Buch-Empfehlung: „Schweinebande! Der Fleischreport“

Ein ehemaliger Metzgermeister schreibt und berichtet über die Praktiken seiner Zunft

Wann hattest Du das letzte Mal Lust auf Wurst aus Gammelfleisch, gefärbt und stabilisiert mit Chemikalien? Ist schon länger her? Dann dürfte Dir das Buch „Schweinebande! Der Fleischreport“ gefallen, denn es liefert einen tiefen Blick in die widerwärtigen Geschäftspraktiken der Fleischindustrie.

Dies ist kein Buch über Ethik und Moral. Dafür sei er nicht zuständig, schreibt Autor Franz Josef Voll. Vielleicht ist das Buch gerade deshalb umso spannender – und ekelerregender. Denn hier geht es nicht etwa um „radikale“ Tierschützer, sondern um eine Industrie, die offenbar den gammeligsten Dreck zu Würsten verarbeitet und den Fleischessern in Deutschland auftischt. Geschrieben von einem langjährigen Insider, der die Tricks kennt und offenbar auch häufig selbst angewendet hat.

Als ehemaliger Metzgermeister ist der Autor Franz Josef Voll bestens mit den Machenschaften der Branche vertraut. Er berichtet von Metzgern, die noch die letzten Knochen aus der „Knochenecke“ nach Fleisch abkratzten. Die Gammelfleisch kräftig würzten und als „Cevapcici“ zu Wucherpreisen verkauften, statt es zu entsorgen. Er erklärt, wie die Industrie schließlich die Metzger dazu brachte, chemische Stabilisatoren zu verwenden, um Fleisch durch Wasser zu ersetzen. Und wie die Metzgereien schließlich dazu übergingen, selbst fast ausschließlich Industrieware zu verkaufen.

Heute gebe es fast keine Metzgerei mehr, die noch selbst produziere, so sein Fazit. Der „Metzger nebenan“ verkauft wahrscheinlich dieselbe Ware, wie die Fleischtheke im Supermarkt. Die Metzger-Zunft habe sich damit ihr eigenes Grab geschaufelt. Und die Industrie kann mit Chemie selbst Kot und Erbrochenes noch zu einigermaßen schmackhafter Wurst verwandeln.

Doch so ekelig die Hintergründe auch sind – das Buch ist spannend und fesselnd geschrieben und damit auch ein echter Lesetipp, nicht zuletzt auch deshalb, weil es einen als veganen Leser wieder einmal darin bestätigt, eine weise Ernährungs-Entscheidung getroffen zu haben. Und vielleicht auch deshalb, weil es einem so viel leichter fällt, die gelegentlichen, provokativen Kommentare seiner fleischessenden Mitmenschen wissend lächelnd zu ignorieren.

„Schweinebande! Der Fleischreport“ von Franz Josef Voll ist im Ludwig-Verlag erschienen und kostet in Deutschland 16,99 Euro.
Die ISBN lautet 9783453280878.

Quelle: wegpool.de

Rezension von Honeybal Lektor auf http://www.amazon.de

Franz Josef Voll gibt in seinem Erfahrungs – und Tatsachenbericht einen schonungslosen und mehr als erschreckenden Einblick in die Praktiken und Machenschaften der Lebensmittelindustrie und des Handels bei der Fleisch- und Wurstproduktion. Da der Autor selber vom Fach ist und über jahrzehntelange praktische Erfahrungen in verschiedensten Bereichen des Gewerbes verfügt, verleiht es seinen Ausführungen absolute Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit.

Der Autor beschreibt zunächst, wie er im Jahr 1969 seine Ausbildung zum Metzger begann, wie damals gearbeitet wurde und welche vergleichsweise harmlosen Tricks auch damals schon angewendet wurden, um die Gewinnmargen etwas zu erweitern.
Mitte der 1970er Jahre hielt schließlich die Industrie Einzug in die Lebensmittelherstellung und es begann ein sich immer mehr beschleunigender Prozess aus Kostensenkung, sinkenden Qualitätsstandards, Manipulationen und Trickser- und Betrügereien, bei denen nur noch materielle Gier im Zentrum des Handelns stand und steht und jeglicher moralischer und ethischer Kompass verloren gegangen ist – ohne Rücksicht auf Mensch und Tier.

Leidtragende sind das traditionelle Metzgerhandwerk, das immer mehr an Boden verlor und verliert und natürlich auch der Verbraucher, der aber durch sein extrem kurzsichtiges und naives Konsumverhalten selber einen maßgeblichen Beitrag zur Pervertierung einer ganzen Branche beigetragen hat und immer noch beiträgt.

Evident werden zudem eine Politik, die sich zum willigen Erfüllungsgehilfen der Großkonzerne macht, sowie eine bewusst zahnlos gehaltene Lebensmittelüberwachung und -kontrolle, die den technischen Entwicklungen meilenweit hinterherhinkt und sowohl fachlich als auch personell, technisch und organisatorisch im Kampf gegen international agierende Konzerne maßlos überfordert ist. Die mehr als großzügigen gesetzlichen Rahmen der Politik sowie die praktisch nicht existente effektive Überwachung der Konzerne ermöglicht es diesen, praktisch ohne Risiko auf legalem und illegalem Gebiet zu operieren und sprichwörtlich noch den letzten Dreck zur Produktion von Waren zu verwenden und die erwirtschafteten Gewinne weiter in die Höhe schnellen zu lassen.

Spannend und erschreckend zugleich sind auch die konkreten Einblicke, was mit den „richtigen“ Maschinen, Stabilisatoren, Aromen und dem entsprechenden Fleischabfall technisch alles möglich und machbar ist. Das geht oftmals weit jenseits der Vorstellungskraft und Zumutbarkeit und müsste im Grunde jeden Verbraucher auf die Barrikaden treiben, denn nur durch ein geändertes Konsumverhalten kann es letztlich gelingen, dieses Treiben zu stoppen und den Konzernen den Geldhahn abzudrehen. Dass nämlich eine Kontrolle durch Politik und Behörden erfolgen wird, oder sich die Konzerne freiwillig ethischen und moralischen Standards unterwerfen, ist und bleibt naives und fahrlässiges Wunschdenken.

Kurzum, ein absolut lesenswertes, oftmals schockierendes und hochgradig interessantes Buch, das einen erschreckenden und tiefen Einblick in die Machenschaften einer Branche bietet, die sich nur noch der Gewinnmaximierung verschrieben und jegliches Verantwortungsgefühl dabei schon längst verloren hat.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s