dem Zauberwort Verbraucherschutz öffnete man diesmal die Tore der Vernichtungslager und Krematorien.

Produzieren, subventionieren, eliminieren! Marktbereinigung ist angesagt!

Die Hungernden der Sahel-Zone fragen nicht danach, ob ein geringes Restrisiko besteht, in vielleicht zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren an BSE verseuchtem Fleisch zu erkranken. Denn sie verhungern heute, morgen und übermorgen, nächste Woche und nächstes Jahr.
Wenn man mir vorwerfen will, mit dieser Aussage dem Fleischkonsum in den Hungerländern dieser Welt Vorschub zu leisten, dann bitte schön! Aber es ist die einzige Möglichkeit, dem sinnberaubten, erbärmlichen Leben und sinnlosen Sterben unserer Kühe und Kälber doch noch einen, wenn auch sehr zweifelhaften Sinn zu verleihen, indem ihre Leichenteile dem Erhalt anderen Lebens dienen.

Dass Scham und Verzweiflung mich bei diesen Gedanken begleiten, das sei nur am Rande bemerkt. Aber meine Scham und Verzweiflung rühren nicht allein durch die Tatsache, dass ich in dieser irrsinnigen Situation mit meinen eigenen Maximen brechen muss, sondern auch daher, Mitglied einer Gesellschaft und Rasse zu sein, in der monetärer und praktischer Nutzen so viel mehr zählt, als das Leben von Menschen und Tieren.

Politik und Presse geben sich so, als hätten sie nie gewusst, was seit Jahrzehnten in der Massentierhaltung geschieht und haben sich damit als Anwärter zur Oskar-Verleihung für die beste schauspielerische Leistung qualifiziert, denn so viel Inkompetenz und Ignoranz kann es nicht geben. Oder etwa doch? Dann wäre das auch ein neuer, trauriger Rekord zu Beginn des „Dritten Millenniums“.

Sinnenleere und Dekadenz sind angesagt – auch in unserer Esskultur.

Die übersättigten Schönen und Reichen, denen der gewöhnliche Fraß nicht mehr ausreicht, sie dinieren zu Whynachten, (eine zutreffende Schreibart für das höchste Fest der Christen) dem Fest der Entsinnung und Geschichtchen, und zu anderen exklusiven Events, die letzten noch lebenden Exemplare des Störs zu Tode. In zweifacher Hinsicht: einmal als Einzelwesen, das sich in seinen Qualen windet, wenn ihm betäubungslos der Bauch aufgeschlitzt wird, um das profitable blau-schwarze Statussymbol zu entnehmen, und zum anderen als Art, die es mit höchster Wahrscheinlichkeit bis zum Ende des ersten Jahrzehnts des dritten Jahrtausends nicht mehr geben wird.

Es muss eben echter Kaviar sein, das versteht sich von selbst.

Die elitäre Klasse fragt nicht danach, ob eine Tierart, die seit 250 Millionen Jahren diesen Planeten durch ihre Anwesenheit ein wenig vielfältiger und schöner machte, für ihren verwöhnten Gusto vom Angesicht der Erde für immer verschwinden wird. Noch weniger fragt sie danach, ob für ihren kurzen Zungenkitzel einem empfindungsfähiges Wesen grauenhafte Leiden zugefügt wurden.

Die weniger Betuchten vergewaltigen sich mit der preisgünstigeren elsässischen Stopfleberpastete des zuvor vergewaltigten Federviehs. Der wunde Schlund, der überdehnte, fast geplatzte Magen und die aufgequollene, entzündete Leber interessieren nicht.

Die große Masse, die von ihrer kannibalistischen Ernährungsweise nicht lassen kann, verköstigt sich dank Massenkonsums und Massentierhaltung noch preisgünstiger mit weniger kulinarischen Massenprodukten. Dem in Styropor und Alu-Folie konsumfördernd verpackten Stückchen Tierleiche sieht man das Massenleiden nicht an – auch nicht die Massen an gesättigten Fetten und das Cholesterin, die massenhaft in der Zucht eingesetzten wachstumsfördernden Hormone, die Antibiotika, die Pestizide aus dem Futter und sonstigen Chemikalien, die massenhaft in der Massentierhaltung zum Einsatz kommen und schon gar nicht die Creutzfeldt-Jacob-Erreger, die gibt es gratis – wenn auch nicht massenhaft – für unsere Massengesellschaft. Wer lässt sich schon gern den Appetit verderben?

