Das Leiden der grauen Riesen

Von Pro Wildlife

Elefanten gehören zu den Kassenmagneten in Zoos und Zirkussen. Doch die Haltung von Elefanten in Gefangenschaft ist eine endlose Leidensgeschichte, mit zahllosen Todesfällen bei Mensch und Tier. Viele Tiere, auch in deutschen Zoos, wurden in freier Wildbahn eingefangen und auf brutale Weise gezähmt.

In freier Wildbahn legen die Rüsseltiere auf ihren Wanderungen bis zu 100 Kilometer am Tag zurück. Ihr Leben ist bestimmt durch die engen Sozialkontakte zu den Familienmitgliedern ihrer Herde, durch  gemeinsames Spielen, Baden und intensiven Körperkontakt. In Gefangenschaft können Elefanten dieses natürliche Verhalten nicht ausleben: Sie fristen ein trauriges Dasein, angekettet, in Zirkuswägen oder in engen Elefantenhäusern mit wenig Auslauf. Bis zu 20 Stunden am Tag sind Zooelefanten eingesperrt, viele werden auch heute noch angekettet. Es fehlt eine intakte Sozialstruktur, denn die Gruppen sind beliebig zusammengewürfelt aus Tieren, die sich nicht kennen und zwischen denen es zu Rangkämpfen kommt. Meist mangelt es an dem für die Herdenstruktur wichtigen Nachwuchs. Die äußerst sozialen und intelligenten Tiere leiden unter der Langeweile und Frustration, die ihren Alltag prägen. Viele Elefanten entwickeln in Gefangenschaft Verhaltensstörungen wie beispielsweise das monotone Hin- und Herschaukeln (Weben) und Krankheiten wie Tuberkulose, Herpes, Fußerkrankungen, Übergewicht und Stress.

Vom sanften Riesen zum Killer

Für viele Elefanten bedeuten die Haltungsbedingungen Dauerstress, auf den sie mit Aggressionen gegen ihre Peiniger reagieren: Der Beruf des Elefantenpflegers gilt nicht ohne Grund als einer der gefährlichsten überhaupt. Regelmäßig greifen Elefanten in Zoos oder Zirkussen Tierpfleger an. 40 Menschen wurden nach Recherchen der Organisation Elefantenschutz Europa in 20 Jahren von Elefanten alleine in Zoos getötet, weitere 50 zum Teil schwer verletzt.

Das brutale Training von Elefanten im Erlebniszoo Hannover, über das die ARD im April berichtete, hat deutschlandweit eine Diskussion ausgelöst. Es geht um die Haltungsbedingungen und den Umgang mit den hochintelligenten, sensiblen Tieren. Pro Wildlife fordert seit Jahren ein Ende der Kettenhaltung und des direkten Kontaktes zu den Dickhäutern.

42 Prozent der in europäischen Zoos geborenen Asiatischen Elefanten werden nicht einmal fünf Jahre alt.  Die Todesrate in Gefangenschaft ist extrem hoch: Die Lebenserwartung afrikanischer Elefanten beträgt im Zoo lediglich 17 Jahre, in freier Wildbahn 56. Entsprechend beschaffen sich Zoos auch in Deutschland immer wieder Nachschub aus freier Wildbahn.

In den meisten deutschen Zoos werden Elefanten noch immer im „direkten Kontakt“ zu Menschen gehalten. Dieses Haltungssystem basiert darauf, die starken Wildtiere durch Gewalt zu unterwerfen. Die Aufnahmen aus Hannover zeigen, wie die Elefanten häufig schon von klein auf mit Prügeln und dem „Elefantenhaken“, einem Stock mit Metallspitze, an empfindlichen Körperstellen traktiert werden. Mit dieser grausamen Methode sollen die Tiere zu bedingungslosem Gehorsam gezwungen werden – auch um die Tierpfleger vor Angriffen und Verletzungen zu schützen. Elefanten gelten als die gefährlichsten Tiere in Gefangenschaft: Regelmäßig wenden sich die Tiere gegen ihre Peiniger. Weltweit werden so jedes Jahr Dutzende Menschen getötet und schwer verletzt.

