Tierrechtler oder nur Tierfreund? Aus der richtigen Partei? Jede Stimme zählt!

Ein sehr lesenswerter Blog-Beitrag von Tierschützerin Bettina Schneider
Rebloggt von guteskarmatogoblog.wordpress.com

Tierschutz in der Politik ist ein Armutszeugnis. Nur wenige Parteien zeigen auch nur ansatzweise empathische Regungen, wenn es darum geht, wichtige Gesetze zum Schutz der Schwächsten umzusetzen. Warum auch? Die Lobbys sind stark und nur allzu oft eng mit den Parteien verwoben. Der Wähler ist zwar im Durchschnitt tierlieb …aber träge und wenig informiert. Ändern könnte das nur eine Partei, die nachhaltig den Finger in die Wunde legt, die sich einzig den Schwächsten widmet und ihnen eine Stimme gibt.

Woran könnte es liegen, dass die Tierschutzparteien so wenig Zuspruch beim Wähler finden? Neben der Tatsache, dass viele vermeiden, ihr Kreuzchen dort zu setzen, weil sie befürchten, dass die nötige Mindestanzahl/Prozentsatz sowieso nicht zustande kommt…haben viele einfach keine Lust auf das restliche Programm der Partei. Es ist schier unmöglich, alle „Tierschützer“ politisch unter einen Hut zu bringen.

Warum muss eine Tierschutzpartei eigentlich grundsätzlich auch bei anderen politischen Themen punkten, bei sämtlichen sozialen und wirtschaftlichen Kernthemen mitmischen? Die Schnittmenge an Wählerstimmen wäre ungleich größer, wenn alles außer Tierschutz außen vor wäre, wenn sich vom linken bis zum rechten politischen Spektrum alle auf einen einzigen,  gemeinsamen Nenner einigen würden: Tierleid beenden! Ich finde, eine Partei, die etwas für die Tiere bewirken möchte, sollte tunlichst ausklammern, was spaltet, einzig den Fokus und die Kraft auf Tiere und Umwelt halten, um Unterstützer aus allen politischen Lagern zu gewinnen.

Warum muss ein Tierschützer eigentlich politisch in eine bestimmte Schublade passen oder einen bestimmten Lebensstil nachweisen, damit er in einer Tierschutzpartei/bei manchen Organisationen mitwirken kann? Ich möchte eine sehr provokante Frage stellen: Warum wurde Tierschutz eine Bewegung, die fast nur in der politisch eher links orientierten Szene Zuhause ist. Können wir es uns leisten, auf alle anderen, auf die „Konservativen“ zu verzichten? Oder, viel wichtiger: Können es sich die Tiere leisten?

Ich argumentiere bei dieser Fragestellung  immer gern, dass es dem Schwein gleich ist, ob es ein Fleischesser oder ein Veganer war, der die Petition unterschrieben hat, die seine elenden Lebensbedingungen zumindest etwas erleichtern wird, dass der hungernde und kranke Hund in Serbien  dankbar jede Futterspende in seinem kargen Betonzwinger verzehrt, auch wenn sie vom Wähler einer legalen rechten Partei gespendet wurde, dass die staatlichen Subventionen für Tierheime gerne quer durch alle Parteien von ganz links bis ganz rechts gefordert werden dürfen und dass auch jemand mit Lederschuhen durchaus die Demo gegen Zirkustiere durch seine Stimme bereichern kann.

Bitte nicht missverstehen…was ich selbst politisch und ethisch lebe, …und das, was ich für „zielführend“ und akzeptabel in einer gemeinsamen Anstrengung für  Tierschutzpolitik als Ganzes, erachte, das sind zwei völlig verschiedene Paar Stiefel!

Das eine bin ich und meine Ideale. Das andere ist die Realität und die Notwendigkeit, zu handeln. Jeder, der mit beiden Beinen auf  dem Fundament des Grundgesetzes steht, und der seine Stimme, seine Kraft, seine Ressourcen für Tiere einsetzen möchte, sollte das auch dürfen und eine politische Heimat finden, die ansonsten nicht mit seinen individuellen politischen oder wirtschaftlichen Vorstellungen kollidiert. Beispiel: Nicht jeder, der für Tierrechte seine Stimme abgeben möchte, ist auch bereit, sie für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, abzugeben. Er wird sein Kreuzchen woanders setzen. Vielleicht würde es einer Partei gelingen, endlich die breite Basis zu finden, die etwas bewirken könnte, wenn man sich in einer Tierschutzpartei einzig auf Tiere und die Verbesserung deren Lebensbedingungen konzentriert.

Dass dies tatsächlich möglich ist, erlebe ich in unserem Verein jeden Tag aufs neue. Wer bei uns mitarbeitet, lässt Politik, Religion, Vorurteile, der lässt alles außen vor, was nicht direkt mit dem Projekt zu tun hat und konzentriert sich einzig auf die Tiere und wie man helfen kann. Bei meiner Arbeit, unter anderem auch für Tiere in Syrien, für Flüchtlinge und deren Haustiere, erhielt ich bisher nicht ein einziges Mal Gegenwind, keine rassistischen Kommentare, keine Hater Posts. Ich denke, weil unsere Neutralität einen Raum schafft, der das ermöglicht. Diesen Raum würde ich mir auch in der Politik wünschen.

Man kann, man muss für seine Werte und politischen Ideale einstehen…aber man muss es nicht immer zwingend in der Verbindung mit Tierschutz tun. Nur wenn eine Partei es irgendwann schaffen sollte, alle Tierfreunde/Tierschützer/Tierrechtler aus allen politischen Lagern gemeinsam ins Boot zu holen, dann würde sich etwas ändern. Dann wären die gebündelten Stimmen so laut und so einflussreich, dass sie nicht mehr ignoriert werden könnten.  Alle Tierquäler Lobbys, alle Politiker, die glauben, Tierschutz in den Gesetzen wäre verzichtbarer Luxus, sie können sich also weiterhin entspannt zurück lehnen. Denn so schnell wird das wohl nicht passieren.

Bettina Schneider

Siehe hierzu auch Artikel von Ulrich Dittmann „Beim Kampf um elementare Tierrechte endlich den ideologischen Schaum vom Mund abwischen“ vom 18. November 2014, in welchem Herr Dittmann schrieb: „Ernsthaft betriebener Tierschutz orientiert sich grundsätzlich weder an links noch an rechts, sondern immer nur am Geradeaus.“

Allein sind wir nur ein winziger Tropfen,
jedoch gemeinsam ein ganzer Ozean!

 

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3 Kommentare zu “Tierrechtler oder nur Tierfreund? Aus der richtigen Partei? Jede Stimme zählt!

  1. Vielen Dank an Bettina Schneider.
    Sie spricht aus, was auch ich denke.
    Genau so könnte es gehen.

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