Und dann gibt es noch die Pseudo-Tierrechtler und Tierschützer, die zwar genau wissen, was in den Folter-Stallungen und Hühner-KZ’s tagtäglich so vor sich geht, die auf die omnivore Masse verachtend herabschauen, und denen ihre Permanentdeklamation – „Ich bin gegen jegliche Nutzung von Tieren.“ – so bedenkenlos über die Lippen kommt, dass man ihnen auch noch Glauben schenken muss. Und selbstgefällig zelebrieren sie ihr vegetarisches Festmenü: Oeuf Bernaise, Käse-Fondue und als Nachtisch Schoko-Eis und den Kaffee, aber bitte mit Sahne.

Dass sie damit das Wort vegetarisch genauso vergewaltigen wie die Produzenten ihrer Pharisäer-Kost die Tiere, hat sich mittlerweile auch bei jenen herumgesprochen, die von Mutter Natur ein wenig bei der Vergabe des Intellektes benachteiligt wurden. Das „Mangelwesen“, wie Arnold Gehlen den Menschen so zutreffend tituliert, hat eben viele „Wesensmängel“ – um nicht zu sagen Charakterschwächen: fehlender Wille, Mangel zur Selbstkritik und ein gerüttelt Maß an Verlogenheit und Bosheit, aber vor allem unendlich große Ignoranz.

Hier gilt also: Wer „A“ sagt, muss nicht unbedingt „B“ sagen, und die Entschuldigung, dass der Geist willig ist, aber das Fleisch eben schwach, ist schnell zur Hand und man liefert hiermit noch frei Haus allen omnivoren Leichenfressern, ein gutes Argument für ihre Verfehlungen.
Oder man erklärt wortgewandt den Unterschied zwischen der Tötung und „nur“ dem Quälen eines Tieres als ausreichende Begründung für das traditionelle Frühstücksei, den Käse und die Milch im Kaffee.

Den unverbesserlichen „Gourmets“ ist es sowieso egal.

Besser nichts sehen und wissen, weder das erbärmlich kurze Leben und permanente Leiden des Tieres, zu dem das Kotelett auf dem Teller einmal gehörte, noch das Leiden der alljährlich 13 Millionen verhungernder Kinder der Dritten Welt, denen wir durch unsere egoistische Fresskultur buchstäblich den Mais und Reis vom Teller stehlen, um ihn in der „Turbo-Mast-Industrie“ der Wohlstandsnationen zu verfüttern.

Verdrängen ist angesagt – und nicht nur in Beziehung auf das Kalbs-Kotelett und das Kleinkind in der Sahel-Zone oder in Somalia.

Ja, Grund genug dafür hat das letzte Jahrhundert, das absolut blutigste und leidvollste in der glorreichen abendländischen Geschichte gewiss geliefert.
Die letzten einhundert Jahre waren doch sozusagen der krönende Abschluss unserer christlich-humanistisch geprägten Kultur und Ethik: zwei irrsinnige Weltkriege, der verheerende Einsatz von Atomwaffen in Hiroshima und Nagasaki, der demonstrierte, dass man die technischen Probleme zur Endlösung der Menschheitsfrage endlich gelöst hatte, der Holocaust, das Inferno der Tötungsfabriken in Dachau, Auschwitz, Treblinka, Bergen-Belsen und all den vielen anderen Orten, die Gulags der Russen und die Todeslager der Japaner, wo Millionen von Menschen auf Grund ihrer Rasse, Religion oder Ideologie systematisch vernichtet wurden.

Man hätte eigentlich annehmen dürfen, dass aus dieser Schande für die Menschlichkeit – die Menschheit etwas gelernt hätte. Aber unbeeindruckt des Grauens der Leichenberge, der Hekatomben Verstümmelter und Verstrahlter obsiegt wieder und immer wieder das Potential Mengele unserer destruktiven menschlichen Spezies.

Ein globaler Zweifrontenkrieg gegen das Leben hat dem Schrecken und Leiden eine neue Dimension geschenkt: auf der einen Seite gegen die eigene „Herrenrasse“ in Korea und Kambodscha, in Indien und Indochina, in Algerien und Angola, im Nahen und im Mittleren Osten, in Nordirland und Nicaragua, auf Timor und auf den Falklands, in der Tschechoslowakei und in Tschetschenien, in Kroatien, Bosnien und im Kosovo. Die Aufzählung ließe sich beliebig lang fortsetzen, denn es wäre einfacher, nur jene wenigen Länder aufzuzählen, die von einem Kriege verschont geblieben sind. Und es wurde weiter gefoltert und massenvernichtet. Der österreichische Gefreite und seine arischen Schergen hatten den Massenmord zwar perfektioniert, aber Pol Pot, Idi Amin, Slobodan Milosevic und der übrige Abschaum der „Bestie Mensch“ demonstrierten recht deutlich, dass nicht nur der Deutsche effizient ist, wenn es darum geht, dem Menschen ein vorzeitiges Ende zu bereiten.