Auch im Zirkus kommen Schläge und der eiserne Elefantenhaken zum Einsatz. Und die Haltungsbedingungen sind katastrophal: In Ketten, unterernährt und oft allein fristen die sozialen Tiere ein trauriges Dasein. Symptomatisch für die Misere ist das Schicksal der deutschen Zirkus-Elefantin Maya: Obwohl sie in tierquälerischer Einzelhaft gehalten wurde, beschlagnahmte das Veterinäramt den Elefanten nicht. Angeblich sollte sie im Frühjahr an den Zoo Karlsruhe abgeben werden. Stattdessen muss Maya jetzt in Rumänien in einem Zirkus auftreten – wieder alleine. Pro Wildlife fordert ein Zirkusverbot für Wildtiere in Deutschland – und Auffangstationen für geschundene Tiere wie Maya.

Elefantenreiten: Geschäfte auf dem Rücken der Tiere

Für viele Reisende sind Elefantenreiten und die hautnahe Begegnung mit Elefanten ein Höhepunkt ihres Asien- oder Afrikaurlaubs. Die Tourismusindustrie bedient diese vermeintliche Tierliebe: Urlauber können auf den Tieren reiten und sie waschen, sie bei Tempelprozessionen bestaunen oder auch in einem Camp für einen Tag Elefantenpfleger spielen.

Touristen wird dabei vermittelt, dass sie den Elefanten etwas Gutes tun. Sie ahnen nicht, dass ihre Tierliebe allzu oft ausgenutzt wird. Denn Elefanten sind Wildtiere  – und nicht domestiziert. Damit sie Menschen überhaupt an sich heranlassen, werden sie schon als Jungtiere brutal gezähmt. Die hochintelligenten und sozialen Tiere fristen dann in Gefangenschaft ein trauriges Dasein. Der boomende Elefantentourismus bedroht zudem die Populationen in der Natur: Immer mehr Elefantenbabys werden extra für Tourismus-Attraktionen gefangen. Das alles geschieht hinter den Kulissen – verborgen von den Augen der Touristen.

Rohe Gewalt: Die Unterwerfung von Baby-Elefanten

Damit Elefanten auf Befehle von Menschen gehorchen und als Arbeitstier, für Prozessionen oder als Touristenattraktion für das Elefantenreiten eingesetzt werden können werden sie brutal unterworfen: Der Wille der starken Wildtiere soll mit Gewalt gebrochen werden – oft bereits bei Babys, die sich noch nicht wehren können.

Aufnahmen zeigen die grausame Unterwerfung: Die Peiniger fixieren Elefanten mit Ketten an den Beinen und quälen sie mit Wasser-, Nahrungs- und Schlafentzug. Die Tiere werden mit einem spitzen Elefantenhaken auf besonders empfindliche Körperstellen geschlagen. Dieser sogenannte Ankus bleibt immer im Einsatz – um die Elefanten ihr Leben lang daran zu erinnern, wer die Oberhand hat.

Für den Tourismus: Elefanten aus der Wildnis

Um das Geschäft mit Touristen am Laufen zu halten, wird immer neuer Nachschub an Elefanten gebraucht. Die große Nachfrage hat in Teilen Asiens zu einem organisierten Handel mit wild gefangenen Elefanten geführt. Auch in Afrika werden immer wieder wilde Elefanten für Touristen-Attraktionen missbraucht, zum Beipspiel in Südafrika, Simbabwe und Botsuana.

Wissenschaftler berichten, dass in Myanmar jedes Jahr etwa 50 bis 100 Elefantenkinder gefangen und für den Tourismus nach Thailand geschmuggelt werden. Der Schwarzmarktwert eines Elefantenkalbes liegt in Thailand bei 30.000 Euro. Die Jagd nach Elefantenbabys bezahlen viele Tiere mit ihrem Leben: Um ein Kalb zu fangen, werden bis zu fünf erwachsene Tiere getötet, die versuchen, den Nachwuchs zu schützen. Von den traumatisieren Jungtieren überleben zwei von drei Elefantenkindern das grausame „Einbrechen“ nicht.

Tortur auf Tournee: Wildtiere im Zirkus

Elefant, Tiger und Co. in der Manege – diese Tierquälerei ist in Deutschland immer noch erlaubt. Anstatt durch Steppe oder Wälder zu streifen, müssen Elefanten den Befehlen ihrer Dompteure gehorchen oder Tiger Kunststücke vorführen.

Ein wildes, artgemäßes Leben sieht anders aus!

Ihre natürlichen Verhaltensweisen und das Bedürfnis nach Beschäftigung und Bewegung können Wildtiere im Zirkus nicht ausleben. Die Betriebe sind nicht in der Lage, Wildtiere ihrer oft hochkomplexen Sozialstruktur gemäß zu halten. Dies belegen die häufig zu beobachtenden Verhaltensstereotypien, Apathie, haltungsbedingte Erkrankungen oder vermehrte Aggressionen gegenüber Artgenossen oder dem Personal.

Wildtiere haben im Gegensatz zu Haustieren nicht den  langen Prozess der Domestikation durchlaufen und sind an ein Leben in der Obhut des Menschen nicht angepasst. Selbst wenn die Tiere in Gefangenschaft geboren sind, behalten sie doch die Ansprüche ihrer Artgenossen in freier Wildbahn.

Quelle:  prowildlife.de

Nachfolgende Elefanten-Show im Zoo Hannover finde ich persönlich nur widerlich, denn was wurde diesen Tieren angesichts der Vorführung ihrer „Kunststücke“ nicht alles an Leid und Schmerzen zugefügt, was in diesem Video natürlich nicht zu sehen ist. Aber eines sieht man doch sehr deutlich, nämlich die berühmten Elefantenhaken, mit denen die Tiere von den Dompteuren und Pflegern in Schach gehalten werden.

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4 Kommentare zu “Das Leiden der grauen Riesen

  1. Für mich ist dieser Einsatz für in der Gefangenschaft lebenden Tiere beeindruckend. Aber wie so oft, wird viel geredet und keine alternativ Vorschläge angeboten.
    Wie soll es bitte schön gehen? Keine Zoo mehr, kein Zirkus, kein Aquarium, kein Terrarium?
    Keine Wildparks, denn da sind viele Tiere auch nicht Art gerecht untergebracht.

    Und was ist mit unseren Haustieren. Sprich Kühen, die Sommer wie Winter im Stall stehen, Kälber die ohne ihr Muttertier aufwachsen und Ersatzmilch (Pulver) zutrinken bekommen. Schweine, Schafe, Ziegen Hühner, Enten Gänse, etc.
    LG. Hilde

    • Hallo Hilde,
      wenn wir Tierschützer immer nur viel reden und auch keine Vorschläge zur Abhilfe von Missständen auf einem silbernen Tablett servieren können: Wie sieht es denn diesbezüglich mit Dir persönlich aus? Hast Du vielleicht die goldenen Lösungen parat, wie wir das Leid und Elend der Tiere beseitigen und ein für allemal zum Teufel jagen können?
      Auch solltest Du nicht darüber jammern und wehklagen, wenn es keine Zoos, keine Zirkusse, keine Aquariums und vieles andere nicht mehr gäbe. Wer diesbezüglich seine Nase rümpft, der denkt und handelt egoistisch, jedoch niemals im Sinne der betroffenen und leidenden Tiere. Und was Deine Frage nach den „Nutz“tieren betrifft: Würdest Du des öfteren bzw. regelmäßig die diesbezüglich tierschutzrelevanten Beiträge und Artikel hier in diesem Tierschutz-Blog lesen, dann würden Dir möglicherweise die Antworten auf alle Dich bedrängenden Fragen zuteil werden. Die von Dir aufgezählten Tiere sind alle sogenannte „Nutztiere“ und wie Du siehst, habe ich diesen schändlichen Begriff mit An – und Ausführungszeichen versehen und distanziere mich somit von jenem Denken und Handeln gewissenloser Menschen, die meinen und glauben, Tiere zu ihren Sklaven und Nutzobjekten degradieren zu dürfen. Und damit ist Deine Frage „Und was wird mit unseren Haustieren …… ?“ eigentlich und hoffentlich schon zur Genüge beantwortet.
      Mit freundlichen Grüssen – Wolfgang

  2. Artgerecht ist nur die Freiheit. Dieser Satz sagt eigentlich alles. Tiere in Gefangenschaft halten, egal zu welchem Zweck, ist eine der größten Schandtaten des zweibeinigen Monsters. Patentlösungen um dies zu beenden gibt es leider nicht. Wir können nur immer wieder das Unrecht anprangern und durch Petitionen versuchen etwas zu erreichen. Jammern hilft nicht, schon gar nicht den armen Tieren.

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