Und die „Menschen-KZ’s“ aus dem Lande der Dichter und Denker standen Pate rund um den Globus.

Und auf der anderen Seite milliardenfacher Tiermord alljährlich – unbemerkter und heimlicher – hinter den verschlossenen Türen und Toren der Folterkammern der Pharma-Industrie, der Multikonzerne, der Universitäten und hinter den Mauern unserer Agrar-KZ’s und Schlachthäuser. Auschwitz, Dachau und Treblinka existieren weiter! Sie wurden niemals ganz aufgegeben in den Köpfen und Herzen der Menschen. Es gibt sie hunderttausendfach. Auschwitz ist überall – nur seine Insassen wurden ausgetauscht.

Genauso unbemerkt und heimlich verlief die Metamorphose der einstigen Experimentatoren und Regulatoren der russischen Gulags, der japanischen Todeslager und unserer nationalsozialistischen Konzentrationslager, die angetreten waren, die Menschheit von dem „Untermenschen“ zu befreien. Nicht Wenige tauschten einfach den blutigen Henkersrock gegen den blütenweißen Professoren-Kittel. Aus den Reihen ihrer Studenten haben sich die neuen Herren Mengele und Eichmann rekrutiert, die für einen fragwürdigen Fortschritt Skalpell und Brenneisen bei Fuß stehen. Tierversuche!

Können wissenschaftlicher oder ökonomischer Fortschritt die gleichen lebensverachtenden Methoden aus ethischer Sicht legitimieren – nur weil die Betroffenen nicht mehr der Spezies homo sapiens angehören?

Dass diesem Fortschrittswahn nicht nur Tiere zum Opfer fallen, sondern auch Menschen, wird oft vergessen oder bewusst verschwiegen: die absichtlich verstrahlten US-Soldaten aus Alamo Gordo, die durch Agent Orange verkrebsten Vietnam-Heroen und die zu Tode geimpften Desert-Storm-Krieger der kuwaitischen Ölfelder lassen grüßen. Und die Tatsache, dass es Gesetze gegen das Klonen von Menschen und zum Schutze menschlicher Embryonen überhaupt bedarf, ist doch nur dafür Beweis, wo der irrsinnige Wissensdrang – eben ohne solche Gesetze – enden würde.

Und so unterschiedlich die Zielsetzungen der heutigen und damaligen Herren Lagerkommandanten auch sein mögen, die Konsequenzen für die betroffenen Lebewesen sind im Endeffekt die gleichen geblieben: Unfreiheit, physisches und psychisches Leid, vorzeitiger, qualvoller Tod.

Die professionellen Verdränger beruhigen sich damit, dass es sich schließlich um „Nutz- und Versuchstiere“ handele, deren Arten ohnehin nicht vom Aussterben bedroht sind, und das Gros der Tiere dieser Erde sich eines natürlichen Lebens erfreue, ja sogar von den Forschungsergebnissen an ihren weniger glücklichen Artgenossen noch profitiere. Selbst wenn wir alle ethischen Bedenken einmal vergessen, die Relation der wissenschaftlich geopferten und durch dieses Opfer geretteten Tiere, spricht eine andere Sprache.

Aber auch die glücklicheren unter den Tieren, die noch in den letzten vom Menschen nicht beanspruchten Refugien, also in freier Wildbahn leben, auch sie werden nach und nach der Gefräßigkeit, der Profitgier und dem Ausdehnungsdrang der Gattung homo sapiens zum Opfer fallen oder dem „thrill to kill“ unserer Damen und Herren im grünen Rock; Waidmanns Geil und Waidmanns Krank, kann man nur sagen.

Und unsere Kinder und Enkelkinder werden uns einmal verfluchen, für das, was wir ihnen und dieser Welt angetan haben – vorausgesetzt, sie überleben die Katastrophe, deren Zeitzeugen und Verursacher wir sind.

Menschheitsdämmerung und Götterdämmerung sind angesagt.

Dass die erstere die Ursache der letzteren ist, das kann nicht von der Hand gewiesen werden. Wir haben leider auf die falschen Pferde gesetzt: Religion, Mammon und Mega-Fortschritt. Welche Ironie des Schicksals! Die Kontrollmechanismen über die Geister, die wir riefen, haben kläglich versagt. Und die Götter, die wir schufen nach unserem Abbild, um die Welt ein wenig erträglicher zu machen, haben die Welt fast unerträglich gemacht.

Ob wir bald sagen müssen „rien ne va plus“, hängt ganz allein von uns selbst ab.

Die düsteren Prognosen dürfen uns nicht resignieren lassen! Resignation wäre Verrat am Lebendigen! Und die Zukunft ist noch offen; der Mensch kann lernen, allein und im Kollektiv. Noch kann er den eingeschlagenen Kurs ändern, noch kann er das havarierte Schiff Erde vor dem Kentern bewahren. Aber lange Zeit dazu bleibt nicht mehr! Die Zeit wird knapp!

Vielleicht wird der eine oder andere Leser sich fragen, was dieses Resümee, in dem auch soviel über das Leiden von Menschen und über Umweltprobleme gesprochen wurde, noch mit Tierschutz und Tierrecht zu tun habe. Ich glaube sehr viel, denn die psychische Disposition in Bezug auf die Mensch-Tier-Beziehung ist nur teilweise genetisch bedingt. Überlebenskampf und omnivore Ernährungsweise über Millionen von Jahre sind nicht spurlos an uns vorübergegangen. Aber wird heute unsere Disposition zu einer unethischen Ernährungsweise nicht durch die kulturelle Prägung in der Hauptsache bestimmt?

Und dieser Rückblick zeigt doch in aller Deutlichkeit, dass das, was unsere westliche Kultur so nachhaltig prägte, nämlich die christlich-humanistisch infizierte Ethik, ja unsere ganze Philosophie, unsere Weltanschauung und unser Selbstverständnis kläglich gescheitert sind. Er zeigt, dass die zweitausendjährige mosaisch-christliche Indoktrination sogar zum größten Teil für die Misere mitverantwortlich ist, in der sich Mutter Erde und ihre Kinder heute befinden.

Es wurde einmal von einem Herrn M. aus China gesagt, Religion sei Opium für das Volk.

Ich glaube, man muss ihm in diesem Punkt Recht geben, auch wenn seine Irrtümer summa summarum überwogen. Ich glaube, dass uns das Opium der theistischen Moralitäts-Monopolisten vergiftet hat!

Seine Wirkung hat unsere Herzen und Hirne gegenüber dem Leiden unserer Mitlebewesen lethargisch werden lassen. Es ist mitverantwortlich für die Halluzination der menschlichen Größe und Einzigartigkeit, für unser Egomanie, unsere Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit, für unseren Größenwahn und unsere Unmenschlichkeit. Die Weltanschauung und das Selbstverständnis der großen Masse befinden sich auf einem Niveau, als hätte das Zeitalter der Aufklärung erst gerade gestern begonnen.

Ich glaube, dass unsere abendländische Moral-Philosophie mitverantwortlich ist für unsere Amoral!

Sie hat weitgehend versagt: sie war hartherzig, hörig und verklemmt in der Vergangenheit; sie ist halbherzig und stellt sich taub und blind in der Gegenwart. Das Hauptanliegen der Pseudo-Moralisten zuerst einmal zu lernen, sich nicht mehr gegenseitig an die Gurgel zu gehen und dann, wenn das Lernziel erreicht ist, den Pazifismus zu universalisieren, auch auf nicht-menschliche Lebensformen auszuweiten, kommt einer Bankrotterklärung der menschlichen Vernunft gleich.

Ich glaube, dass solange Menschen die Hemmschwelle überschreiten und Tiere töten, sie auch fähig sind, sich gegenseitig abzuschlachten! Wer aber in seinem Bewusstsein eine Hemmschwelle errichtet hat, die es ihm unmöglich macht, auch nur die kleinste Kreatur zu verletzten, der wird erst recht diese pazifistische Haltung gegenüber seinen Mitmenschen einnehmen. Aber die Respektierung der elementaren Bedürfnisse der Tiere, die Achtung alles Lebendigen, darf nicht auf der Kant’schen Begründung für einen humaneren Umgang mit unseren Mitmenschen beruhen. Ist Kant’s anthropozentrischer Fehlschluss nicht ein Zeichen pathologischer Selbstüberschätzung? Ist die „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ damit nicht zur Unsitte verkommen – jedenfalls für uns Tierrechtler? Ach, hättest Du geschwiegen, dann wärest Du ein Philosoph geblieben!

Denn das moralische Urteilen darf sich nicht danach richten, ob der Betroffene klein und schwach oder groß und intelligent, selbständig und uns ebenbürtig oder hilflos und uns unterlegen ist. Verurteilen wir nicht rein intuitiv gerade diejenigen Menschen am meisten, die sich an den Schwächsten unserer Gesellschaft vergehen – an unseren Kindern?

Die Welt ist voller „Vergewaltiger“, die nicht die Wesensverwandtschaft erkennen können oder wollen, die zwischen Menschenkind und Tier besteht: die Unschuld, die Hilflosigkeit, die Wehrlosigkeit, mangelndes Reflexionsvermögen und die Unmöglichkeit, die eigenen Ansprüche geltend zu machen. Anstatt nach Verbindendem zu suchen, konzentriert man sich auf das Trennende oder erfindet es einfach.

Fortsetzung im morgigen Beitrag …….